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Geschichtsbücher I

 

 

Die Geschichtsbücher

 

Das Buch Josua

[Israel wurde erst zu einem Volk mit dem „Landtag zu Sichem“ (Josua 24). Hier traf sich die kleine Gruppe, die aus Ägypten ausgezogen war, das Wunder am Meer erlebt hatte und am Berg Sinai den Bund mit Gott geschlossen hatte, mit den anderen Stämmen, die eher aus dem Ostjordanland eingewandert waren. Erst hier schlossen sich alle zwölf Stämme dem Glauben an den Gott Jahwe vom Sinai an und wurden dadurch zum „Volk Israel“, indem sie den Bund vom Sinai bestätigten.

Josua wird zum Teil auch „Joschua“ geschrieben.  Jesus von Nazareth hieß aramäisch also ebenfalls „Josua / Jeschua / Jehoschua“. Die Bibel stellt Josua als einen mutigen, unerschrockenen Führer dar, der den Verheißungen Jahwes völlig vertraute, sich von Gott leiten ließ und entschlossen war, ihm in Treue zu dienen. Er war Führer im Kampf gegen die Amalekiter. Damals wurde Josua von Moses zum Befehlshaber im Kampf gegen die Amalekiter eingesetzt. Unter seiner geschickten Führung und mit Gottes Hilfe besiegten die Israeliten den Feind.

Als Diener des Mose befand sich Josua später am Berg Sinai wahrscheinlich unter den 70 älteren Männern, die das Vorrecht hatten, in einer überwältigenden Vision Gottes Herrlichkeit zu sehen. Danach begleitete er Moses ein Stück weit den Berg Sinai hinauf, trat aber offenbar nicht mit ihm in die Wolke hinein, denn nur Moses wurde dazu aufgefordert. Josua und Moses blieben 40 Tage und 40 Nächte auf dem Berg Sinai. Als sie danach zusammen vom Berg hinabstiegen, hielt Josua den Schall des Gesangs der Israeliten, die ein Kalb anbeteten, irrtümlich für „Schlachtenlärm“. Zweifellos wurde er ebenso zornig wie Moses, als er das Goldene Kalb sah, und vielleicht half er sogar bei dessen Zerstörung mit.

Unter Gottes Leitung ermutigte Moses Josua und gab ihm bestimmte Richtlinien, die ihm helfen sollten, seine Aufgabe treu zu erfüllen. Als schließlich die Zeit seines Todes nahte, müßte er sich zusammen mit Josua in das Zelt der Zusammenkunft begeben. Dann setzte Gott Josua in sein Amt ein und bestätigte so die frühere Ernennung, die Moses durch Handauflegung vorgenommen hatte].

 

Vorbereitung für den Einzug ins gelobte Land:

Nach dem Tod des Mose, sprach der Herr zu Josua, dem Sohn Nuns: „Mein Diener Mose ist gestorben. So mach dich nun auf und zieh über den Jordan, du und dies ganze Volk, in das Land, das ich dem Volk Israel gegeben habe. Jede Stätte, auf die eure Fußsohlen treten werden, habe ich euch gegeben, wie ich es Mose versprochen habe. Von der Wüste bis zum Libanon und vom großen Strom Euphrat bis an das große Meer im Westen soll euer  Gebiet sein.

Es soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. Sei getrost und unverzagt, denn du sollst diesem Volk das Land zuteilen, das ich ihnen zum Erbe geben will, wie ich ihren Vorfahren geschworen habe!“

Weiter spricht er Josua Mut zu: „Sei nur getrost und ganz unverzagt, daß du hältst und tust in allen Dingen nach dem Gesetz, das dir Mose geboten hat. Weiche nicht davon, weder zur Rechten noch zur Linken, damit du es recht ausrichten kannst, wohin du auch gehst. Und laß dieses Buch des Gesetzes nicht aus deinem Gesichtskreis kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, damit du hältst und tust in allen Dingen nach dem, was darin geschrieben steht. Dann wird es dir auf deinen Wegen gelingen  und du wirst es recht ausrichten. Siehe, ich habe dir geboten, daß du getrost und unverzagt seist. Laß dir nicht grauen und entsetze dich nicht. Denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst!“

Da befahl Josua den Anführern des Volks: „Geht durch das Lager und gebietet dem Volk und sprecht: Schafft euch Vorrat, denn in drei Tagen werdet ihr hier über den Jordan gehen, daß ihr hineinkommt und das Land einnehmt, daß euch der Herr geben wird!“

Zu den Rubenitern, Gaditern und dem halben Stamm Manasse aber sprach Josua: „Eure Frauen und Kinder und Vieh laßt diesseits des Jordans bleiben. Eure streitbaren Männer sollen mit den anderen vom Volk mit hinüber ziehen und ihnen helfen,   bis der Herr sie auch zur Ruhe bringen wird wie euch, daß sie auch das Land einnehmen, das ihnen der Herr geben wird. Dann sollt ihr wieder umkehren in euer Land im Osten!“ Sie antworteten Josua: „Alles, was du uns geboten hast, das wollen wir tun, und wo du uns hin sendest, da wollen wir hingehen. Wie wir Mose gehorsam sind gewesen, so wollen wir dir auch gehorsam sein. Sei nur getrost und unverzagt! (Jos 1, am Schluß gekürzt)

[Hier wird ein Groß-Israel beschrieben, wie es in etwas nur zur Zeit des Königs David bestand. Es wird aber auch erklärt, weshalb ein Teil der Stämme im Ostjordanland blieb].

 

Die Kundschafter in Jericho:

Josua sandte hatte heimlich zwei Kundschafter aus und ihnen gesagt: „Geht hin, seht das Land an, auch Jericho!“ Die gingen hin und kamen in das Haus der Hure Rahab und kehrten dort ein. Da wurde dem König von Jericho gemeldet: „Es sind in dieser Nacht israelische Männer hereingekommen, um das Land zu erkunden!“

Da sandte der König von Jericho Boten zu Rahab und ließ ihr sagen: „Gib die Männer heraus, die zu dir in dein Haus gekommen sind, denn sie sind gekommen, das ganze Land zu erkunden!“ Aber die Frau verbarg die zwei Männer: Sie ließ sie auf das Dach steigen und versteckte sie unter den Flachsstengeln, die sie auf dem Dache ausgebreitet hatte.

Zu den Boten aber sprach sie: „Ja, es sind Männer zu mir hereingekommen, aber ich wußte nicht, woher sie waren. Aber als man die Tore zuschließen wollte,  gingen sie hinaus. Aber ich weiß nicht, wo sie hingegangen sind. Jagt ihnen nach, dann werdet ihr sie ergreifen!“

Die Männer jagten ihnen nach bis an die Furt am Jordan.

Ehe die Männer sich schlafen legten, stieg Rahab zu ihnen hinauf aufs Dach und sprach zu ihnen: „Ich weiß, daß der Herr euch das Land gegeben hat, denn ein Schrecken vor euch ist über uns gefallen, und alle Bewohner des Landes sind feig vor euch geworden. Denn wir haben gehört, wie der Herr das Wasser im Schilfmeer ausgetrocknet hat vor euch her, als ihr aus Ägypten auszogt, und was ihr den zwei Königen jenseits des Jordans getan habt, wie ihr an ihnen den Bann vollstreckt habt. Seit wir das gehört haben, ist unser Herz verzagt und es wagt keiner mehr vor euch zu atmen, denn der Herr, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf der Erde. So schwört mir nun bei dem Herrn, daß ihr barmherzig mit meiner Familie umgehen werdet, weil ich auch an euch Barmherzigkeit getan habe. Gebt mir ein sicheres Zeichen, daß ihr meinen Vater, meine Mutter, meine Brüder und meine Schwestern und alles, was sie haben leben laßt, und uns vom Tod errettet!“

 Die Männer sprachen zu ihr: „Wenn wir nicht Barmherzigkeit und Treue an dir üben, wenn uns der Herr das Land gibt, so wollen wir selbst tot sein, sofern du unsere Sache nicht verrätst“ Da ließ sie die Männer am Seil durchs Fenster nieder, denn ihr Haus war an der Stadtmauer. Und sie sprach zu ihnen: „Geht auf das Gebirge, daß euch eure Verfolger nicht begegnen, und verbergt euch dort drei Tage, bis die Verfolger wiederkommen. Danach geht eure Straße!“

Die Männer aber sprachen zu ihr: „Wir wollen den Eid so einlösen, den du uns hast schwören lassen. Wenn wir in das Land kommen, so sollst du dies rote Seil in das Fenster knüpfen, mit dem du uns herniedergelassen hast. Versammeln dann in deinem Haus deinen Vater, deine Mutter, deine Brüder und die ganze Familie deines Vaters. Wer aber aus Tür hinausgeht, der ist selbst daran schuld, wenn er umkommt, wir aber sind unschuldig. Doch das Blut aller, die in deinem Hause sind, komme auf uns, wenn Hand an sie gelegt wird. Doch wenn du etwas von dieser unsrer Abmachung verrätst, so sind wir den Eid los, den du uns hast schwören lassen!“

Sie sprach: „Es sei, wie ihr sagt!“ und ließ sie gehen. Und sie gingen weg. Sie aber knüpfte das rote Seil ins Fenster. Die Kundschafter aber gingen hin und kamen auf das Gebirge und blieben drei Tage dort. Dann kamen die Verfolger wieder zurück, die sie auf allen Straßen gesucht und doch nicht gefunden hatten. Da kehrten die zwei Männer wieder um und gingen vom Gebirge herab und setzten über den Fluß. Sie kamen zu Josua und erzählten ihm alles, wie ihnen begegnet war, und sprachen zu Josua: „Der Herr hat uns das ganze Land in unsre Hände gegeben. Und es sind auch alle Bewohner des Landes feig vor unserem Volk  geworden!“ (Jos 2).

 

Das Volk Israel geht durch den Jordan:

Josua machte sich früh auf und sie kamen an den Jordan, er und alle Israeliten, und blieben dort über Nacht, ehe sie hinüberzogen. Nach drei Tagen aber gingen die Anführer durchs Lager und befahlen dem Volk: „Wenn ihr die Bundeslade eures Gottes sehen werdet und wie die Priester aus dem Stamm Levi sie tragen, so brecht auf von eurem Ort und folgt ihr nach. Aber laßt zwischen euch und ihr Raum von etwa tausend Metern. Ihr sollt ihr nicht zu nahe kommen. Aber ihr müßt natürlich wissen, auf welchem Weg ihr gehen sollt, denn ihr seid den Weg ja bisher noch nicht gegangen!“

Dann sprach Josua zu dem Volk: „Macht euch bereit für Gott, denn morgen wir der Herr ein Wunder unter euch tun!“ Und zu den Priestern sprach er: „Hebt die Bundesladeauf und geht vor dem Volk her!“ Da hoben sie die Bundeslade auf und gingen vor dem Volk her. Der Herr sprach zu Josua: „Heute will ich anfangen, dich groß zu machen vor ganz Israel, damit sie wissen: Wie ich mit Mose gewesen bin, so bin ich auch mit dir. Gebiete den Priestern, die die Bundeslade tragen, und sprich: Wenn ihr kommt ins Wasser des Jordans kommt, so bleibt dort stehen!“

Zu den Israeliten sprach er: „Hört die Worte des Herrn, eures Gottes! Daran sollt ihr merken, daß ein lebendiger Gott unter euch ist, und daß er vor euch vertreiben wird die Kanaaniter, Hethiter, Heviter, Peresiter, Girgasiter, Amoriter und Jebusiter. Die Bundeslade des Herrschers über alle Welt wird vor euch her gehen. So nehmt nun zwölf Männer aus den Stämmen Israels, aus jedem Stamm einen. Wenn dann die Fußsohlen der Priester, die die Bundeslade tragen, im Jordan still stehen, dann wird das Wasser, das den Jordan herabfließt, nicht weiter laufen im Jordan, sondern stehen bleiben wie ein einziger Wall!“

Als nun das Volk aus seinen Zelten auszog, um durch den Jordan zu gehen, und als die Priester die Bundeslade vor dem Volk her trugen und an den Jordan kamen und ihre Füße vorn ins Wasser tauchten, da stand das Wasser, das von oben herabkam, wie ein einziger Wall. Aber das Wasser, das zum Salzmeer hinunterlief, das nahm ab und floß ganz weg. So ging das Volk gegenüber von Jericho durch den Jordan. Die Priester standen still im Trockenen mitten im Jordan. Und ganz Israel ging auf trockenem Boden durch den Jordan, bis das ganze Volk über den Jordan gekommen war (Jos 3).

 

 

 

Gedenksteine an den Durchzug:

Als nun das Volk ganz über den Jordan gegangen war, sprach der Herr zu Josua: „Nehmt euch zwölf Männer, aus jedem Stamm einen, und gebietet: Hebt mitten aus dem Jordan zwölf Steine auf von der Stelle, wo die Füße der Priester stillgestanden haben, und bringt sie mit euch hinüber, und legt sie in dem Lager nieder, wo ihr diese Nacht bleiben werdet!“.

Da rief Josua die zwölf Männer und sprach zu ihnen: „Geht vor der Bundeslade hinüber mitten in den Jordan hinein, und jeder hebe einen Stein auf seine Schulter entsprechend der Zahl der Stämme Israels, damit sie ein Zeichen seien unter euch. Wenn eure Kinder später einmal ihre Väter fragen werden und sprechen: Was tun diese Steine da? Dann sollt ihr ihnen sagen: Weil das Wasser des Jordan weggeflossen ist vor der Bundeslade, sollen diese Steine den Israeliten ein ewiges Andenken sein!“

Da taten die Israeliten, wie ihnen Josua geboten hatte, und trugen zwölf Steine mitten aus dem Jordan, wie der Herr zu Josua gesagt hatte, nach der Zahl der Stämme der Israeliten, und brachten sie mit sich hinüber in das Lager und legten sie dort nieder. Josua richtete dann zwölf Steine auf mitten im Jordan, wo die Füße der Priester mit der Bundeslade gestanden hatten. Sie sind noch dort bis auf den heutigen Tag.

Der Herr sprach zu Josua: „Gebiete den Priestern, die die Bundeslade tragen, daß sie aus dem Jordan heraufsteigen!“ Da gebot Josua den Priestern und sprach: „Steigt herauf aus dem Jordan!“

Als die Priester aus dem Jordan heraufstiegen und mit ihren Fußsohlen aufs Trockene traten, kam das Wasser des Jordan wieder an seine Stätte und floß wie zuvor an allen seinen Ufern.

Es war am zehnten Tag des ersten Monats, als das Volk aus dem Jordan heraufstieg. Sie lagerten sich in Gilgal, östlich der Stadt Jericho.

Die zwölf Steine, die sie aus dem Jordan genommen hatten, richtete Josua in Gilgal auf  und sprach zu den Israeliten: Wenn eure Kinder hernach ihre Väter fragen werden und sagen: Was sollen diese Steine? so sollt ihr es ihnen erzählen und sagen: Israel ging trocken durch den Jordan, als der Herr das Wasser des Jordan austrocknete vor uns, bis wir hinüber gegangen waren, so wie der Herr tat in dem Schilfmeer, das er vor uns austrocknete, bis wir hindurchgegangen waren, damit alle Völker auf Erden die Hand des Herrn erkennen, wie mächtig sie ist, und den Herrn, fürchten allezeit.

Als nun alle Könige der Amoriter, die jenseits des Jordan nach Westen zu wohnten, und alle Könige der Kanaaniter am Meer hörten, wie der Herr das Wasser des Jordans ausgetrocknet hatte vor den Israeliten, da verzagte ihr Herz, und es wagte keiner mehr zu atmen im Angesicht der Israeliten (Jos 4,1 - 5,1 (Wiederholungen gekürzt)[Hier liegen eindeutig zwei Überlieferungen vor. Das wird vor allem sichtbar bei den zwölf Steinen, die einmal mitten im Fluß aufgestellt werden und einmal im Ort Gilgal, wo ein frühes Heiligtum der Israeliten war.

Älter ist wohl die Überlieferung daß die Steine im Fluß standen und dort auch noch zu sehen waren. Das Motiv wurde aber dann benutzt, um für Gilgal eine Gründungsurkunde zu haben. Zu diesem Zweck hat man dann auch dort solche Steine gesetzt].

 

Feier des Passahfestes in Kanaan:

Zu der Zeit sprach der Herr zu Josua: „Mach dir steinerne Messer und beschneide die Israeliten wie schon früher!“ Da machte sich Josua steinerne Messer und beschnitt die Israeliten an der Vorhaut. Der Grund dafür war:  Alle Männer waren unterwegs in der Wüste gestorben,  denn die Israeliten wanderten vierzig Jahre in der Wüste. Aber deren Kinder beschnitt Josua nun.

Als die Israeliten in Gilgal das Lager aufgeschlagen hatten, hielten sie am Abend das Passahfest am vierzehnten Tage des Monats im Jordantal bei Jericho. Sie aßen vom Getreide des Landes am Tag nach dem Passah, nämlich ungesäuertes Brot und geröstete Körner. An diesem Tag hörte das Manna auf, weil sie jetzt das Getreide des Landes aßen.

Als Josua nahe bei Jericho war, hob er seine Augen auf und wurde gewahr, daß ein Mann ihm gegenüberstand und sein bloßes Schwert in seiner Hand hatte. Und Josua ging zu ihm und sprach zu ihm: „Gehörst du uns an oder unsern Feinden?“ Er sprach: „Nein, sondern ich bin ein Fürst über das Heer des Herrn und bin jetzt gekommen!“. Da fiel Josua auf sein Angesicht zur Erde und betete an und sprach zu ihm: „Was sagt mein Herr seinem Diener?“ Der Fürst über das Heer des Herrn sprach zu Josua: „Zieh deine Schuhe aus von deinen Füßen; denn die Stätte, darauf du stehst, ist heilig!“ Und Josua tat so (Jos 5,2-15, gekürzt).

 

Jericho wird erobert:

Jericho aber war verschlossen vor den Israeliten, so daß niemand heraus oder hinein kommen konnte. Aber der Herr sprach zu Josua: „Siehe, ich habe Jericho samt seinem König und seinen Kriegern in deine Hände gegeben. Laß alle Krieger einmal rings um die Stadt her gehen, und mache das sechs Tage so. Und laß sieben Priester sieben Posaunen tragen vor der Bundeslade her, und am siebten Tag geht siebenmal um die Stadt, und laß die Priester die Posaunen blasen.

Und wenn man die Posaune bläst und es lange tönt, daß ihr die Posaune hört, so soll das ganze Volk ein großes Feldgeschrei machen, so werden die Mauern der Stadt umfallen, und das Volk soll hinaufsteigen, ein jeder gerade vor sich hin!“

Da rief Josua die Priester und sprach zu ihnen: „Bringt die Bundeslade, und sieben Priester sollen sieben Posaunen tragen vor der Lade des Herrn!“ Zum Volk aber sprach er: „Geht hin und zieht um die Stadt. Die Krieger sollen vor der Lade des Herrn her gehen!“

Josua aber gebot dem Volk: „Ihr sollt kein Feldgeschrei machen noch eure Stimme hören lassen, noch soll ein Wort aus eurem Munde gehen bis auf den Tag, an dem ich zu euch sagen werde: Macht ein Feldgeschrei! Dann macht ein Feldgeschrei!“ So ließ er die Lade des Herrn einmal rings um die Stadt gehen. Dann kamen sie zurück in das Lager und blieben darin über Nacht.

Josua machte sich am Morgen früh auf, und die Priester trugen die Lade des Herrn und die sieben Priester trugen die sieben Posaunen vor der Lade des Herrn her und gingen und bliesen Posaunen. Die Krieger gingen vor ihnen her, und das Volk folgte der Lade des Herrn, und man blies die Posaunen. Am anderen Tag gingen sie wieder einmal um die Stadt herum und kamen wieder ins Lager. So taten sie es sechs Tage.

Am siebenten Tage aber, als die Morgenröte aufging, machten sie sich früh auf und gingen in derselben Weise siebenmal um die Stadt; nur an diesem Tag zogen sie siebenmal um die Stadt. Als beim siebtenmal die Priester die Posaunen bliesen, sprach Josua zum Volk: „Macht ein Feldgeschrei, denn der Herr hat euch die Stadt gegeben. Aber diese Stadt und alles, was darin ist, soll dem Bann des Herrn verfallen sein. Nur die Hure Rahab soll leben bleiben und alle, die mit ihr im Haus sind, denn sie hat die Boten versteckt, die wir aussandten. Aber hütet euch vor dem Verbannten, und laßt euch nicht verführen, etwas von dem Verbannten zu nehmen und das Lager Israels in Bann und Unglück zu bringen. Aber alles Silber und Gold samt dem kupfernen und eisernen Gerät soll dem Herrn geheiligt sein und zum Schatz des Herrn kommen!“

Da erhob das Volk ein Feldgeschrei, und man blies die Posaunen. Und als das Volk den Hall der Posaunen hörte, machte es erst recht ein großes Feldgeschrei. Da fiel die Mauer Jerichos um, und das Volk stieg zur Stadt hinauf, ein jeder direkt vor sich hin. So eroberten sie die Stadt und vollstreckten den Bann an allem, was in der Stadt war, mit der Schärfe des Schwerts: Mann und Frau, jung und alt, Rinder, Schafe und Esel.

Josua sprach zu den zwei Männern, die das Land ausgekundschaftet hatten: „Geht in das Haus der Hure und führt die Frau von dort heraus mit allem, was sie hat, wie ihr versprochen habt!“ Da gingen die Kundschafter hinein und führten Rahab heraus samt Vater und Mutter und Brüdern und allem, was sie hatte, und brachten sie außerhalb des Lagers Israels unter. Aber die Stadt verbrannten sie mit Feuer und alles, was darin war. Allein das Silber und Gold und kupferne und eiserne Geräte taten sie zum Schatz in das Haus des Herrn.

Zu der Zeit ließ Josua schwören: „Verflucht sei der Mann, der sich aufmacht und diese Stadt Jericho wieder aufbaut! Wenn er einen Grund legt, das koste ihn seinen erstgeborenen Sohn, wenn er ihre Tore setzt, das koste ihn seinen jüngsten Sohn!“ So war der Herr mit Josua, daß man ihn rühmte in allen Landen (Jos 6, leicht gekürzt)  [In Wirklichkeit hat das Volk Israel das Land nur langsam „erobert“. Es war mehr ein langsames und friedliches Einsickern der neuen Bewohner, die zuerst einmal die freien Flächen besiedelten. Erst später wurden einzelne Ereignisse verklärt als kriegerische Eroberungen].

 

Achans Diebstahl:

Aber einige Israeliten vergriffen sich doch an dem Verbannten. So nahm Achan vom Stamm Juda etwas von dem Verbannten. Da entbrannte der Zorn des Herrn über die Israeliten.

Und Josua sandte Männer von Jericho aus nach Ai, ein Ort vor Bethel, und sprach zu ihnen: „Geht hinauf und erkundet das Land!“ Als sie hinaufgegangen waren und Ai erkundet hatten, kamen sie zu Josua zurück und sprachen zu ihm: „Laß nicht alle Krieger hinaufziehen, sondern etwa zwei- oder dreitausend Mann sollen hinaufziehen und Ai schlagen. Es muß sich nicht das ganze Volk nach dort bemühen, denn sie sind nur wenige! So zogen etwa dreitausend Mann hinauf, aber sie flohen vor den Männern von Ai. Die Männer von Ai erschlugen sechsunddreißig Mann. Sie hatten sie nämlich von dem Tor bis zu den Steinbrüchen gejagt und am Abhang erschlagen. Da verzagte  das Herz des Volks und wurde zu Wasser.

Josua aber zerriß seine Gewänder und fiel auf sein Angesicht zur Erde vor der Lade des Herrn bis auf den Abend samt den Ältesten Israels, und sie warfen Staub auf ihre Häupter. Josua sprach: „Ach Herr, Herr, warum hast du dies Volk über den Jordan geführt und gibst uns in die Hände der Amoriter, um uns umzubringen? O, daß wir doch jenseits des Jordans geblieben wären! Ach, mein Herr, was soll ich sagen, nachdem Israel seinen Feinden den Rücken gekehrt hat? Wenn das die Kanaaniter und alle Einwohner des Landes hören, so werden sie uns umbringen und auch unsern Namen ausrotten von der Erde. Was willst du dann für deinen großen Namen tun?“

Da sprach der Herr zu Josua: „Stehe auf! Warum liegst du da auf deinem Angesicht? Israel hat sich versündigt, sie haben meinen Bund übertreten, den ich ihnen angeboten habe, und haben etwas von dem Verbannten genommen und gestohlen und es verheimlicht und zu ihren Geräten gelegt. Darum kann Israel nicht bestehen vor ihren Feinden, sondern müssen ihren Feinden den Rücken kehren, denn sie sind dem Bann verfallen. Ich werde hinfort nicht mit euch sein, wenn ihr nicht den Bann aus eurer Mitte tilgt. Stehe auf und heilige das Volk und sprich: Heiligt euch auf morgen. Denn so sagt der Herr Israels: Es ist Gebanntes in deiner Mitte, Israel. Darum kannst du nicht bestehen vor deinen Feinden, bis ihr das Gebannte von euch tut! Morgen früh soll ihr herzutreten, ein Stamm nach dem andern. Und welchen Stamm der Herr treffen wird, der soll herantreten, ein Stamm nach dem andern. Und welchen Stamm der Herr treffen wird, der soll herantreten, eine Familie nach der anderen. Welche Familie der Herr treffen wird, die soll herantreten, Mann für Mann. Und wer so mit dem Gebannten angetroffen wird, den soll man mit Feuer verbrennen mit allem, was er hat, weil er den Bund des Herrn übertreten und einen Frevel in Israel begangen hat!“

Da machte sich Josua früh am Morgen auf und ließ Israel antreten, einen Stamm nach dem andern. Da wurde der Stamm Juda getroffen. Als er nun immer mehr die Gruppen vereinzelte, wurde Achan getroffen aus dem Stamm Juda. Josua sprach zu Achan: „Mein Sohn, gib dem Herrn, dem Gott Israels, die Ehre und gib ihm die Ehre und sage mir an: Was hast du getan? Und leugne mir nicht!“

Da antwortete Achan dann doch: „Ja, ich habe mich versündigt an dem Herrn. So habe ich getan: Ich sah unter der Beute einen köstlichen babylonischen Mantel und tausend Gramm Silber und eine goldene Stange, zweihundertfünfzig Gramm schwer. Darauf war ich ganz scharf und ich nahm es. Es ist verscharrt in der Erde in meinem Zelt und das Silber darunter!“ Da sandte Josua Boten hin, die liefen zum Zelt, und siehe, es war verscharrt in seinem Zelt und das Silber darunter. Sie nahmen es aus dem Zelt und brachten es zu Josua und zu allen Israeliten und legten es vor den Herrn.

Da nahm Josua und das ganze  Volk Israel den Achan samt dem Silber, dem Mantel und der goldenen Stange, auch seine Söhne und Töchter, seine Ochsen und Esel und Schafe, sein Zelt und alles, was er hatte, und führten sie hinauf ins Tal Achor. Und Josua sprach: „Weil du uns betrübt hast, so betrübt dich der Herr an diesem Tag!“ Ganz Israel steinigte ihn und verbrannte sie mit Feuer. Und als sie sie gesteinigt hatten, machten sie über ihnen einen großen Steinhaufen. Der ist geblieben bis auf diesen Tag. So kehrte sich der Herr ab von seinem Zorn. Daher nennt man diesen Ort bis heute das „Tal Achor“ (= Unglückstal)(Jos 7).

 

Eroberung der Stadt Ai:

Der Herr sprach zu Josua: „Fürchte dich nicht und verzage nicht! Nimm mit dir alle Krieger und mache dich auf und zieh hinauf nach Ai! Siehe da, ich habe den König von Ai samt seinem Volk, seiner Stadt, und seinem Land in deine Hände gegeben. Du sollst mit Ai und seinem König tun, wie du mit Jericho und seinem König getan hast, nur daß ihr die Beute und ihr Vieh unter euch teilen sollt. Lege einen Hinterhalt hinter der Stadt!“

Josua erwählte dreißigtausend streitbare Männer und sandte sie aus bei Nacht und gebot ihnen und sprach: „Ihr sollt der Hinterhalt sein hinter der Stadt. Entfernt euch aber nicht allzuweit von der Stadt und seid immer alle bereit! Ich aber und die Krieger bei mir wollen uns nahe an die Stadt heranrücken. Und wenn sie uns entgegen ausziehen wie das erstemal, so wollen wir vor ihnen fliehen, damit sie uns nachjagen, bis wir sie von der Stadt weglocken. Denn sie werden denken, wir fliehen vor ihnen wie das erstemal. Und wenn wir vor ihnen fliehen, sollt ihr hervorbrechen aus dem Hinterhalt und die Stadt einnehmen, denn der Herr wird sie in eure Hände geben. Wenn ihr aber die Stadt eingenommen habt, so steckt sie an mit Feuer und tut nach dem Wort des Herrn. Seht, ich habe es euch geboten!“ So sandte Josua sie hin. Sie zogen in den Hinterhalt und lagerten westlich von Ai zwischen Bethel und Ai.

 

Josua aber blieb die Nacht unter dem Volk und machte sich früh am Morgen und ordnete das Volk und zog hinauf mit den Ältesten Israels vor dem Volk her. Auch alle Krieger zogen hinauf und kamen nahe an die Stadt und lagerten sich nördlich von Ai, so daß zwischen ihnen und Ai nur ein Tal war. Josua hatte aber auch ungefähr fünftausend Mann genommen und in den Hinterhalt gelegt westlich der Stadt zwischen Bethel und Ai.

Sie stellten das Volk nördlich vor der Stadt so auf, daß sein Ende reichte bis in den Westen der Stadt. Josua aber zog in dieser Nacht mitten in das Tal.

Als aber der König von Ai das sah, machten sich die Männer der Stadt mit allen Kriegern eilends früh auf und zogen heraus, an einen bestimmten Ort nach dem Jordantal zu, um Israel im Kampf zu begegnen, denn er wußte nicht, daß ihm ein Hinterhalt gelegt war hinter der Stadt. Josua aber und ganz Israel stellten sich, als würden sie von ihnen geschlagen und flohen auf dem Weg zur Wüste.    Da wurde das ganze Volk in der Stadt zusammen gerufen, um ihnen nachzujagen. Sie jagten Josua nach und wurden von der Stadt weggelockt, daß nicht ein Mann zurück blieb in Ai und Bethel, der nicht ausgezogen wäre; sie ließen die Stadt offen stehen und jagten Israel nach.

Da sprach der Herr zu Josua: „Strecke die Lanze in deiner Hand aus gegen die Stadt Ai, denn ich will sie in deine Hand geben!“ Und da Josua die Lanze in seiner Hand gegen die Stadt ausstreckte, da brach der Hinterhalt eilends auf aus seinem Ort, und sie liefen und kamen in die Stadt und gewannen sie und eilten und steckten sie mit Feuer an. Die Männer von Ai wandten sich und sahen hinter sich und sahen den Rauch der Stadt aufgehen zum Himmel und konnten nicht fliehen, weder hierhin noch dorthin, denn das Volk, das zur Wüste floh, kehrte um gegen die, die ihnen nachjagten.

Als Josua und das ganze Israel sahen, daß der Hinterhalt die Stadt eingenommen hatte, weil von der Stadt Rauch aufstieg, kehrten sie wieder um und schlugen die Männer von Ai. Auch die in der Stadt kamen auch heraus und kamen mitten unter Israel.  Und sie erschlugen sie, bis niemand unter ihnen übrigblieb noch entrinnen konnte. An diesen Tag fielen zwölftausend Leute aus Ai, Männer und Frauen.

Josua zog seine Hand mit der Lanze nicht eher zurück bis der Bann vollstreckt war an allen Einwohnern von Ai. Nur das Vieh und die Beute der Stadt teilte Israel aus unter sich nach dem Wort des Herrn, das er Josua geboten hatte. Josua brannte Ai nieder und machte es zu einem Schutthaufen für immer, der noch heute daliegt. Sie ergriffen den König zu Ai lebendig und brachten ihn zu Josua. Er ließ ihn an einen Baum hängen bis an den Abend. Als aber die Sonne untergegangen war, befahl er den Leichnam vom Baum zu nehmen. Sie warfen ihn unter das Stadttor und machten einen großen Steinhaufen über ihm, der bis auf diesen Tag da ist (Jos 8,1-29).

 

Josua baut einen Altar:

Da baute Josua dem Herrn einen Altar auf dem Berge Ebal und opferte dem Herrn darauf Brandopfer und Dankopfer und schrieb dort auf die Steine eine Abschrift des Gesetzes, das Mose vor den Augen der Israeliten geschrieben hatte. Ganz Israel mit seinen Ältesten und Amtleuten und Richtern stand zu beiden Seiten der Bundeslade, gegenüber den Priestern aus dem Stamm Levi, die die Bundeslade trugen, die Fremden sowohl wie die Einheimischen, die eine Hälfte zum Berg Garizim und die andere Hälfte zum Berge Ebal, wie Mose vormals geboten hatte, das Volk Israel zu segnen. Danach ließ er ausrufen alle Worte des Gesetzes, den Segen und Fluch, wie es geschrieben steht im Gesetzbuch. Es war kein Wort, das Mose geboten hatte, das Josua nicht hätte lassen ausrufen vor der ganzen Gemeinde Israel und vor den Frauen und Kindern und Fremden, die unter ihnen lebten (Jos 8,30-35).

Die List der Leute von Gibeon:

Als das alle Könige hörten, die jenseits des Jordans waren auf dem Gebirge und im Hügelland und an allen Ufern des großen Meers nach dem Libanongebirge, fanden sie sich zusammen, um einmütig gegen Josua und Israel zu kämpfen.  Aber die Bürger in Gibeon hörten, was Josua mit Jericho und Ai gemacht hatte. Da erdachten sie eine List, gingen hin und versahen sich mit Speise und nahmen alte Säcke auf ihre Esel und alte und geflickte Weinschläuche und alte und geflickte Schuhe an ihre Füße und zogen alte Gewänder an, und alles Brot, das sie nahmen, war hart und zerbröckelt.

Sie gingen zu Josua ins Lager nach Gilgal und sprachen zu ihm und den Männern Israels: „Wir kommen aus fernen Ländern, so macht einen Bund mit uns!“ Da sprach die Männer Israels zu dem Heviter: „Vielleicht wohnt ihr mitten unter uns, wie könnten wir dann einen Bund mit dir machen?“ Sie aber sprachen zu Josua: „Wir sind deine Diener!“

Josua sprach zu ihnen: „Wer seid ihr, und woher kommt ihr?“ Sie sprachen: „Deine Diener sind aus sehr fernen Landen gekommen wegen deinem Gott. Denn wir haben von ihm alles gehört, was er in Ägypten getan hat und den zwei Königen der Amoriter jenseits des Jordans. Darum sprachen unsere Ältesten und alle Bewohner unsers Landes: Nehmt Speise mit euch auf die Reise und geht hin, ihnen entgegen, und sprecht zu ihnen: Wir sind eure Diener. So schließt nun einen Bund mit uns. Dies unser Brot, das wir aus unsern Häusern zu unserer Speise mitnahmen, war noch frisch, als wir auszogen zu euch, nun aber  ist es hart und bröckelig. Und diese Weinschläuche füllten wir neu, und sie sind zerrissen. Und diese unsre Gewänder und Schuhe sind alt geworden wegen der sehr langen Reise!“

Da nahmen die Obersten von Israel die Speise der Fremden an und fragten nicht den Mund des Herrn. Josua machte Frieden mit ihnen und schloß einen Bund mit ihnen auf, daß sie leben bleiben sollten. Und die Obersten der Gemeinde schworen  es ihnen. Aber drei Tage nach dem Bundesschluß erfuhren sie, daß jene nahe aus ihrer Nähe wären  mitten unter ihnen wohnten. Denn als die Israeliten fortzogen, kamen sie am dritten Tag zu ihren Städten der Gibeoniter. Aber sie erschlugen sie nicht, weil ihnen die Obersten der Gemeinde geschworen hatten bei dem Gott Israels.

Als aber die ganze Gemeinde gegen die Obersten murrte, sprachen die Obersten zu der ganzen Gemeinde: „Wir haben ihnen geschworen bei dem Herrn, darum können wir sie nicht antasten. Aber das wollen wir tun: Laßt sie leben, daß nicht ein Zorn über uns komme wegen des Eides, den wir ihnen geschworen haben. Sie sollen Holzhauer und Wasserträger sein für sie ganze Gemeinde!“

Da rief Josua sie und redete mit ihnen und sprach: „Warum habt ihr uns betrogen und gesagt, ihr seid sehr ferne von uns, wo ihr doch mitten unter uns wohnt? Darum sollt ihr verflucht sein, und nicht aufhören, Sklaven zu sein, die Holz hauen und Wasser tragen zum Hause meines Gottes!“ Sie antworteten Josua: „Es wurde deinen Dienern gesagt, daß dein Gott befohlen habe, daß er euch das ganze Land geben und vor euch her alle Bewohner des Landes vertilgen wolle. Da fürchteten wir um unser Leben und haben das so gemacht. Nun aber sind wir in deinen Händen. Tue das mit uns, was dir gut und recht zu sein scheint!“

Josua machte es so und errettete sie von der Hand der Israeliten, daß sie sie nicht töteten. So machte sie Josua an diesem Tag zu Holzhauern und Wasserträgern für die Gemeinde und den Altar des Herrn bis auf diesen Tag, an der Stätte, die er erwählen würde (Jos 9).

 

 

Eroberung des südlichen Kanaan:

Als aber der König von Jerusalem, hörte daß Josua die Stadt Ai gewonnen und den Bann an ihm vollstreckt hatte, so wie er Jericho und seinem König getan hatte, und daß die zu Gibeon Frieden mit Israel gemacht hatten , da fürchtete er sich sehr, denn Gibeon war eine große Stadt wie eine der Königsstädte  und größer als Ai, und alle seine Bürger streitbare Männer. Deshalb sandte er Boten zu seinen Verbündeten und ließ ihnen sagen: „Kommt herauf zu mir und helft mir, daß wir Gibeon schlagen, denn es hat mit Josua und den Israeliten Frieden gemacht!“ Da kamen alle zusammen und zogen hinauf die fünf Könige der Amoriter mit allem ihrem Heerlager und belagerten Gibeon und stritten gegen es.

Aber die Leute von Gibeon sandten Boten zu Josua ins Lager nach Gilgal und ließen ihm sagen: „Zieh deine Hand nicht ab von deinen dienern. Komm eilend zu uns herauf, rette uns und hilf uns! Denn es haben sich gegen uns versammelt alle Könige der Amoriter, die auf dem Gebirge wohnen!“

Josua zog hinauf von Gilgal und alle Krieger mit ihm und alle streitbaren Männer. Und der Herr sprach zu Josua: „Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich habe sie in deine Hände gegeben. Niemand unter ihnen wird vor dir bestehen können!“ So kam Josua plötzlich über sie

Der Herr schreckte sie vor Israel, daß sie eine große Schlacht schlugen in Gibeon und jagten ihnen nach. Als sie vor Israel flohen auf dem Weg nach Beth- Horon, ließ der Herr einen großen Hagel auf sie fallen, daß sie starben. Es starben viel mehr von ihnen durch den Hagel, als die Israeliten mit dem Schwert töteten.

Damals redete Josua mit dem Herrn und sprach in Gegenwart Israels: „Sonne, stehe still zu Gibeon, und Mond stehe still im Tal Ajalon!“ Da standen die Sonne und der Mond still, bis sich das Volk an seinen Feinden gerächt hatte.  Es war kein Tag diesem gleich, weder zuvor noch danach, als der Herr der Stimme eines Mannes gehorchte, denn der Herr stritt für Israel. Josua aber zog wieder ins Lager gen Gilgal und das ganze Israel mit ihm. Aber die fünf Könige waren geflohen und hatten sich versteckt in die Höhle in Makkeda.

Da wurde Josua angesagt: „Wir haben die fünf Könige gefunden, verborgen in der Höhle zu Makkeda!“ Josua sprach: „So wälzt große Steine vor das Loch der Höhle und stellt Männer davor, die sie bewachen. Ihr aber bleibt nicht stehen, sondern jagt euren Feinde nach und faßt sie von hinten. Laßt sie nicht in ihre Städte entrinne, denn der Herr  hat sie in eure Hände gegeben!“

Als Josua und die Israeliten diese sehr große Schlacht vollendet hatten und sie ganz geschlagen war, da kam alles Volk wieder ins Lager zu Josua nach Makkeda mit Frieden, und wagte niemand gegen Israel seine Zunge zu regen.

Josua aber sprach: „Macht den Eingang der Höhle auf und bringt die fünf Könige zu mir!“ Sie taten das und brachten die fünf Könige zu ihm aus der Höhle. Dann rief Josua das ganze Israel und sprach zu den Obersten der Krieger, die mit ihm zogen: „Kommt her und setzt eure Füße auf die Nacken dieser Könige!“ Und sie kamen und setzten ihre Füße auf ihre Nacken!“

Und Josua sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht und erschreckt nicht, seid getrost und unverzagt, denn so wird der Herr allen euren Feinden tun, gegen die ihr kämpft!“  Josua schlug sie danach tot und hing sie an fünf Bäume, und sie hingen an den Bäumen bis zum Abend.

Als aber die Sonne war untergegangen, gebot er, daß man sie von den Bäumen nähme und in die Höhle werfe, in der sie sich verkrochen hatten. Und sie legten große Steine vor  den Eingang der Höhle Loch (die sind noch da bis auf diesen Tag).

Am selben Tag aber gewann Josua auch Makkeda und schlug es mit der Schärfe des Schwerts, dazu seinen König, und vollstreckte den Bann an der Stadt und ließ niemand übrigbleiben (Es folgen die Kämpfe gegen weitere Städte).

So schlug Josua das ganze Land auf dem Gebirge und im Süden und im Hügelland und an den Abhängen mit allen ihren Königen und ließ niemand übrig und vollstreckte den Bann an allem Lebendigen. Er schlug sie von Kadesch-Barnea an bis nach Gaza und das ganze Land Gosen bis nach Gibeon und gewann alle diese Könige mit ihrem Land auf einmal. Denn der Herr, der Gott Israels, stritt für Israel. Und Josua zog wieder ins Lager nach Gilgal mit dem ganzen Israel (Jos 10).

 

Eroberung des nördlichen Kanaan:

Als aber Jabin, der König zu Hazor, das hörte, versammelte er all seine Bundesgenossen. Diese zogen aus mit ihrem ganzen Heer,  so viel wie der Sand am Meer, und sehr viel Rosse und Wagen. Die Könige versammelten sich und kamen und lagerten sich gemeinsam am Wasser Merom, um mit Israel zu kämpfen. Und der Herr sprach zu Josua: „Fürchte dich nicht vor ih­nen! Denn morgen um diese Zeit will ich sie alle hingeben vor den Israeliten erschlagen geben; ihre Rosse sollst du lähmen und ihre Wagen mit Feuer verbrennen!“ Josua und alle Krieger überfielen sie plötzlich am Wasser Merom. Und der Herr gab sie in die Hände Israels, die jagten sie bis Sidon und schlugen sie, bis niemand unter ihnen übrigblieb.

Da tat ihnen Josua, wie der Herr ihm gesagt hatte, und lähmte ihre Rosse und verbrannte ihre Wagen und kehrte um zu dieser Zeit und eroberte Hazor und schlug seinen König mit dem Schwert, denn Hazor war vorher die Hauptstadt aller dieser Königreiche. Sie erschlugen alle, die darin waren, mit der Schärfe des Schwerts und vollstreckten den Bann, und nichts blieb übrig, das Atem hatte, und verbrannte Hazor mit Feuer.

Dazu gewann Josua alle Städte dieser Könige mit ihren Königen und schlug sie mit der Schärfe des Schwerts und vollstreckte an ihnen den Bann, wie Mose geboten hatte. Alle Beute dieser Städte und das Vieh teilten die Israeliten unter sich, aber alle Menschen schlugen sie mit der Schärfe des Schwerts.

So nahm Josua dies ganze Land ein, das Gebirge und alles, was im Süden liegt, und das Land Goschen und das Hügelland und das Jordantal und das Gebirge Israel mit seinem Hügelland

Er stritt aber eine lange Zeit mit diesen Königen. Es war aber keine Stadt, die sich mit Frieden ergab den Israeliten, ausgenommen die Heviter, die in Gibeon wohnten.

Zu der Zeit kam Josua und rottete die Enakiter aus auf dem Gebirge und vollstreckte an ihnen den Bann mit ihren Städten. Nur in Gaza, Gath und Asdod blieben Enakiter übrig. So nahm Josua alles Land ein, ganz so wie der Herr zu Mose geredet hatte, und gab es Israel zum Besitz, einem jeglichen Stamm seinen Teil. Und das Land  kam zur Ruhe vom Krieg [Es folgt jetzt eine Aufzählung der Könige des Landes, die die Israeliten schlugen und nahmen ihr Land ein jenseits des Jordans nach Osten vom Arnonfluß bis an den Berg Hermon und das ganze Jordantal im Osten] (Jos 11-12, zum Teil stark gekürzt).

 

Die Verteilung des Landes:

Als nun Josua alt war und wohl betagt, sprach der Herr zu ihm: „Du bist alt geworden und wohl betagt, und es bleibt noch sehr viel von dem Land einzunehmen (es folgt eine Aufzählung). Ich will sie alle vertreiben vor den Israeliten. Wirf nur das Los, um alles aufzuteilen unter Israel, wie ich dir geboten habe. eile dies Land zum Besitz unter die neun Stämme und unter den halben Stamm Manasse.

Denn die Rubeniter und Gaditer haben mit dem anderen halben Stamm Manasse schon ihr Erbteil empfangen, das ihnen Mose gab jenseits des Jordans (es folgt wieder eine Aufzählung)!“ Aber dem Stamm der Leviten gab er kein Erbteil, denn die Feueropfer für den Herrn sind ihre Aufgabe, er selbst ist ihr Erbteil, wie er zu ihnen geredet hat.

Jetzt folgt die Aufzählung der Gebiete für die einzelnen Stämme, zunächst das Ostjordanland, dann das Westjordanland. Kaleb,  der einst das Land ausgekundschaftet hatte, erhält Hebron als Erbteil. Dort wohnen die Enakiter in festen Städten. Aber er will sie vertreiben, wie der Herr geredet hat. Die Grenzen des Stammes Juda werden besonders genau beschrieben. In Jerusalem wohnten die Jebusiter. Die konnten die Judäer nicht vertreiben, deshalb blieben sie mit den Judäern in Jerusalem bis auf diesen Tag [Erst König David eroberte Jerusalem].

Auch das Gebiet des Stammes Joseph wird sehr genau beschrieben, unterteilt in den Stamm Manasse und den Stamm Ephraim. Weil die sich aber beschweren, sagt Josua zu ihnen: „Weil du so groß bist, sollst du nicht nur e i n Los haben, sondern das Gebirge soll dir gehören. Den Wald haue um, und er wird dein sein, soweit er reicht. Dann wirst du die Kanaaniter vertreiben, obwohl sie eiserne Wagen haben, denn du wirst mächtiger sein als sie!“

Es waren aber immer noch sieben Stämme der Israeliten, denen ihr Erbteil nicht ausgeteilt war. Josua sprach: „Wie lange seid ihr so lässig, daß ihr nicht hingeht, das Land einzunehmen, das euch der Herr, euer Väter Gott, gegeben hat? Nehmt euch aus jedem Stamm drei Männer, daß ich sie sende und sie sich aufmachen und durchs Land gehen. Teilt das Land in sieben Teile und schreibt sie auf und bringt sie zu mir hierher, so will ich euch das Los werfen hier vor dem Herrn!“

So gingen die Männer hin und durchzogen das Land und schrieben es auf in ein Buch, Stadt für Stadt, und kamen zu Josua ins Lager nach Silo. Da warf Josua das Los über sie zu Silo vor dem Herrn und teilte dort das Land auf unter die Israeliten. Der Stamm Benjamin erhält seinen Platz zwischen den Juda im Süden und Joseph im Norden (es folgt eine genauere Beschreibung). Dann wird auch das Erbteil der übrigen sechs Stämme verteilt.

Zum Schluß gaben die Israeliten Josua ein Erbteil. Sie gaben ihm nach dem Befehl des Herrn die Stadt  Thimnath-Serah auf dem Gebirge Ephraim, die er gefordert hatte. Er baute die Stadt auf und wohnte darin (Jos 13 - 19, sehr stark gekürzt).

 

Bestimmung von Freistädten:

Der Herr redete mit Josua und sprach: „Sage den Israeliten: Bestimmt unter euch Freistädte, von denen ich euch durch Mose gesagt habe. Dann kann dann ein Totschläger fliehen, der jemand aus Versehen und ohne Vorsatz erschlägt, daß sie eine Freistätte seien vor dem Bluträcher. Wer zu einer dieser Städte flieht, soll stehen draußen vor dem Stadttor und vor den Ältesten der Stadt seine Sache vortragen. Dann sollen sie ihn zu sich in die Stadt nehmen und ihm Raum geben, daß er bei ihnen wohne. Und wenn der Bluträcher ihm nachjagt, sollen sie den Totschläger nicht in seine Hände übergeben, weil er ohne Vorsatz seinen Mitmenschen erschlagen hat und ist ihm vorher nicht feind gewesen ist. So soll er in der Stadt wohnen, bis er vor der Gemeinde vor Gericht gestanden hat, und bis der Hohepriester gestorben ist, der in dieser Zeit im Amt ist. Dann darf der Totschläger wiederkommen in seine Stadt und in sein Haus, aus dem er geflohen ist!“ Da weihten sie Kedesch in Galiläa, Sichem auf dem Gebirge Ephraim, Hebron  auf dem Gebirge Juda und Bezer und Gilead im Ostjordanland (Jos 20, leicht gekürzt).

 

 

Wohnstätten der Leviten:

Da traten herzu die obersten Väter unter den Leviten zu den Priestern Eleasar und Josua und zu den obersten Vätern unter den Stämmen der Israeliten und redeten mit ihnen in Silo: „Der Herr hat uns geboten durch Mose, daß man uns Städte zum Wohnen geben soll  und Weideplätze für unser Vieh!“ Da gaben die Israeliten den Leviten von ihren Erbteilen etwas ab nach dem Befehl des Herrn (Es folgt die Aufzählung der Städte der Leviten).

So gab der Herr Israel alles Land, wie er ihren Vätern geschworen hatte, daß er es ihnen geben werde, und sie nahmen es ein und wohnten darin. Und der Herr gab ihnen Ruhe ringsumher, wie er ihren Vätern geschworen hatte, und keiner  ihrer Feinde stand gegen sie, sondern alle ihre Feinde gab er in ihre Hände. Es war nichts weggefallen von all dem gutenWort, das der Herr dem Hause Israel verheißen hatte (Jos 21).

 

Entlassung der Ostjordanstämme:

Da rief Josua die Rubeniter und Gaditer und den halben Stamm Manasse und sprach zu ihnen: „Ihr habt alles gehalten, was euch Mose geboten hat, und habt meiner Stimme gehorcht in allem, was ich euch geboten habe. Ihr habt eure Brüder die ganze Zeit bis auf diesen Tag nicht verlassen und habt festgehalten an dem Gebot des Herrn. Weil nun der Herr eure Brüder zur Ruhe gebracht hat, so ziehet hin zu euren Wohnstätten im Lande eures Erbes  jenseits des Jordans. Achtet aber nur darauf, daß ihr tut nach dem Gebot und Gesetz, das euch Mose geboten hat, daß ihr den Herrn liebt und euer Leben führt  auf allen seinen Wegen und seine Gebote haltet und ihm anhängt und ihm dient von ganzem Herzen und von ganzer Seele!“  So segnete sie Josua und ließ sie gehen.

So gingen sie zu ihren Wohnstätten. Als sie zu den Steinkreisen am Jordan kamen, bauten die Rubeniter, Gaditer und der halbe Stamm Manasse dort einen großen und ansehnlichen Altar. Als aber die Israeliten das hörten, versammelten sie sich mit der ganzen Gemeinde in Silo, um gegen sie zu Felde zu ziehen

Sie sandten zu ihnen den Priester Pinehas (den Sohn Eleasars) und mit ihm zehn oberste Fürsten, aus jedem Stamm Israels einen. Als diese zu ihnen kamen, redeten sie mit ihnen und sprachen: „So läßt euch die ganze Gemeinde des Herrn sagen: Wie versündigt ihr euch an dem Gott Israels, daß ihr euch heute abkehrt von dem Herrn und euch einen Altar baut und ihr abfallt von dem Herrn? Ihr wendet euch heute von dem Herrn weg. Heute lehnt ihr euch auf gegen den Herrn, morgen wird er über die ganze Gemeinde Israel zürnen. Haltet ihr das Land eures Erbes für unrein, dann kommt herüber in das Land, das dem Herrn gehört und wo die Wohnung des Herrn steht, und macht euch ansässig unter uns. Aber lehnt euch nicht auf gegen den Herrn und gegen uns, indem ihr euch einen Altar baut außer dem Altar des Herrn, unsers Gottes!“

Da antworteten die Kinder Ruben und die Kinder Gad und der halbe Stamm Manasse und sagten zu den Häuptern Israels: „Der starke Gott weiß es und so wisse es Israel auch: Wenn wir abfallen oder sündigen gegen den Herrn, so helfe er uns heute nicht! Wenn wir darum den Altar gebaut hätten, um uns von dem Herrn abzuwenden, so bestrafe uns Gott. Wir haben es vielmehr aus der Sorge herausgetan, eure Kinder könnten künftig zu unsern Kindern sagen:
‚Was geht euch der Herr, der Gott Israels, an? Der Herr hat den Jordan zur Grenze gesetzt zwischen uns und euch, den Rubeniten und Gaditen. Ihr  habt keinen Teil am Herrn‘. Damit würden eure Kinder unsre Kinder von der Furcht des Herrn abwenden.

 

Sie erläutern weiter: „Darum sprachen wir: Laßt uns einen Altar bauen, nicht zum Brandopfer noch zu andern Opfern, sondern daß er ein Zeuge sei zwischen uns und euch und unseren Nachkommen, daß wir dem Herrn dienen wollen mit unsern Opfern und eure Kinder heut oder morgen nicht sagen dürfen zu unsern Kindern: ‚Ihr habt keinen Teil an dem Herrn‘. Wir könnten sagen: ‚Seht wie der Altar des Herrn gebaut ist, den unsere Väter gemacht haben, nicht zum Brandopfer noch zu andern Opfern, sondern zum Zeugen zwischen uns und euch‘. Das sei ferne von uns, daß wir uns auflehnen gegen den Herrn und uns heute wollten von ihm abwenden und einen Altar bauen, außer dem Altar des Herrn, unsers Gottes, der vor seiner Wohnung steht!“

Als aber Pinehas, und die Obersten der Gemeinde diese Worte hörten, die die Rubeniten, Gaditer und Manasse sagten, gefielen sie ihnen wohl. Pinehas sprach zu ihnen: „Heute erkennen wir, daß der Herr unter uns ist, weil ihr euch nicht an dem Herrn versündigt habt mit dieser Tat. Nun habt ihr die Israeliten errettet aus der Hand des Herrn!“

Dann zogen Pinehas und die Obersten aus dem Lande Gilead wieder ins Land Kanaan zu den Israeliten und sagten es ihnen an. Das gefiel den Israeliten wohl, und sie lobten den Gott der Israeliten und sagten nicht mehr, daß sie gegen sie zu Felde ziehen wollten. Und die Rubeniten und die Gaditer nannten den Altar: „ Zeuge ist er zwischen uns, daß der Herr Gott ist!“ (Jos 22).

 

Josuas letzte Mahnung:

Nach langer Zeit, als der Herr hatte Israel zur Ruhe gebracht vor allen seinen Feinden umher und Josua nun alt und hoch betagt war, berief er das ganze Israel, ihre Ältesten, Häupter, Richter und Amtleute, und sprach zu ihnen: „Ich bin alt und hoch betagt, und ihr habt alles gesehen, was der Herr getan hat an allen diesen Völkern vor euch her. Denn der Herr, euer Gott, hat selber für euch gestritten. Seht, ich habe euch diese noch übrigen Völker durch das Los zugeteilt, einem jeden Stamm sein Erbteil, vom Jordan an bis zum großen Meer. So haltet nun fest daran, daß ihr haltet und tut alles, was geschrieben steht im Gesetzbuch des Mose, daß ihr nicht davon weicht, weder zur Rechten noch zur Linken, damit ihr euch nicht unter diese übrigen Völker vermengt, und nicht anruft noch schwört bei dem Namen ihrer Götter noch ihnen dient noch sie anbetet, sondern eurem Gott anhängt, wie ihr bis auf diesen Tag getan habt!“

Josua fährt fort: „Der Herr, euer Gott, streitet für euch, wie er zu euch geredet hat. Darum achtet mit Ernst darauf, daß ihr den Herrn liebhabt. Denn wenn ihr euch abwendet und diesen Völkern anhängt und euch mit ihnen verheiratet,  so wißt, daß der euer Gott nicht mehr alle diese Völker vor euch vertreiben wird, sondern sie werden euch zum Fallstrick und Netz und zur Geißel in euren Rücken werden und zum Stachel in eure Augen, bis ihr ausgerottet seid aus dem guten Land!“

Josua schließt mit den Worten: „Siehe, ich gehe heute dahin wie alle Welt, und ihr sollt wissen von ganzem Herzen und von ganzer Seele, daß nichts weggefallen ist von all dem Guten, das der Herr euch verheißen hat. Es ist alles gekommen und nichts ausgeblieben. Wie nun alles das gute Wort gekommen ist, das der Herr euch verheißen hat, so wird der Herr auch über euch kommen lassen all das böse Wort, bis er euch vertilge von diesem guten Land. Wenn ihr übertretet den Bund des Herrn und hingeht und andern Göttern dient und sie anbetet, so wird der Zorn des Herrn über euch entbrennen und ihr werdet bald ausgerottet sein aus dem guten Land, das er euch gegeben hat“ (Jos 23).

 

 

Versammlung in Sichem:

Josua versammelte alle Stämme Israels in Sichem und berief die Ältesten Israels, die Häupter, Richter und Amtleute. Und da sie vor Gott getreten waren, sprach er zum ganzen Volk: „So sagt der Herr, der Gott Israels: Eure Väter wohnten vorzeiten jenseits des Flusses Euphrat und dienten andern Göttern.

Da nahm ich euren Vater Abraham von jenseits des Euphrat  und ließ ihn wandern im ganzen Land Kanaan und vermehrte seine Familie und gab ihm Isaak. Isaak gab ich Jakob und Esau. Ich ließ Esau das Gebirge Seir besitzen. Jakob aber und seine Kinder zogen hinab nach Ägypten. Da sandte ich Mose und Aaron und plagte Ägypten.

Danach führte ich euch und eure Väter aus Ägypten. Und als ihr an das Meer kamt und die Ägypter euren Vätern nachjagten mit Wagen und Reitern ans Schilfmeer, da schrieen sie zum Herrn. Der setzte eine Finsternis zwischen euch und die Ägypter und führte das Meer über sie, und es bedeckte sie. Und eure Augen haben gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe. Und ihr habt gewohnt in der Wüste eine lange Zeit. Ich habe euch gebracht in das Land der Amoriter, die jenseits des Jordans wohnten. Als sie gegen euch stritten, gab ich sie in eure Hände, damit ihr deren Land besitzen konntet, und vertilgte sie vor euch her.

Als ihr über den Jordan gingt und nach Jericho kamt, stritten gegen euch die Bürger von Jericho, aber ich gab sie in eure Hände. Ich sandte Angst und Schrecken vor euch her, die trieben die zwei Könige der Amoriter vor euch her, nicht dein Schwert oder dein Bogen. Ich habe euch ein Land gegeben, um das ihr euch nicht gemüht habt, und Städte, die ihr nicht gebaut habt, und ihr eßt von Weinbergen und Ölbäumen, die ihr nicht gepflanzt habt.

So fürchtet nun den Herrn und dient ihm treu und rechtschaffen. Laßt fahren die Götter, denen eure Väter gedient haben jenseits des Euphrats und in Ägypten, und dient dem Herrn. Gefällt es euch aber nicht, dem Herrn zu dienen, so wählt heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter gedient haben jenseits des Euphrats oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und meine Familie wollen dem Herrn dienen.

Da antwortete das Volk und sprach: Das kommt nicht in Frage, daß wir den Herrn verlassen und andern Göttern dienen! Denn der Herr hat uns und unsere Vorfahren aus Ägypten herausgeführt, aus der Sklaverei, und hat vor unsern Augen solche große Zeichen getan und uns behütet auf dem ganzen Weg, den wir gezogen sind, und unter allen Völkern, durch die wir gezogen sind, und hat ausgestoßen vor uns her alle Völker der Amoriter, die im Land wohnten. Darum wollen wir auch dem Herrn dienen, denn er ist unser Gott.

Josua sprach zu dem Volk: „Ihr könnt dem Herrn nicht dienen, denn er ist ein heiliger Gott, ein eifernder Gott, der eure Übertretungen und Sünden nicht vergeben wird. Wenn ihr den Herrn verlaßt und fremden Göttern dient, so wird er sich abwenden und euch plagen und euch ausrotten, nachdem er euch Gutes getan hatte!“ Das Volk aber sprach zu Josua: „Nein, sondern wir wollen dem Herrn dienen!“ Da sprach Josua zum Volk: „Ihr seid Zeugen gegen euch selbst, daß ihr euch den Herrn erwählt habt, um ihm zu dienen!“ Und sie sprachen: „Ja!“ Josua fuhr fort: „So tut nun von euch die fremden Götter, die unter euch sind, und neigt euer Herz zu dem Herrn, dem Gott Israels!“ Das Volk sprach zu Josua: „Wir wollen dem Herrn, unserm Gott, dienen und seiner Stimme gehorchen!“

So schloß Josua an diesem Tag einen Bund mit dem Volk und legte ihnen in Sichem die Gesetze und Rechte des Bundes vor. Er schrieb alles ins Gesetzbuch Gottes und nahm einen großen Stein und richtete ihn dort unter einer Eiche auf, die bei dem Heiligtum des Herrn war.

Dann sprach er zum ganzen Volk: „Dieser Stein soll Zeuge sein unter uns, denn er hat gehört alle Worte des Herrn, die er mit uns geredet hat. Er soll ein Zeuge unter euch sein, daß ihr euren Gott nicht verleugnet!“ Dann ließ Josua das Volk gehen, einen jeden auf seinen Besitz.

Josua starb im Alter von hundertundzehn Jahren und man begrub ihn in der Grenze seines Besitzes. Israel diente dem Herrn, solange Josua lebte und die Ältesten, die alle die Werke des Herrn wußten, die er an Israel getan hatte. Die Gebeine Josephs, die die Israeliten hatten aus Ägypten mitgebracht hatten, begruben sie in Sichem in dem Stück Feld, das Jakob kaufte von den Einheimischen und das Besitz der Nachkommen Josephs war (Josua 24, am Schluß gekürzt).

 

 

 

 

 

 

Das Buch Richter

[Geschildert wird die Zeit nach der Landnahme (Buch Josua) bis kurz vor Beginn der Königszeit unter Saul (etwa 1050 Ch). In dieser Zeit wurde Israel durch Richter regiert. Die bekanntesten sind die Richterin Debora und die Richter Gideon und Simson (Samson) sowie Samuel, unter dem die Richterzeit endete und die Königszeit begann.

Nur die sogenannten kleinen Richter hatten eine überwiegend juristische Aufgabe. Die eigentlichen Richter aber hatten eine politisch-militärische Komponente. Von der Rechtsprechung berichtet das Buch nicht. Die verschiedenen Kapitel des Richterbuches handeln vielmehr in verschiedenen Teilen den Siedlungsraum der Stämme.

Die Erzählungen der sogenannten großen Richter Otniël, Ehud, Schamgar, Debora und Barak, Gideon, Abimelech, Tola, Jaïr, Jeftah, Ibzan, Elon, Abdon und Simson (Samson) folgen dem immer gleichen Kreislauf: Abfall Israels von Jahwe und Anbetung von Baal oder anderen kanaanäischen Göttern, Bedrohung und Unterdrückung durch Fremdvölker , Hilfeschrei zu Jahwe , Erweckung eines Richters (Retters) durch Jahwe, Rettung Israels durch den Richter, erneuter Abfall Israels von Jahwe. Die Betonung der Rettung Israels nur durch ihren Gott ist ein starker Hinweis auf einen Deuteronomisten als Redaktor des Buches.

Das Buch beginnt mit der Fortführung der geschichtlichen Erzählung über die Landnahme Israels, die direkt an die Erzählungen im Buch Josua anschließt.  Einige der Völker in den eroberten Gebieten können jedoch nicht ganz vernichtet werden, das Gebiet von Gaza bleibt von den Philistern besetzt. Gott droht, weil die Israeliten nicht die Bewohner des Landes vertrieben oder umbrachten und die Altäre der fremden Gottheiten niederrissen.

Der folgende Abschnitt über Josuas Tod gehört chronologisch an den Anfang des Buches, vor die Landnahme der einzelnen Stämme. Nachdem die ganze Generation Josuas, die mit ihm über den Jordan geschritten war, gestorben war, erinnerte sich Israel nicht mehr an die Taten Jahwes und diente anderen Göttern. Wegen der Verfehlungen des Volkes wird es große Not leiden müssen, dann wird Gott einen Richter schicken, um das Volk zu erlösen. Zeit seines Lebens wird dann Friede herrschen, danach verfällt das Volk wieder zu bösem Treiben. Es folgt eine kurze Liste der Völker, die nach der Landnahme weiterhin unter den Israeliten wohnten. Es folgen die Erzählungen der vierzehn wichtigsten Richter].

 

 

Kämpfe bei der Einwanderung:

Nach dem Tod Josuas fragten die Israeliten den Herrn und sprachen: „Wer soll unter uns zuerst hinaufziehen, Krieg zu führen gegen die Kanaaniter?“ Der Herr sprach: „Juda soll hinaufziehen. Siehe, ich habe das Land in seine Hand gegeben!“ Da sprach Juda zu seinem Bruder Simeon: „Zieh mit mir hinauf in mein Erbteil und laß uns gegen die Kanaaniter kämpfen, so will ich wieder mit dir ziehen in dein Erbteil!“ So zog Simeon mit ihm. Als nun Juda hinaufzog, gab der Herr die Kanaaniter und Pheresiter in ihre Hände, und sie schlugen zehntausend Mann. Als der König floh, sie jagten ihm nach, und als sie ihn ergriffen, hieben sie ihm die Daumen ab an seinen Händen und Füßen. Die Judäer kämpften auch gegen Jerusalem und gewannen es und schlugen es mit der Schärfe des Schwerts und zündeten die Stadt an [In Wirklichkeit hat erst David die Stadt erobert. In Vers 21 heißt es dann auch richtig: „Die Benjaminiter vertrieben die Jebusiter nicht, die zu Jerusalem wohnten, sondern die Jebusiter wohnten bei den Kindern Benjamin in Jerusalem bis auf diesen Tag] (Nun wird geschildert, wie Juda und die anderen Stämme ihr Gebiete erobern) (Ri 1, gekürzt).

 

Israels Untreue:

Als alle, die zur Zeit Josuas gelebt hatten, gestorben waren, kam nach ihnen eine andere Generation auf, die den Herrn nicht kannte noch sein Werke, die er an Israel getan hatte. Da taten die Israeliten übel vor dem Herrn und dienten den Baalen (= Götter der Kanaaniter) und verließen den Herrn, ihrer Väter Gott, der sie aus Ägyptenland geführt hatte, und folgten andern Göttern nach von den Göttern der Völker, die um sie her wohnten, und beteten sie an und erzürnten den Herrn.

Da ergrimmte der Zorn des Herrn über Israel und ergab sie in die Hand der Räuber und verkaufte sie in die Hände ihrer Feinde ringsumher. Und sie konnten nicht mehr ihren Feinden widerstehen, sondern sooft sie auszogen, da war des Herrn Hand gegen sie zum Unheil, wie der Herr ihnen gesagt und geschworen hatte. Sie wurden hart gedrängt. Und wenn dann der Herr Richter auferweckte, die ihnen halfen aus der Hand der Räuber, dann gehorchten sie den Richtern auch nicht, sondern liefen andern Göttern nach und beteten sie an und wichen bald von dem Weg, auf dem ihre Väter gegangen waren, als sie des Herrn Geboten gehorcht. Sie taten jedoch nicht wie diese.

Wenn aber der Herr ihnen Richter erweckte, so war der Herr mit dem Richter und half ihnen aus der Hand ihrer Feinde, solange der Richter lebte. Denn es jammerte den Herrn ihr Wehklagen über die, die sie unterdrückten und bedrängten. Wenn aber der Richter starb, so wandten sie sich ab und trieben es Ärger als ihre Väter, indem sie anderen Göttern folgten, um ihnen zu dienen und sie anzubeten. Sie ließen nicht von ihrem Tun ab noch von ihrem halsstarrigen Leben.

Darum entbrannte der Zorn des Herrn über Israel, daß er sprach: „Weil dies Volk meinen Bund übertreten hat, den ich ihren Vätern geboten habe, so will ich in Zukunft die Völker nicht vertreiben, die Josua  hat gelassen, als er starb, damit  ich Israel durch sie prüfe, ob sie auf dem Weg des Herrn bleiben und darauf gehen, wie ihre Väter auf dem Weg geblieben sind, oder nicht. So ließ der Herr diese Völker übrig, die er nicht in Josuas Hand übergeben hatte (Ri 2, Anfang gekürzt)(Es folgt eine Liste der Völker, mit denen die Israeliten zusammen wohnten und mit denen sie sich vermischten)(Ri 2,1 - 3,6).

 

 

 

 

Der Richter Othniel:

Die Israeliten taten übel vor dem Herrn und vergaßen ihren Gott, und dienten den Baalen und den Astarten. Da entbrannte der Zorn des Herrn über Israel, und er verkaufte sie an den des König von Mesopotamien, und dienten die Israeliten ihm acht Jahre.

Da schrieen die Israeliten zu dem Herrn, und der Herr erweckte ihnen einen Retter, der sie erlöste: Othniel, Kalebs jüngsten Bruder. Der Geist des Herrn kam auf ihn, und er wurde Richter in Israel und zog aus zum Kampf. Und der Herr gab den König von Mesopotamien in seine Hand. Da hatte das Land vierzig Jahre Ruhe, bis Othniel  starb (Ri 3,7-11).

 

Die Richter Ehud und Schamgar:

Aber die Israeliten taten wieder, was dem Herrn mißfiel. Da machte der Herr den König der Moabiter Eglon stark gegen Israel, weil sie taten, was dem Herrn mißfiel. Er sammelte zu sich die Ammonitern und die Amalekiter und zog hin und schlug Israel und nahm die Palmenstadt ein. Die Israeliten dienten Eglon achtzehn Jahre.

Da schrieen sie zu dem Herrn. Und der Herr erweckte ihnen einen Retter: den Benjaminiter Ehud, den Sohn Geras, der war linkshändig. Und als die Israeliten durch ihn Tribut an Eglon sandten, machte sich Ehud ein zweischneidiges Schwert, dreißig Zentimeter lang, und gürtete es unter sein Gewand auf seine rechte Hüfte. Er brachte den Tribut dem König der Moabiter. Eglon aber war ein sehr fetter Mann. Und als Ehud den Tribut hatte überantwortet, entließ er die Leute, die den Tribut getragen hatten,

Er selbst kehrte um bei den Steinbildern in Gilgal und ließ sagen: „König, ich habe dir heimlich etwas zu sagen!“ Der König gebot: „Hinaus!“ Da gingen alle hinaus, die um ihn standen.

Ehud kam zu ihm hinein. Der König saß oben in seinem kühlen Dachgarten, der für ihn allein bestimmt war. Ehud sprach: „Ich habe ein Wort Gottes an dich!“ Da stand er auf von seinem Thron. Ehud aber reckte seine linke Hand aus und nahm das Schwert von seiner rechten Hüfte und stieß es ihm in den Bauch, so daß außer der Schneide auch der Griff  hineinfuhr und das Fett die Schneide umschloß, denn er zog das Schwert nicht aus seinem Bauch.

Ehud ging zum Saal hinaus und machte die Tür des Dachgartens hinter sich zu und verschloß sie. Als er nun hinausgegangen war, kamen die Leute des Königs und sahen, daß die Tür verschlossen war. Sie sprachen: „Er ist vielleicht austreten gegangen in der Toilette am Dachgarten!“ Als sie aber so lange gewartet hatten und niemand die Tür des Dachgartens auftat, nahmen sie den Schlüssel und schlossen auf. Siehe, da lag ihr Herr tot auf der Erde.

Ehud aber war entronnen, während sie gewartet hatten, und ging an den Steinbildern vorüber und entkam bis nach Seira. Als er hineinkam, blies er die Posaune auf dem Gebirge Ephraim. Und die Israeliten zogen mit ihm vom Gebirge und er vor ihnen her. Er sprach zu ihnen: „Mir nach, denn der Herr hat euch die Moabiter in eure Hände gegeben!“ Und sie jagten ihm nach und besetzten die Furten am Jordan, die nach Moab gehen, und ließen niemand hinüber. Sie erschlugen die Moabiter zu der Zeit, etwa zehntausend Mann, alles starke und streitbare Männer, sodaß  auch nicht einer entrann. So wurden die Moabiter zu jener Zeit unter die Hand der Israeliten gedemütigt. Und das Land hatte achtzig Jahre Ruhe.

Nach Ehud kam Samgar, der Sohn Anaths. Der erschlug sechshundert Philister mit einem Ochsenstecken, und auch er errettete Israel (Ri 3,12-31).

 

 

Die Richterin Debora und Barak:

Als Ehud gestorben war, taten die Israeliten wieder, was dem Herrn mißfiel. Deshalb  verkaufte sie der Herr in die Hand Jabins, des Königs von Hazor, dessen Feldhauptmann Sisera war.  Die Israeliten schrieen zum Herrn, denn Jabin hatte neunhundert eiserne Wagen und unterdrückte die Israeliten mit Gewalt zwanzig Jahre lang. Zu der Zeit war Richterin in Israel die Prophetin Debora. Sie  hatte ihren Sitz unter einer Palme zwischen Rama und Bethel auf dem Gebirge Ephraim. Die Israeliten kamen zu ihr hinauf zum Gericht.

Debora ließ Barak rufen, den Sohn Abinoams, und ließ ihm sagen: „Hat dir nicht der Herr geboten: Geh hin und zieh auf den Berg Tabor und nimm zehntausend Mann mit dir aus den Stämmen Naphthali und Sebulon? Ich aber will dir Sisera mit seinen Wagen und mit seinem Heer zuführen an den Bach Kison und will ihn in deine Hände geben!“

Barak sprach zu Debora: „Wenn du mit mir ziehst, so will ich auch ziehen; ziehst du aber nicht mit mir, so will ich auch nicht ziehen!“ Sie sprach: „Ich will mit dir ziehen, aber der Ruhm wird nicht dein sein auf diesem Kriegszug, sondern der Herr wird Sisera in die Hand einer Frau übergeben!“

So machte sich Debora auf und zog mit Barak nach Kedesch. Da rief Barak die Stämme Sebulon und Naphthali nach Kedesch. Und es zogen hinauf mit ihm zehntausend Mann. Debora zog auch mit ihm. Da wurde Sisera angesagt, daß Barak auf den Berg Tabor gezogen wäre. Er rief alle seine Kriegswagen zusammen, neunhundert eiserne Wagen, und das ganze Volk, das mit ihm war, an den Bach Kison.

Debora aber sprach zu Barak: „Auf! Das ist der Tag, an dem dir der Herr den Sisera in deine Hand gegeben hat, denn der Herr ist ausgezogen vor dir her!“ So zog Barak von dem Berg Tabor herab und die zehntausend Mann ihm nach.

Aber der Herr erschreckte den Sisera samt allen seinen Wagen und seinem ganzem Heer. Sie erschraken alle vor der Schärfe von Baraks Schwert, so daß Sisera von seinem Wagen sprang und zu Fuß floh. Barak aber jagte den Wagen und dem Heer nach. Und das ganze Heer Siseras fiel vor der Schärfe des Schwerts, daß nicht einer übrigblieb.

Sisera aber floh zu Fuß in das Zelt  Jaels, der Frau des Keniters Heber. Denn der König Jabin von Hazor und die Familie des Keniters Heber lebten miteinander im Frieden. Jael aber ging heraus, Sisera entgegen, und sprach zu ihm: „Mein Herr, kehre ein bei mir und fürchte dich nicht!“ Sisera kehrte bei ihr ein in das Zelt, und sie deckte ihn mit einer Decke zu. Er aber sprach zu ihr: „Gib mir doch ein wenig Wasser zu trinken, denn ich habe Durst!“ Da öffnete sie den Schlauch mit Milch und gab ihm zu trinken und deckte ihn zu. Er sprach zu ihr: „Tritt in die Tür des Zelts, und wenn jemand kommt und fragt, ob jemand hier sei, so sprich: Niemand!“

Da nahm Jael einen Pflock von dem Zelt und einen Hammer in ihre Hand und ging leise zu ihm hinein und schlug ihm den Pflock durch seine Schläfe, daß er in die Erde drang. Er aber war ermattet in tiefen Schlaf gesunken. So starb er.

Als aber Barak Sisera nachjagte, ging Jael heraus, ihm entgegen, und sprach zu ihm: „Komm her, ich will dir den Mann zeigen, den du suchst!“ Und als er zu ihr hineinkam, lag Sisera tot, und der Pflock steckte in seiner Schläfe. So demütigte Gott zu der Zeit Jabin vor den Israeliten. Und die Hand der Israeliten legte sich  immer härter auf Jabin, bis sie ihn vernichteten (Ri 4). Es folgt ein Gedicht, das Deborahs Siegeslied sein soll (Ri 5)

 

 

 

 

Der Richter Gideon:

Das Land hatte vierzig Jahre Ruhe. Ab r als die Israeliten taten, was dem Herrn mißfiel, gab sie der Herr unter die Hand der Midianiter sieben Jahre. Aber als die Hand der Midianiter zu stark wurde über Israel, machten sich die Israeliten in den Bergen Schluchten zurecht und Höhlen und Festungen.

Immer wenn Israel etwas gesät hatte, kamen die Midianiter und Amalekiter und die aus dem Osten herauf über sie und lagerten sich gegen sie und vernichteten die Ernte auf dem Land bis hinan nach Gaza und ließen nichts übrig an Nahrung in Israel, weder Schafe noch Ochsen noch Esel. Denn sie kamen herauf mit ihrem Vieh und ihren Zelten wie eine große Menge Heuschrecken, so daß weder sie noch ihre Kamele zu zählen waren, und fielen ins Land, um es zu verderben.

So wurde Israel sehr schwach vor den Midianitern. Da schrieen die Israeliten zu dem Herrn. Als sie aber zu dem Herrn schrieen wegen der Midianiter, sandte der Herr einen Propheten zu ihnen, der sprach zu ihnen: „So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe euch aus Ägypten geführt und aus der Sklaverei gebracht und habe euch errettet von der Hand der Ägypter und von der Hand aller, die euch bedrängen, und habe sie vor euch her ausgestoßen und euch ihr Land gegeben und zu euch gesprochen: Ich bin der Herr, euer Gott! Ihr sollt nicht fürchten die Götter der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Aber ihr habt meiner Stimme nicht gehorcht!“

Der Bote Gottes kam und setzte sich unter eine Eiche bei Ophra, die Joas gehörte. Sein Sohn Gideon drosch Weizen in der Kelter, daß er ihn sichere vor den Midia­ni­tern, erschien ihm der Bote des Herrn und sprach zu ihm: „Der Herr sei mit dir, du streitbarer Held!“ Gideon aber sprach zu ihm: „Mein Herr, wenn der Herr mit uns ist, warum ist uns denn das alles widerfahren? Wo sind alle die Wunder, die uns unsere Väter erzählten und sprachen: Der Herr hat uns aus Ägypten geführt? Nun aber hat uns der Herr verstoßen und in die  Hände der Midianiter gegeben!“

Der Herr aber wandte sich zu ihm und sprach: „Geh hin in dieser deiner Kraft. Du sollst Israel erretten aus den Händen der Midianiter. Siehe, ich habe dich gesandt!“ Gideon aber sprach zu ihm: „Mein Herr, womit soll ich Israel erretten? Siehe, meine Sippe ist die geringste in Manasse, und ich bin der Jüngste in meines Vaters Haus!“ Der Herr aber sprach zu ihm: „Ich will mit dir sein, daß du die Midianiter schlagen sollst wie einen einzelnen Mann!“ Gideon aber sprach zu ihm: „Habe ich Gnade vor dir gefunden, so mache mir doch ein Zeichen, daß du es bist, der mit mir redet. Geh nicht fort, bis ich zu dir komme und bringe meine Gabe und lege sie vor dir hin!“ Er sprach: „Ich will bleiben bis daß du wiederkommst!“

Gideon ging hin und richtete ein Ziegenböcklein zu und ungesäuerte Brote und legte das Fleisch in eine Korb und tat die Brühe in einen Topf und brachte es zu ihm heraus unter die Eiche und trat herzu. Aber der Gottesbote sprach zu ihm: „Nimm das Fleisch und die Brote und lege es hin auf den Fels, und gieß die Brühe darüber!“ Gideon machte das.  Da streckte der Bote des Herrn den Stab aus, den er in der Hand hatte, und berührte mit der Spitze das Fleisch und die Brote. Da fuhr Feuer aus dem Fels und verzehrte das Fleisch und die Brote. Und der Gottesbote verschwand aus seinen Augen.

Als nun Gideon sah, daß es der Bote des Herrn war, sprach er: „Ach Herr, Herr! Habe ich wirklich den Gottesboten von Angesicht gesehen?“ Aber der Herr sprach zu ihm: „Friede sei mit dir! Fürchte dich nicht; du wirst nicht sterben!“ Da baute Gideon dort dem Herrn einen Altar und nannte ihn: „Der Herr ist der Friede“. Der steht noch bis auf diesen heutigen Tag in Ophra.

In derselben Nacht sprach der Herr zu ihm: Nimm einen jungen Stier unter den Stieren, die deinem Vaters gehören, und einen siebenjährigen Stier und zerbrich den Altar Baals, der deinem Vaters gehört, und haue das Ascherabild daneben um.

Dann baue dem Herrn oben auf der Höhe dieses Felsens einen Altar und rüste ihn zu und nimm den zweiten Stier und opfere ein Brandopfer mit dem Holz des Aschera­bildes, das du abgehauen hast!“ Da nahm Gideon zehn Männer von seinen Leuten und tat, wie ihm der Herr gesagt hatte. Aber er fürchtete sich, das vor seines Vaters Leuten und den Leuten in der Stadt am Tag zu tun, und tat es in der Nacht.

Als nun die Leute in der Stadt früh am Morgen aufstanden, da war der Altar Baals niedergerissen  und das Ascherabild daneben abgehauen und der andere Stier ein Brandopfer auf dem Altar, der gebaut war. Und einer sprach zu dem andern: „Wer hat das getan?“ Als sie suchten und nachfragten, wurde gesagt: „Gideon, der Sohn des Joas, hat das getan!“

Da sprachen die Leute der Stadt zu Joas: „Gib deinen Sohn heraus. Er muß sterben, weil er den Altar Baals niedergerissen und das Ascherabild abgehauen hat!“ Joas aber sprach zu allen, die bei ihm standen: „Wollt ihr für Baal streiten? Wollt ihr ihm helfen? Wer um für  ihn streitet, der soll noch an diesem Morgen sterben. Ist er ein Gott, so streite er für sich selbst, weil sein Altar niedergerissen  ist!“ Man nannte Gideon von dem Tag an „Jerubbaal“ (= Baal streite mit ihm), weil er seinen Altar niedergerissen hat.

 Als nun alle Midianiter und Amalekiter und die aus dem Osten sich versammelt hatten und sie herüber zogen und sich lagerten sich in der Ebene Jesreel, erfüllte der Geist des Herrn den Gideon. Er ließ die Posaune blasen und rief die Leute des Joas, daß sie ihm folgten, und sandte Botschaft an ganz Manasse und rief sie an, daß sie ihm auch nachfolgten. Er sandte auch Botschaft an Asser und Sebulon und Naphthali; die kamen herauf, ihm entgegen.

Gideon sprach zu Gott: „Willst du Israel durch meine Hand erretten, wie du geredet hast,  so will ich abgeschorene Wolle auf den Dreschplatz („Tenne“) legen. Wird der Tau allein auf der Wolle sein und der ganze Boden umher trocken, so will ich daran erkennen, daß du Israel durch meine Hand retten wirst, wie du geredet hast!“

Und so geschah es:  Als er am  anderen Morgen früh aufstand, drückte er den Tau aus der Wolle und füllte davon eine Schale voll mit Wasser. Gideon sprach zu Gott: „Dein Zorn ergrimme nicht gegen mich, daß ich noch einmal rede. Ich will es nur noch einmal versuchen mit der Wolle. Es sei allein auf der Wolle trocken und der Tau auf dem ganzen Boden!“ Und Gott machte es so in dieser Nacht, daß es allein auf der Wolle trocken war und Tau auf dem  ganzen Boden.

Da machte sich Gideon früh auf und alle Krieger und lagerten sich an einer Quelle, sodaß er das Heer der Midianiter nördlich von einem Hügel im Tal hatte. Der Herr aber sprach zu Gideon: „Zu zahlreich ist das Volks, das bei dir ist, als daß ich Midian in ihre Hände geben sollte. Israel könnte sich rühmen mir gegen und sagen: Meine Hand hat mich errettet! So laß nun ausrufen vor den Ohren des Volks und sagen: Wer ängstlich und verzagt ist, der kehre um!“ So sichtet Gideon sie. Da kehrten vom Kriegsvolk zweiundzwanzigtausend um, so daß nur zehntausend übrigblieben.

Der Herr sprach zu Gideon: „Das Volk ist immer noch zu zahlreich. Führe sie sie hinab ans Wasser, dort will ich sie dir prüfen. Und von wem ich dir sagen werde, daß er mit dir ziehen soll, der soll mit dir ziehen. Von wem ich aber sagen werde, daß er nicht mit dir ziehen soll, der soll nicht ziehen!“.

Gideon führte das Volk hinab ans Wasser. Der Herr sprach zu Gideon: „Wer mit seiner Zunge Wasser leckt wie ein Hund, den stelle besonders; ebenso wer niederkniet, um zu trinken!“ es waren dreihundert Mann, die geleckt hatten. Alles übrige Volk hatte kniend ge­trunken, aus der Hand in den Mund.

Der Herr sprach zu Gideon: „Durch die dreihundert, die geleckt haben, will ich euch erretten und die Midianiter in deine Hände geben. Alles übrige Volk laß alles gehen an seinen Ort!“

Sie nahmen die Verpflegung des Volks und ihre Posaunen an sich. Und der Herr sprach in derselben Nacht zu Gideon: „Stehe auf und gehe hinab zum Lager der Midianiter, denn ich habe es in deine Hände gegeben. Fürchtest du dich aber hinabzugehen, so laß deinen Diener Pura mit dir hinabgehen zum Lager, damit du hörst, was sie reden. Danach werden deine Hände stark sein, und du wirst hinab ziehen zum Lager!“ Da ging Gideon mit seinem Diener Pura hinab vorn an den Ort der Schildwache.

Die Midianiter und Amalekiter und alle aus dem  Osten hatten sich niedergelegt in der Ebene wie eine Menge Heuschrecken, und ihre Kamele waren nicht zu zählen vor der Menge wie der Sand am Ufer des Meers. Als nun Gideon kam, da erzählte ein Midianiter einem anderen einen Traum und sprach: „Ich träumte, ein Laib Gerstenbrot wälzte sich zum Heer der Midianiter. Er kam an das Zelt, stieß es um und kehrte das Oberste zu unterste, so daß das Zelt am Boden lag!“ Da antwortete der andere: „Das ist nichts anderes als das Schwert Gideons.  Gott hat die Midianiter in seine Hände gegeben mit dem ganzen Heer!“

Als Gideon diesen solchen Traum erzählen hörte und seine Auslegung, fiel er anbetend nieder und kam wieder ins Heer Israels und sprach: „Macht euch auf, denn der Herr hat das Heer der Midianiter in eure Hände gegeben!“ Er teilte die dreihundert Mann in drei Haufen und gab einem jeden eine Posaune in seine Hand und leere Krüge mit Fackeln darin und sprach zu ihnen: „Seht auf mich und tut ebenso wie ich, wenn ich nun an das Lager komme. Wenn ich die Posaune blase und alle, die mit mir sind, so sollt ihr auch die Posaune blasen rings ums das ganze Heerlager und sprechen: Für den Herr und für Gideon!“

So kamen Gideon und hundert Mann mit ihm an das Lager, zu Anfang der mittleren Nachtwache, als sie eben die Wächter aufgestellt hatten, und bliesen mit Posaunen und zerschlugen die Krüge in ihren Händen. Da bliesen alle drei Heerhaufen mit Posaunen und zerbrachen die Krüge. Sie hielten aber die Fackeln in ihrer linken Hand und die Posaunen in ihrer rechten Hand, und riefen: „Hier Schwert des Herrn und Gideons!“

Und sie blieben stehen, jeder an seiner Stelle,  rings um das Lager her. Da fing das ganze Heer der Midianiter an zu laufen und sie schrieen und flohen. Und während die dreihundert Mann die Posaunen bliesen, schaffte der Herr, daß sie im ganzen Heerlager das Schwert eines jeden gegen den andern war und das Heer floh.

Die Männer von Naphthali, von Asser und von ganz Manasse wurden zusammen gerufen und jagten den Midianitern nach. Gideon sandte Botschaft auf das ganze Gebirge Ephraim und ließ sagen: „Kommt herab, den Midianitern entgegen, und nehmt ihnen die Wasserstellen weg und auch den Jordan. Da eilten zusammen alle, die von Ephraim waren, und nahmen das Wasser weg. Gideons Männer fingen zwei Fürsten der Midianiter und erschlugen sie. Und sie jagten die Midianiter und brachten die Häupter der Midianiterfürsten zu Gideon über den Jordan.

Da sprachen die Männer von Ephraim zu Gideon: „Warum hast du uns das angetan, daß du uns nicht riefst, als du in den Kampf zogst gegen die Midianiter?“ Sie zankten heftig mit ihm. Er aber sprach zu ihnen: „Was habe ich jetzt getan, das eurer Tat gleich sei? Ist nicht die Nachlese Ephraims besser denn die ganze Weinernte der Leute des Joas? Gott hat die Fürsten der Midianiter in eure Hände gegeben. Was habe ich zu tun vermocht gegen das, was ihr getan habt?“ Als er so redete, ließ ihr Zorn von ihm ab.

Als nun Gideon an den Jordan kam, ging er hinüber mit den dreihundert Mann. Die waren müde und jagten den Feinden nach. Da bat er die Leute von Sukkoth: „Gebt doch dem Volk, das mir auf dem Fuße folgt, einige  Brote, denn sie sind müde und ich muß den Königen der Midianiter nachjagen.

Aber die Obersten in Sukkoth sprachen: „Sind die Fäuste der Könige der Midianiter schon in deinen Händen, daß wir deinem Heer Brot geben sollen?“  Gideon sprach: „Wohlan, wenn der Herr die Midianiterkönige in meine Hand gibt, will ich euer Fleisch mit Dornen aus der Wüste und mit Stacheln zerdreschen!“ Da zog er von da hinauf nach Pnuel und redete das Gleiche zu ihnen. Aber die Leute in Pnuel antworteten ihm gleich wie die in Sukkoth. Da sprach er zu den Leuten in Pnuel: „Komme ich heil wieder, so will ich diese Burg niederreißen!“

Als nun Gideon vom Kampf wiederkam, griff er sich einen Jungen aus den Leuten in Sukkoth und fragte ihn aus. Der schrieb ihm die Obersten in Sukkoth und ihre Ältesten auf, insgesamt siebenundsiebzig Mann. Dann kam Gideon kam zu den Leuten in Sukkoth und sprach: „Hier sind die Midianiterkönige, um deretwillen ihr mich verspottet habt und spracht: Ist denn ihre Faust schon in deinen Händen, daß wir deinen müden Leuten Brot geben sollen?“ Er nahm die Ältesten der Stadt und holte Dornen aus der Wüste und Stacheln und ließ es die Leute in Sukkoth fühlen. Auch die Burg Pnuels riß er nieder und erschlug die Leute der Stadt.

Dann sprach Gideon zu den Midianiterkönigen: „Wie waren die Männer, die ihr am  Berg Tabor erschlagen habt? Sie sprachen: „Sie waren wie du, jeder anzusehen wie ein Königssohn!“ Er aber sprach: „Es sind meine Brüder gewesen. So wahr der Herr lebt, wenn ihr sie am Leben gelassen hättet, würde ich euch nicht töten!“ Dann sprach er zu seinem erstgeborenen Sohn Jether: „Steh auf und töte sie!“ Aber der Junge zog sein Schwert nicht, denn er fürchtete sich, weil er noch so jung war. Die Midianiterkönige aber sprachen: „Steh du auf und mache dich an uns. Denn wie der Mann ist, ist auch seine Kraft!“ So stand Gideon auf und tötete die Midianiterkönige und nahm die kleinen Monde, die an den Hälsen ihrer Kamele waren.

 Da sprachen die Männer von Israel zu Gideon: „Sei Herrscher über uns, du und dein Sohn und deines Sohnes Sohn, weil du uns aus der Hand der Midianiter Hand errettet hast!“ Aber Gideon sprach zu ihnen: „Ich will nicht Herr sein über euch, sondern der Gott soll Herrscher über euch sein. Nur eins begehre ich von euch: Jeder gebe mir die Ringe, die er als Beute genommen hat!“

Sie sprachen: „Die wollen wir geben!“ Sie breiteten einen Mantel aus, und jeder warf die Ringe darauf, die er genommen hatte. Sie hatten ein Gewicht von  tausendsiebenhundert Gramm Gold, ohne die kleinen Monde und Ohrringe und Purpurkleider, die die Könige der Midianiter getragen hatten, und ohne die Spangen ihrer Kamele.

Gideon machte ein Priestergewand („ Ephod“) daraus und stellte ihn in seiner Stadt Ophra auf. Ganz Israel trieb dort mit ihm Abgötterei. So wurde er Gideon und seiner Familie zum Fallstrick. Dennoch hatte das Land vierzig Jahre Ruhe, solange Gideon lebte.

Gideon hatte siebzig Söhne, denn er hatte viele Frauen. Auch seine Nebenfrau, die er in Sichem hatte, gebar ihm einen Sohn, den nannte er „Abimelech“.  Gideon starb im hohen Alter und wurde begraben im Grab seines Vaters in Ophra.

Als aber Gideon gestorben war, wandten sich die Israeliten von Gott ab und liefen den Baalen nach und machten den Baal-Berith zu ihrem Gott. Die Israeliten dachten nicht mehr an den Herrn, der sie errettet hatte von der Hand aller ihrer Feinde ringsumher. Sie zeigten sich nicht dankbar gegenüber der Familie Gideons, für all das Gute, das er an Israel getan hatte (Ri 5,32- 8,35, am Schluß gekürzt).

 

 

 

 

 

 

Abimelelchs Königtum:

Gideon Sohn Abimelech ging hin nach Sichem zu den Brüdern seiner Mutter und redete mit ihnen und mit der ganzen Sippe und sprach: „Redet doch zu den Männern von Sichem: Was ist besser für euch, daß alle Kinder Gideons über euch Herrscher sind, oder daß ein Mann über euch der Herrscher ist? Denkt dabei auch daran, daß ich euer Knochen und Fleisch bin!“

Da redeten die Brüder seiner Mutter alle diese Worte zu den Männern von Sichem. Und ihr Herz neigte sich Abimelech zu, denn sie dachten: Er ist unser Bruder!

Und sie gaben ihm siebzig Silberstücke aus dem Tempel des Baal-Berith. Abimelech warb damit leichtfertige Männer an, die ihm nachfolgten. Er kam in das Haus seines Vaters nach Ophra und tötete seine siebzig Brüder auf einem Stein. Übrig blieb nur Jotham, der jüngste Sohn Gideons, denn er hatte sich versteckt. Dann versammelten sich alle Männer von Sichem und alle Bewohner von Millo und gingen hin und machten Abimelech zum König bei der Eiche am Steinmal in Sichem.

Als das dem Jotham gesagt wurde, ging er hin und stellte sich auf den Gipfel des Berges Garizim und hob seine Stimme auf und rief: „Hört mich, ihr Männer von Sichem, daß euch Gott auch höre!

Die Bäume gingen hin, daß sie einen König über sich krönten, und sprachen zu dem Ölbaum: Sei unser König! Aber der Ölbaum antwortete ihnen: Soll ich meine Fettigkeit lassen, die Götter und Menschen an mir preisen, und hingehen, um über den Bäumen zu schweben? Da sprachen die Bäume zum Feigenbaum: Komm du und sei unser König! Aber der Feigenbaum sprach zu ihnen: Soll ich meine Süßigkeit und meine gute Frucht lassen und hingehen, um über den Bäumen zu schweben? Da sprachen die Bäume zum Weinstock: Komm du und sei unser König! Aber der Weinstock sprach zu ihnen: Soll ich meinen Wein lassen, der Götter und Menschen fröhlich macht, und hingehen, um über den Bäumen zu schweben? Da sprachen die Bäume zum Dornbusch: Komm du und sei unser König! Aber der Dornbusch sprach zu den Bäumen: Ist es wahr, daß ihr mich zum König über euch salben wollt, so kommt und bergt euch unter meinen Schatten. Wenn nicht, so gehe Feuer vom Dornbusch aus und verzehre die Zedern Libanons.

Habt ihr nun recht und redlich getan, daß ihr Abimelech zum König gemacht habt. Habt ihr wohl getan an Gideon und seiner Familie und habt ihr ihm getan, wie er es verdient hat. Wenn ihr nun heute recht und redlich gehandelt habt an Gideon, so seid fröhlich über Abimelech  und er sei fröhlich über euch. Wenn nicht, so gehe Feuer aus von Abimelech und verzehre die Männer von Sichem und Millo, und es gehe auch Feuer aus von den Männern von  Sichem und Millo und verzehre Abimelech!“

Und Jotham floh vor seinem Bruder Abimelech und entwich und ging nach Beer und wohnte dort. Als nun Abimelech drei Jahre über Israel geherrscht hatte, sandte Gott einen bösen Geist zwischen Abimelech und die Männer in Sichem. Und die Männer von Sichem wurden Abimelech untreu, damit der Frevel an den siebzig Söhnen Gideons käme auf Abimelech und auf die Männer von Sichem, die ihm seine Hand dazu gestärkt hatten, daß er seine Brüder tötete.

Und die Männer von Sichem legten einen Hinterhalt auf den Höhen der Berge und beraubten alle, die auf der Straße an ihnen vorüber kamen. Das wurde Abimelech angesagt. Es kamen aber Gaal und seine Brüder und zogen in Sichem ein. Und die Männer von Sichem verließen sich auf ihn und zogen heraus aufs Feld und ernteten ihre Weinberge ab und kelterten und hielten ein Freudenfest und gingen in das Haus ihres Gottes und aßen und tranken und fluchten dem Abimelech.

 

Gaal sprach: „Wer ist Abimelech und wer ist dieser Mann aus Sichem, daß wir ihm dienen soll­ten? Ist er nicht Gideons Sohn und hat Sebul, seinen Vogt, hierher gesetzt? Dient den Leuten Hemors, des Vaters von Sichem! Warum sollten wir jenen dienen? Wollte Gott, das Volk wäre unter meiner Hand, so würde ich Abimelech vertreiben!“

Das wurde Abimelech gesagt: „Vermehre dein Heer und zieh in den Kampf!“ Als aber Sebul, der Stadthauptmann, die Worte Gaals hörte, entbrannte sein Zorn, und er sandte heimlich Botschaft an Abimelech und ließ ihm sagen: „Siehe, Gaal und seine Brüder sind nach Sichem gekommen und machen dir die Stadt aufrührerisch. So mache dich nun auf in der Nacht, du und dein Volk, und lege einen Hinterhalt im Feld. Und am Morgen, wenn die Sonne aufgeht, mache dich früh auf und überfalle die Stadt. Und wenn er und seine Leute zu dir hinausziehen, so tue mit ihm, wie du es vermagst!“

Abimelech stand in der Nacht auf und alles Volk, das bei ihm war, und sie legten einen Hinterhalt bei Sichem mit vier Heerhaufen. Auch Gaal zog heraus und trat vor das Stadttor. Abimelech aber machte sich auf aus dem Hinterhalt mit seinen Leuten.

Als Gaal das Volk sah, sprach er zu Sebul: „Siehe, da kommt Kriegsvolk von der Höhe des Gebirges hernieder!“ Sebul aber sprach zu ihm: „Du siehst die Schatten der Berge als Leute an. Ein Kriegsvolk kommt herab von Nabel der Erde [der Garizim galt als Mitte der Erdscheine], aber ein Heerhaufe kommt auf dem Weg von der Zaubereiche!“

Da sprach Sebul zu ihm: „Wo ist nun dein Maul, das da sagte: Wer ist Abimelech, daß wir ihm dienen sollten? Ist das nicht das Kriegsvolk, das du verachtet hast? Zieh nun hin und kämpfe mit ihm!“ Gaal zog aus an der Spitze der Männer von Sichem und kämpfte mit Abimelech. Aber Abimelech jagte ihn, daß er vor ihm floh und viele blieben erschlagen liegen bis an das Stadttor. Abimelech blieb in Aruma. Sebul aber verjagte den Gaal und seine Brüder, die zu Sichem nicht bleiben durften.

Am Morgen aber ging das Volk heraus aufs Feld. Als das Abimelech angesagt wurde, nahm er das Kriegsvolk und teilte es in drei Heerhaufen und legte einen Hinterhalt im Felde. Als er nun sah, daß das Volk aus der Stadt ging, erhob er sich gegen sie und erschlug sie.

Abimelech aber und der Heerhaufe, der bei ihm war, überfielen sie und stellten sich am Stadttor auf. Die beiden anderen Heerhaufen aber überfielen alle, die auf dem Feld waren, und erschlugen sie. So kämpfte Abimelech gegen die Stadt den ganzen Tag und eroberte sie und tötete das Volk, das darin war, und zerstörte die Stadt und säte Salz darauf.

Als das alle Männer der Burg in Sichem hörten, gingen sie in das Gewölbe des Tempels des Baal-Berith. Als das Abimelech hörte, ging er auf einen Berg mit seinem ganzen Kriegsvolk, das bei ihm war, und nahm eine Axt in seine Hand und hieb einen Ast vom Baum und legte ihn auf seine Schulter und sprach zu allem Volk, das mit ihm war: Was ihr mich tun seht, das beeilt euch auch zu tun!“ Da hieb jeder einen Ast ab und sie folgten Abimelech nach und legten die Äste auf das Gewölbe und steckten sie an, so daß auch alle in der Burg von Sichem starben, an die tausend Männer und Frauen.

Abimelech aber zog nach Tebez, belagerte und eroberte es. Es war aber eine starke Burg mitten in der Stadt. Auf den flohen alle Männer und Frauen und alle Bürger der Stadt und schlossen hinter sich zu und stiegen auf das Dach der Burg. Da kam Abimelech zum Turm und kämpfte gegen sie und näherte sich dem Burgtor, um es mit Feuer zu verbrennen. Aber eine Frau warf Abimelech einen Mühlstein auf den Kopf und zerbrach ihm den Schädel.

Da rief Abimelech eilend seinen Waffenträger und sprach zu ihm: „Zieh dein Schwert und töte mich, daß man nicht von mir sage: Ein Frau hat ihn getötet!“ Da durchstach ihn sein Diener und er starb. Als aber die Israeliten sahen, daß Abimelech tot war, ging jeder heim. So vergalt Gott dem Abimelech das Böse, das er an seinem Vater angetan hatte, als er seine siebzig Brüder tötete. Ebenso vergalt er auch alle bösen Taten der Männer von Sichem und es kam über sie der Fluch Jothams (Ri 9).

 

Die Richter Tola und Jair:

Nach Abimelech stand Tola auf, um Israel zu helfen. Er r wohnte auf dem Gebirge Ephraim und richtete Israel dreiundzwanzig Jahre und starb und wurde begraben. Nach ihm machte sich Jair aus Gilead auf und richtete Israel zweiundzwanzig Jahre. Der hatte dreißig Söhne, die auf dreißig Eselsfüllen ritten. Und sie hatten dreißig Städte, die hießen „Dörfer Jairs“ bis auf diesen Tag und liegen in Gilead. Und Jair starb und wurde begraben.

Aber die Israeliten taten wiederum, was dem Herrn mißfiel und dienten den Baalen und den Astarten und den Göttern von Syrien und von Sidon und den Göttern Moabs und der Ammoniter und der Philister und verließen den Herrn und dienten ihm nicht.

Da entbrannte der Zorn des Herrn über Israel, und er verkaufte sie unter die Hand der Philister und der Ammoniter. Diese zertraten und zerschlugen die Israeliten in dieser Zeit an die achtzehn Jahre, nämlich alle Israeliten jenseits des Jordans im Land der Amoriter. Dazu zogen die Ammoniter über den Jordan und kämpften gegen Juda, Benjamin und Ephraim, so daß Israel sehr geängstet wurde.

Da schrieen die Israeliten zu dem Herrn und sprachen: „Wir haben an dir gesündigt, denn wir haben unsern Gott verlassen und den Baalen gedient!“ Aber der Herr sprach zu den Israeliten: „Haben euch nicht auch unterdrückt die Ägypter, die Amoriter, die Ammoniter, die Philister,

die Sidonier, die Amalekiter und Maoniter? Aber ich half euch aus ihren Händen, als ihr zu mir schrieet? Dennoch habt ihr mich verlassen und anderen Göttern gedient. Darum will ich euch nicht mehr helfen. Geht hin und schreit zu den Göttern, die ihr erwählt habt. Laßt diese euch helfen in der Zeit eurer Bedrängnis!“

Aber die Israeliten sprachen zu dem Herrn: „Wir haben gesündigt, mache es mit uns, wie es dir gefällt, nur errette uns heute!“ Sie taten von sich die fremden Götter und dienten dem Herrn. Da jammerte ihn, daß Israel so geplagt wurde (Ri 10, 1-16).

 

Der  Richter Jephthah:

Die Ammoniter wurden aufgeboten und lagerten sich in Gilead. Auch die Israeliten versammelten sich und lagerten sich in Mizpa. Die Obersten des Volks in Gilead sprachen untereinander: „Wer ist der Mann, der anfängt zu kämpfen gegen die Ammoniter? Der soll das Haupt sein über alle, die in Gilead wohnen!“

Jephthah, ein Mann aus Gilead, war ein streitbarer Mann, aber das Kind einer Nebenfrau. Sein Vater war Gilead. Als aber die Frau Gileads ihm Kinder gebar und diese groß wurden, stießen sie Jephthah aus und sprachen zu ihm: „Du sollst nicht erben in unserer Familie, denn du bist der Sohn einer anderen Frau!“ Da floh er vor seinen Brüdern und wohnte im Lande Tob. Es sammelten sich bei ihm lose Leute und zogen aus mit ihm. Einige Zeit danach stritten die Ammoniter mit Israel.

Da gingen die Ältesten von Gilead hin, um Jephthah zu holen aus dem Land Tob und sprachen zu ihm: „Komm und sei unser Hauptmann, daß wir kämpfen gegen die Ammoniter!“.

Aber Jephthah sprach zu den Ältesten von Gilead: „Seid ihr es nicht, die mich hassen und aus meiner Familie ausgestoßen haben? Und nun kommt ihr zu mir, weil ihr in Bedrängnis seid?“

Die Ältesten von Gilead sprachen zu Jephthah: „Darum kommen wir nun wieder zu dir, daß du mit uns ziehst und hilfst uns zu kämpfen gegen die Ammoniter und unser Haupt seist über alle, die in Gilead wohnen!“

Jephthah sprach zu den Ältesten von Gilead: „Wenn ihr mich wieder holet, zu kämpfen gegen die Ammoniter, und der Herr sie mir in die Hand gibt, soll ich dann euer Haupt sein?“ Die Ältesten von Gilead sprachen zu Jephthah: „Der Herr sei Ohrenzeuge zwischen uns und strafe uns, wenn wir nicht tun, wie du gesagt hast!“ So ging Jephthah mit den Ältesten von Gilead. Und das Volk setzte ihn ein zum Haupt und Obersten über sich. Und Jephthah redete alles, was er zu sagen hatte, vor dem Herrn in Mizpa.

Dann sandte Jephthah eine Botschaft zum König der Ammoniter und ließ ihm sagen: „Was hast du mit mir zu schaffen, daß du zu mir kommst, um gegen mein Land zu streiten?“ Der König der Ammoniter antwortete den Boten Jephthahs: „Weil Israel mein Land genommen hat, als sie aus Ägypten zogen, vom Arnon an bis an den Jabbok und wieder bis zum Jordan. So gib es mir nun gutwillig wieder!“

Jephthah aber sandte noch mehr Boten zum König der Ammoniter, die sprachen zu ihm: „So spricht Jephthah: Israel hat kein Land genommen, weder den Moabitern noch den Ammonitern. Denn als sie aus Ägypten zogen, wanderte Israel durch die Wüste bis ans Schilfmeer und kam nach Kadesch! Da sandte Israel Boten zum König der Edomiter und sprach: Laß mich durch dein Land ziehen! Aber der König der Edomiter hörte nicht auf sie. Auch sandten sie zum König der Moabiter, aber der wollte auch nicht. So blieb Israel in Kadesch und wanderte in der Wüste. Und sie umgingen das Land der Edomiter und Moabiter und kamen von Osten her an das Land der Moabiter und lagerten sich jenseits des Arnon und kamen nicht ins Gebiet der Moabiter, denn der Arnon ist die Grenze der Moabiter!“

Weiter sagen die Boten: „Israel sandte Boten zu Sihon, dem König der Amoriter in Hesbon, und ließ ihm sagen: Laß uns durch dein Land ziehen bis an unseren Ort. Aber Sihon traute Israel nicht und ließ sie nicht durch sein Gebiet ziehen, sondern versammelte all sein Kriegsvolk und kämpfte mit Israel. Aber der Gott Israels gab den Sihon mit all seinem Volk in die Hände Israels, und sie erschlugen sie. So nahm Israel alles Land der Amoriter ein, vom Arnon an bis an den Jabbok und von der Wüste an bis an den Jordan. So hat nun Gott Israels die Amoriter vertrieben vor seinem Volk Israel!“

Und dann kommt die Frage: „Und du willst ihr Land einnehmen? Du solltest das Land derer einnehmen, die dein Gott Kemosch vertreibt, und uns einnehmen lassen das Land aller, die der Herr, unser Gott, vor uns vertrieben hat. Meinst du, daß du ein besseres Recht hättest als Balak, der König der Moabiter? Hat dieser auch je mit Israel gerechtet oder gekämpft, obwohl nun Israel dreihundert Jahre gewohnt hat in ihren Ortschaften und allen Städten, die am Arnon liegen? Warum habt ihr sie nicht mit Gewalt genommen in dieser Zeit? Ich habe mich nicht an dir versündigt, du aber tust Böses an mir, wenn du gegen mich kämpfst. Der Herr, der da Richter ist, richte heute zwischen Israel und Ammonitern!“

Aber der König der Ammoniter hörte die Rede Jephthahs nicht, die er zu ihm sandte. Da kam der Geist des Herrn auf Jephthah, und er zog durch Gilead und Manasse und von Mizpa gegen die Ammoniter. Jephthah gelobte dem Herrn ein Gelübde: „Gibst du die Ammoniter in meine Hand, so soll dem Herrn sein, was mir aus meiner Haustür heraus entgegengeht, wenn ich heil von Ammonitern wiederkomme: Ich will es als Brandopfer darbringen!“

 So zog Jephthah gegen die Ammoniter los, um gegen sie kämpfen. Und der Herr gab sie in seine Hände, und er schlug zwanzig Städte. So wurden die Ammoniter gedemütigt vor den Israeliten.

Als nun Jephthah nach Mizpa kam zu seinem Hause, da ging seine Tochter heraus ihm entgegen mit Pauken und Reigen. Sie war sein einziges Kind, und er hatte sonst keinen Sohn noch Tochter. Als er sie sah, zerriß er seine Kleider und sprach: „Ach, meine Tochter, wie beugst du mich und betrübst mich! Denn ich habe meinen Mund aufgetan gegen den Herrn und kann es nicht widerrufen!“

Sie aber sprach: „Mein Vater, hast du deinen Mund aufgetan vor dem Herrn, so tue mit mir, wie es dein Mund geredet hat, nachdem der Herr dich gerächt hat an deinen Feinden. Du wollest mir nur das gewähren: Laß mir zwei Monate, daß ich hingehe auf die Berge und meine Jugend beweine mit meinen Freundinnen!“

Er sprach: „Geh hin!“ Er ließ sie zwei Monate gehen. Da ging sie hin mit ihren Freundinnen und beweinte ihre Jugend auf den Bergen. Nach zwei Monaten kam sie wieder zu ihrem Vater. Und er tat ihr, wie er gelobt hatte. So entstand die Gewohnheit in Israel, daß die Töchter Israel jährlich hingehen, zu klagen um die Tochter Jephthahs, vier Tage im Jahr.

Eines Tages wurden die Männer von Ephraim aufgeboten und gingen nordwärts und sprachen zu Jephthah: „Warum bist du in den Kampf gezogen gegen die Ammoniter und hast uns nicht gerufen, daß wir mit dir zögen? Wir wollen dein Haus mit dir im Feuer verbrennen“ Jephthah sprach zu ihnen: „Ich und mein Volk hatten einen harten Kampf mit den Ammonitern, und ich rief euch an, aber ihr halft mir nicht aus ihren Händen. Als ich nun sah, daß ihr nicht helfen wolltet, wagte ich mein Leben daran und zog hin gegen die Ammoniter, und der Herr gab sie in meine Hand. Warum kommt ihr nun zu mir herauf, um mit mir zu kämpfen?“

Jephthah sammelte alle Männer in Gilead und kämpfte gegen Ephraim. Und die Männer von Gilead schlugen Ephraim, weil sie gesagt hatten: „Ihr seid doch nur Flüchtlinge aus Ephraim“ (denn Gilead liegt mitten in Ephraim und Manasse). Die Gileaditer  besetzten die Furten des Jordan. Wenn nun einer von den „Flücht­­­lingen Ephraims“ sprach und bat: „Laß mich hinübergehen!“ dann sprachen die Männer von Gilead zu Ihm: „Bist du ein Ephraimiter?“ Wenn er dann mit Nein antwortete, ließen sie ihn das  „Schiboleth“ sprechen. Wenn er  aber „Siboleth“ sprach, weil er es nicht richtig aussprechen konnte, dann ergriffen sie ihn schlugen ihn an den Furten des Jordan, so daß zu der Zeit zweiundvierzigtausend von Ephraim fielen. Jephthah aber richtete Israel sechs Jahre. Dann starb er und wurde begraben in seiner Stadt in Gilead (Ri 11,17  - 12,7).

 

Die Richter Ibzan, Elon und Abdon:

Nach Jephthah richtete Ibzan von Bethlehem das Volk Israel. Der hatte dreißig Söhne. Seine dreißig Töchter gab er nach auswärts, und dreißig Töchter nahm er von außen für seine Söhne. Er  richtete Israel sieben Jahre und starb und wurde begraben in Bethlehem. Nach diesem richtete Elon aus dem Stamm Sebulon zehn Jahre das Volk Israel. Als er starb wurde er begraben in Ajalon im Land Sebulon. Nach diesem richtete Abdon das Volk Israel. Der hatte vierzig Söhne und dreißig Enkel, die auf siebzig Eselsfüllen ritten. Er richtete Israel acht Jahre und starb und wurde begraben im Lande Ephraim auf dem Gebirge der Amalekiter (Ri 12,8-15).

 

Der Richter Simson: Geburt:

Die Israeliten taten wieder, was dem Herrn mißfiel. Und der Herr gab sie vierzig Jahre in die Hände der Philister. Es war aber ein Mann in Zora von einer Sippe aus dem Stamm Dan. Seine Frau war unfruchtbar und gebar nicht. Aber der Bote Gottes  erschien der Frau und sprach zu ihr: „Du bist unfruchtbar, aber du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. So hüte dich nun, Wein oder starkes Getränk zu trinken und nichts Unreines zu essen!“

Weiter sprach der Bote: „Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem kein Schermesser aufs Haupt kommen soll. Denn der Sohn wird ein Geweihter Gottes sein von Mutterleibe an. Er wird anfangen, Israel zu erretten aus der Hand der Philister!“

Da sagte die Frau es ihrem Mann und sprach: „Es kam ein Mann Gottes zu mir. Er war so schrecklich anzusehen, daß ich ihn nicht fragte, woher oder wohin, und er sagte mir nicht, wie er hieß. Er sprach aber zu mir: Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. So trinke nun keinen Wein und kein starkes Getränk und iß nichts Unreines, denn der Junge soll ein Geweihter Gottes sein von Mutterleibe an bis an seinen Tod!“

Da bat der Mann den Herrn: „Ach Herr, laß den Mann Gottes wieder zu uns kommen, daß er uns lehre, was wir mit dem Jungen tun sollen, der geboren werden soll!“ Gott erhörte die Stimme des Mannes und der Bote kam wieder zu der Frau. Sie saß auf dem Feld, und ihr Mann war nicht bei ihr. Da lief sie eilend und sagte es ihrem Mann und sprach zu ihm: „Siehe, der Mann ist mir wieder erschienen, der heute nacht zu mir kam!“

Ihr Mann machte sich auf und ging seiner Frau nach und kam zu dem fremden Mann und sprach zu ihm: „Bist du der Mann, der mit meiner Frau geredet hat?“ Er sprach: Ja!“ Da sprach der künftige Vater: „Wenn nun kommen wird, was du geredet hast, wie sollen wir es mit dem Jungen halten und tun?“ Der Gottesbote sprach: „Vor allem, was ich der Frau gesagt habe, soll sie sich hüten. Sie soll nicht essen, was aus dem Weinstock kommt, und soll keinen Wein noch starkes Getränk trinken und nichts Unreines essen. Alles, was ich ihr geboten habe, soll sie einhalten!“

Der Mann sprach zu dem Gottesboten: „Wir möchten dich gern hier behalten und dir ein Ziegenböcklein zurichten!! Aber der Bote antwortete: „Wenn du mich auch hier hältst, so esse ich doch von deiner Speise nicht. Willst du aber dem Herrn ein Brandopfer bringen, so magst du es opfern!“ Denn der Mann wußte nicht, daß es der Engel des Herrn war.

Der Mann sprach zu dem Gottesboten: „Wie heißt du? Denn wir wollen dich ehren, wenn nun eintrifft, was du geredet hast!“ Aber der Gottesbote sprach zu ihm: „Warum fragst du nach meinem Namen, der doch geheimnisvoll ist?“ Da nahm der Mann ein Ziegenböcklein und Speisopfer und brachte es auf einem Felsen dem Herrn dar. Sie sahen beide zu. Als die Flamme aufloderte vom Altar in den Himmel, fuhr der Gottesbote in der Flamme des Altars mit hinauf. Als das der Mann und die Frau sahen, fielen sie zur Erde auf ihr Angesicht.

Aber der Gottesbote erschien nicht mehr. Da erkannte der Mann, daß es der Gottesbote war, und sprach zu seiner Frau. „Wir müssen des Todes sterben, weil wir Gott gesehen haben!“  Aber seine Frau antwortete ihm: „Wenn der Herr uns hätte töten wollen, dann hätte er das Brandopfer und Speisopfer nicht genommen von unsern Händen. Er hätte uns auch das alles nicht gezeigt noch uns das hören lassen, wie es jetzt geschehen ist!“ Die Frau gebar einen Sohn und hieß ihn Simson. Der Knabe wuchs heran, und der Herr segnete ihn. Und der Geist des Herrn fing an, ihn umzutreiben im Lager (Ri 13).

 

Der Richter Simson: Hochzeit:

Simson ging hinab nach Timna und sah dort ein Mädchen unter den Töchtern der Philister. Als er wieder heraufkam, sagte er es seinem Vater und seiner Mutter und sprach: „Ich habe ein Mädchen gesehen in Timna, gebt mir sie zur Frau!“

 

 

Sein Vater und sein Mutter sprachen zu ihm: „Ist denn kein Mädchen unter den Töchtern deiner Brüder und in deinem ganzen Volk, daß du hingehst und willst eine Frau nehmen von den Philistern, die unbeschnitten sind?“ Simson sprach zu seinem Vater: „Gib mir diese, denn sie gefällt meinen Augen!“ Aber sein Vater und seine Mutter wußten nicht, daß das alles von dem Herrn kam, denn er suchte einen Anlaß gegen die Philister. Die Philister aber herrschten zu der Zeit über Israel.

So ging Simson hinab mit seinem Vater und seiner Mutter nach Timna.  Als sie an die Weinberge in Timna kamen, da kam ihm ein junger Löwe brüllend entgegen.

Und der Geist des Herrn geriet über ihn, und er zerriß den Löwen, wie man ein Böcklein zerreißt, und hatte doch gar nichts in seiner Hand. Er sagte aber seinem Vater und seiner Mutter nicht, was er getan hatte. Als er nun hinkam, redete er mit dem Mädchen, und Simson hatte Gefallen an ihr. Nach einigen Tagen kam er wieder, um sie zu holen. Dabei bog er vom Weg ab, um das Aas des Löwen zu sehen. Da war ein Bienenschwarm in dem Leibe des Löwen und Honig. Er nahm davon in seine Hand und aß davon unterwegs und ging zu seinem Vater und zu seiner Mutter und gab ihnen, daß sie auch aßen. Er sagte ihnen aber nicht, daß er den Honig aus dem Leib des Löwen genommen hatte.

Als sein Vater hinab kam zu dem Mädchen, machte Simson dort ein Hochzeitsgelage, wie es die jungen Leute zu tun pflegen. Als sie ihn sahen, gaben sie ihm dreißig junge Männer, die bei ihm sein sollten. Simson aber sprach zu ihnen: „Ich will euch ein Rätsel aufgeben. Wenn ihr mir das erratet und das Richtige trefft in diesen sieben Tagen der Hochzeit, so will ich euch dreißig Gewänder und dreißig Festkleider geben. Könnt ihr es aber nicht erraten, so sollt ihr mir dreißig Gewänder und dreißig Festkleider geben. Sie sprachen zu ihm: „Gib dein Rätsel auf; laß uns hören!“

Er sprach zu ihnen: „Speise ging von dem Fresser und Süßigkeit vom Starken!“ Aber sie konnten in drei Tagen das Rätsel nicht erraten. Am vierten Tag sprachen sie zu Simsons Frau: „Überrede deinen Mann, daß er uns des Rätsels Lösung sagt, oder wir werden dich und deines Vaters Haus mit Feuer verbrennen. Habt ihr uns hierher eingeladen, daß ihr uns arm macht?“

Da weinte Simsons Frau vor ihm und sprach: „Du bist meiner überdrüssig und hast mich nicht lieb. Du hast den Söhnen meines Volkes ein Rätsel aufgegeben und hast mir es nicht gesagt!“ Er aber sprach zu ihr: „Ich habe es meinem Vater und meiner Mutter nicht gesagt und sollte es dir sagen?“ Aber sie weinte die sieben Tage, die sie feierten. Aber am siebten Tag sagte er es ihr, denn sie drängte ihn.

Dann sagte sie die Lösung des Rätsels den Söhnen ihres Volks. Da sprachen die Männer der Stadt am siebten Tag zu Simson, ehe die Sonne unterging: „Was ist süßer als Honig? Was ist stärker als der Löwe?“ Aber er sprach zu ihnen: „Wenn ihr nicht mit meinem Kalb gepflügt hättet, ihr hättet mein Rätsel nicht getroffen!“ [Mit Kalb meint er seine Frau].

Und der Geist des Herrn geriet über ihn, und er ging hinab nach Askalon und erschlug dreißig Mann unter ihnen und nahm ihre Gewänder und gab die Festkleider denen, die das Rätsel erraten hatten. Aber sein Zorn entbrannte und er ging herauf in seines Vaters Haus. Seine Frau aber wurde einem seiner Brautführer gegeben (Ri 14).

 

Richter Simson: Streit mit den Philistern:

Nach einigen Tagen, um die Zeit der Weizenernte, besuchte Simson seine Frau mit einem Ziegenböcklein. Aber als er dachte: Ich will zu meiner Frau in die Kammer gehen! wollte ihn der Vater nicht hinein lassen und sprach: „Ich meinte, du seist ihrer ganz überdrüssig geworden und habe sie deinem Freund gegeben. Sie hat aber eine jüngere Schwester, die ist schöner als sie. Die nimm an ihrer Stelle!“

Da sprach Simson zu ihnen: „Diesmal bin ich frei von Schuld, wen ich den Philistern Böses tue. Simson ging hin und fing dreihundert Füchse und band je einen Schwanz an den anderen und tat eine Fackel jeweils zwischen zwei Schwänze und zündete die Fackeln an mit Feuer und ließ sie unter das Korn der Philister laufen und zündete so die Garben samt dem stehenden Korn an und Weinberge und Ölbäume.

Da sprachen die Philister: „Wer hat das getan?“ Da sagte man: „Simson, der Schwie­ger­sohn des Timniters, weil er ihm seine Frau genommen und seinem Freund gegeben hat!“ Da zogen die Philister hinauf und verbrannten sie samt ihrem Vater mit Feuer.

Simson aber sprach zu ihnen: „Wenn ihr das tut, so will ich nicht ruhen, bis ich mich an euch gerächt habe!“ Er schlug sie zusammen mit mächtigen Schlägen und zog hinab und wohnte in einer Felsenkluft. Da zogen die Philister hinauf und lagerten sich in Juda. Aber die von Juda sprachen: „Warum seid ihr gegen uns heraufgezogen?“ Sie antworteten: „Wir sind heraufgekommen, um Simson zu binden, damit wir mit ihm tun, wie er uns getan hat!“

Da zogen dreitausend Mann von Juda hinab in die Felsenkluft und sprachen zu Simson: „Weißt du nicht, daß die Philister über uns herrschen? Warum hast du uns das angetan?“ Er sprach zu ihnen: „Wie sie mir getan haben, so habe ich ihnen wieder getan!“ Sie sprachen zu ihm: „Wir sind herabgekommen, um dich zu binden und in die Hände der Philister zu geben!“ Simson sprach zu ihnen: „So schwört mir, daß ihr selber mir kein Leid antun wollt!“ Sie antworteten ihm: „Wir wollen dir kein Leid tun, sondern wollen dich nur binden und in ihre Hände geben und wollen dich nicht töten!“ Und sie banden ihn mit zwei neuen Stricken und führten ihn aus der Felsenkluft hinaus.

Als er kam bis nach Lehi, jauchzten die Philister ihm entgegen. Aber der Geist des Herrn geriet über ihn, und die Stricke an seinen Armen wurden wie Fäden, die das Feuer versengt hat, so daß die Fesseln an seinen Händen zerschmolzen.

Er fand einen frischen Eselskinnbacken. Da streckte er seine Hand aus und nahm ihn und erschlug damit tausend Mann. Simson sprach: „Mit dem Kinnbacken eines Esels habe ich tausend Mann erschlagen!“ Als er ausgeredet hatte, warf er den Kinnbacken aus seiner Hand und nannte die Stätte Ramath-Lehi (= Kinnbackenhöhe).

Als ihn aber sehr dürstete, rief er den Herrn an und sprach: „Du hast solch großes Heil gegeben durch die Hand deines Dieners. Nun aber muß ich vor Durst sterben und in die Hände der Unbeschnittenen fallen!“  Da spaltete Gott die Höhlung im Kinnbacken, daß Wasser herausfloß. Und als er trank, kam sein Geist wieder, und er lebte wieder auf. Darum heißt der Ort noch heutigen Tages „Quelle des Rufenden“.

Eines Tages ging Simson hin nach Gaza und sah daselbst eine Hure und ging zu ihr.

Da wurden den Leuten von Gaza gesagt: „Simson ist hereingekommen!“ Sie umstellten ihn und ließen auf ihn lauern die ganze Nacht am Stadttor und waren die ganze Nacht still und sprachen: „Morgen, wenn es hell wird, wollen wir ihn töten!“ Simson aber lag bis Mitternacht wach. Dann stand er auf und ergriff beide Türen am Stadttor samt den Pfosten und hob sie aus mit den Riegeln und legte sie auf seine Schultern und trug sie hinauf auf die Höhe des Berges vor Hebron (Ri 15,1 - 16,3).

 

Richter Simson: Fall und Rache:

Danach gewann Simson ein Mädchen lieb am Bach Sorek, die hieß Delila. Zu der kamen die Philisterfürsten hinauf und sprachen zu ihr: „Überrede ihn und siehe, wodurch er eine solche große Kraft hat und womit wir ihn überwältigen können, daß wir ihn binden und bezwingen, so wollen wir dir ein jeder tausendundhundert Silberstücke geben!“

Delila sprach zu Simson: „Sage mir doch, worin deine große Kraft liegt und womit man dich binden muß, um dich zu bezwingen?“ Simson sprach zu ihr: „Wenn man mich bände mit sieben Seilen von frischem Bast, so würde ich schwach und wäre wie ein anderer Mensch!“ Da brachten die Philisterfürsten ihr sieben Seile von frischem Bast  und sie band ihn damit. Dann sprach sie zu ihm: „Die Philister über dir, Simson!“ (Die lauerten ihm schon auf in der Kammer). Er aber zerriß die Seile, wie eine Flachsschnur zerreißt, wenn sie ans Feuer kommt. So wurde nicht bekannt, worin seine Kraft lag.

Da sprach Delila zu Simson: „Siehe, du hast mich getäuscht und mich belogen. Nun, so sage mir doch, womit kann man dich binden?“ Er antwortete ihr: „Wenn sie mich bänden mit neuen Stricken, damit noch nie gearbeitet wurde, so würde ich schwach und wie ein anderer Mensch!“ Da nahm Delila neue Stricke und band ihn damit und sprach: „Philister über dir, Simson!“ Und er zerriß sie von seinen Armen herab wie einen Faden.

Delila aber sprach zu ihm: „Bisher hast du mich getäuscht und mich angelogen. Sage mir doch, womit kann man dich binden?“ Er antwortete ihr: „Wenn du die sieben Locken meines Hauptes zusammenflöchtest mit einem Gewebe und heftetest sie mit dem Pflock an, dann würde ich schwach und wie ein anderer Mensch!“ Da ließ sie ihn einschlafen und flocht die sieben Locken seines Hauptes zusammen und heftete sie mit einem Pflock an und sagte zu ihm: „Philister über dir, Simson!“ Er aber wachte auf von seinem Schlaf und riß die geflochtenen Locken mit Pflock und Gewebe heraus.

Da sprach sie zu ihm: „Wie kannst du sagen, du hättest mich lieb, wenn doch dein Herz nicht mit mir ist? Dreimal hast du mich getäuscht und mir nicht gesagt, worin deine große Kraft liegt!“ Als sie ihn aber drängte mit ihren Worten alle Tage und ihm zusetzte, wurde seine Seele matt bis an den Tod, und er tat ihr sein ganzes Herz auf und sprach zu ihr: „Es ist nie ein Schermesser auf mein Haupt gekommen, denn ich bin ein Geweihter Gottes von Mutterleib an. Wenn ich geschoren würde, so wiche meine Kraft von mir, so daß ich schwach würde und wie alle anderen Menschen!“

Als nun Delila sah, daß er ihr sein ganzes Herz aufgetan hatte, sandte sie hin und ließ die Fürsten der Philister rufen und sagen: „Kommt noch einmal herauf, denn er hat mir sein ganzes Herz aufgetan!“ Da kamen die Philisterfürsten zu ihr herauf und brachten das Geld mit sich in ihrer Hand.

Sie ließ ihn entschlafen auf ihrem Schoß und rief einem, der ihm die sieben Locken seines Hauptes abschnitt. Dann fing sie an, ihn zu zwingen. Da war seine Kraft von ihm gewichen. Sie sprach zu ihm: „Philister über dir, Simson!“ Als er nun aus seinem Schlaf erwachte, dachte er: „Ich will frei ausgehen, wie ich es mehrmals getan habe und will mich losreißen. Denn er wußte nicht, daß der Herr von ihm gewichen war. Da griffen ihn die Philister und stachen ihm die Augen aus und führten ihn hinab nach Gaza und legten ihn Ketten, und er mußte die Mühle drehen im Gefängnis.

Aber das Haar seines Hauptes fing an, wieder zu wachsen, nachdem es geschoren war. Als aber die Fürsten der Philister sich versammelten, ihrem Gott Dagon ein großes Opfer zu tun und sich zu freuen, sprachen sie: „Unser Gott hat uns unseren Feind Simson in unsre Hände gegeben!“ Als nun ihr Herz guter Dinge war, sprachen sie: „Laßt Simson holen, daß er vor uns seine Späße treibe!“ Da holten sie Simson aus dem Gefängnis, und er machte seine Späße vor ihnen, und sie stellten ihn zwischen die Säulen. 

Simson aber sprach zu dem Jungen, der ihn an der Hand führte: „Laß mich los, daß ich nach den Säulen taste, auf denen das Haus steht, daß ich mich daran lehne!“ Das Haus aber war voller Männer und Frauen.

Es waren alle Philisterfürsten da und auf dem Flachdach waren etwa dreitausend, Männer und Frauen, die zusahen, wie Simson seine Späße trieb. Simson aber rief den Herrn an und sprach: „Herr Herr, denke an mich und stärke mich doch, noch dies eine Mal, daß ich an den Philistern räche für meine beiden Augen!“ Er umfaßte die zwei Mittelsäulen, auf die das Haus ruhte, die eine mit seiner rechten und die andere mit seiner linken Hand und sprach: „Ich will sterben mit den Philistern!“ Dabei neigte er sich kräftig. Da fiel das Haus auf die Fürsten und auf alles Volk, so daß er mehr tötete als zu seinen Lebenszeiten. Da kamen sein Brüder herab und die ganze Familie seines Vaters und hoben ihn auf und trugen ihn hinauf und begruben ihn in seines Vaters Grab. Er richtete aber Israel in der Zeit der Philister zwanzig Jahre (Ri 16,4-31)  [Der Schlußteil des Buches enthält noch einige geschichtliche Erzählungen, die mit den Richtern nichts zu tun haben].

 

Michas Gottesbild und die Eroberung der Stadt Dan:

Zu der Zeit war kein König in Israel, und ein jeder tat, was ihm recht erschien. Es war aber ein Mann auf dem Gebirge Ephraim mit Namen Micha. Der sprach zu seiner Mutter: „Die tausendundhundert Silberstücke, die dir genommen worden sind und wegen denen du den Fluch gesprochen und ihn auch vor meinen eigenen Ohren gesagt hast -  siehe, dies Geld ist bei mir, ich habe es selbstgenommen!“ Da sprach sein Mutter: „Gesegnet sei mein Sohn, vom Herrn!“

So gab er seiner Mutter die tausendundhundert Silberstücke zurück. Und seine Mutter sprach: „Ich weihe das Geld dem Herrn .Es kommt aus meiner Hand für meinen Sohn. Der soll ein geschnitztes und gegossenes Bildnis davon machen. Darum gebe ich es dir nun wieder!“ Aber er gab seiner Mutter das Geld wieder.

Da nahm seine Mutter zweihundert Silberstücke und gab sie zu dem Goldschmied. Der machte ein geschnitzes und gegossenes Bild daraus, das kam danach in das Haus Michas. Micha hatte nämlich ein Gotteshaus. Und er machte Hausgötzen und füllte einem seiner Söhne die Hand, daß er sein Priester wurde.

Es war aber ein junger Mann aus Bethlehem in Juda, der war ein Levit und war dort fremd. Er zog aus der Stadt Bethlehem, um einen Ort zu finden, wo er bleiben konnte. Als er auf das Gebirge Ephraim kam zu Michas Haus, fragte ihn Micha: „Wo kommst du her?“ Er antwortete ihm: „Ich bin ein Levit aus Bethlehem und wandere, um einen Ort zu finden, wo ich bleiben kann!“

Micha aber sprach zu ihm: „Bleibe bei mir, du sollst mir Vater und mein Priester sein. Ich will dir jährlich zehn Silberstücke und deine Kleidung und Nahrung geben!“ Der Levit willigte ein, bei dem Mann zu bleiben. Der behandelte den jungen Mann wie einen Sohn. Er füllte dem Leviten die Hand, daß er sein Priester wurde, und so war er in Michas Haus. Und Micha sprach: „Nun weiß ich, daß mir der Herr wohltun wird, weil ich einen Leviten zum Priester habe!“

Der Stamm der Daniter suchte sichnoch  ein Erbteil, wo sie wohnen könnten,  denn es war bis auf den Tag noch kein Erbe auf sie gefallen unter den Stämmen Israels. Die Daniter sandten fünf streitbare Männer aus, um das Land zu erkunden und zu erforschen, und sprachen zu ihnen: „Zieht hin und erforscht das Land!“ Sie kamen auf das Gebirge Ephraim an das Haus Michas und blieben über Nacht dort. Wäh­rend sie dort bei den Leuten Michas waren, erkannten sie die Stimme des jungen Leviten. Sie gingen dorthin und sprachen zu ihm: „Wer hat dich hierhergebracht? Was machst du da? Und was hast du hier vor?“ Er antwortete ihnen: „So und so hat Micha an mir getan und hat mich in Dienst genommen, daß ich sein Priester sei!“ Sie sprachen zu ihm: „Befrage doch Gott, daß wir erfahren, ob unser Weg, den wir gehen, auch zum Ziel führt!“ Der Priester antwortete ihnen: „Zieht hin mit Frieden! Euer Weg, den ihr zieht, ist dem Herrn vor Augen!“

Da gingen die fünf Männer hin und kamen nach Lajisch und sahen das Volk, das darin war, wie es sicher wohnte. Nach der Weise der Leute von Sidon lebten sie still und sicher. Sie waren reich an Besitz. Es fehlte ihnen an nichts von allem, was es auf der Erde gibt. Sie waren ferne von den Leuten von Sidon und hatten nichts mit Aramäern zu tun.

Sie kamen zu ihren Brüdern nach Zora. Die sprachen zu ihnen: „Wie steht  es mit euch?“ Sie sprachen: „Laßt uns gegen sie hinaufziehen!“ Denn wir haben das Land gesehen, das ist sehr gut. Und ihr sitzt noch untätig da? Seid doch nicht so faul, dorthin hin zu ziehen, daß ihr kommt und das Land einnehmt. Wenn ihr hinzieht, werdet ihr zu einem Volke kommen, das sicher wohnt, und das Land ist weit nach allen Seiten. Gott hat es in eure Hände gegeben, einen solchen Ort, an dem nichts von allem fehlt, was auf der Erde ist!“

Da zogen sechshundert Mann von Zora aus, gerüstet mit ihren Waffen zum Kampf. Sie lagerten sich in Kirjath-Jearim in Juda. Daher nannten sie die Stätte das „Lager Dans“ bis auf diesen Tag. Von da gingen sie auf das Gebirge Ephraim und kamen zum Hause Michas. Da sprachen die fünf Kundschafter zu ihren Brüdern: „Wißt ihr auch, daß es in diesen Häusern einen Hausgötzen und ein geschnitztes und gegossenes Bild gibt? Bedenkt nun, was ihr zu tun habt!“ Da gingen sie dorthin und kamen an das Haus des jungen Leviten und grüßten ihn freundlich.

Die fünf Kundschafter gingen hinauf und drangen dort ein und nahmen das geschnitzte und gegossene Bild und den Hausgötzen. Unterdessen stand der Priester vor dem Tor bei den sechshundert zum Kampf gerüsteten Männern. Er sprach zu ihnen: „Was macht ihr?“ Sie antworteten ihm: „Schweig und halte das Maul und ziehe mit uns, daß du unser Vater und Priester seist. Ist es für dich besser, daß du im Haus nur  Mannes der Priester bist oder bei einem ganzen Stamm in Israel?“ Das gefiel dem Priester gut, und er nahm den Hausgötzen und das Bild und schloß sich dem  Volk an.

Als sie sich umwandten und hinzogen, schickten sie die Kindern und das Vieh und alles wertvolle Gut vor sich her. Als sie sich nun von Michas Haus entfernt hatten, wurden die Männer in den Häusern bei Michas Haus zusammengerufen und jagten den Danitern nach und riefen hinter ihnen her. Die aber wandten sich um und sprachen zu Micha: „Was hast du getan, daß du die Leute zusammengerufen hast?“ Er antwortete: „Ihr habt meine Götter genommen, die ich gemacht hatte, und auch den Priester und seid fortgezogen. Was habe ich nun noch? Und ihr fragt, was mir fehlt?“

Aber die Daniter sprachen zu ihm: „Laß deine Stimme nicht weiter hören bei uns, damit nicht zornige Leute über dich herfallen und dein Leben und das Leben deiner Leute hingerafft werde!“ So gingen die Daniter ihres Weges. Und als Micha sah, daß sie ihm zu stark waren, wandte er sich um und kehrte wieder zurück zu seinem Hause.

Sie aber nahmen die Götzenbilder Michas und seinen Priester und fielen über Lajisch her, über ein Volk, das doch still und sicher lebte. Sie schlugen es mit der Schärfe des Schwerts und verbrannten die Stadt mit Feuer. Es war niemand, der sie errettet hätte, denn die Stadt lag fern von Sidon, und sie hatten mit den Aramäern an sich nichts zu schaffen. Da bauten die  Daniter die Stadt wieder auf und wohnten darin und nannten sie „Dan“ nach dem Namen ihres Stammvaters Dan.

Sie richteten auch das Bild Michas für sich auf, solange das Haus Gottes in Silo war. Und Jonathan und seine Söhne waren Priester unter dem Stamm der Daniter bis an die Zeit, als sie gefangen nach Babylon  geführt wurden (Ri 17 - 18).

 

 

 

Die Schandtat von Gibea:

Ein  Levit lebte als Fremder hinter dem Gebirge Ephraim und hatte sich eine Nebenfrau genommen aus Bethlehem in Juda. Und als sie über ihn erzürnt war, lief sie von ihm fort zum Haus ihres Vaters nach Bethlehem und war dort vier Monate lang.

Aber ihr Mann machte sich auf und zog ihr nach, um freundlich mit ihr zu reden und sie zu sich zurückzuholen. Er hatte einen Diener und ein Paar Esel mit sich. Sie führte ihn in ihres Vaters Haus. Als ihn aber der Vater der jungen Frau sah, wurde er froh und ging ihm entgegen. Er hielt ihn fest, daß er drei Tage bei ihm blieb. Sie aßen und tranken und er blieb über Nacht da.

Am vierten Tag erhoben sich die Gäste früh am Morgen und wollten fortziehen. Da sprach der Vater der jungen Frau zu seinem Schwiegersohn: „Stärke dich zuvor mit einem Bissen Brot, danach sollt ihr ziehen!“ Und sie setzten sich und aßen beide miteinander und tranken. Da sprach Vater zu dem Mann: „Bleib doch über Nacht und laß dein Herz guter Dinge sein!“ Als aber der Mann aufstand und fort ziehen wollte, nötigte ihn sein Schwiegervater, daß er noch einmal eine Nacht dablieb.

Am Morgen des fünften Tags machte er sich früh auf und wollte fort ziehen. Da sprach der Vater: „Stärke dich doch erst und laß uns warten, bis sich der Tag neigt!“ Und so aßen die beiden miteinander. Dann machte sich der Mann auf und wollte losziehen mit seiner Nebenfrau und mit seinem Diener. Aber sein Schwiegervater sprach zu ihm: „Siehe, der Tag hat sich geneigt, und es will Abend werden. Bleib über Nacht und laß dein Herz guter Dinge sein. Morgen steht ihr früh auf und zieht eures Weges zu deinem Zelt!“.

Aber der Mann wollte nicht mehr über Nacht bleiben, sondern machte sich auf und zog hin und kam bis gegenüber von Jerusalem. Es dunkelte schnell. Da sprach der Diener zu seinem Herrn: „Komm doch und laß uns in diese Stadt der Jebusiter einkehren und über Nacht dort bleiben!“ Aber sein Herr sprach zu ihm: „Wir wollen nicht in die Stadt der Fremden einkehren, die nicht keine Israeliten sind, sondern wir wollen hinüber in Richtung Gibea! Geh weiter, damit wir an einen Ort kommen und über Nacht in Gibea oder Rama bleiben!“

So zogen weiter sie ihres Wegs und die Sonne ging unter, als sie nahe bei Gibea in Benjamin waren. Sie bogen vom Weg ab, um nach Gibea zu kommen und über Nacht dort zu  bleiben. Als er aber hineinkam, blieb er auf dem Platz der Stadt, denn es war niemand, der sie über Nacht im Hause beherbergen wollte.

Da kam ein alter Mann am Abend von seiner Arbeit vom Feld. Er war auch vom Gebirge Ephraim und ein Fremder in Gibea. Als er seine Augen aufhob und sah den Wanderer auf dem Platz, sprach er zu ihm: „Wo willst du hin? Und wo kommst du her?“ Er aber antwortete ihm: „Wir reisen von Bethlehem bis weit ins Gebirge Ephraim hinein, woher ich bin. Aber ich bin nach Bethlehem gezogen und kehre jetzt nach Hause zurück, und niemand will mich beherbergen. Wir haben Stroh und Futter für unsere Esel und Brot und Wein für mich und alle mit mir, so daß es uns an nichts fehlt!“

Der alte Mann sprach: „Friede sei mit dir! Alles was dir fehlt, findest du bei mir. Bleibe nur nicht über Nacht auf dem Platz!“ Er führte ihn in sein Haus und gab den Eseln Futter, und sie wuschen ihre Füße und aßen und tranken. Als ihr Herz nun guter Dinge war, da kamen ruchlose Männer aus der Stadt und umstellten das Haus und pochten an die Tür und sprachen zu dem alten Mann: „Gib den Mann heraus, der in dein Haus gekommen ist, daß wir uns über ihn hermachen!“ Aber der Gastgeber ging zu ihnen heraus und sprach zu ihnen: „Nicht, meine Brüder, tut nicht so ein Unrecht! Nachdem dieser Mann in mein Haus gekommen ist, tut nicht solch eine Schandtat! Seht, ich habe eine Tochter, noch eine Jungfrau, und dieser hat eine Nebenfrau.

Die will ich herausbringen. Die mögt ihr schänden und mit ihnen machen, was euch gefällt. Aber an diesen Mann tut nicht eine solche Schandtat!“ Aber die Leute wollten nicht auf ihn hören. Da faßte der Mann seine Nebenfrau und brachte sie zu ihnen hinaus. Die machten sich über sie her und trieben ihren Mutwillen an ihr die ganze Nacht bis an den Morgen, erst als dann die Morgenröte anbrach, ließen sie sie gehen.

Als der Morgen anbrach, kam die Frau und fiel vor der Tür des Hauses nieder, in dem ihr Mann war, und lag da, bis es hell wurde. Als nun ihr Mann am Morgen aufstand und die Tür auftat und herausging, um seines Wegs zu ziehen, da lag seine Nebenfrau vor der Tür des Hauses und ihre Hände auf der Schwelle.

Er aber sprach zu ihr: „Steh auf, laß uns ziehen!“ Aber sie antwortete nicht. Da nahm er sie auf den Esel, machte sich auf und zog an seinen Ort. Als er nun heimkam, nahm er ein Messer und faßte seine Nebenfrau und zerstückelte sie Glied für Glied in zwölf Stücke und sandte sie in das ganze Gebiet Israels. Wer das sah, der sprach: „Solches ist nicht geschehen noch gesehen, seit die Israeliten aus Ägypten gezogen sind, bis auf diesen Tag. Nun denkt darüber nach, beratet und sprecht!“

Da zogen die Israeliten aus und versammelten sich wie e i n Mann vor dem Herrn in Mizpa. Es traten zusammen die Obersten aller Stämme Israels, die Versammlung des Volkes Gottes, mit vierhunderttausend Mann zu Fuß, die das Schwert führten. Die Benjaminiter hörten auch, daß die Israeliten hinauf nach Mizpa gezogen waren.

Die Israeliten sprachen: „Sagt, wie ist die Schandtat zugegangen?“ Da erzählte ihnen der Levit, wie seine Frau getötet worden war, und forderte sie auf: „Jetzt seid ihr alle da, so sprecht und beratet hier!“Da machte sich alles Volk auf wie e i n Mann und sprach: „Es soll niemand in sein Zelt gehen noch in sein Haus kehren, sondern das wollen wir jetzt tun gegen Gibea:

Laßt uns losen und nehmen zehn Mann von hundert, und hundert von tausend, und tausend von zehntausend aus allen Stämmen Israels, daß sie Speise holen für das Volk, das gekommen ist, um Gibea seine große Schandtat zu vergelten, die es in Israel getan hat!“

So versammelten sich gegen die Stadt alle Männer Israels, geschlossen wie ein Mann. Sie sandten Männer zu allen Sippen Benjamins und ließen ihnen sagen: „Was ist das für eine Untat, die bei euch geschehen ist? So gebt nun heraus die ruchlosen Leute von Gibea, daß wir sie töten und das Böse in Israel ausrotten!“ Aber die Benjaminiter wollten nicht hören auf die  Stimme ihrer Brüder, der Israeliten, sondern versammelten sich aus den Städten in Gibea, um in den Kampf gegen die Israeliten auszuziehen.

Es wurden an dem Tag sechsundzwanzigtausend Krieger  aus den Städten der Benjaminiter gezählt ohne die Bürger von Gibea, die noch einmal siebenhundert Männer waren. Unter allen aber waren siebenhundert auserlesene Männer, die linkhändig waren und mit der Schleuder ein Haar treffen konnten. Von Israel (ohne die von Benjamin) wurden vierhunderttausend Mann gezählt, die das Schwert führten, lauter streitbare Männer.

Die machten sich auf und zogen hinauf nach Bethel und fragten Gott und sprachen: „Wer von uns soll zuerst hinaufziehen in den Kampf mit Benjamin?“ Der Herr sprach: „Juda soll anfangen!“ So machten sich die Israeliten des Morgens auf und lagerten sich vor Gibea. Da machten die Benjaminiter einen Ausfall aus Gibea und schlugen an dem Tag unter Israel zweiundzwanzigtausend zu Boden.

Da zogen die Israeliten hinauf und hielten Klage vor dem Herrn bis an den Abend und befragten den Herrn und sprachen: „Sollen wir wieder in den Kampf ziehen gegen die Benjaminiter, unsere Brüder?“  Der Herr sprach: „Zieht hinauf zu ihnen!“ 

Da ermannten sich die Krieger von Israel sich und stellten sich abermals auf, um am selben Ort nochmals zu kämpfen, an dem sie sich am vorigen Tag aufgestellt hatten.

Als die Israeliten am nächsten Tag sich heranmachten an die Benjaminiter, machten diese wieder einen Ausfall aus Gibea und schlugen von den Israeliten weitere achtzehntausend zu Boden, die alle das Schwert führten. Da zogen alle Israeliten hinauf und alles Volk kam nach Bethel und sie hielten Klage und blieben dort vor dem Herrn und fasteten den Tag bis zum Abend und opferten Brandopfer und Dankopfer vor dem Herrn.

Die Israeliten fragten den Herrn: „Sollen wir abermals ausziehen, um mit den Benjaminitern zu kämpfen oder sollen wir es lassen?“ Der Herr sprach: „Zieht hinauf!  Morgen will ich sie in eure Hände geben!“ Und die Israeliten legten einen Hinterhalt rings um Gibea.

Da machten die Benjaminiter wieder einen Ausfall. Sie dachten, die Israeliten seien geschlagen wie vorher. Aber die Israeliten sprachen: „Laßt uns fliehen, daß wir sie von der Stadt wegziehen auf die beiden Straßen, die nach Bethel und Gibea führen!“

Die Männer von Israel wandten sich im Kampf ab. Sie gaben Raum, denn sie verließen sich auf den Hinterhalt, den sie bei Gibea aufgestellt hatten. Die Benjaminiter hatten anfangs

etwa dreißig Mann von Israel erschlagen und dachten, sie sind vor uns geschlagen wie im vorigen Kampf. Da begann eine Rauchsäule von der Stadt gerade emporzusteigen. Die Männer von Israel und der Hinterhalt hatten nämlich miteinander verabredet, sie sollten eine Rauchsäule von der Stadt aufsteigen lassen.

Die Benjaminiter wandten sich hinter sich, und siehe, da ging die ganze Stadt in Flammen auf. Da erschraken die Männer Benjamins, denn sie sahen, daß sie das Unglück treffen wollte. Der Hinterhalt Israels brach hervor aus einem Versteck und sie rückten gegen Gibea an. Auch die von der Stadt herkamen, umringten die Benjaminiter und jagten ihnen nach, ohne sie ruhen zu lassen. Die Benjaminiter wandten sich ab von den Männern Israels auf den Weg zur Steppe. Aber der Kampf folgte ihnen auch dorthin. Die Männer von Israel hielten auf dieser Straße eine Nachlese und schlugen fünftausend Mann und folgten ihnen nach bis Gidom und erschlugen von ihnen noch zweitausend.

So schlug der Herr die Benjaminiter durch die Israeliten, die an diesem Tag verderbten bis zu fünfundzwanzigtausend Mann. Nur sechshundert Männer flohen zur Steppe und blieben vier Monate am Fels Rimmon. Die Männer Israels kehrten dann wieder um und schlugen in der Stadt mit der Schärfe des Schwerts: die Menschen, das Vieh und alles, was man fand.  Und alle Städte, die man fand, verbrannte man mit Feuer.

Die Männer Israels hatten aber in Mizpa geschworen: „Niemand soll seine Tochter den Benjaminitern zur Frau geben!“ Das Volk kam nach Bethel und saß da bis zum Abend vor Gott, und sie hoben ihre Stimme und weinten sehr und sprachen: „O Herr, Gott Israels, warum ist das geschehen in Israel, daß heute Israel um einen Stamm kleiner geworden ist?“ Am anderen Morgen machte sich das Volk früh auf und baute einen Altar und opferte Brandopfer und Dankopfer.

Die Israeliten sprachen: „Wer von den Stämmen Israels ist nicht mit der Gemeinde heraufgekommen zum Herrn?“ Denn es war ein großer Schwur abgelegt worden geschehen, daß des Todes sterben sollte, wer nicht hinaufkäme zum Herrn nach Mizpa.

Es tat aber den Israeliten leid um ihren Bruder Benjamin und sie sprachen: Heute ist ein Stamm von Israel abgeschlagen worden. Wie können wir ihnen helfen, daß die übriggebliebenen Benjaminiter wieder Frauen kriegen?“

Dann wurde gefragt: „ Wer von den Stämmen Israels ist nicht hinaufgekommen zum Herrn nach Mizpa?“ Da stellte man bei einer Zählung fest, daß im Lager der Gemeinde niemand war aus der Stadt Jabes in Gilead!“ Da sandte die Gemeinde zwölftausend Mann dahin von streitbaren Männern und geboten ihnen, alle Männer und verheirateten Frauen zu töten.

Aber sie fanden in Jabes auch vierhundert junge Frauen, die noch bei keinem Mann gelegen hatten, und brachten sie ins Lager nach Silo. Dann sandten sie Boten zu den Benjaminitern, die am Fels Rimmon waren, und sagten ihnen Frieden zu.

So kamen die Benjaminiter wieder zu dieser Zeit. Und sie gaben ihnen die Frauen, die sie erhalten hatten von den Frauen in Jabes in Gilead. Aber es waren nicht genug Frauen für sie.

Da tat es dem Volk leid um Benjamin, daß der Herr einen Riß gemacht hatte zwischen den Stämmen Israels. Und die Ältesten der Gemeinde sprachen: „Was wollen wir tun, daß die übriggebliebenen Benjaminiter wieder Frauen kriegen? Und die Übriggebliebene müssen ja auch ihr Erbe behalten, damit nicht ein Stamm ausgetilgt werde von Israel. Aber wir können ihnen unsre Töchter nicht zu Frauen geben, das haben wir geschworen!“

Sie sprachen aber: „Jedes Jahr ist ein Fest des Herrn in Silo nördlich von Bethel. Geht hin und lauert in den Weinbergen. Wenn ihr dann seht, daß die Töchter Silos heraus zum Reigentanz gehen, so brecht hervor aus den Weinbergen und nehme ein jeder sich eine Frau von den Töchtern Silos und geht hin ins Land Benjamin. Wenn aber ihre Väter oder Brüder kommen, mit uns zu rechten, wollen wir zu ihnen sagen: Gönnt sie uns, denn wir haben nicht für jeden eine Frau gewonnen im Kampf!“

Die Benjaminiter taten so und raubten sich Frauen von den Mädchen, die zum Reigen tanzten,  und zogen hin und wohnten in ihrem Erbteil und bauten die Städtewieder auf und wohnten darin. Auch die Israeliten gingen zu der Zeit auseinander, jeder zu seinem Stamm und zu seiner Sippe.

Der letzte Satz des Buches faßt die Geschehnisse nochmals zusammen und weist auf die kommenden Ereignisse in den Büchern des Propheten Samuel hin: „In jenen Tagen gab es noch keinen König in Israel, jeder tat, was ihm gefiel“ (Ri 19 - 21, gekürzt; die Erzählung erinnert stark an die Ereignisse in Sodom und Gomorra, siehe Gen 19).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Buch Ruth

[Das Buch Ruth steht nun gemäß seiner Anfangs- und Schlußverse zwischen den Büchern Richter und Samuel, da seine Handlung zur Richterzeit spielt und Noomis Sohn als Großvater von König David galt. Das Buch handelt um 1000 vCh zur Zeit der Richter in Israel. Obed, der Sohn Ruths, hat einen Sohn Isai, der wiederum der Vater Davids ist. Das „Fremdvölkermotiv“ (Ruth, die Moabiterin) läßt jedoch viele Ausleger eine Abfassungszeit in nachexilischer Zeit vermuten (nicht vor der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts vCh)].

 

In der Zeit, als die Richter regierten, entstand eine Hungersnot im Land. Da zog Elimelech von Bethlehem in das Land der Moabiter mit seiner Frau Naemi und seinen zwei Söhnen. Aber der Mann starb, und Naemi blieb übrig mit ihren zwei Söhnen. Diese nahmen moabitische Frauen: eine hieß Orpa, die andere Ruth. Als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten,  starben beide Söhne, und die Frau überlebte beide Söhne und ihren Mann.

Da machte die Frau sich auf mit ihren zwei Schwiegertöchtern und zog wieder aus dem Land der Moabiter in ihre Heimat, denn sie hatte erfahren im Moabiterlande, daß der Herr sich seines Volks angenommen hatte und ihnen Brot gegeben hatte.

Als sie auf dem Weg waren, um ins Land Juda zurückzukehren, sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: „Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus zu ihrer Mutter. Der Herr tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und mir getan habt! Der Herr gebe euch, daß ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause!“ Und sie küßte die Schwiegertöchter.

Da erhoben sie ihre Stimmen und weinten und sprachen zu ihr: „Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen!“ Aber Naemi sprach: „Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Leib haben, die eure Männer werden könnten? Kehrt um, meine Töchter, und geht hin! Denn ich bin nun zu alt, um wieder einen Mann zu nehmen. Und selbst wenn es so wäre: Wie wollt ihr warten, bis die Söhne groß würden? Wollt ihr euch so lange einschließen und keinen Mann nehmen? Nein, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des Herrn Hand ist gegen mich gewesen!“

Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Opra küßte ihre Schwiegermutter und ging. Ruth aber blieb bei ihr. Naemi aber sprach: „Siehe, deine Schwä­gerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott. Kehre auch du um, deiner Schwä­gerin nach!“ Ruth antwortete: „Rede mir nicht ein, daß ich dich verlassen sollte und von dir umkehren. Wo du hin gehst, da will ich auch hin gehen. Wo du bleibst, da bleibe ich auch.  Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden!“

Als Naemi nun sah, daß Ruth festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, mit ihr davon zu reden. So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen. Als sie nach Bethlehem hineinkamen, erregte sich die ganze Stadt über sie und sprach: „Ist das die Naemi?“

Sie aber sprach: „Nennt mich nicht „Naemi (=lieblich), sondern „Mara“ (=bitter), denn der Allmächtige hat mir viel Bitteres getan. Voll zog ich aus, aber leer hat mich der Herr wieder heimgebracht. Warum nennt ihr mich denn Naemi, da doch der Herr gegen mich gesprochen und der Allmächtige mich betrübt hat!“ Es war aber um die Zeit des Beginns der Gerstenernte, als Naemi mit ihrer Schwiegertochter Ruth wiederkam vom Moabiterland nach Bethlehem (Ruth 1).

 

Es gab da aber einen wohlhabenden Mann, ein Verwandter des Mannes der Naemi, mit Namen Boas. Ruth sprach zu Naemi: „Laß mich aufs Feld gehen und Ähren auflesen, bei einem, vor dem ich Gnade finde!“ Naemi aber sprach zu ihr: „Geh hin, meine Tochter!“ Sie ging hin und las auf dem Feld, hinter den Schnittern her. Und es traf sich, daß dies Feld dem Boas gehörte. Boas kam eben von Bethlehem und sprach zu den Schnittern: „Der Herr mit euch!“ Sie antworteten: „Der Herr segne dich!“ Und Boas sprach zu seinem Arbeiter, der über die Schnitter gestellt war: „Zu wem gehört die junge Frau?“

 

Der Arbeiter antwortete: „Es ist die Moabitin, die mit Naemi wiedergekommen ist aus dem Land der Moabiter. Sie hat gesagt: Laßt mich doch auflesen und sammeln hinter den Schnittern her. Sie ist gekommen und hat dagestanden vom Morgen an bis jetzt und hat nur wenig ausgeruht!“

Da sprach Boas zu Ruth: „Hörst du es, meine Tochter? Du sollst nicht auf einen andern Acker gehen, um aufzulesen. Gehe auch nicht von hier weg, sondern halte dich zu meinen Arbeiterinnen. Wo sie schneiden im Feld, da geh ihnen nach. Ich habe meinen Arbeitern geboten, daß dich niemand antaste. Und wenn du Durst hast, so geh hin zu den Gefäßen und trinke von dem, was meine Arbeiter schöpfen!“

Da fiel sie auf ihr Angesicht und beugte sich nieder zur Erde und sprach zu ihm: „Womit habe ich die Gnade gefunden vor deinen Augen, daß du freundlich zu mir bist, die ich doch eine Fremde bin?“

Boas antwortete und sprach zu ihr: „Man hat mir alles gesagt, was du an deiner Schwiegermutter nach deines Mannes Tod getan hast: Daß du deinen Vater und deine Mutter und dein Vaterland verlassen hast und bist zu meinem Volk gezogen, das du zuvor nicht kanntest. Der Herr vergelte dir deine Tat, und dein Lohn müsse vollkommen sein bei dem Herrn, dem Gott Israels, zu dem du gekommen bist, daß du unter seinen Flügeln Zuversicht hättest!“

Sie sprach: „Laß mich Gnade vor deinen Augen finden, mein Herr, denn du hast mich getröstet und deine Dienerin freundlich angesprochen, obwohl ich doch nicht bin wie eine deiner Dienerinnen!“ Boas sprach zu ihr, als Essenszeit war: „Komm her und iß vom Brot und tauche deinen Bissen in den Essigtrank!“ Sie setzte sich zur Seite der Schnitter. Boas aber legte ihr geröstete Körner vor, und sie aß und wurde satt und ließ noch etwas übrig.

Und als sie sich aufmachte, um Ähren zu lesen, gebot Boas seinen Arbeitern: „Laßt sie auch zwischen den Garben lesen. Zieht auch etwas aus den Garben heraus und laßt es liegen, daß sie es auflese. Und schimpft sie nicht!“ So las sie auf dem Feld bis zum Abend und klopfte die Ähren aus, die sie aufgelesen hatte; und es war ungefähr ein Pfund Gerste. Sie hob die Gerste auf und kam in die Stadt. Ihre Schwiegermutter sah es, was sie gelesen hatte. Da zog sie hervor, was übriggeblieben war, nachdem sie satt geworden war, und gab es ihr.

Da sprach ihre Schwiegermutter zu ihr: „Wo hast du heute gelesen, und wo hast du gearbeitet? Gesegnet sei, der freundlich zu dir gewesen ist!“ Sie aber sagte es ihrer Schwiegermutter, bei wem sie gearbeitet hätte, und sprach: „Der Mann, bei dem ich heute gearbeitet habe, heißt Boas!“

Naemi aber sprach zu ihrer Schwiegertochter: „Gesegnet sei er dem Herrn, der seine Barmherzigkeit nicht abgewendet hat von den Lebenden und an den Toten! Der Mann steht uns nahe und gehört zu unseren „Lösern“, die verpflichtet sind, eine Witwe zu heiraten, damit ihrem verstorbenen Mann noch Nachkommen geschenkt werden.

Ruth sprach: „Er sprach auch zu mir: Du sollst dich zu meinen Leuten halten, bis sie mir alles abgeerntet haben!“ Naemi sprach zu Ruth: „Es ist gut, meine Tochter, daß du mit seinen Arbeiterinnen hinausgehst, damit  dir nicht jemand dreinrede auf einem anderen Acker!“ So hielt sie sich beim Ährenlesen zu den Arbeiterinnen des Boas, bis die Gerstenernte und Weizenernte um waren. Dann blieb sie wieder zu ihrer Schwiegermutter (Ruth 2).

 

 

 

 

Naemi sprach zu Ruth:  „Meine Tochter, ich will dir eine Ruhestätte suchen, damit es dir wohl gehe. Unser Verwandter Boas trennt heute nacht  auf seinem Dreschplatz die Gerste von der Spreu. So bade dich und salbe dich und lege dein Kleid an und gehe hinab auf den Dreschplatz. Gib dich dem Mann nicht zu erkennen, bis er gegessen und getrunken hat. Wenn er sich dann schlafen legt, dann merke dir die Stelle, wo er sich hin legt, und gehe hin und decke ihn auf an den Füßen und lege dich, so wird er dir wohl sagen, was du tun sollst!“ Sie sprach zu ihr: „Alles, was du mir sagst, will ich tun!“ Sie ging hinab zum Dreschplatz und tat alles, wie ihre Schwiegermutter geboten hatte.

Als Boas gegessen und getrunken hatte, wurde sein Herz guter Dinge. Er kam und legte sich hinter einen Kornhaufen. Sie kam leise und deckte ihn auf an den Füßen und legte sich. Als es nun Mitternacht ward, erschrak der Mann und beugte sich vor und siehe, eine Frau lag zu seinen Füßen. Er sprach: „Wer bist du?“ Sie antwortete: „Ich bin Ruth, deine Dienerin. Breite den Zipfel deines Gewandes über deine Dienerin, denn du bist der Löser!“

 Er aber sprach: „Gesegnet seist du dem Herrn, meine Tochter! Du hast deine Liebe jetzt noch besser gezeigt als vorher, daß du bist nicht den jungen Männern nachgelaufen bist, weder den reich noch den armen. Nun, meine Tochter, fürchte dich nicht. Alles was du sagst, will ich dir tun. Denn das ganze Volk meiner Stadt weiß, daß du eine tugendhafte Frau bist. Ja, es ist wahr, daß ich der Löser bin. Aber es ist noch ein Löser da, der näher verwandt ist mit dir als ich. Bleibe über Nacht hier. Will er dich dann am Morgen lösen, gut, so mag er es tun. Hat er aber keine Lust, dich zu lösen, so will ich dich nehmen, so wahr der Herr lebt. Schlaf bis zum Morgen!“ Sie schlief bis zum Morgen zu seinen Füßen. Dann stand sie auf, ehe denn einer den andern erkennen konnte .Und er dachte: Wenn nur niemand erfährt, daß das die Frau auf den Dreschplatz gekommen ist!“ Er sprach: Nimm das Tuch, das du anhast, und halte es auf. Sie hielt es ihn. Und er maß sechs Liter Gerste und lud ihr es auf sie. Dann ging er in die Stadt.

Sie aber kam zu ihrer Schwiegermutter. Die sprach: „Wie steht es mit dir, meine Tochter?“ Und sie sagte ihr alles, was ihr der Mann getan hatte, und sprach: „Diese sechs Liter Gerste gab er mir. Und er sprach: Du sollst nicht mit leeren Händen zu deiner Schwiegermutter kommen!“ Sie aber sprach: „Sei still, meine Tochter, bis du erfährst, was er mit dir vorhat. Denn der Mann wird nicht ruhen, er bringe es denn heute zu Ende (Ruth 3).

 

Boas ging hinauf zum Platz vor dem Tor und setzte sich dorthin. Und als der Löser vorüberging, sprach Boas: „Komm und setze dich hierher!“ Er kam und setzte sich. Boas nahm zehn Männer von den Ältesten der Stadt und sprach: „Setzt euch her!“ Sie setzten sich. Da sprach er zu dem Löser: „Naemi, die vom Lande der Moabiter wiedergekommen ist, bietet den Anteil an dem Feld, das unserem Bruder gehörte, zum Kauf an. Darum dachte ich, es vor deine Ohren zu bringen und zu sagen: Willst du es übernehmen und lösen so kaufe es vor den Bürgern und vor den Ältesten meines Volkes. Willst du es aber nicht lösen, so sage es mir, daß ich es wisse. Denn es ist kein anderer Löser da außer dir und ich nach dir!“Er sprach: „Ich will es übernehmen!“

Boas sprach: „An dem Tag, an dem du das Feld kaufst aus der Hand Naemis, mußt du auch die Moabiterin Ruth nehmen, die Frau des Verstorbenen, damit der Name des Verstorbenen erhalten bleibt auf seinem Erbteil. Da sprach er: „Ich kann es nicht zu übernehmen, weil ich dann mein Erbteil schädigen würde. Löse du lieber, was ich lösen sollte, denn ich kann es nicht lösen!“

Es war aber von alters her ein Brauch in Israel: Wenn einer eine Sache bekräftigen wollte, die eine Lösung oder einen Tausch betraf, so zog er seinen Schuh aus und gab ihn dem andern. Das diente zur Bekräftigung in Israel. Und der Löser sprach zu Boas: „Kaufe du es!“ und zog seinen Schuh aus.

Boas sprach zu den Ältesten und zu allem Volk: „Ihr seid heute Zeugen, daß ich von Naemi alles gekauft habe, was ihrem Mann und seinen Söhnen gehört hat. Dazu habe ich auch Ruth, als Frau gewonnen, daß ich den Namen des Verstorbenen auf seinem Erbteil und sein Name nicht ausgerottet werde unter seinen Brüdern und aus der Versammlung am Tor seines Orts. Dafür seid ihr heute Zeugen!“

Alles Volk, das am Tor war, samt den Ältesten sprachen: „Wir sind Zeugen. Der Herr mache die Frau, die in dein Haus kommt, wie Rahel und Lea, die beide das Volk Israel begründet haben. Und sei stark und werde gepriesen in Bethlehem. Deine Familie werde wie die Familie deines Vorfahren Perez, den Thamar dem Juda gebar, durch die Nachkommen, die der Herr dir geben wird von dieser Frau!“

So nahm Boas Ruth zur Frau. Und als er Liebe mit ihr machte, gab ihr der Herr, daß sie schwanger wurde und einen Sohn gebar. Da sprachen die Frauen zu Naemi: „Gelobt sei der Herr, der dir einen Löser nicht versagt hat zu dieser Zeit! Sein Name werde gerühmt in Israel! Der wir dir Freude machen und dich im Alter versorgen. Denn deine Schwiegertochter, die dich geliebt hat, hat ihn geboren, der dir mehr wert ist als sieben Söhne!“

Und Naemi nahm das Kind und legte es auf ihren Schoß und wurde seine Pflegerin. Ihre Nachbarinnen gaben ihm einen Namen und sprachen: „Naemi ist ein Kind geboren“ und nannten ihn „Obed“. Der ist der Vater Isais, und der wiederum ist Davids Vater  (Ruth 4).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Samuelbücher

 [Der Name geht darauf zurück, daß das Buch nach jüdischer Tradition von Samuel verfaßt wurde. Das 1. Buch Samuel erzählt die Geschichte Israels von der Bitte der kinderlosen Hanna um einen männlichen Nachkommen, über die Geburt des Propheten Samuels bis zum Selbstmord Sauls und dem Tod seiner Söhne im Kampf gegen die Philister. Zum letzten Kapitel findet sich eine Parallele im 1. Buch der Chronik (1 Chr 10,1–12). Neben den Erzählungen findet sich auch ein Psalm, der Lobgesang der Hanna (1 Sam 2,1).

Ein inhaltlicher Schwerpunkt ist die Entstehung des Königtums und die abwartende Haltung gegenüber diesem: Es werden deutlich die Nachteile des Königtums benannt und der Wunsch des Volkes nach einem König wird als Abfall von Gott gedeutet. Dennoch wird Saul dann als König gewählt seine Herrschaft geschildert. Die Schilderungen sind nach einigen Anfangserfolgen Sauls geprägt von der Konkurrenz Sauls mit seinem Gegenspieler David, der von Gott begünstigt wird. Auch die eigenen Familienangehörigen Sauls ergreifen für David Partei. Sauls Tochter Michal liebt David und Sauls Sohn Jonathan greift zugunsten Davids ein und warnt diesen vor seinem Vater.

Thema der Samuelbücher ist die Entstehung des Königtums im alten Israel. Die Handlung der Bücher spielt im 11. Jahrhundert vCh. Sie erreicht ihr Ziel und ihren Höhepunkt in der Begründung der davidischen Dynastie. Die Erzählungen von Samuel und Saul  lesen sich wie ein Vorspann zur Geschichte vom Aufstieg des Hirtenknaben David zum König.

Die Verschiedenheit des Materials sowie Spannungen zwischen einzelnen Erzählungen machen deutlich, daß die Samuelbücher nicht „aus einem Guß“ sind, sondern daß verschiedene Traditionen zu einer Erzählung kombiniert wurden. Die Samuelbücher haben erst um die Zeitenwende die heute übliche Gestalt bekommen.

Während die letzte Phase des Entstehungsprozesses der Samuelbücher anhand der unterschiedlichen Textformen (hebräische Bibel, griechische Bibel, Qumrantexte) gut nachvollzogen werden kann, ist man für seine Anfänge auf Theorien angewiesen. Nach breiter Übereinstimmung in der Forschung ist davon auszugehen, daß nach der Eroberung Judas durch die Babylonier (597 vCh) im Südreich ein Nachdenken über die eigene Geschichte einsetzte, um das (vorläufige) Ende der Geschichte Judas als Staat zu bearbeiten und zu deuten. Man begann, die mündlichen Traditionen über das untergegangene Königreich zu sammeln sowie die schriftlichen Quellen (wie Listen von Beamten) zu sichten. Das überlieferte Material fügte man dann zu einer fortlaufenden Erzählung zusammen. An den Schnittstellen der einzelnen Bestandteile dieser Erzählung sorgte man durch redaktionelle Ergänzungen dafür, daß ein möglichst geschlossener und folgerichtiger Text entstand. Durch diese Kombination und Verflechtung von verschiedenen Samuel-, Saul- und Davidgeschichten entstand so im 6. oder 5. vorchristlichen Jahrhundert eine Erstfassung der Samuelbücher.

Ein in der Forschung stark diskutiertes Thema ist die Frage nach den späteren Überarbeitungen (Redaktionen) des einmal entstandenen Samuelbuchs. Im Zentrum der Diskussion stehen Texte, die als deuteronomistisch bezeichnet werden, weil sie eng mit der Sprache und den Inhalten des Deuteronomiums verbunden sind. Diese Texte gehen auf eine theologische Schule zurück, die sogenannten Deuteronomisten.

Umstritten ist, ob die Deuteronomisten als Verfasser der Samuelbücher gelten können, also ob sie es waren, die die Samuel-, Saul- und Davidgeschichten zu einem neuen Buch zusammengefügt und an den Schlüsselstellen ihre eigenen Positionen eingefügt haben. Eine andere Möglichkeit ist, daß die Deuteronomisten ein bereits bestehendes Samuelbuch erweitert haben, vielleicht sogar in mehreren Durchläufen zu verschiedenen Zeiten. Dann hätte man mit mehreren deuteronomistischen Redaktionen zu rechnen, die zeitlich zwischen dem 6. und 3. Jahrhundert vCh liegen können. Nicht strittig ist das Ergebnis dieses Prozesses: Die Samuelbücher sind in ihrer Endfassung stark von deuteronomistischem Gedankengut geprägt und bilden zusammen mit den Büchern Deuteronomium, Josua, Richter und Könige einen Teil des Deuteronomistischen Geschichtswerks].

 

 

 

 

 

 

 

Erstes Buch Samuel

[Die Person Samuel wird in den Samuelbüchern in die Reihe der kleinen Richter des Richterbuchs  stellt. Im Wesentlichen wird Samuel jedoch als Prophet gesehen. Insbesondere seine wunderbare Geburt und Berufung, sein fürbittendes Handeln für das Volk, seine Reden über das vom Volk begehrte Königsamt sowie seine Vor­würfe gegenüber Saul lassen ihn als Propheten erscheinen, der viele Züge des „Ur-Pro­phe­­ten“ Mose trägt. Viele der Samuel-Berichte gelten in der Forschung als späte redaktionelle Bildungen, aus denen nicht ohne weiteres historische Fakten über die Person Samuel gewonnen werden können. Versucht man, die in den Samuelbüchern gezeichneten Bilder von zu gewichten, ist Samuels Rolle als Richter glaubhafter als die des Propheten, gerade weil letztere breit ausgeschmückt ist und für die Etablierung der davidischen Dynastie instrumentalisiert wird].

 

Samuels Geburt:

Es war ein Mann auf dem Gebirge Ephraim, der hieß Elkana. Der er hatte zwei Frauen. Eine hieß Hanna, die andere Peninna. Peninna aber hatte Kinder, und Hanna hatte keine Kinder. Dieser Mann ging jährlich hinauf von seiner Stadt, um anzubeten und dem Herrn in Silo zu opfern. Dort waren die zwei Söhne Elis die Priester des Herrn. An dem Tag, an dem Elkana opferte, gab er seinem Weib Peninna und allen ihren Söhnen und Töchtern einige Stücke vom Opferfleisch. Ein besonderes Stück aber gab er  Hanna, auch wenn er traurig war, denn er hatte Hanna lieb, obwohl der Herr sie ohne Kinder hatte sein lassen.

Ihre Widersacherin kränkte und reizte sie deswegen sehr. So ging es alle Jahre: Wenn sie mit hinaufzog zum Haus des Herrn, dann betrübte jene sie. So weinte sie dann und aß nichts. Elkana aber sprach zu ihr: „Hanna, warum weinst du und warum ißt du nichts. Warum ist dein Herz so traurig? Bin ich dir nicht mehr wert als zehn Söhne?“

Nachdem sie gegessen und getrunken hatten in Silo und sie von Herzen betrübt war und betete zum Herrn und sehr weinte, da legte sie ein Gelübde ab: „Herr Zebaoth, wenn du das Elend deiner Dienerin ansehen und ihr einen Sohn geben wirst, so will ich ihn dem Herrn geben sein Leben lang und es soll kein Schermesser auf sein Haupt kommen!“

Als sie lange betete vor dem Herrn, achtete der Priester Eli auf ihren Mund. Denn Hanna redete in ihrem Herzen: Nur ihre Lippen regten sich, aber ihre Stimme hörte man nicht. Da meinte Eli, sie wäre betrunken und sprach zu ihr: „Wie lange willst du betrunken sein? Gib den Wein her, den du getrunken hast!“

Hanna aber antwortete: „Nein, mein Herr! Ich bin eine betrübte Frau. Ich habe keinen Wein oder starkes Getränk getrunken, sondern ich habe mein Herz vor dem Herrn ausgeschüttet.

Sieh doch deine Dienerin nicht als eine haltlose Frau an, denn ich habe aus meinem großen Kummer und Herzeleid so lange geredet!“   Eli antwortete: Gehe hin mit Frieden! Der Gott Israels wird dir deine Bitte erfüllen!“ Sie sprach: „Laß deine Dienerin doch Gnade finden vor deinen Augen!“

So ging die Frau ihres Wegs und aß und sah nicht mehr so traurig aus. Am Morgen machten sie sich früh auf und kamen wieder heim nach Rama. Als Elkana diesmal Liebe machte mit seiner Frau Hanna,  dachte  der Herr an sie und Hanna wurde schwanger und gebar einen Sohn und nannte ihn Samuel, und sprach: „Ich habe ihn von dem Herrn erbeten“.

 

 

Als Elkana hinaufzog mit seiner ganzen Familie, um dem Herrn das jährliche Opfer zu opfern und sein Gelübde zu erfüllen, zog Hanna nicht mit hinauf, sondern sprach zu ihrem Mann: „Wenn der Junge entwöhnt ist, will ich ihn bringen, daß er vor dem Herrn erscheine und dort für immer bleibe!“

Elkana sprach zu ihr: „So tue, wie es dir gefällt: Bleib, bis du ihn entwöhnst hast. Der Herr aber bestätige,  was er geredet hat!“ So blieb die Frau und stillte ihren Sohn, bis sie ihn entwöhnt hatte. Dann nahm sie ihn mit sich hinauf nach Silo, dazu einen dreijährigen Stier, ein Topf Mehl und ein Krug Wein.

Sie brachte den Jungen in das Haus des Herrn in Silo. Sie schlachteten den Stier und brachten den Jungen zu Eli. Hanna sprach: „Ach, mein Herr, ich bin die Frau, das hier bei dir stand, um zum Herrn zu beten. Um diesen Jungen bat ich. Nun hat der Herr mir die Bitte erfüllt. Darum gebe ich ihm dem Herrn wieder sein Leben lang, weil er vom Herrn erbeten ist!“ Und sie beteten dort den Herrn an (1.Sam 1).

Hanna singt ein Loblied mit den bekannten Worten: „Der Herr tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten  und wieder heraus. Der Herr macht arm und macht reich, er erniedrigt und erhöht. Elkana aber ging hin nach Rama in sein Haus. Der Junge aber war der  Diener des Herrn vor dem Priester Eli (1. Sam 2,1-11).

 

Die Bosheit der Söhne Elis:

Aber die Söhne Elis waren ruchlose Männer, die fragten nicht nach dem Herrn noch nach dem Recht der Priester gegenüber dem Volk. Wenn jemand etwas opfern wollte, so kam der Diener des Priesters und hatte eine Gabel mit drei Zacken in seiner Hand. Wenn dann das Fleisch kochte, und stieß er damit in den Topf oder die Pfanne. Was er mit der Gabel hervorzog, das nahm der Priester für sich. So taten sie allen in  Israel, die nach Silo kamen. So machten sie es auch, wenn einer ein Brandopfer bringen und das Fett anzünden wollte, da sprach der Diener des Priesters: „Gib mir das Fleisch, den der Priester will nicht gekochtes Fleisch, sondern rohes zum Braten. Du sollst es mir gleich jetzt geben. Wenn nicht so will ich es mit Gewalt nehmen!“

Samuel aber war ein Diener vor dem Herrn. Der Junge war umgürtet mit einem leinenen Priesterschurz. Dazu machte ihm seine Mutter ein kleines Oberkleid und brachte es ihm hinauf Jahr um Jahr, wenn sie mit ihrem Mann hinaufging, um das jährliche Opfer darzubringen. Eli segnete Elkana und seine Frau und sprach: „Der Herr gebe dir Kinder von dieser Frau anstelle des zuerst erbetenen Kindes, das nun im Tempel ist!“ Sie gingen zurück in ihren Ort. Da wurde Hanna schwanger und gebar mit der Zeit  drei Söhne und zwei Töchter. Aber Samuel wuchs auf bei dem Herrn.

Eli aber war sehr alt und erfuhr alles, was seine Söhne taten dem ganzen Israel, und daß sie schliefen bei den Frauen, die vor der Tür der Stiftshütte dienten. Er sprach zu ihnen: „Warum tut ihr so böse Dinge, von denen ich höre im diesem ganzen Volk. Nicht doch, meine Söhne! Das ist kein gutes Gerücht, von dem ich höre im Volk des Herrn. Wenn jemand gegen einen Menschen sündigt, so kann es Gott entscheiden. Wenn aber jemand gegen den Herrn sündigt, wer soll es dann für ihn entscheiden?“ Aber sie gehorchten ihrem Vater nicht, denn der Herr war willens, sie zu töten. Aber  Samuel nahm immer mehr zu an Alter und Gunst bei dem Herrn und bei den Menschen.

Es kam aber ein Mann Gottes zu Eli und sprach zu ihm: „So spricht der Herr: Ich habe mich offenbart der Familie deines Vaters, als die Israeliten noch in Ägypten dem Pharao gehörten. Ich habe die Familie dort erwählt vor allen Stämmen Israels zum Priestertum, daß er opfern sollte auf meinem Altar und Räucherwerk anzünden und den Priesterschurz vor mir zu tragen!“

Dann fährt er fort: „Ich habe der Familie deines Vaters alle Feueropfer der Israeliten gegeben. Warum tretet ihr denn mit Füßen meine Schlachtopfer und Speisopfer, die ich für meine Wohnung geboten habe? Und du ehrst deine Söhne mehr als mich, daß ihr euch mästet von dem besten aller Opfer meines Volkes Israel!“

Dann sagt der Mann das Ende des Priestertums Elis an: „Darum spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe gesagt, deine Familie sollte immer vor mir hergehen. Das sei nun fern von mir! Sondern wer mich ehrt, den will ich auch ehren. Wer aber mich verachtet, der soll wieder verachtet werden. Siehe, es wird die Zeit kommen, daß ich deinen Arm und den Arm deines Vater abhauen will, daß es keinen Alten geben wird in deinem Haus, und daß du deinen Widersacher im Heiligtum sehen wirst  bei allem Gutem, das Israel geschehen wird, und es wird niemals mehr jemand alt werden in der Familie deines Vaters!“

Nur eine Hoffnung bleibt noch: „Doch nicht einen jeden will ich vor meinem Altar ausrotten und deine Seele sich gräme. Aber der größte Teil deiner Familie soll sterben, wenn sie Männer geworden sind. Und das soll dir ein Zeichen sein, das über deine zwei Söhne kommen wird: Sie werden beide an einem Tag sterben. Ich will aber mir einen treuen Priester erwecken, der wird tun, wie es meinem Herzen und meiner Seele gefällt. Dem will ich ein beständiges Haus bauen, daß er immer vor meinem Gesalbten hergehe. Und wer übrig ist von deinem Haus, der wird kommen und vor jenem niederfallen, um ein Silberstück oder eine Scheibe Brot zu erlangen, und wird sagen: Laß mich doch Anteil haben an deinem Priesteramt, daß ich einen Bissen Brot zu essen habe!“ (1. Sam 2,12-36).

 

Samuels Berufung:

Als der junge  Samuel unter Eli dem Herrn diente, war das Wort des Herrn selten und es gab wenig Weissagung. Zu dieser Zeit lag Eli an seinem Ort, und seine Augen fingen an, dunkel zu werden, so daß er nicht mehr sehen konnte. Die Lampe Gottes war noch nicht verloschen. Auch Samuel hatte sich gelegt im Heiligtum des Herrn, wo die Lade Gottes war.

Da rief der Herr Samuel. Er aber antwortete: „Siehe, hier bin ich!“ Er lief zu Eli und sprach: „Siehe, hier bin ich!“ Du hast mich gerufen?“. Er aber sprach: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder hin und lege dich schlafen!“ Und er ging hin und legte sich schlafen. Aber der Herr rief abermals: „Samuel!“ Und Samuel stand auf und ging zu Eli und sprach: „Siehe, hier bin ich!“ Du hast mich gerufen?“ Eli aber sprach: „Ich habe nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder hin und lege dich schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart.

 Der Herr rief Samuel wieder, zum drittenmal. Samuel stand auf und ging zu Eli und sprach: „Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen!“ Da merkte Eli, daß der Herr den Jungen rief. Er sprach zu ihm: „Geh wieder hin und lege dich schlafen. Aber wenn du gerufen wirst, so sprich: Rede, Herr, denn dein Diener hört!“ Samuel ging hin und legte sich an seinen Ort. Da kam der Herr und trat heran und rief wie vorher: „Samuel, Samuel!“ Samuel sprach: „Rede, denn dein Diener hört!“

Der Herr sprach zu Samuel: „Siehe, ich werde etwas tun in Israel, wovon jedem, der das hören wird, dem werden seine beiden Ohren gellen. An dem Tag will ich über Eli kommen lassen, was ich gegen seine Familie geredet habe, ich will es anfangen und vollenden. Denn ich habe es ihm angesagt, daß ich seine Familie  für immer richten will, wegen seiner Schuld, denn er wußte, wie seine Söhne sich schändlich verhielten, und hat ihnen nicht gewehrt. Darum habe ich der Familie Elis geschworen, daß die Schuld der Familie solle nicht gesühnt werden weder mit Schlachtopfer noch mit Speisopfer auf ewig!“

Samuel lag bis an den Morgen und tat die Türen am Haus des Herrn auf. Samuel aber fürchtete sich, Eli zu sagen, was der Herr ihm vorausgesagt hatte. Da rief ihn Eli und sprach: Samuel, mein Sohn!“ Er antwortete: „Siehe, hier bin ich!“ Eli sprach: „Was war das für ein Wort, das er dir gesagt hat? Verschweige mir nichts. Gott tue dir dies und das, wenn du mir etwas verschweigst, das er dir gesagt hat!“ Da sagte ihm Samuel alles und verschwieg ihm nichts. Eli aber sprach: „Es ist der Herr, er tue, was ihm wohl gefällt!“

Samuel aber wuchs heran und der Herr war mit ihm und ließ keines unter allen seinen Worten auf die Erde fallen. Und ganz Israel von Dan bis Beer-Seba erkannte, daß Samuel beauftragt war, ein Prophet des Herrn zu sein .Er erschien weiter in Silo, denn er offenbarte sich durch Samuel in Silo durch sein Wort. Und Samuels Wort erging an ganz Israel (1. Sam 3).

 

Verlust und Rückkehr der Bundeslade

Zu der Zeit sammelten sich die Philister zum Kampf gegen Israel. Israel aber zog den Philistern entgegen in den Kampf. Die Israeliten lagerten sich bei Eben-Ezer. Die Philister aber hatten sich gelagert bei Aphek und stellten sich Israel gegenüber auf. Der Kampf breitete sich aus und Israel wurde vor den Philistern geschlagen: Sie erschlugen in der Feldschlacht um die viertausend Mann.

Als das Volk ins Lager kam, sprachen die Ältesten Israels: „Warum hat uns der Herr heute vor den Philistern geschlagen? Laßt uns die Bundeslade zu uns holen von Silo und laßt sie mit uns ziehen, damit Gott uns errette aus der Hand unsrer Feinde!“ Das Volk sandte Boten nach Silo und ließ von dort die Bundeslade holen. Als die Lade des Bundes des Herrn ins Lager kam, jauchzte ganz Israel mit großem Jauchzen, daß die Erde erdröhnte.

Als aber die Philister das Jauchzen hörten, sprachen sie: „Was ist das ein großes Jauchzen im Lager der Hebräer?“ Als sie aber erfuhren, daß die Lade des Herrn ins Lager gekommen wäre,

fürchteten sie sich und sprachen: „Gott ist ins Lager gekommen“ und sie riefen: „Wehe uns, denn so etwas ist vorher nicht geschehen! Wehe uns! Wer will uns erretten von der Hand dieser mächtigen Götter?  Das sind die Götter, die Ägypten schlugen mit allerlei Plage in der Wüste. So seid nun stark ihr Männer, ihr Philister, damit ihr nicht dienen müßt den Hebräern, wie sie euch gedient haben! Seid Männer und kämpft!“

Da zogen die Philister in den Kampf, und Israel wurde geschlagen, und jeder floh in sein Zelt. Die Niederlage war sehr groß und es fielen aus Israel dreißigtausend Mann Fußvolk. Die Lade Gottes wurde weggenommen, und die zwei Söhne Elis starben.

Da lief einer von Benjamin aus dem Heerlager und kam am selben Tag nach Silo und hatte seine Kleider zerrissen und hatte Erde auf sein Haupt gestreut. Als er hineinkam, saß Eli auf dem Stuhl und gab acht nach der Straße hin, denn sein Herz bangte um die Lade Gottes. Und als der Mann in die Stadt kam, teilte er alles mit und die ganze Stadt schrie auf.

Als Eli das laute Schreien hörte, fragte er: „Was ist das für ein großer Lärm?“ Da kam der Mann eilends und sagte Eli alles. Eli war achtundneunzig Jahre alt, und seine Augen waren so schwach, daß er nicht mehr sehen konnte. Der Mann aber sprach zu Eli: „Ich komme vom Heerlager und bin heute aus der Schlacht geflohen!“ Eli aber sprach: „Wie ist es ergangen, mein Sohn?“ Da antwortete der Bote: „Israel ist geflohen vor den Philistern, und das Volk ist hart geschlagen, und deine beiden Söhne sind tot, und auch die Lade Gottes ist weggenommen!“ Als der Bote aber die Lade Gottes erwähnte, fiel Eli rückwärts vom Stuhl und brach seinen Hals i und starb, denn er war alt und ein schwerer Mann. Er richtete aber Israel vierzig Jahre.

Die Philister aber nahmen die Bundeslade und brachten sie nach Asdod  in den Tempel Dagons und stellten sie neben Dagon. Als aber die Leute von Asdod am anderen Morgen früh aufstanden und in den Tempel Dagons kamen, fanden sie Dagon auf seinem Antlitz liegen auf der Erde vor der Lade des Herrn. Sie nahmen den Dagon und setzten ihn wieder an seinen Ort. Als sie aber am anderen Morgen früh aufstanden, fanden sie Dagon erneut auf seinem Antlitz liegen auf der Erde vor der Lade des Herrn, aber sein Haupt und seine beiden Hände waren abgeschlagen auf der Schwelle, so daß der Rumpf allein dalag. Darum treten die Priester Dagons und alle, die in Dagons Tempel gehen, nicht auf die Schwelle Dagons in Asdod bis auf diesen Tag.

Aber die Hand des Herrn war schwer auf den Leuten von Asdod und er brachte Verderben über sie und schlug sie mit bösen Beulen, Asdod und sein ganzes Gebiet. Als aber die Leute in Asdod sahen, daß es so zuging, sprachen sie: „Laßt die Lade des Gottes Israels nicht bei uns bleiben, denn seine Hand liegt zu hart über uns und unserem Gott Dagon!“

Sie sandten Boten aus und versammelten alle Fürsten der Philister zu sich und sprachen: „Was sollen wir mit der Lade des Gottes Israels machen?“ Da antworteten sie: „Laßt die Lade des Gottes Israels nach Gath tragen!“ Und sie trugen die Lade des Gottes Israels dorthin. Als sie aber die Lade dorthin getragen hatten, entstand in der Stadt ein sehr großer Schrecken durch die Hand des Herrn, denn er schlug die Leute in der Stadt, klein und groß, so daß an ihnen Beulen ausbrachen.

Da sandten sie die Lade des Herrn nach Ekron. Als aber die Lade Gottes nach Ekron kam, schrieen die von Ekron: „Sie haben die Lade Gottes hergetragen zu uns, daß sie uns töte und unser Volk!“ Da sandten sie wieder Boten hin und versammelten alle Fürsten der Philister und sprachen: „Sendet die Lade des Gottes Israels zurück an ihren Ort, daß sie uns und unser Volk nicht töte!“ Denn es kam ein tödlicher Schrecken über die ganze Stadt und die Hand Gottes lag schwer auf ihr. Und die Leute, die nicht starben, wurden geschlagen mit Beulen und das Geschrei der Stadt steig auf zum Himmel.

So war die Lade des Herrn sieben Monate im Land der Philister. Die Philister riefen ihre Priester und Weissager und sprachen: „Was sollen wir mit der Lade des Herrn machen? Laßt uns wissen, wie wir sie an ihren Ort senden sollen?“ Sie sprachen: „Wollt ihr die Lade des Gottes Israels zurücksenden, so sendet sie nicht ohne eine Gabe, sondern gebt ihm eine Sühnegabe, so werdet ihr gesund werden und es wird euch deutlich werden, warum seine Hand nicht von euch läßt!“

Sie aber sprachen: „Was ist die Sühnegabe, die wir ihm geben sollen?“ Sie antworteten: „Fünf goldene Beulen und fünf goldene Mäuse nach der Zahl der fünf Fürsten der Philister; denn es ist ein und dieselbe Plage gewesen über euch alle und über eure Fürsten. Macht Abbilder eurer Beulen und eurer Mäuse, die euer Land zugrunde gerichtet haben, so daß ihr dem Gott Israels die Ehre gebt. Vielleicht wird seine Hand leichter werden über euch und über euren Gott und über euer Land. Warum verstockt ihr euer Herz, wie die Ägypter und Pharao ihr Herz verstockten? Ist es nicht so: Als er seine Macht an ihnen bewies, ließen sie sie fahren, so daß sie gehen konnten?“

Dann schlagen die Wahrsager weiter vor; „So macht  nun einen neuen Wagen und nehmt zwei säugende Kühe, auf die noch kein Joch gekommen ist. Spannt sie an den Wagen und laßt ihre Kälber daheim bleiben. Nehmt die Lade des Herrn und legt sie auf den Wagen. Und die Dinge aus Gold, die ihr ihm als Sühne gebt, tut in ein Kästlein daneben. Sendet sie hin und laßt sie gehen. Achtet darauf: Geht die Lade hinauf in ihr Land auf Beth-Schemes zu, so hat ihr Gott uns das große Übel getan. Wenn nicht, so wissen wir, daß nicht seine Hand uns getroffen hat, sondern es uns zufällig widerfahren ist!“

Die Leute machten es so und nahmen zwei säugende Kühe und spannten sie an den Wagen und legten die Lade des Herr auf den Wagen und das Kästlein mit den goldenen Mäusen und mit den Bildern ihrer Beulen daneben. Die Kühe gingen geradewegs auf Beth-Schemes, immer auf derselben Straße. Sie blökten immerzu und wichen weder zur Rechten noch zur Linken. Und die Fürsten der Philister gingen ihnen nach bis zum Gebiet von Beth-Schemes.

Die Leute von Beth-Schemes aber schnitten gerade den Weizen im Grund, und als sie ihre Augen aufhoben und die Lade sahen und freuten sich, sie zu sehen.

Der Wagen aber kam auf den Acker Josuas, und stand dort still. Da war ein großer Stein. Sie spalteten das Holz des Wagens und opferten die Kühe dem Herrn zum Brandopfer. Die Leviten aber hoben die Lade des Herrn herab und das Kästlein, in dem die Dinge aus Gold waren, und setzten sie auf den großen Stein.

Die Leute von Beth-Schemes opferten dem Herrn am gleichen Tag Brandopfer und Schlachtopfer. Als aber die fünf Fürsten der Philister das gesehen hatten, zogen sie am selben Tag wieder nach Ekron. Zeuge bis auf diesen Tag ist der große Stein, auf dem sie die Lade des Herrn ließen, auf dem Acker Josuas aus Beth- Schemes.

Aber die Söhne Jechonjas freuten sich nicht mit den Leuten von Beth-Semes, als sie die Lade des Herrn sahen. Der Herr schlug unter ihnen siebzig Mann. Da trug das Volk Leid, daß der Herr das Volk so hart hatte. Die Leute von Beth-Schemes sprachen aber: „Wer kann bestehen vor dem Herrn, dem heiligen Gott? Und zu wem soll er von uns wegziehen?“

Sie sandten Boten zu den Bürgern von Kirjath-Jearim und ließen ihnen sagen: „Die Philister haben uns die Lade des Herrn zurückgebracht. Kommt herab und holt sie zu euch hinauf!“  So kamen die Leute von Kirjath-Jearim und holten die Lade des Herrn hinauf und brachten sie ins Haus Abinadabs auf dem Hügel. Sie weihten Eleasar, daß er die Lade des Herrn bewache  (1. Sam 4,1 – 7,1).

 

Samuels Richteramt:

Die Lade des Herrn blieb zwanzig Jahre in Kirjath-Jearim. Dann wandte sich ganz Israel zu dem Herrn. Samuel aber sprach zum ganz Israel: „Wenn ihr euch von ganzem Herzen bekehrt zu dem Herrn bekehren wollt, so tut von euch die fremden Götter und die Astarten richtet euer Herz zu dem Herrn und dient ihm allein, so wird er euch erretten aus der Hand der Philister!“ Da taten die Israeliten von sich die Baale und die Astarten und dienten dem Herrn allein.

Samuel aber sprach: „Versammelt ganz Israel in Mizpa, daß ich für euch zum Herrn bete!“ Sie kamen zusammen nach Mizpa und schöpften Wasser und gossen es aus vor dem Herrn und fasteten an diesem Tag und sprachen: „Wir haben an dem Herrn gesündigt!“ So richtete Samuel die Israeliten in Mizpa. Als aber die Philister hörten, daß die Israeliten zusammengekommen waren in Miz­pa, zogen die Fürsten der Philister hinauf gegen Israel. Als das die Israeliten hörten, fürchteten sie sich vor den Philistern und sprachen zu Samuel: „Laß nicht ab, für uns zu schreien zu dem Herrn, unserm Gott, daß er uns helfe aus der Hand der Philister!“

Samuel nahm ein Milchlamm und opferte dem Herrn ein Brandopfer und schrie zum Herrn für Israel, und der Herr erhörte ihn: Als Samuel das Brandopfer opferte, kamen die Philister heran, um mit Israel zu kämpfen. Da ließ der Herr donnern einen donnern mit großem Schall über die Philister an diesem Tag und erschreckte sie, so daß sie von Israel geschlagen wurden. 

 

Da zogen die Männer Israels aus von Mizpa und jagten die Philister und schlugen sie. Da nahm Samuel einen Stein und setzte ihn zwischen Mizpa und Sen und hieß ihn „Eben-Ezer“ (= Stein der Hilfe) und sprach: „Bis hierher hat uns der Herr geholfen!“

So wurden die Philister gedemütigt und kamen nicht mehr in das Gebiet Israels. Und die Hand des Herrn war gegen die Philister, solange Samuel lebte. Auch eroberte Israel die Städte zurück, die die Philister ihnen genommen hatten, von Ekron an bis nach Gath samt ihrem Gebiet. Und Israel hatte Frieden mit den Amoritern. Samuel aber richtete Israel sein Leben lang und zog Jahr für Jahr umher und kam nach Bethel und Gilgal und Mizpa. Und wenn er Israel an allen diesen Orten gerichtet hatte, kam er wieder nach Rama (denn da war sein Haus) und richtete Israel dort. Auch baute er dem Herrn dort einen Altar (1. Sam 7,2-17).

[Einen Schwerpunkt legen die Samuelbücher auf die Bestimmung Sauls zum ersten israelitischen König. Innenpolitisch soll er die Rechtsprechung sichern, außenpolitisch soll er Israel gegen seine Feinde schützen, wie es sich bei anderen Völkern bewährt. Die Texte erzählen dann auf verschiedene Weise, wie Saul zum ersten König Israels bestimmt wird: Ein Prophet (Samuel) salbt ihn im Auftrag Gottes, es wird ein Losverfahren durchgeführt und körperliche Größe wird als Kriterium genannt. Diese Vielfalt an Erzählmotiven deutet darauf hin, daß unterschiedliche Erzählungen von der Krönung Sauls miteinander verwoben wurden. Historisch glaubhaft ist insbesondere, daß die Bevölkerung einen militärischen Führer fordert, um gemeinsam gegen die außenpolitischen Bedrohungen vorzugehen. Das ist dann auch die Rolle, die Saul in der weiteren Erzählung spielt: Er verteidigt Israel gegen die Amalekiter und vor allem gegen die Philister  Bei einer militärischen Auseinandersetzung mit den Philistern kommt er schließlich ums Leben].

Israel begehrt einen König:

Als Samuel alt geworden war, setzte er seine Söhne als Richter über Israel ein in Beer-Seba.  Aber seine Söhne lebten nicht wie er, sondern suchten ihren Vorteil und nahmen Geschenke und beugten das Recht. Da versammelten sich alle Ältesten in Israel und kamen nach Rama zu Samuel und sprachen: „Siehe, du bist alt geworden, und deine Söhne gehen nicht auf deinen Wegen. So setze nun einen König über uns ein, der uns richte, einen König, wie ihn alle anderen Völker haben!“

Das mißfiel Samuel, daß sie sagten: „Gib uns einen König, der uns richte!“ Und Samuel betete vor dem Herrn. Der Herr aber sprach zu Samuel: „Gehorche der Stimme des Volks in allem, was sie zu dir gesagt haben, denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, daß ich nicht mehr König über sie sein soll. Sie tun dir, wie sie immer getan haben von dem Tag an, als ich sie aus Ägypten führte, bis auf diesen Tag, und sie mich verlassen und anderen Göttern gedient haben. So gehorche nun ihrer Stimme. Doch warne sie und verkündige ihnen das Recht des Königs, der über sie herrschen wird!“

Samuel sagte alle Worte des Herrn dem Volk, das von ihm einen König forderte, und sprach: „Das wird des Königs Recht sein, der über euch herrschen wird: Eure Söhne wird er nehmen für seinen Wagen,  daß sie vor seinem Wagen her laufen. Er wird sie zu Ackerleuten machen, die ihm seinen Acker bearbeiten und die Ernte einsammeln. Sie müssen seine Kriegswaffen machen und was zu seinen Wagen gehört. Eure Töchter aber wird er nehmen, daß sie Salben bereiten, kochen und backen. Eure besten Äcker und Weinberge und Ölgärten wird er nehmen und seinen Großen geben. Von euren Kornfeldern und Weinbergen wird er den zehn Prozent nehmen und seinen Finanzleuten und Großen geben!“

Dann fiuhr er fort: „Eure Arbeiter und Arbeiterinnen und eure besten Rinder  und eure Esel wird er nehmen und in seinen Dienst stellen.  Auch von euren Herden wird er zehn Prozent nehmen, und ihr müßt seine Diener sein. Wenn ihr dann schreien werdet über euren König, den ihr gewählt habt, dann wird der Herr euch nicht erhören!“

Aber das Volk weigerte sich, der Stimme Samuels zu gehorchen, und sie sprachen: Nein, sondern ein König soll über uns sein, damit wir auch seien wie alle anderen Völker, daß uns unser König richte und vor uns her ziehe und unsere Kriege führe!“ Als Samuel alle Worte des Volks gehört hatte, sagte er sie vor den Ohren des Herrn. Der Herr aber sprach zu Samuel: „Gehorche ihrer Stimme und mache ihnen einen König!“ Und Samuel sprach zu den Männern Israels: „Geht hin, ein jeder in seine Stadt (1. Sam 8).

 

Saul wird König:

Es war aber ein wohlhabender Mann aus dem Stamm Benjamin mit dem Namen Kis. Er hatte einen Sohn mit Namen Saul. Der war ein junger, schöner Mann, und war kein schönerer unter den Israeliten, einen Kopf größer als alles Volk. Weil Kis seine Eselinnen verloren hatte, sprach zu seinem Sohn Saul: „Nimm einen Arbeiter mit dir, mache dich auf, gehe hin und suche die Eselinnen!“ Sie gingen durch das Gebirge Ephraim und eine Reihe anderer Gebiete und fanden sie nicht.

Da sprach Saul zu seinem Begleiter: „Komm, laß uns wieder heimgehen, mein Vater könnte sich statt um die Eselinnen um uns sorgen!“  Der aber sprach: „Siehe, es ist ein berühmter Mann Gottes in dieser Stadt. Alles, was er sagt, das trifft ein. Laß uns dahin gehen, vielleicht sagt er uns unsern Weg, den wir gehen sollen!“

Saul aber sprach: „Wenn wir schon hingehen, was bringen wir dem Mann? Denn das Brot in  unserm Sack ist verzehrt. Wir haben keine Gabe, die wir dem Mann Gottes bringen könnten. Was haben wir sonst?“ Der Mann antwortete Saul: „Siehe, ich habe ein Viertel Silberstück bei mir. Das wollen wir dem Mann Gottes geben, daß er uns unseren Weg sage!“

Saul sprach zu dem Arbeiter: „Du hast recht geredet. Komm laß uns gehen!“ Als sie hingingen zu der Stadt, da der Mann Gottes war, und zur Stadt hinaufstiegen, trafen sie Mädchen, die herausgingen, um Wasser zu schöpfen. Zu denen sprachen sie: „Ist der Seher hier?“ (So nannte man damals die Propheten). Sie antworteten ihnen: „Ja, er war gerade vor dir da. Beeile dich, denn er ist heute in die Stadt gekommen, weil das Volk heute sein Opferfest hat auf der Höhe. Wenn ihr in die Stadt kommt, so werdet ihr ihn finden, ehe er hinaufgeht auf die Höhe, um zu essen. Denn das Volk wird nicht essen, bis er kommt Er segnet ja erst das Opfer, danach essen alle, die eingeladen sind. Darum geht hinauf, denn jetzt werdet ihr ihn antreffen!“

Als sie hinauf zur Stadt kamen und in die Stadt eintraten,  da ging Samuel heraus und wollte auf die Höhe gehen.  Aber der Herr hatte Samuels Ohren offenbart einen Tag zuvor und gesagt: „Morgen um diese Zeit will ich einen Mann zu dir senden aus dem Lande Benjamin. Den sollst du zum Fürsten salben über mein Volk Israel, daß er mein Volk errette von der Hand der Philister. Denn ich habe das Elend meines Volks angesehen und sein Geschrei ist vor mich gekommen!“

Als Samuel nun Saul sah, sagte ihm der Herr: „Siehe, das ist der Mann, von dem ich dir gesagt habe, daß er über mein Volk herrschen soll!“ Da trat Saul zu Samuel am Tor und sprach: „Sage mir, wo ist hier das Haus des Sehers?“ Samuel antwortete: „Ich bin der Seher. Gehe vor mir hinauf auf die Höhe, denn ihr sollt heute mit mir essen. Morgen will ich dich gehen lassen, und alles, was du auf dem Herzen hast, will ich dir sagen. Um die Eselinnen, die du vor drei Tagen verloren hast, kümmere dich jetzt nicht: sie sind gefunden. Wem gehört denn alles, was wertvoll ist in Israel? Gehört es nicht dir und der Familie deines Vaters?“

Saul antwortete: „Bin ich nicht ein Benjamiter und aus einem der kleinsten Stämme Israels? Ist nicht meine Sippe die kleinste unter allen Sippen des Stammes Benjamin? Warum sagst du mir denn so etwas?“

Samuel aber nahm Saul und seinen Begleiter und führte sie in die Halle und setzte sie obenan unter die Geladenen, das waren rund dreißig Mann. Samuel sprach zu dem Koch: „Gib her Stück das, das ich dir gab und dabei befahl, du sollst es bei dir zurückbehalten!“ Da trug der Koch eine Keule auf.  Er legte es vor Saul und sprach: „Siehe, hier ist das Übriggebliebene. Lege vor dich hin und iß. Denn als ich das Volk einlud, ist es für dich aufbewahrt worden für diese Stunde!“  So aß Saul an diesem Tag mit Samuel Als sie hinabgegangen waren von der Höhe zur Stadt, machten sie Saul ein Lager auf dem Dach und er legte sich schlafen. Als die Morgenröte aufging, rief Samuel zum Dach hinauf: „Steh auf, daß ich dich geleite!“

Saul stand auf, und er und Samuel gingen miteinander hinaus. Als sie hinab kamen an der Stadt Ende, sprach Samuel zu Saul: „Sage dem Arbeiter, daß er uns vorangehe. Du aber stehe jetzt still, daß ich dir kundtue, was Gott gesagt hat!“ Da nahm Samuel ein Ölglas und goß auf Sauls Haupt und küßte ihn und sprach: „Siehst du, daß dich der Herr zum Fürsten über sein Erbteil gesalbt hat? Wenn du jetzt von mir gehst, so wirst du zwei Männer finden bei dem Grabe Rahels an der Grenze zu Benjamin, die werden dir sagen: Die Eselinnen sind gefunden, die du zu suchen bist gegangen. Dein Vater hat die Esel gar nicht mehr im Sinn und sorgt um euch und spricht: Was soll ich wegen meines Sohns tun? Und wenn du von da weiter gehst, so wirst du zu der Eiche Tabor kommen. Dort werden dich drei Männer treffen, die hinaufgehen zu Gott nach Bethel. Einer trägt drei Böcklein, der andere drei Brote, der dritte einen Krug mit Wein. Sie werden dich freundlich grüßen und dir zwei Brote geben. Die sollst du von ihren Händen nehmen!“

Samuel fährt fort: „Danach wirst du nach Gibea kommen, wo die Wache der Philister ist. Und wenn du dort in die Stadt kommst, wird dir eine Schar von Propheten begegnen, die von der Höhe herabkommen, und vor ihnen her kommen Harfe und Pauke, Flöte und Zither. Sie werden in Ekstase sein. Der Geist des Herrn wird auch über dich geraten, daß du mit ihnen in Ekstase gerätst. Da wirst du umgewandelt und ein anderer Mensch werden. Wenn bei dir nun diese Zeichen eintreffen, so tue, was dir vor die Hände kommt, denn Gott ist mit dir. Du sollst aber vor mir hinabgehen nach Gilgal. Dann will ich zu dir hinabkommen, um Brandopfer und Dankopfer zu opfern. Sieben Tage sollst du warten, bis ich zu dir komme und dir kundtue, was du dann tun sollst!“

Als Saul sich wandte, um von Samuel wegzugehen, gab Gott ihm ein anderes Herz, und alle diese Zeichen trafen ein an demselben Tag. Und als sie an den Hügel Gibea kamen, da kam ihm eine Prophetenschar entgegen, und der Geist Gottes geriet über ihn, so daß er mit ihnen in Ekstase geriet. Als sie ihn aber sahen alle, die ihn früher gekannt hatten, wie er mit den Propheten in Ekstase geriet, sprachen sie untereinander: „Was ist mit dem Sohn des Kis geschehen? Ist Saul auch unter den Propheten?“ Einer sprach sogar: „Wer ist denn schon sein Vater?“ Daher ist das Sprichwort gekommen: „Ist Saul auch unter den Propheten?“ Und als seine Ekstase aufgehört hatte, kam er nach Gibea.

Es sprach aber Sauls Onkel zu ihm und zu Arbeiter: „Wo seid ihr hingegangen?“ Sie antworteten: „Die Eselinnen zu suchen. Als wir aber, daß sie nicht da waren, gingen wir zu Samuel!" Da sprach der Onkel: Sage mir, was sagte euch Samuel?“ Saul antwortete: „Er sagte uns, daß die Eselinnen gefunden wären!“ Aber was Samuel von dem Königtum gesagt hatte, das sagte er ihm nicht.

 

Samuel aber rief das Volk zusammen zum Herrn nach Mizpa. Er sprach zu den Israeliten: „So sagt der Herr, der Gott Israels: Ich habe Israel aus Ägypten geführt und euch von der Ägypter Hand errettet und von der Hand aller Königreiche, die euch bedrängten. Aber ihr habt euren Gott verworfen, der euch aus all eurer Not und Bedrängnis geholfen hat, und habt gesprochen: Setze einen König über uns!  So tretet nun vor den Herrn nach euren Stämmen und Tausendschaften!“

 Als nun Samuel alle Stämme Israels herantreten ließ, fiel das Los auf den Stamm Benjamin.

Als er den Stamm Benjamin herantreten ließ, fiel das Los auf die Sippe Matri. Und als er auch die antreten ließ, fiel das Los auf Saul, den Sohn des Kis. Und sie suchten ihn, aber sie fanden ihn nicht. Da fragten sie weiter den Herrn: „Ist denn der Mann überhaupt hergekommen?“ Der Herr antwortete: „Siehe, er hat sich beim Troß versteckt!“ Da liefen sie hin und holten ihn von dort. Und als er unter das Volk trat, war er einen Kopf größer als alles Volk.

Samuel sprach zu allem Volk: „Da seht ihr, wen der Herr erwählt hat, denn ihm ist keiner gleich in allem Volk!“ Da jauchzte das Volk und sprach: „Es lebe der König!“ Samuel aber verkündete dem Volk alle Rechte des Königtums und schrieb sie in ein Buch und legte es vor dem Herrn nieder. Dann entließ Samuel alles Volk, jeden in sein Haus. Saul ging auch heim nach Gibea, und mit ihm gingen die vom Heer, denen Gott das Herz gerührt hatte. Aber einige ruchlose Leute sprachen: „Was soll der uns helfen?“ Sie verachteten ihn und brachten ihm kein Geschenk. Er aber tat, als hörte er' es nicht (1.Sam 9 -10).

 

Sauls Sieg über die Amalekiter:

Der Ammoniter Nahas zog aber herauf und belagerte Jabes in Gilead. Alle Männer in Jabes sprachen zu Nahas: „Mache einen Bund mit uns, so wollen wir dir dienen!“ Aber Nahas antwortete ihnen: „Das soll der Bund mit euch sein, daß ich euch allen das rechte Auge aussteche und bringe damit Schmach über ganz Israel!“ Da sprachen zu ihm die Ältesten in Jabes: „Gib uns sieben Tage, daß wir Boten in das ganze Gebiet Israels senden. Ist dann niemand da, der uns rette, so wollen wir zu dir hinausgehen!“

Da kamen die Boten nach Gibea und redeten diese Worte vor den Ohren des Volks. Da erhob das ganze Volk seine Stimme auf und weinte. Da kam Saul vom Feld hinter den Rindern her und sprach: „Was ist mit dem Volk, daß es weint?“ Da berichteten sie ihm die Sache der Männer von Jabes. Da geriet der Geist Gottes über ihn, als er solche Worte hörte, und sein Zorn entbrannte sehr. Er nahm ein paar Ochsen und zerstückelte sie und sandte sie durch Boten in das ganze Gebiet Israels und ließ sagen: „Wer nicht mit Saul und Samuel auszieht, dessen Rindern soll man ebenso tun. Da fiel der Schrecken des Herrn auf das Volk, daß sie auszogen wie  e i n Mann.

Saul musterte sie und die Israeliten waren dreihunderttausend Mann und die Judäer dreißigtausend. Und sie sagten den Boten, die gekommen waren: „Sagt den Männern in Jabes: Morgen soll euch Hilfe werden, wenn die Sonne beginnt, heiß zu scheinen!“ Als die Boten kamen und verkündeten das den Männern in Jabes, wurden sie froh. Die Männer von Jabes ließen den Ammonitern sagen: „Morgen wollen wir zu euch hinausgehen, daß ihr mit uns alles tut, was euch gefällt!“

Am anderen Morgen teilte Saul das Volk in drei Heerhaufen, und sie kamen ins Lager um die Zeit der Morgenwache und schlugen die Ammoniter, bis der Tag heiß wurde. Die aber übrigblieben, wurden so zerstreut, daß nicht zwei von ihnen beieinander blieben.

Da sprach das Volk zu Samuel: „Wer sind die, die da sagten: Sollte Saul über uns herrschen? Gebt die Männer her, daß wir sie töten. Saul aber sprach: „Es soll auf diesen Tag niemand sterben, denn der Herr hat heute Heil gegeben in Israel!“

Samuel sprach zum Volk: „Kommt, laßt uns nach Gilgal gehen und dort das Königtum erneuen. Da ging das ganze Volk nach Gilgal. Dort machten sie Saul zum König vor dem Herrn und opferten Dankopfer vor dem Herrn. Saul aber und alle Männer Israels freuten sich dort gar sehr (1. Sam 11).

 

Samuel legt sein Richteramt nieder:

Da sprach Samuel zu ganz Israel: „Ich habe eurer Stimme gehorcht in allem, was ihr mir gesagt habt, und habe einen König über euch eingesetzt. Aber nun wird euer König vor euch herziehen. Ich aber bin alt und grau geworden, und meine Söhne sind bei euch. Ich bin vor euch hergegangen von meiner Jugend an bis auf diesen Tag. Hier stehe ich. Nun tretet gegen mich auf vor dem Herrn und seinem Gesalbten! Wessen Rind oder Esel habe ich genommen? Wem hab ich Gewalt oder Unrecht getan? Aus wessen Hand hab ich ein Geschenk angenommen, um mir damit die Augen blenden zu lassen? Ich will es euch zurückgeben!“ Sie sprachen: „Du hast uns weder Gewalt noch Unrecht getan und von niemand etwas genommen!“ Er sprach: „Der Herr ist euch gegenüber Zeuge und heute auch sein Gesalbter, daß ihr nichts in meiner Hand gefunden habt!“ Sie sprachen: „Ja, Zeugen sollen sie sein!“

Samuel sprach zum Volk: „Da ist euer König, den ihr erwählt und erbeten habt: Der Herr hat einen König über euch ein gesetzt. Möchtet ihr doch den Herrn fürchten und ihm dienen und seiner Stimme gehorchen und dem Mund des Herrn nicht ungehorsam sein, und möchtet ihr und euer König dem Herrn folgen! Werdet ihr aber der Stimme des Herrn nicht gehorchen, sondern seinem Munde ungehorsam sein, so wird die Hand des Herrn gegen euch sein wie gegen eure Väter. So tretet nun her und seht, was der Herr Großes vor euren Augen tun wird. Ist nicht jetzt die Weizenernte? Ich will aber den Herrn anrufen, daß er soll donnern und regnen lassen, damit ihr begreift, daß ihr getan habt, was dem Herrn mißfällt, als ihr euch einen König erbeten habt!“

Als Samuel den Herrn anrief, ließ der Herr donnern und regnen an diesem Tag. Da fürchtete das ganze Volk den Herrn und Samuel gar sehr und sie sprachen alle zu Samuel: „Bitte für den Herrn für uns, deinen Gott, daß wir nicht sterben. Denn zu allen unseren Sünden haben wir auch das Unrecht getan, daß wir uns einen König erbeten haben!“

Samuel aber sprach zum Volk: „Fürchtet euch nicht! Ihr habt zwar all das Unrecht getan. Doch weicht nicht von dem Herrn ab, sondern dient dem Herrn von ganzem Herzen und folgt nicht den nichtigen Götzen nach, denn sie nützen nichts und können nicht erretten, weil sie nichtig sind. Aber der Herr verstößt sein Volk nicht um seines großen Namens willen, denn es hat dem Herrn gefallen, euch zu seinem Volk zu machen.

Es sei aber auch ferne von mir, mich an dem Herrn dadurch zu versündigen, daß ich davon abließe, für euch zu beten und euch zu lehren den guten und richtigen Weg. Fürchtet nur den Herrn und dient ihm treu von ganzem Herzen. Seht doch, wie große Dinge er an euch tut. Werdet ihr aber Unrecht tun, so werdet ihr und euer König verloren sein (1. Sam 12, Vers 6-12 ausgelassen).

 

 

 

 

 

Beginn des Krieges gegen die Philister:

Saul hatte zwei Jahre über Israel regiert, da erwählte er sich dreitausend Mann aus Israel. Zweitausend waren mit Saul auf dem Gebirge in Bethel und eintausend mit seinem Sohn Jonathan in Gibea. Da erschlug Jonathan die Wache der Philister, die in Gibea war. Die Philister hörten, daß die Hebräer abgefallen waren. Saul aber hatte die Posaune blasen lassen im ganzen Land. Und ganz Israel hörte sagen: „Saul hat die Wache der Philister erschlagen, und Israel hat sich in Verruf gebracht bei den Philistern!“ Das ganze Volk wurde zusammen gerufen, um Saul nach Gilgal zu folgen.

Da versammelten sich die Philister zum Kampf mit Israel, dreißigtausend Wagen, sechstausend Gespanne und Fußvolk, so viel wie Sand am Ufer des Meers. Sie zogen herauf und lagerten sich in Michmas. Als aber die Männer Israels sahen, daß das Volk in Gefahr und Bedrängnis war, verkrochen sie sich in die Höhlen und Klüfte und Felsen und Gewölbe und Gruben. Es gingen aber auch Hebräer über den Jordan ins Land Gad und Gilead. Saul aber war noch in Gilgal, und alles Volk, das ihm nachfolgte, war voller Angst.

Da wartete er sieben Tage bis zu der Zeit, die von Samuel bestimmt war. Als aber Samuel nicht nach Gilgal kam, begann das Volk von Saul wegzulaufen. Da sprach Saul: „Bringt mir her das Brandopfer und die Dankopfer!“ Dann brachte er das Brandopfer dar. Als er aber das Brandopfer vollendet hatte, siehe, da kam Samuel. Da ging Saul hinaus ihm entgegen, um ihn den Segensgruß zu entbieten.

Samuel aber sprach: „Was hast du getan?“ Saul antwortete: „Ich sah, daß das Volk von mir wegzulaufen begann, und du kamst nicht zur vereinbarten Zeit, und die Philister sich doch schon in Michmas versammelt hatten. Da dachte ich: Nun werden die Philister zu mir herabkommen nach Gilgal, und ich habe die Gnade des Herrn noch nicht erbeten. Da wagte ich es und opferte Brandopfer!“

Samuel aber sprach zu Saul: „Du hast töricht getan und nicht gehalten das Gebot des Herrn. Er hätte sonst dein Königtum über Israel für immer bestätigt. Aber nun wird dein Königtum nicht bestehen. Der Herr hat sich einen Mann gesucht nach seinem Herzen. Den hat der Herr bestellt zum Fürsten über sein Volk, denn du hast des Herrn Gebot nicht gehalten!“ Samuel machte sich auf und ging von Gilgal hinauf und zog seines Wegs.

Die übrigen aber aus dem Volk zogen hinter Saul her von Gilgal hinauf nach Gibea, dem Kriegsvolk entgegen. Saul zählte das Volk, das bei ihm war, etwa sechshundert Mann. Sie blieben in Gibea. Die Philister aber hatten sich gelagert bei Michmas. Da zogen aus dem Lager der Philister drei Heerhaufen, um das Land zu verheeren. Es war  aber kein Schmied im ganzen Land Israel zu finden, denn die Philister dachten, die Hebräer könnten sich Schwert und Spieß machen. Deshalb mußte ganz Israel hin abziehen zu den Philistern, wenn jemand hatte eine Pflugschar, Hacke, Beil oder Sense zu schärfen hatte. Als nun der Tag des Kampfes kam, wurde kein Schwert noch Spieß gefunden in der Hand des Volkes, das mit Saul und Jonathan war. Nur Saul und sein Sohn Jonathan hatten Waffen. Aber eine Wache der Philister zog heran gegen den engen Weg von Michmas (1. Sam 13).

 

Jonathans Heldentat:

Eines Tages sprach Jonathan  zu seinem Waffenträger: „Komm, laß und hinübergehen zu der Wache der Philister, die da drüben ist!“ Aber seinem Vater sagt er nichts. Es waren aber an dem engen Weg, wo Jonathan zu der Wache der Philister hinüberzugehen versuchte, zwei spitze Felsen.

 

Jonathan sprach zu seinem Waffenträger: „Komm, laß uns hinübergehen zu der Wache der Unverschnittenen! Vielleicht wird der Herr etwas für uns tun, denn es ist dem Herrn nicht schwer, durch viel oder wenig zu helfen!“ Da antwortete ihm sein Waffenträger: „Tue alles, was in deinem Herzen ist. Geh nur hin! Ich bin mit dir, wie dein Herz will!“

Jonathan sprach: Wohlan! Wir gegen hinüber zu diesen Leuten und zeigen uns ihnen. Werden sie dann sagen: Steht still, bis wir zu euch herankommen! so wollen wir an unserm Ort stehenbleiben und nicht zu ihnen hinaufgehen. Werden sie aber sagen: Kommt zu uns herauf! so wollen wir zu ihnen hinaufsteigen, dann hat sie uns der Herr in unsre Hand gegeben. Und das soll uns das Zeichen sein!“

Als sich nun bei der Wache der Philister zeigten, sprachen die Philister: „Siehe, die Hebräer sind aus ihren Löchern herausgekommen, in die sie sich verkrochen hatten!“ Die Männer der Wache antworteten Jonathan und seinem Waffenträger und sprachen: Kommt herauf zu uns, so wollen wir es euch wohl lehren!“ Da sprach Jonathan zu seinem Waffenträger: „Steig mir nach! Der Herr hat sie in die Hände Israels gegeben!“ Jonathan kletterte mit Händen und mit Füßen hinauf und sein Waffenträger ihm nach. Da fielen die Philister vor Jonathan nieder, und sein Waffenträger hinter ihm tötete sie.

So traf der erste Schlag, den Jonathan und sein Waffenträger taten, ungefähr zwanzig Mann. Da entstand ein Schrecken im Lager der Philister und auf dem freien Felde. Das ganze Volk, die Wache und die streifenden Rotten erschraken und die Erde erbebte, denn es geschah ein Gottesschrecken.

Die Wächter Sauls in Gibea sahen, wie das Getümmel der Philister hin und her wogte. Da sprach Saul zu dem Volk, das bei ihm war: „Zählt und seht, wer von uns weggegangen ist!“ Und als sie zählten, da waren Jonathan und sein Waffenträger nicht da. Da sprach Saul zu Ahia: „Bringe den Priesterrock!“ Als Saul noch mit dem Priester redete, da wurde das Getümmel im Lager der Philister immer größer. Und Saul sprach zum Priester: „Laß es lieber sein!“

Saul und das ganze Volk sammelten sich und kamen zum Kampfplatz. Da ging das Schwert eines jeden gegen den anderen, und es war ein sehr großes Getümmel. Auch die Hebräer, die vorher bei den Philistern gewesen waren und mit ihnen ins Feld gezogen waren, liefen zu denen von Israel über, die mit Saul und Jonathan waren. Und auch alle Männer von Israel, die sich auf dem Gebirge Ephraim verkrochen hatten, als sie hörten, daß die Philister flohen, jagten hinter ihnen her im Kampf. So half der Herr dem Volk Israel an diesem Tag.   

Als die Männer Israels in Bedrängnis kamen an jedem Tag, belegte Saul das Volk mit einem Fluch und schwor: „Verflucht sei jedermann, der etwas ißt bis zum Abend, bis ich mich an meinen Feinden räche!“ Da aß das ganze Volk nichts. Es waren aber Honigwaben auf dem Feld. Als das Volk hinkam zu den Waben, da floß der Honig. Aber niemand nahm etwas davon mit der Hand in seinen Mund, denn das Volk fürchtete den Fluch. Jonathan aber hatte nicht gehört, daß sein Vater das Volk mit einemFluch belegt hatte. Er streckte seinen Stab aus, den er in seiner Hand hatte, und tauchte die Spitze in den Honig und führte seine Hand zu seinem Mund, da strahlten seine Augen.

Da rief einer aus dem Volk: „Dein Vater hat gesagt: Verflucht sei jeder, der heute etwas ißt! So ist das Volk nun matt geworden!“ Da sprach Jonathan: „Mein Vater bringt das Land ins Unglück. Seht, wie strahlend sind meine Augen geworden, weil ich ein wenig von diesem Honig gekostet habe. Hätte aber das Volk heute essen dürfen von der Beute seiner Feinde, wäre dann die Niederlage der Philister noch größer geworden?“

Sie schlugen aber die Philister an diesem Tag. Das Volk wurde sehr matt. Aber es fiel über die Beute her und nahm Schafe und Rinder und Kälber und schlachteten sie, daß das Blut auf die Erde floß, und aßen das Fleisch über dem Blut. Das sagte  man Saul: „Siehe, das Volk versündigt sich am Herrn und ißt Fleisch über dem  Blut! Er sprach: „Ihr habt gefrevelt. Wälzt her zu mir einen großen Stein. Zerstreut euch unter das Volk und sagt ihnen, daß ein jeder seinen Stier und sein Schaf zu mir bringen soll, und schlachtet es hier und eßt, daß ihr euch nicht versündigt an dem Herrn, indem ihr über dem Blut eßt!“ Da brachte jeder in der Nacht alles, was er hatte, und schlachtete es dort.

Saul baute dem Herrn einen Altar. Das war der erste Altar, den er dem Herrn baute.

Und Saul sprach: „Laßt uns noch in der Nacht hin abziehen den Philistern und sie berauben, bis daß es lichter Morgen wird, laßt niemand von ihnen übrig!“ Sie antworteten: „Tue alles, was dir gefällt!“ Aber der Priester sprach: „Laßt uns erst hierher vor Gott nahen!“.

Saul befragte Gott: „Soll ich hin abziehen den Philistern nach? Willst du sie in die Hände Israels geben?“ Aber Gott antwortete ihm an diesem Tag nicht. Da sprach Saul: „Laßt herzutreten alle Obersten des Volks, und erforscht, an wem heute die Schuld liegt. Denn so wahr der Herr lebt: Auch wenn die Schuld bei meinem Sohn Jonathan wäre, so soll er sterben!“ Aber niemand aus dem ganzen Volk antwortete ihm. Da sprach er zu dem ganz Israel: „Tretet ihr auf die eine Seite.  Ich und mein Sohn Jonathan wollen auf die andere Seite treten!“. Das Volk sprach: „Tue, was dir gefällt!“

Saul sprach zu dem Herrn: „Warum hast du mir heute nicht geantwortet? Liegt die Schuld bei mir oder bei meinem Sohn Jonathan? Laß das Los entscheiden!“ Da wurden Jonathan und Saul getroffen, aber das Volk ging frei aus. Saul sprach: „Werft das Los über mich und meinen Sohn Jonathan!“ Da wurde Jonathan getroffen. Saul sprach zu ihm: „Sage mir, was hast du getan?“

Jonathan sagte es ihm und sprach: „Ich habe ein wenig Honig gekostet mit der Spitze des Stabes, den ich in meiner Hand hatte. Siehe, ich bin bereit zu sterben!“ Da sprach Saul: „Gott tue mir dies und das: Jonathan, du mußt des Todes sterben!“ Aber das Volk sprach zu Saul: „Sollte Jonathan sterben, der ein solch großes Heil in Israel vollbracht hat! Das sei ferne! So wahr der Herr lebt, es soll kein Haar von seinem Haupt auf die Erde fallen, denn Gott hat heute durch ihn geholfen!“ So löste das Volk Jonathan aus, so daß er nicht sterben mußte.  Da ließ Saul von den Philistern ab, und die Philister zogen an ihren Ort.

Als Saul die Königsherrschaft über Israel erlangt hatte, kämpfte er gegen alle seine Feinde ringsumher: gegen die Moabiter, gegen die Ammoniter, gegen die Edomiter, gegen die Könige Zobas und gegen die Philister. Und wo er sich hin wandte, da gewann er den Sieg. Er vollbrachte tapfere Taten und schlug die Amalekiter und errettete Israel aus der Hand aller, die es ausplünderten.

Saul aber hatte die Söhne Jonathan, Ischwi, Malchiua. Und seine Töchter Merab und die jüngere Michal. Die Frau Sauls hieß Ahinoam Sein Feldhauptmann hieß Abner, ein Sohn von Sauls Vetter. Es war aber ein harter Kampf gegen die Philister, solange Saul lebte. Und wenn Saul einen starken und rüstigen Mann sah, den nahm er zu sich in seinen Dienst (1. Sam 14, leicht gekürzt).

 

Saul wird verworfen:

Im Krieg gegen die Amalekiter verschonten Saul und das Volk deren König und alle guten Schafe und Rinder und die Lämmer und alles, was gut war und wollten nicht daran den Bann vollstrecken. Was aber nichts taugte und gering war, das bannten sie.

Da erging des Herrn Wort an Samuel: „Es reut mich, daß ich Saul zum König gemacht habe, denn er hat sich von mir abgewandt und meine Befehle nicht erfüllt!“ Darüber wurde Samuel zornig und schrie die ganze Nacht zu dem Herrn.

Samuel machte sich früh auf, um Saul am Morgen zu begegnen. Es wurde ihm angesagt, daß Saul nach Karmel gekommen wäre und sich ein Siegeszeichen aufgerichtet hätte und weiter gezogen und nach Gilgal hin abgekommen wäre.

Als nun Samuel zu Saul kam, sprach Saul zu ihm: „Gesegnet seist du dem Herrn! Ich habe des Herrn Wort erfüllt!“ Samuel antwortete: „und was ist denn das für ein Blöken der Schafe in meinen Ohren und ein Brüllen von Rinder, das ich höre?“

Saul sprach: „Von den Aalleitern hat man sie gebracht. Denn das Volk verschonte die besten Schafe und Rinder, um sie dem Herrn, zu opfern. An dem anderen haben wir den Bann vollstreckt.

Samuel aber antwortete Saul: „Halt ein, ich will dir sagen, was der Herr diese Nacht mit mir geredet hat!“ Er sprach: „Sage an!“ Samuel sprach: „ Ist es nicht so? Obwohl du vor dir selbst gering warst, so bist du doch das Haupt unter den Stämmen Israels, denn der Herr hat dich zum König über Israel gesalbt? Und der Herr sandte dich auf den Weg und sprach: Zieh hin und vollstrecke den Bann an den Amalekitern, und kämpfe gegen sie, bis du sie vertilgst! Warum hast du der Stimme des Herrn nicht gehorcht, sondern hast dich an die Beute gemacht und getan, was dem Herrn mißfiel?

Saul antwortete Samuel: „Ich habe doch der Stimme des Herrn gehorcht. Aber das Volk hat das Beste von der Beute genommen, um es dem Herrn in Gilgal zu opfern!“ Samuel aber sprach: Meinst du, daß der Herr Gefallen habe am Opfer und Brandopfer gleich wie am Gehorsam gegen die Stimme des Herrn? Siehe, Gehorsam ist besser als Opfer, und Aufmerken besser als das Fett von Widdern. Denn Ungehorsam ist eine Sünde wie die Zauberei, und Widerstreben ist wie Abgötterei und Götzendienst. Weil du des Herrn Wort verworfen hast, hat er dich auch verworfen, daß du nicht mehr König seist!“

Da sprach Saul zu Samuel: „Ich habe gesündigt, daß ich den Befehl des Herrn und deine Worte übertreten habe, denn ich fürchtete das Volk und gehorchte seiner Stimme. Und nun vergib mir die Sünden und kehre mit mir um, daß ich den Herrn anbete!“  Samuel sprach zu Saul: „Ich will nicht mit dir umkehren, denn du hast des Herrn Wort verworfen, und der Herr hat dich auch verworfen, daß du nicht mehr König über Israel seist!“

Als Samuel sich umwandte, um wegzugehen, ergriff ihn Saul an einem Zipfel seines Rocks, aber der riß ab. Da sprach Samuel zu ihm: „Der Herr hat das Königtum Israels heute von dir gerissen und einem anderen gegeben, der besser ist als du. Auch lügt der nicht, der Israels Ruhm ist, und es reut ihn nichts, denn er ist nicht ein Mensch, daß ihn etwas reuen könnte!“

Saul aber sprach: „Ich habe gesündigt. Aber ehre mich doch jetzt vor den Ältesten meines Volks und vor Israel und kehre mit mir um, daß ich den Herrn, deinen Gott, anbete!“ Da kehrte Samuel um und folgte Saul nach, und Saul betete den Herrn an.

Samuel ging hin nach Rama, Saul aber zog hinauf in sein Haus in Gibea. Samuel sah Saul nicht wieder bis an den Tag seines Todes. Und doch trug Samuel Leid um Saul, weil es den Herrn gereut hatte, daß er Saul zum König über Israel gemacht hatte (1. Sam 15; Vers 1-7  und 32-34 ausgelassen).

 

 

 

 

 

David wird zum König gesalbt und kommt an den Königshof:

[Wie schon Saul wird auch David mit einer Reihe verschiedener Erzählungen in die Handlung eingeführt: Eine Salbung durch den Propheten Samuel wird geschildert, eine Berufung als Musiker an den Hof Sauls sowie die Entdeckung als militärisches Talent bei einem Kampf gegen den Philister Goliath. Teilweise bestehen Spannungen zwischen den Schilderungen: So holt Saul den David nach Kapital 16 als persönlichen Waffenträger an seinen Hof, kennt ihn dann aber in Kapitel17 überhaupt noch nicht. Die folgende Schilderung von Davids Aufstieg macht deutlich, daß auch bei diesem König die Erfolge gegen die Feinde Israels das zentrale Motiv dafür sind, daß er schlußendlich den israelitischen Königsthron besteigen und sich auf ihm behaupten kann.

Die erste Maßnahme als König ist ein Krieg gegen die Philister. Aus den Erzählungen geht hervor, daß der Übergang der Königswürde von Saul zu David mit erheblichen Auseinandersetzungen verbunden war, die sich auch noch im Kampf gegen einen ebenfalls den Königsthron beanspruchenden Sohn Sauls fortsetzen. Durch das Überlaufen des fähigen Truppenführers Abner zu David entscheidet sich der Kampf zu dessen Gunsten: David wird alleiniger Herrscher in Israel.

Als König erweist sich David als kluger Taktiker: Nicht nur bindet er die Familie und die Anhänger Sauls geschickt ein, sondern mit der Eroberung der bis dahin von Jebusitern kontrollierten Stadt Jerusalem als Hauptstadt für sein Königreich gelingt es ihm, die stets latenten Spannungen zwischen den nördlichen und südlichen Landesteilen von einem neutralen Ort aus auszugleichen. Mit der Überführung der Bundeslade nach Jerusalem richtet er dort einen zentralen Staatskult ein und legt damit die Grundlage, daß sich der Jahwe-Kult nach längeren Auseinandersetzungen als alleiniger Kult in Israel durchsetzen kann.

Militärisch gelingt es David, Israel aus der Abhängigkeit von den Philistern und anderen Nachbarvölkern zu befreien und diese Völker nun umgekehrt gegenüber Israel tributpflichtig zu machen. In David hatten sich damit die Hoffnungen erfüllt, die die Menschen in Israel mit dem neugeschaffenen Königtum verbanden].

 

Der Herr sprach zu Samuel: Wie lange trägst du Leid um Saul, den ich verworfen habe, daß er nicht mehr König sei über Israel? Fülle dein Horn mit Öl und gehe hin. Ich will dich senden zu dem Bethlehemiter Isai, denn unter seinen Söhnen habe ich mir einen König ausgesucht.

Samuel aber sprach: „Wie soll ich hingehen? Saul wird es erfahren und mich töten!“ Der Herr sprach: „Nimm ein jungen Rind mit dir und sprich: Ich bin gekommen, dem Herrn zu opfern. Dann lädst du Isai zum Opfer ein. Da will ich dir zeigen, was du tun sollst, daß du mir den salbst, den ich dir nennen werde!“

Samuel tat, wie ihm der Herr gesagt hatte, und kam gen Bethlehem. Da entsetzten sich die Ältesten der Stadt und gingen ihm entgegen und sprachen: „Bedeutet dein Kommen etwas Gutes?“ Er sprach: „Ja, es bedeutet Heil! Ich bin gekommen, dem Herrn zu opfern. Macht euch auch heilig und kommt mit mir zum Opfer!“ Und er heiligte Isai und seine Söhne und lud sie zum Opfer.

Als sie nun hereinkamen, sah er den Eliab an und dachte, der sei vor dem Herrn sein Gesalbter. Aber der Herr sprach zu Samuel: „Sieh nicht an sein Aussehen noch seine äußerliche Größe, denn ich habe ihn verworfen. Denn der Herr sieht nicht auf das, worauf  ein Mensch sieht: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an!“ Da ließ Isai seine sieben Söhne an Samuel vorübergehen. Aber Samuel sprach zu Isai: „Der Herr hat keinen von ihnen erwählt!“

 

Samuel sprach zu Isai: „Sind das alle deine Söhne?“ Er aber sprach: „Nur der jüngste ist noch übrig, der hütet die Schafe!“ Da sprach Samuel zu Isai: „Sende hin und laß ihn holen, denn wir werden uns nicht setzen, bis er hierher kommt!“ Da sandte Isai hin und ließ David holen. Er war braungebrannt, mit schönen Augen und von guter Gestalt. Und der Herr sprach: „Auf! und salbe ihn, denn der ist es!“ Da nahm Samuel sein Ölhorn und salbte ihn mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des Herrn geriet über David von dem Tag an und auch weiterhin. Samuel aber machte sich auf und ging nach Rama.

Der Geist des Herrn aber wich von Saul, und ein böser Geist vom Herrn ängstigte ihn. Da sprachen die Großen Sauls zu ihm: „Siehe, ein böser Geist von Gott ängstigt dich. Unser Herr befehlen nun seinen Leuten, daß sie einen Mann suchen, der auf der Harfe gut spielen kann, damit es besser mit dir werde, wenn der böse Geist Gottes über dich kommt!“

Da sprach Saul zu seinen Großen: „Seht nach einem Mann, der des Saitenspiels kundig ist, und bringt ihn zu mir!“  Da antwortete einer der jungen Männer: „Ich habe einen Sohn Isais gesehen, der ist des Saitenspiels kundig, ein tapferer Mann und tüchtig im Kampf, verständig in seinen Reden und schön gestaltet, und der Herr ist mit ihm!“ Da sandte Saul seine Boten zu Isai und ließ ihm sagen: „Sende deinen Sohn David zu mir, der bei den Schafen ist!“ Da nahm Isai einen Esel mit Brot und einen Schlauch Wein und ein Ziegenböcklein und sandte es Saul durch seinen Sohn David.

So kam David zu Saul und diente vor ihm. Saul gewann ihn sehr lieb, und er wurde sein Waffenträger. Saul sandte Boten zu Isai und ließ ihm sagen: „Laß David mir auch weiter dienen, denn er hat Gnade gefunden vor meinen Augen!“  Wenn nun der böse Geist über Saul kam, nahm David die Harfe und spielte darauf mit seiner Hand. So wurde es Saul leichter und es wurde besser mit ihm, und der böse Geist wich von ihm (1.Sam 16)

 

David und Goliath:

Die Philister sammelten ihre Heere zum Kampf und lagerten sich zwischen Socho und Aseka in Juda. Aber Saul und die Männer Israels kamen zusammen und lagerten sich im Eichgrunde und rüsteten sich zum Kampf gegen die Philister. Die Philister standen auf einem Berg jenseits und die Israeliten auf einem Berg diesseits, so daß ein Tal zwischen ihnen war.

Da trat aus den Lagern der Philister ein Riese („Vorkämpfer“) mit Namen Goliath, fast zwei Meter groß. Er hatte einen eisernen Helm auf seinem Haupt und einen Schuppenpanzer an, und das Gewicht seines Panzers war über zwei Zentner Metall. Er hatte eiserne Schienen an seinen Beinen und einen eisernen Wurfspieß auf seiner Schulter. Der Schaft seines Spießes war wie ein Balken am Webstuhl, und das Eisen seines Spießes hatte drei Pfund  Eisen, und sein Schildträger ging vor ihm her.

Er stellte sich hin und rief dem Heer Israels zu: „Wozu seid ihr ausgezogen, euch zum Kampf zu rüsten? Bin ich nicht ein Philister und ihr die Sklaven Sauls? Erwählt einen unter euch, der zu mir herabkomme. Vermag er gegen mich zu kämpfen und erschlägt mich, so wollen wir eure Diener sein. Kann ich aber über ihn siegen er und erschlage ihn, so sollt ihr unsre Sklaven sein und uns dienen. Ich habe heute das Heer Israels verhöhnt, als ich sagte: Gebt mir einen Mann und laßt uns miteinander streiten!“ Als Saul und ganz Israel diese Rede des Philisters hörten, entsetzten sie sich und fürchteten sich sehr. Der Philister kam frühmorgens und abends heraus und stellt sich vierzig Tage hin.

 

Eines Tages sprach Isai zu seinem Sohn David: „Nimm für deine Brüder diese Schüs­sel geröstete Körner und diese zehn Brote und lauf ins Heer zu deinen Brüdern. Nimm diese zehn frischen Käse und bringe sie dem Hauptmann und sieh nach deinen Brüdern, ob es ihnen gut geht, und bringe auch ein Unterpfand von ihnen mit. Da machte sich David des Morgens früh auf und überließ die Schafe einem Hüter, lud auf und trug und ging hin, wie ihm Isai befohlen hatte und kam zum Lager. Das Heer aber war ausgezogen und hatte sich gerüstet, und sie erhoben das Kriegsgeschrei.

Da ließ David sein Gepäck bei der Wache des Trosses und lief zum Heer, kam hin und fragte seine Brüder, ob es ihnen gut gehe. Als er noch mit ihnen redete, da kam herauf der Riese Goliath und höhnte wie jeden Tag. David hörte es. Aber jedermann in Israel, wenn er den Mann sah, floh er vor ihm und fürchtete sich sehr. Die Männer von Israel sprachen: „Habt ihr den Mann heraufkommen sehen? Er kommt herauf, um Israel zu verhöhnen. Wer ihn erschlägt, den will der König sehr reich machen und ihm seine Tochter geben und will seine Familie frei machen von allen Lasten!“

Da sprach David zu den Männern, die bei ihm standen: „Was wird man dem gegen, der diesen Philister erschlägt und die Schande von Israel abwendet? Denn wer ist der Philister, dieser Unbeschnittene, der das Heer des lebendigen Gottes verhöhnt?“  Da sagte ihm das Volk wie vorher, was ihm zuteil werden soll.

Eliab, Davids ältester Bruder, hörte ihn reden mit den Männern und wurde zornig auf David und sprach: „Warum bist du hergekommen? Wem hast du die wenigen Schafe dort in der Wüste überlassen? Ich kenne deine Vermessenheit wohl und die Bosheit deines Herzens. Du bist nur hergekommen, daß du den Kampf siehst!“ David antwortete: „Was habe ich denn getan? Ich habe doch nur gefragt?“ Er fragte noch einmal einen andern. Da antwortete ihm das Volk wie das erste Mal.

Als sie die Worte hörten, die David sagte, brachten sie es vor Saul, und der ließ ihn holen. David sprach zu Saul: „Wegen diesem Philister lasse keiner den Mut sinken. Dein Diener wird hingehen und mit dem Philister kämpfen!“ Saul aber sprach zu David: „Du kannst nicht hingehen, um gegen diesen Philister zu kämpfen. Du bist ein Junge, dieser aber ist ein Krieger von seiner Jugend auf!“

David aber sprach zu Saul: „Dein Diener hütete die Schafe seines Vaters. Und wenn dann ein Löwe oder ein Bär kam und trug ein Schaf weg von der Herde, da lief ich ihm nach und schlug auf ihn ein und errettete das Lamm aus seinem Maul. Wenn er aber auf mich losging, ergriff ich ihn bei seinem Bart und schlug ihn tot. So hat dein Diener den Löwen und den Bären erschlagen. So soll es nun diesem Philister ergehen wie jenen, denn er hat verhöhnt das Heer des lebendigen Gottes. Der Herr, der mich von dem Löwen und Bären errettet hat, der wird mich auch erretten von diesem Philister!“

Da sprach Saul zu David: „Gehe hin, der Herr sei mit dir!“ Saul zog David seine Rüstung an und setzte ihm seinen eisernen Helm auf sein Haupt und legte ihm seinen Panzer an. David gürtete Sauls Schwert über sein Gewand und mühte sich vergeblich, damit zu gehen, denn er hatte es noch nie versucht. Da sprach David zu Saul: „Ich kann so nicht gehen, denn ich bin es nicht gewohnt!“ Und er legte die Rüstung ab. Dann nahm seinen Stab in seine Hand und wählte fünf glatte Steine aus dem Bach und tat sie in seine Hirtentasche, und nahm die Schleuder in seine Hand und ging dem Philister entgegen.

Dieser aber kam immer näher an David heran, und sein Schildträger ging vor ihm her. Als nun der Philister David anschaute, verachtete er ihn, denn er war für ihn ein Jüngelchen. Er sprach zu David: „Bin ich denn ein Hund, daß du mit Stecken zu mir kommst?“

Und er fluchte David bei dem Gott der Philister und sprach zu ihm: „Komm her zu mir, ich will dein Fleisch geben den Vögeln unter dem Himmel und den Tieren auf dem Feld!“

David aber sprach zu dem Philister: „Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Spieß. Ich aber komme zu dir im Namen des Gottes des Heeres Israels, den du gehöhnt hast. Noch heute wird dich der Herr in meine Hand geben, daß ich dich erschlage und dir den Kopf abhaue und gebe deine Leiche und die Leichen des Heeres der Philister den Vögeln unter dem Himmel und dem Wild auf Erden, damit alles Land innewerde, daß Israel einen Gott hat, und damit diese ganze Gemeindeerkenne, daß der Herr nicht durch Schwert oder Spieß hilft. Denn der Krieg ist Sache des Herrn, und er wird euch in unsre Hände geben!“

Als sich nun der Philister aufmachte und sich zu David nahte, eilte David und lief dem Philister entgegen. David tat seine Hand in die Tasche und nahm einen Stein daraus und schleuderte und traf den Philister an seine Stirn, daß der Stein in seine Stirn fuhr und er zur Erde fiel auf sein Angesicht. Weil David kein Schwert in seiner Hand hatte, nahm er das Schwert des Philisters und hieb ihm den Kopf damit ab. Als aber die Philister sahen, daß ihr Stärkster tot war, flohen sie.

Und die Männer Israels und Judas machten sich auf und jagten den Philistern nach bis nach Gath und bis an die Tore Ekrons und erschlugen die Philister. Dann kehrten sie wieder um beraubten das Lager der Philister. David aber nahm das Haupt des Philisters und brachte es nach Jerusalem. Seine Waffen aber legte er in sein Zelt. (1.Sam 17, gekürzt).

 

David und die Familie Sauls:

Danach verband sich das Herz Jonathans mit dem Herzen Davids, und Jonathan gewann ihn lieb wie sein eigenes Herz. Sie machten einen Bund miteinander. Jonathan zog sein Gewand aus und gab es David, dazu seinen Mantel, sein Schwert, seinen Bogen und seinen Gürtel. David zog in den Kampf und richtete alles recht aus, wohin Saul ihn sandte. Saul setzte ihn über Krieger, und es gefiel allem Volk gut und auch den Großen Sauls.

Als David wieder gekommen war von der Schlacht gegen die Philister, gingen die Frauen aus allen Städten Israels heraus mit Gesang und Reigen, dem König Saul entgegen. Sie sangen im Reigen und sprachen: „Saul hat tausend geschlagen, aber David zehntausend!“ Da wurde Saul sehr zornig und das Wort mißfiel ihm, und  er sprach: „Sie haben David zehntausend gegeben und mir tausend. Ihm wird noch das Königtum zufallen!“

Am anderen Tag kam der böse Geist über Saul, und er geriet daheim in seinem Haus in Raserei. David aber spielte auf den Saiten mit seiner Hand, wie er täglich zu tun pflegte. Saul aber hatte einen Spieß in der Hand. Den zückte er dachte: „Ich will David an die Wand spießen!“ David aber wich ihm zweimal aus. Saul fürchtete sich vor David, denn der Herr war mit ihm, aber von Saul war er gewichen.

Da entfernte ihn Saul aus seiner Nähe und setzte ihn zum Obersten über nur noch tausend Mann ein. Aber David zog aus und ein vor dem Volk. Er richtete all sein Tun recht aus, und der Herr war mit ihm. Als nun Saul sah, daß David alles so gut gelang, graute es ihm vor David. Aber ganz Israel und Juda hatte David lieb, denn er zog aus und ein vor ihnen her.

Eines Tages sprach Saul zu David: „Ich will dir meine größte Tochter Merab zur Frau geben. Sei nur ein tapferer Mann und führe des Herrn Kriege!“ Denn Saul dachte: „Ich will mich nicht an ihm vergreifen, das soll die Hand der Philister erledigen!“

David aber antwortete Saul: „Wer bin ich? Was ist meine Sippe in Israel, daß ich der Schwiegersohn des Königs werden soll?“ Als aber die Zeit kam, daß Merab, an David gegeben werden sollte, wurde sie einem anderen Mann gegeben.

Aber Michal, die andere Tochter Sauls, hatte David lieb. Als der Saul gesagt wurde, war es ihm recht. Saul sagte sich: „Ich will sie ihm geben, damit sie ihm zum Fallstrick wird und die Philister über ihn kommen!“ Er sprach zu David: „Du kannst heute in zwei Jahren mein Schwiegersohn werden!“

Saul gebot seinen Großen: „Redet heimlich mit David und sprecht: Siehe, der König hat Gefallen an dir, und alle seine Großen lieben dich: so werde nun der Schwiegersohn des Königs!“ Die Großen Sauls sprachen so zu David. Der aber sprach: „Meint ihr, es sei leicht, der Schwiegersohn des Königs zu sein? Ich bin nur ein armer, geringer Mann!“ Die Großen Sauls sagten es ihm wieder und sprachen: „So hat David geredet!“

Saul sprach: „So sagt zu David: Der König begehrt keinen anderen Brautpreis als hundert Vorhäute von den Philistern, um an den Feinden des Königs Rache zu üben!“ Denn Saul trachtete danach,  David zu töten durch die Hand der Philister. Da sah David es für gut an, der Schwiegersohn des Königs zu werden.  Die Zeit war noch nicht um, da machte sich David auf und zog mit seinen Männern und erschlug unter den Philistern zweihundert Mann. Er brachte dem König ihre Vorhäute in voller Zahl. 

Da gab ihm Saul seine Tochter Michal zur Frau. Saul sah und merkte, daß der Herr mit David war und seine Tochter ihn liebhatte. Da fürchtete sich Saul noch mehr vor David und wurde sein Feind sein Leben lang. Sooft die Fürsten der Philister auszogen, richtete David mehr gegen sie aus  als alle Großen Sauls, wenn sie auszogen, daß sein Name hoch gepriesen wurde.

Saul aber redete mit seinem Sohn Jonathan und mit allen seinen Großen davon, daß er David sollten töten. Aber Sauls Sohn Jonathan hatte David sehr lieb und sagt ihm alles: „Mein Vater Saul strebt danach, dich zu töten. Deshalb hüte dich morgen früh und verstecke dich und bleib verborgen. Ich will aber hinausgehen und mich neben meinen Vater stehen auf dem Feld  und von dir mit meinem Vater reden. Was ich erfahre, das will ich dir mitteilen!“

Jonathan redete das Beste von David mit seinem Vater Saul und sprach zu ihm: „Es versündige sich der König nicht an seinem Diener David. Denn er hat keine Sünde gegen dich getan, und sein Tun ist dir sehr nütze. Er hat sein Leben gewagt und den Philister erschlagen, und der Herr tat großes Heil für ganz Israel vollbracht. Das hast du gesehen und dich darüber gefreut. Warum willst du dich denn an unschuldigem Blut versündigen, daß du David ohne Grund tötest?“ Da gehorchte Saul der Stimme Jonathans und schwur: „So wahr der Herr lebt, er soll nicht sterben!“ Da rief Jonathan David und sagte ihm alle diese Worte und brachte ihn zu Saul und David diente ihm wie zuvor.

Es erhob sich aber wieder ein Streit, und David zog aus und kämpfte gegen die Philister und schlug sie so hart, daß sie vor ihm flohen. Aber der böse Geist kam über Saul. Er saß in seinem Haus und hatte einen Spieß in seiner Hand. David aber spielte mit der Hand auf den Saiten. Saul trachtete, David mit dem Spieß an die Wand zu spießen. Er aber wich aus vor Saul, und der Spieß fuhr in die Wand. David aber floh und entrann. In dieser Nacht sandte Saul Boten zu Davids Haus, um ihn zu bewachen und am Morgen zu töten.

Doch Davids Frau Michal sagte es ihrem Mann: „Wirst du nicht diese Nacht dein Leben retten, so mußt du morgen sterben!“ Da ließ ihn Michal durchs Fenster hinab, daß er floh und entrinnen konnte.

Dann nahm Michal ein Götzenbild und legte es ins Bett und legte ein Geflecht von Ziegenhaaren an die Stelle seines Kopfes und deckte ein Gewand darauf. Da sandte Saul Boten, um David zu holen. Sie aber sprach: „Er ist krank!“ Saul aber sandte nochmals Boten, um nach David zu sehen, und sprach: „Bringt ihn herauf zu mir mit dem Bett, daß er getötet werde!“ Als nun die Boten kamen, siehe, da lag das Götzenbild im Bett. Da sprach Saul zu Michal: „Warum hast du mich betrogen und meinen Feind entrinnen lassen?“ Michal sprach zu Saul: „Er sprach zu mir: Laß mich gehen, oder ich töte dich!“

David aber floh und konnte entrinnen und kam zu Samuel nach Rama und sagte ihm an alles, was ihm Saul getan hatte. Und er ging hin mit Samuel, und sie blieben zu Najoth. Da wurde Saul gesagt: „David ist in Najoth in Rama!“ Da sandte Saul Boten, daß sie David holten. Sie aber sahen den Chor der Propheten in Ekstase, und Samuel an ihrer Spitze. Da kam der Geist Gottes auf die Boten Sauls, so daß auch sie in Ekstase gerieten. Als das Saul gesagt wurde, sandte er andere Boten, die gerieten ebenso in Ekstase. Da sandte Saul die dritten Boten, aber die gerieten auch in Ekstase.

Da ging er selbst auch nach Rama. Als er zum großen Brunnen kam, fragte er: „Wo sind Samuel und David?“ Da wurde ihm gesagt: „In Najoth in Rama!“ Da ging er nach Najoth in Rama. Aber der Geist Gottes kam auch über ihn, und er ging einher in Ekstase, bis er nach Najoth in Rama kam. Dort zog er seine Kleidung aus und geriet auch in Ekstase vor Samuel und lag nackt den ganzen Tag und die ganze Nacht. Daher spricht man: „Ist Saul auch unter den Propheten?“

David aber floh von Najoth in Rama und kam und redete vor Jonathan: „Was habe ich getan? Was ist meine Schuld? Was habe ich gesündigt vor deinem Vater, daß er mir nach dem Leben trachtet?“ Jonathan aber sprach zu Ihm: „Das sei ferne! Du sollst nicht sterben. Siehe, mein Vater tut nichts, weder Großes noch Kleines, das er nicht mir erzähle. Warum sollte denn mein Vater dies vor mir verbergen? Es wird nicht so sein!“

Da antwortete David und schwor:  „Dein Vater weiß wohl, daß ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe. Darum wird er denken: Jonathan soll das nicht wissen, es könnte ihm Kummer machen. Wahrlich, so wahr der Herr lebt, und so wahr du lebst: Es ist nur ein Schritt zwischen mir und dem Tod!“ Jonathan sprach zu David: „Ich will für dich tun, was dein Herz begehrt!“

David sprach zu ihm: „Siehe, morgen ist Neumond. Da sollte ich mit dem König am Tisch sitzen. Aber laß mich, daß ich mich auf dem Feld verberge bis zum Abend des dritten Tages. Wird dein Vater nach mir fragen, so sprich: David bat mich, daß er nach Bethlehem gehen dürfte, denn dort ist das jährliche Opferfest der ganzen Sippe. Wird er sagen: Es ist gut! so steht es wohl um mich. Wird er aber erzürnt sein, so wirst du merken, daß Böses bei ihm beschlossen ist. So sei nun barmherzig mit mir, denn du hast mit mir einen Bund im Herrn geschlossen. Liegt aber eine Schuld auf mir, so töte du mich, aber warum solltest du mich zu deinem Vater bringen?“

Jonathan sprach: „Das sei ferne von dir, daß ich es dir nicht sagen sollte, wenn ich merken sollte, daß es bei meinem Vater beschlossen ist, Böses über dich zu bringen!“ David aber sprach: „Wer wird es mir sagen, wenn dir dein Vater etwas Hartes antwortet?“ Jonathan sprach zu David: „Komm, laß uns aufs Feld gehen!“ Und sie gingen beide hinaus aufs Feld.

Jonathan sprach zu David: „Bei dem Herrn, dem Gott Israels, wenn ich meinen Vater ausforsche  morgen und am dritten Tag, daß es gut steht mit David, und nicht hin­sende zu dir und es dir nicht weitersage, so tue der Herr dem Jonathan dies und das. Wenn aber mein Vater etwas Böses gegen dich vorhat, so will ich es dir auch mitteilen und dich ziehen lassen, daß du mit Frieden weggehen kannst!“

Dann fährt er fort: „Der Herr sei mit dir, wie er mit meinem Vater gewesen ist. Du aber wollest die Barmherzigkeit des Herrn an mir tun, solange ich lebe. Und wenn ich sterbe, so nimm die Barmherzigkeit niemals fort von meiner Familie! Und wenn der Herr die Feinde Davids ausrotten wird, so möge der Name Jonathans nicht ausgelöscht werden  neben der Fa­mi­lie Davids. Vielmehr möge der Herr nur Rache nehmen an den Feinden Davids!“ Und auch Jonathan ließ David schwören bei seiner Liebe zu ihm, denn er hatte ihn so lieb wie sein eigenes Herz.

Jonathan sprach zu David: „Morgen ist Neumond, da wird man dich vermissen, wenn dein Platz leer bleibt. Am dritten Tag wirst du erst recht vermißt werden. Dann komm an den Ort, an dem du dich verborgen hast an jenem Tag,  und setze dich dort an den Steinhaufen. Dann will ich nach deiner Seite drei Pfeile schießen, als ob ich auf ein Ziel schösse. Ich will den Jungen hinschicken: Geh hin, suche die Pfeile! Werde ich zu dem Jungen sagen: Die Pfeile liegen herwärts von dir, hole sie! so komm, denn es steht gut um dich  und es ist keine Gefahr, so wahr der Herr lebt. Sage ich aber zu dem Jungen: Die Pfeile liegen hinwärts von dir! so gehe hin, denn der Herr befiehlt dir zu gehen. Für da Wort aber, das du und ich miteinander geredet haben, dafür steht der Herr zwischen mir und dir in Ewigkeit!“ David verbarg sich auf dem Feld.

Als der Neumond kam, setzte sich der König zu Tisch, um zu essen. Der König saß an seinem gewohnten Platz an der Wand und Jonathan saß gegenüber. Der Feldhauptmann Abner aber setzte sich an die Seite Sauls. Davids Platz aber blieb leer. Saul aber sagte an dem Tag nichts, denn er dachte: Es ist ihm etwas widerfahren, daß er nicht rein ist.

Am andern Tag aber nach dem Neumond, als der Platz Davids leer blieb, sprach Saul zu seinem Sohn Jonathan: „Warum ist der Sohn Isai nicht zu Tisch gekommen, weder gestern noch heute?“ Jonathan antwortete Saul: „Er bat mich sehr, daß er nach Bethlehem gehen dürfe und sprach: „Laß mich hingehen, denn unsere Sippe hat zu opfern in der Stadt, und mein Bruder hat es mir selbst geboten. Habe ich Gnade vor deinen Augen gefunden, so laß mich hingehen und meine Brüder sehen. Darum ist er nicht zum Tisch des Königs gekommen!“

Da entbrannte der Zorn Sauls gegen Jonathan, und er sprach zu ihm: „Du Sohn einer ungehorsamen Mutter! Ich weiß sehr wohl, daß du dir den Sohn Isais als Freund ausgesucht hast, dir und deiner Mutter zur Schande. Denn solange der Sohn Isais auf der Erde lebt, wirst du und auch dein Königtum nicht bestehen. So sende nun hin und laß ihn herholen zu mir, denn er muß sterben!“

Jonathan antwortete seinem Vater Saul: „Warum soll er sterben? Was hat er getan?“ Da zückte Saul den Spieß nach ihm, als wollte er Jonathan durchbohren. Da merkte Jonathan, daß bei seinem Vater fest beschlossen war, David zu töten. Er stand auf vom Tisch mit grimmigem Zorn und aß am zweiten Tag nach dem Neumond nichts, denn er war bekümmert um David, daß ihn ihm sein Vater eine solche Schande antat.

Am Morgen ging Jonathan hinaus aufs Feld, wohin er David bestellt hatte, und ein kleiner Junge war bei ihm. Er sprach zu dem Jungen: „Lauf und suche mir die Pfeile, die ich schieße!“Als der Junge lief, schoß Jonathan einen Pfeil über ihn hinweg. Als der Knabe an den Ort kam, wohin Jonathan den Pfeil geschossen hatte, rief ihm Jonathan nach und sprach: „Der Pfeil liegt hinwärts von dir!“ Er rief ihm nochmal nach: „Rasch! Eile und halte dich nicht auf!“ Da las der Junge die Pfeile Jonathans auf und brachte sie zu seinem Herrn. Der Junge aber merkte nichts, nur Jonathan und David wußten um die Sache.

 

 

Da gab Jonathan seinem Jungen seine Waffen und sprach zu ihm: „Gehe hin und trage sie in die Stadt!“ Als der Junge weggegangen war, stand David hinter dem Steinhaufen auf und fiel auf sein Angesicht zur Erde und beugte sich dreimal nieder. Er und Jonathan küßten sich und weinten miteinander, David aber am allermeisten.

Jonathan sprach zu David: „Gehe hin mit Frieden! Für das, was wir beide geschworen haben im Namen des Herrn, dafür stehe der Herr sei zwischen mir und dir, zwischen meinen Nachkommen und deinen Nachkommen in Ewigkeit!!“ Und Jonathan machte sich auf und kam in die Stadt (1. Sam 18-20, leicht gekürzt).

 

David auf der Flucht:

David aber kam nach Niob zum Priester Ahimelech und sprach zu ihm: „Hast du etwas bei der  Hand, etwa fünf Brote,  oder was du sonst findest, das gib mir in meine Hand!“ Der Priester antwortete: „Ich habe kein gewöhnliches Brot bei der Hand, sondern nur heiliges Brot!“ Da gab ihm der Priester von dem heiligen Brot, weil kein anderes da war. Es waren die Schaubrote, die man nur vom Altar wegnimmt, wenn man frisches Brot auflegt.

Dann sprach David zu Ahimelech: „Ist nicht hier bei dir ein Spieß oder ein Schwert? Ich habe mein Schwert und meine Waffen nicht mit mir genommen, denn die Sache mit dem König war eilig!“ Der Priester sprach: „Das Schwert des Philisters Goliath, den du im Eichgrund erschlugst. Wenn du das willst, so nimm es hin, denn es ist hier kein anderes als das!“ David sprach: „Es gibt nichts Besseres. Gib es mir!“

Dann floh er zu Achis, dem König von Gath. Aber er fürchtete sich sehr vor Achis, weil er doch die Philister getötet hatte. Da stellte sich David wahnsinnig und tobte und rannte gegen die Pforte und der Geifer floß ihm in den Bart. Da sprach Achis zu seinen Leuten: „Ihr seht doch, daß der Mann wahnsinnig ist. Warum habt ihr ihn zu mir gebracht? Ich habe doch Wahnsinnige genug bei mir. Der kommt mir nicht ins Haus!“

David entrann in die Höhle Adullam.  Es versammelten sich bei ihm allerlei Männer, die in Not und Schulden und verbitterten Herzens waren. David wurde ihr Oberster und es waren bei ihm etwa vierhundert Mann. Dann zog er nach Mizpa im Land der Moabiter. Dort ließ er seinen Vater und seine Mutter. Aber der Prophet Gad sprach zu ihm: „Bleibe nicht auf der Bergfeste, sondern gehe hin ins Land Juda!“

Es kam vor Saul, daß David und seine Männer von sich reden machten. Er erfuhr auch, daß der Priester Abimelech ihm Speise und das Schwert Goliaths gegeben hatte. Deshalb sprach er zu dem Priester: „Du mußt des Todes sterben, denn du  hast mir nicht gesagt, daß David bei ihm war!“ Aber die Leute des Königs wollten ihre Hände nicht an die Priester des Herrn legen. Da erschlug ein Edomiter die Priester, der auch verraten hatte, daß David dort gewesen war.

Auch Nob,  die Stadt der Priester, schlug er mit der Schärfe des Schwerts, Mann und Weib, Kinder und Säuglinge, Ochsen und Esel und Schafe. Es entrann aber ein Sohn Ahimelechs, der hieß Abjathar, der floh zu David und erzählte ihm, daß Saul die Priester des Herrn getötet hatte. David sprach zu Abjathar: „Ich bin schuldig am Leben aller aus deiner Familie. Bleibe bei mir und fürchte dich nicht. Der mir nach dem Leben trachtet, der trachtet auch dir nach dem Leben. Aber bei mir bist du in Sicherheit!“.

Dann wurde David gesagt: „Die Philister kämpfen gegen Kegila und berauben die Dreschplätze!“ Da fragte David den Herrn: „Soll ich hingehen und diese Philister schlagen?“ Und der Herr sprach zu David: „Ziehe hin! Du wirst die Philister schlagen und Kegila erretten!“ So zog David samt seinen Männern nach Kegila und kämpfte gegen die Philister und trieb ihnen ihr Vieh weg und schlug sie hart. So errettete David die Leute von Kegila. 

Da ließ Saul das ganze Kriegsvolk rufen zum Kampf gegen Kegila. Weil die Leute von Kegila ihn ausliefern wollten, zog er weiter in die Wüste Siph. Da machte sich Jonathan auf in die Wüste sprach zu ihm: „Fürchte dich nicht! Meines Vaters Hand wird dich nicht erreichen, und du wirst König werden über Israel, und ich will ich der Zweite nach dir sein. Das weiß mein Vater sehr gut!“ Sie erneuerten ihren Bund miteinander vor dem Herrn.

Die Leute von Siph bieten Saul an, den Aufenthaltsort Davids zu verraten. Aber als Saul mit seinen Leuten kommt, weicht David immer weiter aus. Als sie schließlich David umstellt haben, kommt ein Bote mit der Nachricht: „Die Philister sind ins Land eingefallen!“ Da mußte Saul die Verfolgung Davids aufgeben und zog den Philistern entgegen  (1. Sam 21-23, stark gekürzt).

 

David verschont Saul:

David zog von dort hinauf und verbarg sich auf den Bergfesten von Engedi. Als nun Saul wiederkam von den Philistern, wurde ihm gesagt:„David ist in der Wüste Engedi. Da  Saul nahm dreitausend auserlesene Männer aus ganz Israel und zog hin, David samt seinen Männern zu suchen. Dabei ging er in eine Höhle. David aber und seine Männer saßen hinten in der Höhle.

Da sprachen die Männer Davids zu ihm: „Das ist der Tag, von dem der Herr dir gesagt hat: Ich will deinen Feind in deine Hände geben, daß du mit ihm tust, was dir gefällt!“ Und David stand auf und schnitt leise einen Zipfel von Sauls Rock. Aber danach schlug ihm doch sein Herz, weil er den Zipfel Sauls abgeschnitten hatte, und er sprach zu seinen Männern: „Das lasse der Herr ferne von mir sein, daß ich das tun sollte und meine Hand legen an den Gesalbten des Herrn!“

Als aber Saul sich aus der Höhle aufmachte, machte sich auch David auf und ging aus der Höhle und rief Saul hinterher: „Mein Herr König!“ Saul sah hinter sich. Und David neigte sein Antlitz zur Erde und fiel nieder und sprach zu Saul: „Warum hörst du auf das Wort der Menschen, die da sagen: David sucht dein Unglück?

Siehe, heute haben deine Augen gesehen, daß dich der Herr heute hat in meine Hände gegeben in der Höhle. Man hat mir gesagt, daß ich dich töten sollte. Aber ich habe dich verschont, denn ich sprach: Ich will meine Hand nicht an meinen Herrn legen, denn er ist der Gesalbte des Herrn. Mein Vater, siehe doch hier den Zipfel von deinem Rock in meiner Hand. Daran erkenne, daß meine Hände rein sind von Bosheit und Empörung. Ich habe mich nicht an dir versündigt, und du jagst mir nach, um mich zu töten! Der Herr wird Richter sein zwischen mir und dir und mich an dir rächen. Aber meine Hand soll dich nicht anrühren!“

Als nun David diese Worte zu Saul geredet hatte, sprach Saul: „Ist das nicht deine Stimme, mein Sohn David?“ Und Saul erhob seine Stimme und weinte  und sprach zu David: „Du bist gerechter als ich. Du hast mir Gutes erwiesen, ich aber habe dir Böses erwiesen. Du hast mir heute gezeigt, wie du Gutes an mir getan hast, daß mich der Herr in deine Hände gegeben hatte und du mich doch nicht getötet hast.

Wo ist jemand, der seinen Feind finden und ihn läßt ihn in Frieden seinen Weg gehen? Der Herr vergelte dir Gutes für das, was du heute an mir getan hast. Ich weiß, daß du König werden wirst, und das Königtum über Israel durch deine Hand weiter Bestand haben wird. So schwöre mir nun bei dem Herrn, daß du meine Nachkommen nicht ausrotten wirst und meinen Namen nicht austilgen wirst aus meines Vaters Haus!“

David schwor es Saul. Da zog Saul heim. David aber mit seinen Männern zog hinauf auf die Bergfeste. Zu der Zeit starb Samuel. Und ganz Israel versammelte sich und hielt ihm die Totenklage. Sie begruben ihn in seinem Haus in Rama (1. Sam 24-25).

 

David und Abigail:

David aber machte sich auf und zog hinab in die Wüste Maon. Dort hüteten seine Männer die Schafe des reichen Schafscherers Nabal. Als er aber zehn junge Männer hinschickte, die um Brot und Fleisch und Wasser baten, antwortete er nur: „Wer ist David? Es gibt jetzt viele Sklaven, die ihrem Herrn davongelaufen sind!“

Der hatte aber eine Frau mit Namen Abigail. Die war eine Frau von Verstand und schön von Angesicht. Diese lud heimlich eine große Menge Speisen auf Esel und ging David entgegen. Sie fiel vor ihm nieder und sprach: „Mein Mann ist ein Narr, wie schon sein Name sagt. Ich habe die Männer nicht gesehen, die du gesandt hast. Sieh, was ich dir gebracht habe, das kannst du deinen Leuten geben. Der Herr wird dir eine beständige Familie geben, denn du führst die Kriege des Herrn.  Es möge nichts Böses an dir gefunden werden dein Leben lang. Und wenn sich ein Mensch erheben wird, dich zu verfolgen, und nach deinem Leben trachtet, so soll dein Leben eingebunden sein im Bündlein der Lebendigen bei dem Herrn, deinem Gott!“

Da sprach David zu Abigail: „Gelobt sei der Herr, der Gott Israels, der dich heute mir entgegengesandt. Gesegnet seist du, daß du mich heute zurückgehalten hast, in Blutschuld zu geraten und mir mit eigener Hand zu helfen. Wärst du nicht eilend mir begegnet, so wäre von Nabals Leuten nicht einer übriggeblieben!“

David nahm von ihrer Hand, was sie gebracht hatte. Erst am nächsten Morgen sagte sie ihrem Mann, was sie getan hatte. Da erstarb sein Herz in seinem Leib und er wurde wie ein Stein. Nach zehn Tagen schlug ihn der Herr und er starb. Als David hörte, daß Nabal tot war, sandte er Boten hin und ließ mit Abigail sagen, daß er sie zur Frau nehmen wolle. Sie zog mit den Boten Davids und wurde seine Frau Weib. So hatte David neben Ahinoam von Jesreel und Michal, der Tochter Sauls, noch eine dritte Frau, nämlich Abigail, die frühere  Frau Nabals (1. Sam 25, stark gekürzt).

 

David verschont Saul zum zweitenmal:

Die Leute von Siph kamen zu Saul nach Gibea und sprachen: „David hält sich verborgen auf einem Hügel Hachila vor der Wüste?“ Da machte sich Saul auf und zog herab zur Wüste Siph und mit ihm dreitausend auserlesene Männer aus Israel, um David in der Wüste Siph zu suchen.

Als David merkte, daß Saul ihm nachkam in die Wüste, sandte er Kundschafter aus und erfuhr, daß Saul in der Tat gekommen wäre. David machte sich auf und kam an den Ort, da Saul sein Lager hielt, und sah die Stelle, wo Saul mit seinem Feldhauptmann Abner lag. David kam nachts mit noch einem Mann. Und siehe, Saul lag und schlief im innersten Lagerring, und sein Spieß steckte in der Erde an seinem Kopf. Abner aber und das Volk lagen um ihn her.

Da sprach sein Begleiter zu David: „Gott hat deinen Feind heute in deine Hand gegeben. So will ich ihn nun mit dem Speer an den Boden spießen einmal, daß es nicht ein zweites Mal nötig ist. David aber sprach zu dem Mann: „Tu ihm nichts zuleide, denn wer könnte die Hand an den Gesalbten des Herrn legen und ungestraft bleiben? Der Herr wird ihn schlagen, wenn seine Zeit kommt, daß er sterbe oder er wird in dem Kampf ziehen und umkommen. Das lasse der Herr ferne von mir sein, daß ich meine Hand sollte an den Gesalbten des Herrn legen. So nimm nun den Speer an seinem Kopf und den Wasserkrug und laß uns gehen!“

So nahm David den Speer und den Wasserkrug und ging hin, und es war niemand, der es sah noch merkte noch erwachte, sondern sie schliefen alle, denn es war ein tiefer Schlaf vom Herrn auf sie gefallen. Als nun David auf die andere Seite des Tals hinübergekommen war, stellte er sich auf den Gipfel des Berges, daß ein weiter Raum war zwischen ihnen. Er rief dem Kriegsvolk und Abner zu: „Hörst du nicht, Abner?“ Abner antwortete: „Wer bist du, daß du so schreist zum König hin?“

David sprach zu Abner: „Bist du nicht ein Mann und wer ist dir gleich in Israel? Warum hast du denn nicht deinen Herrn, den König, bewacht? Denn es ist einer vom  Volk hineingekommen, den König umzubringen! Das war nicht recht, was du getan hast. So wahr der Herr lebt, ihr seid Kinder des Todes, weil ihr den Gesalbten des Herrn nicht bewacht habt. Nun siehe doch nach, wo der Speer des Königs und der Wasserkrug an seinem Kopf waren!“

Da erkannte Saul die Stimme Davids und sprach: „Ist das nicht deine Stimme, mein Sohn David?“ David sprach: „Es ist meine Stimme, mein Herr König. Warum verfolgt mein Herr seinen Diener so? Was habe ich getan? Und was ist Böses in meiner Hand? So höre doch nun mein König die Worte seines Dieners: Reizt dich der Herr gegen mich, so lasse man ihn ein Speisopfer riechen. Tun es aber Menschen, so seien sie verflucht vor dem Herrn, weil sie mich heute verstoßen und nicht an dem Erbteil des Herrn teilhaben lassen und sprechen: Gehe hin, diene anderen Göttern! So fließe nun mein Blut nicht auf die Erde, fern von dem Angesicht des Herrn. Denn der König von Israel ist ausgezogen zu suchen einen einzelnen Floh, wie man ein Rebhuhn jagt auf den Bergen!“

Saul sprach: „Ich habe gesündigt, komm wieder, mein Sohn David, ich will dir in Zukunft kein Leid tun, weil mein Leben heute ist in deinen Augen teuer gewesen. Ich habe töricht und sehr Unrecht getan!“ David antwortete und sprach: „Hier ist der Speer des Königs. Es komme einer von den jungen Leuten herüber und hole ihn. Der Herr aber wird einem jeden seine Gerechtigkeit und Treue vergelten. Denn der Herr hat dich heute in meine Hand gegeben, aber ich wollte meine Hand nicht an den Gesalbten des Herrn legen. Und wie heute dein Leben in meinen Augen ist groß geachtet gewesen, so werde mein Leben wert geachtet vor den Augen des Herrn, und er errette mich aus aller Not!“

Saul sprach zu David: „Gesegnet seist du, mein Sohn David, du wirst es ausführen und vollenden!“ David aber ging seine Straße, und Saul kehrte zurück an seinen Ort (1. Sam 26, leicht gekürzt).

 

David bei den Philistern:

David aber dachte in seinem Herzen: „Ich werde doch eines Tages in die Hände Sauls fallen. Es gibt nichts Besseres für mich, als daß ich entrinne in das Land der Philister. Dann wird Saul davon ablassen, mich weiterhin zu suchen im ganzen Gebiet Israels und ich werde seinen Händen entrinnen!“ Er machte sich auf und ging hinüber zum König von Gath, samt den sechshundert Mann, die bei ihm waren, und auch mit seinen zwei Frauen Ahinoam und Abigail. Als Saul gesagt wurde, daß David nach Gath geflohen wäre, suchte er ihn nicht mehr. Achis gab ihm die Stadt Ziklag, die deshalb bis auf diesen Tag den Königen Judas gehört. David wohnte ein Jahr und vier Monate im Land der Philister.

Von dort machte er einige Raubzüge, auch in das südliche Juda. Der König von Gath dachte: „David hat sich verrufen gemacht bei seinem Volk Israel, darum wird er für immer mein Diener sein!“ Dann aber sammelten die Philister ihr Heer, in den Kampf zu ziehen gegen Israel. Und der König von Gath sprach zu David: „Du sollst wissen, daß du und deine Männer mit mir ausziehen sollen im Heer!“ David sprach zu ihm: „Wohlan, du sollst erfahren, was dein Diener tun wird!“ Der König sprach zu David: „Darum will ich dich zum Leibwächter einsetzen für die ganze Zeit!“ (1.Sam 27,1 - 28,2, gekürzt).

 

 

 

 

Saul bei der Hexe von Endor:

Saul hatte die Geisterbeschwörer und Zeichendeuter aus dem Land vertrieben. Als sich nun die Philister versammelten und kamen und lagerten sich in Sunem, versammelte Saul auch das ganze Israel, und sie lagerten sich zu Gilboa. Als aber Saul das Heer der Philister sah, fürchtete er sich, und sein Herz verzagte sehr. Er befragte den Herrn, aber der Herr antwortete ihm nicht, weder durch Träume noch durch das Los noch durch Propheten.

Da sprach Saul zu seinen Leuten: „Sucht mir eine Frau, die Tote beschwören kann, daß ich zu ihr gehe und sie befrage Seine Männer sprachen zu ihm: „In Endor ist eine Frau, die kann Tote beschwören!“

Saul machte sich unkenntlich und zog andere Kleidung an und ging hin und zwei Männer mit ihm. Sie kamen in der Nacht zu der Frau, und Saul sprach: „Weissage mir, weil du Geister beschwören kannst und hole mir herauf, den ich dir nenne!“

Die Frau sprach zu ihm: „Du weißt doch selbst, was Saul getan hat, wie er die Geisterbeschwörer und Zeichendeuter ausgerottet hat im Land, Warum willst du mir denn eine Falle stellen, daß ich getötet werde?“ Saul aber schwor ihr bei dem Herrn: „So wahr der Herr lebt: Es soll dich in dieser Sache keine Schuld treffen!“ Da sprach die Frau: „Wen soll ich dir denn heraufholen?“ Er sprach: „Hol mir Samuel herauf!“ Als nun die Frau Samuel merkte, daß es um Samuel ging, schrie sie laut auf und sprach zu Saul: „Warum hast du mich betrogen? Du bist Saul!“ Der König sprach zu ihr: „Fürchte dich nicht! Was siehst du?“

Die Frau sprach zu Saul: „Ich sehe einen Geist heraufsteigen aus der Erde!“ Saul sprach: „Wie sieht er aus?“ Sie sprach: „Es kommt ein alter Mann herauf und ist bekleidet mit einem Priesterschurz!“Da erkannte Saul, daß es Samuel war, und neigte sich mit seinem Gesicht zur Erde und fiel nieder.

Samuel aber sprach zu Saul: „Warum hast du meine Ruhe gestört, daß du mich heraufsteigen läßt?“ Saul sprach: „Ich bin in großer Bedrängnis: Die Philister kämpfen gegen mich, und Gott ist von mir gewichen und antwortet mir nicht, weder durch Propheten noch durch Träume. Darum habe ich dich lassen rufen, daß du mir kundtust, was ich tun soll!“

Samuel sprach: „Was willst du mich befragen, wo doch der Herr von dir gewichen und dein Feind geworden ist? Der Herr wird dir tun, wie er durch mich geredet hat, und hat das Königtum aus deiner Hand gerissen und David gegeben. Weil du der Stimme des Herrn nicht gehorcht und seinen grimmigen Grimm nicht  an Amalek vollstreckt hast, darum hat dir der Herr dies jetzt getan. Dazu wird der Herr mit dir auch Israel in die Hände der Philister geben. Morgen werden du und deine Söhne bei mir sein!“ Da stürzte Saul zur Erde, so lang er war, und geriet in große Furcht sehr vor den Worten Samuels. Auch war keine Kraft mehr in ihm; denn er hatte den ganzen Tag und die ganze Nacht nichts gegessen!“

Die Frau trat zu Saul und sah, daß er sehr erschrocken war, und sprach zu ihm: „Siehe, deine Dienerin hat deiner Stimme gehorcht, und ich habe mein Leben aufs Spiel gesetzt, als ich die Worte hörte, die du zu mir gesagt hast. So gehorche nun auch Stimme deiner Dienerin. Ich will dir einen Bissen Brot vorsetzen, daß du ißt  und zu Kräften kommest und deine Straße gehen kannst!“

Er aber weigerte sich und sprach: „Ich will nicht essen!“ Da nötigten ihn seine Leute und die Frau, bis er auf sie hörte. Und er stand auf von der Erde und setzte sich aufs Bett. Die Frau aber hatte daheim ein gemästetes Kalb. Das schlachtete sie eilends und nahm Mehl und knetete es und backte ungesäuertes Brot und setzte es Saul und seinen Leuten vor. Als sie gegessen hatten, standen sie auf und gingen noch in der Nacht fort (1.Sam 28,3 - 25).

 

Davids Sieg über die Amalekiter:

Im nächsten Kampf der Philister gegen die Israeliten wollte David auf der Seite der Philister mitkämpfen. Aber die Philisterfürsten hielten ihn für unzuverlässig und schickten ihn wieder heim.

Als er wieder mit seinen Männern nach Ziklag kam, waren die Amalekiter eingefallen und hatten Ziklag eingenommen und mit Feuer verbrannt und hatten die Frauen gefangen fortgeführt, auch die Frauen Davids. Der Priester Abjathar aber sagt ihm auf seine Frage: „Jage ihnen nach! Du wirst sie einholen und due Gefangenen befreien!“

Sie finden auf ihrem Kriegszug einen jungen Ägypter, der sie zu den Amalekitern führt. Diese hatten sich ausgebreitet über das ganze Land, aßen und tranken und feierten ein großes Fest wegen all der Beute, die sie mitgenommen hatten aus dem Land der Philister und aus Juda. David schlug sie vom Morgen bis zum Abend des nächsten Tages und brachte alles wieder heim.

Doch die mit ihm gekämpft hatten wollten nicht mit den zweihundert Männern teilen, die wegen Müdigkeit beim Troß geblieben waren. Aber David sprach: „Ihr sollt nicht so tun mit dem, was uns der Herr gegeben hat. Er hat uns behütet und ihre Krieger in unsere Hände gegeben. Der Anteil derjenigen, die in den Streit hin abgezogen sind, soll gleich sein dem Teil derjenigen, die bei dem Troß geblieben sind!“ Das ist seit der Zeit in Israel Sitte und Recht geworden bis auf diesen Tag. Als David nach Ziklag kam, sandte er auch den Ältesten in Juda von der Beute und sprach: „Siehe, da habt ihr den Segen aus der Beute der Feinde des Herrn!“  (1.Sam 29 - 30, stark gekürzt).

 

Das Ende Sauls und seiner Söhne:

Die Philister aber kämpften wieder einmal gegen Israel, und die Männer Israels flohen vor den Philistern und blieben erschlagen liegenauf dem Gebirge Gilboa. Die Philister waren vor allem hinter Saul und seinen Söhnen her und erschlugen Jonathan und die beiden anderen Söhne Sauls.

Der Kampf tobte heftig um Saul und die Bogenschützen fanden ihn und er wurde schwer verwundet von den Schützen. Da sprach Saul zu seinem Waffenträger: „Zieh dein Schwert aus und erstich mich damit, daß nicht diese Unbeschnittenen kommen und mich erstechen und treiben ihren Spott mit mir!“ Aber sein Waffenträger wollte nicht, denn er fürchtete sich sehr. Da nahm Saul das Schwert und stürzte sich hinein. Als nun sein Waffenträger sah, daß Saul tot war, stürzte er sich auch in sein Schwert und starb mit ihm. Als aber die Männer Israels jenseits der Ebene und gegen den Jordan hin sahen, daß die Männer Israels geflohen waren und daß Saul und seine Söhne tot waren, verließen sie die Städte und flohen auch.

Am anderen Tag kamen die Philister, um die Erschlagenen auszuziehen, und fanden Saul und seine drei Söhne, wie sie gefallen auf dem Gebirge Gilboa lagen. Sie hieben ihm seinen Kopf ab, nahmen ihm seine Rüstung ab und sandten sie im Land der Philister umher, um es zu verkünden im Hause ihrer Götzen und unter dem Volk. Sie legten Sauls Rüstung in das Haus der Astarte,  aber seine Leiche hingen sie auf die Mauer in Beth-Sean.

Als die Leute in Jabes hörten, was die Philister an Saul getan hatten, machten sie sich streitbare Männer auf, und gingen die ganze Nacht und nahmen die Leichname Sauls und seiner Söhne von der Mauer in Beth-Sean und brachten sie nach Jabes und verbrannten sie dort. Sie nahmen die Gebeine und begruben sie unter einem Baum in Jabes und fasteten sieben Tage (1.Sam 31, leicht gekürzt, parallel zu 1. Chronik 10).

 

 

 

Das zweite Buch Samuel

[Der Prophet Samuel erscheint nur im 1. Buch Samuel. Die beiden Bücher Samuels waren einst ein einziges Buch, und so behielten die Teile den Namen bei, nachdem sie aus praktischen Gründen (handhabbare Größe einer Schriftrolle) voneinander getrennt wurden. Hauptfigur dieses Buches ist aber David. Das Buch weist viele Parallelen zum 1. Buch der Chronik auf. Im Gegensatz zu diesem ist es aber merklich kritischer, und legt den Schwerpunkt mehr auf die politischen Ereignisse als auf den Kultus. Neben den Erzählungen finden sich auch Psalmen.

Das Buch schildert zunächst den Aufstieg Davids als König über Juda und ganz Israel nach Siegen über Rafaiten und Philister. David erhält durch den Propheten Natan die Zusage Gottes, daß seine Dynastie für immer erhalten bliebe. Die positive Sicht Davids schlägt in Kapitel 11 um, wo geschildert wird, wie David mit der verheirateten Bathseba Ehebruch begeht und deren Ehemann Uria in den Tod schickt. Dafür wird David von Gott durch Natan zur Rechenschaft gezogen.

Es wird angekündigt, daß die Nachkommen Davids durch Gewalt umkommen werden. Es folgt eine Geschichte von kriegerischen Geschehnissen, Aufständen und Gewalt, so die Vergewaltigung von Davids Tochter Tamar durch ihren Halbbruder, den Davidssohn Amnon oder den Aufstand des Sohnes Absalom gegen seinen Vater und das Ende Absaloms durch Joab. Im letzten Kapitel bringt David Gott mit einer Volkszählung, die er gegen den Rat Joabs vollzieht, gegen sich auf. Infolgedessen wird das Volk mit einer Pest bestraft, die erstendet, als David auf dem späteren Tempelplatz opfert. Das Buch schließt mit Nachträgen und Davids Vermächtnis].

 

David läßt den Überbringer der Krone Sauls töten:

Drei  Tage nach der Schlacht   Davids mit den Amalekitern kam ein Mann aus dem Heer Sauls mit zerrissener Kleidung und Erde auf seinem Haupt. Als er zu David kam, fiel er nieder zur Erde und huldigte ihm. David sprach zu ihm: „Wo kommst du her?“ Er sprach zu ihm: „Ich bin aus dem Heer Israels entronnen!“ David sprach zu ihm: „Sage mir, wie steht es?“ Er sprach: „Das Volk ist geflohen aus der Schlacht und viele Männer sind gefallen. Außerdem ist König Saul tot und auch sein Sohn Jonathan!“

David sprach zu dem jungen Mann: „Woher weißt du, daß Saul und Jonathan tot sind?“ Er sprach: „Ich kam zufällig auf das Gebirge Gilboa, und siehe Saul lehnte sich auf seinen Speer, und die Wagen mit ihren Kämpfern waren hart an ihm. Da wandte sich Saul um und sah mich und rief mich: ‚Wer bist du?‘ Ich sprach zu ihm: ‚Ich bin ein Amalekiter!‘ Saul sprach zu mir: ‚Tritt zu mir und töte mich, denn mir wird schwarz vor Augen, aber mein Leben ist noch ganz in mir!‘ Da trat ich zu ihm und tötete ihn, denn ich wußte wohl, daß er nicht weiter leben konnte. Ich nahm die Krone von seinem Kopf und die Armringe und habe alles hergebracht zu dir, meinem Herrn!“

Da faßte David seine Kleidung und zerriß sie, und alle Männer, die bei ihm waren, und sie hielten die Totenklage und weinten und fasteten bis zum Abend aus Trauer um Saul und Jonathan und um das Volk des Herrn, weil sie durchs Schwert gefallen waren. David aber sprach zu dem jungen Mann, der es ihm mitgeteilt hatte: „Wo bist du her?“ Er sprach: „Ich bin ein Fremder, der Sohn eines Amalekiters!“ David sprach zu ihm: „Wie? Du hast dich nicht gefürchtet, deine Hand an den Gesalbten des Herrn zu legen, um ihn zu töten!“ David rief einem seiner Leute und sprach: „Komm her und schlag ihn nieder!“ Und der erschlug ihn. Da sprach David: „Dein Blut komme auf dein Haupt, denn dein Mund hat gegen dich selbst geredet, las du gesprochen hast: Ich habe den Gesalbten des Herrn getötet!“

 

 

Dann hielt David hielt die Totenklage über Saul und Jonathan, die beschließt mit den Worten: „Es ist mir leid um dich, mein Bruder Jonathan: Ich habe große Freude und Wonne an dir gehabt. Deine Liebe ist mir wunderbarer gewesen, als es die Liebe der Frauen ist!“  (2. Samuel 1, ohne das Lied am Schluß).

 

David wird König über Juda: 

David zog mit seinen Frauen und seinen Männern nach Hebron, wie es ihm Gott gesagt hatte. Und die Männer Judas kamen und salbten dort David zum König über den Stamm Juda [Die Salbung entspricht der Krönung].

Sauls Feldhauptmann Abner aber nahm Isch-Boseth, den Sohn Sauls, und führte ihn nach Mahanaim und machte ihn zum König über Gilead, Benjamin und über ganz Israel. Er war vierzig Jahre alt, als er König wurde über Israel, und regierte zwei Jahre. Aber das Königreich Juda hielt es mit David. Am Teich von Gibeon kam es zum Kampf, bei dem Israel geschlagen wurde.

Asahel, der Bruder Joabs, verfolgte Abner, den Feldhautmann Sauls. Der aber stach ihn nieder, als er nicht von ihm ablassen wollte. Die Brüder Asahels verfolgen Joab zunächst. Aber Abner rief Joab zu: „Soll denn das Schwert ohne Ende fressen? Am Ende wird daraus nur noch mehr Jammer kommen. Wie lange willst du deinem Volk nicht sagen, daß es ablasse von seinen Brüdern?“

Joab sprach: „So wahr Gott lebt, hättest du das eher gesagt, dann hätte schon heute morgen jeder im Volk von seinem Bruder abgelassen!“ Joab ließ die Posaune blasen und alles Volk jagte Israel nicht mehr nach und kämpfte auch nicht weiter. Joabs Männer hoben Asahel auf und begruben ihn in seines Vaters Grab in Bethlehem (2. Sam 2, stark gekürzt).

 

David und Abner:

Abner stand weiter auf der Seite der Leute Sauls. Aber eines Tages sprach Isch-Boseth zu Abner: „Warum hast du mit der Nebenfrau meines Vaters geschlafen?“  Da wurde Abner sehr zornig über die Worte Isch-Boseths und sprach: „Bin ich denn ein Hundskopf? Heute erweise ich mich freundlich gegenüber der Familie Sauls und habe dich nicht in die Hände Davids gegeben, und du rechnest mir heute eine Schuld zu wegen einer Frau? Gott tue mir dies und das, wenn ich nicht tue, wie der Herr dem David geschworen hat, daß er nämlich das Königtum von der Familie Saul genommen werde und der Thron Davids aufgerichtet werde über Israel und Juda von Dan bis nach Beer-Seba!“

Darauf sandte Abner seine Boten zu David und ließ ihm sagen: „Schließe einen Bund mit mir! Meine Hand soll mit dir sein, daß ich dir ganz Israel zuführe!“

David sprach: „Gut, ich will einen Bund mit dir schließen. Aber eins erbitte ich von dir,

daß du nicht vor mich trittst ohne mir zuvor Michal mitzubringen!“ Auch sandte David seine Boten zu Isch-Boseth und ließ ihm sagen: „Gib mir meine Frau Michal!“ Da ließ er sie dem Mann wegnehmen, dem man sie gegeben hatte.

Nun besprach sich Abner mit den Ältesten in Israel und sprach: „Ihr habt schon längst verlangt, daß David der König über euch wird. So macht das nun, denn der Herr hat von David gesagt: Ich will mein Volk Israel erretten durch die Hand Davids aus der Hand der Philister Hand und aller seiner Feinde!“

Als nun Abner nach Hebron zu David kam und mit ihm zwanzig Mann, machte ihnen David ein Mahl. Und Abner sprach zu David: Ich will hingehen, daß ich das ganze Israel zu meinem König sammle und daß sie einen Bund mit dir schließen, damit du König seist, wie zu es begehrst!“ David ließ Abner von sich, sodaß er hinginge mit Frieden.

Da kamen die Leute Davids und Joab kamen von einem Streifzuge und brachten große Beute mit sich.  Joab ging zum König hinein und sprach: „Was hast du getan? Abner ist zu dir gekommen, warum hast du ihn von dir weggelassen. Kennst du Abner nicht? Denn er ist gekommen, dich zu überlisten, daß er erkunde dein Kommen und Gehen und erführe alles, was du tust!“ Joab sandte Boten hinter Abner her, um ihn zurückzuholen. Aber David wußte nichts davon.

Als nun Abner wieder nach Hebron kam, führte ihn Joab mitten unter das Tor, um heimlich mit ihm zu reden, und stach ihn dort in den Bauch, daß er starb, aus Rache für seinen Bruders Asahel. Als das David später erfuhr, sprach er: „Ich bin unschuldig an dem Blut Abners! Es falle aber auf das Haupt Joabs!“ Und er sprach zu Joab und allem Volk, das mit ihm war: „Zerreißt eure Kleidung und gürtet euch den Sack um euch und haltet die Totenklage um Abner!“ Und der König ging dem Sarg nach.

Und der König klagte um Abner und sprach: „Mußte Abner sterben, wie ein Gottloser stirbt?“

Als nun alles Volk hineinkam, um David zum Essen zu nötigen, schwor David: „Gott tue mir dies und das, wenn ich Brot esse oder etwas zu mir nehme, ehe die Sonne untergeht!“ Alles Volk nahm es wahr  und es gefiel ihnen auch wohl. Sie merkten an dem Tag, daß der Tod  Abners nicht vom König ausgegangen war 2. Sam 3, gekürzt).

 

Isch-Boseths Ende:

Als der Sohn Sauls hörte, daß Abner in Hebron getötet wurde, entfiel ihm der Mut und ganz Israel erschrak. Es waren aber zwei Männer, Hauptleute der Streifscharen unter dem Sohn Sauls. Die gingen nun hin zum Hause Isch-Boseths, als der Tag am heißesten war. Die Pförtnerin des Hauses hatte Weizen gereinigt und war fest eingeschlafen. Da schlichen sich die beiden Männer hinein. Isch-Boseth lag auf seinem Bett in seiner Schlafkammer.

Die Männer stachen ihn tot und hieben ihm den Kopf ab und nahmen seinen Kopf und gingen durch das Jordantal die ganze Nacht und brachten das Haupt Isch-Boseths zu David nach Hebron und sprachen zum König: „Siehe, da ist das Haupt deines Feindes Isch-Boseths, der dir nach dem Leben trachtete. Der Herr hat heute meinen König gerächt an Saul und an seinen Nachkommen!“

Da antwortete ihnen David: „So wahr der Herr lebt, der mich aus aller Bedrängnis erlöst hat: Diese gottlosen Leute haben einen gerechten Mann in seinem Hause auf seinem Lager getötet. Sollte ich sein Blut nicht fordern von euren Händen und euch von der Erde vertilgen?“

Und David gebot seinen Leuten, daß sie die Männer töteten:  Sie hieben ihre Hände und Füße ab und hingen sie auf am Teich in Hebron. Aber das Haupt Isch-Boseths nahmen sie und begruben es in Abners Grab in Hebron (2. Sam 5, gekürzt)

 

David wird König über ganz Israel: 
Es kamen alle Stämme Israels zu David nach Hebron und sprachen: „Siehe, wir sind von deinem Gebein und von deinem Fleisch. Schon früher, als Saul über uns König war, führtest du Israel ins Feld und wieder heim. Dazu hat der Herr dir gesagt: Du sollst mein Volk Israel hüten und sollst ein Fürst sein über Israel!“ Es kamen alle Ältesten in Israel zum König nach Hebron. Und der König David schloß mit ihnen einen Bund in Hebron vor dem Herrn, und sie salbten David zum König über Israel. Dreißig Jahre war David alt, als er König wurde, und regierte vierzig Jahre (2.Sam 5,1-5, vgl. 1. Chron 11,1-3).

 

 

David erobert Jerusalem

Der König zog hin mit seinen Männern vor Jerusalem gegen die Jebusiter. Sie aber sprachen zu David: „Du wirst nicht hier hereinkommen, sondern Blinde und Lahme werden dich abwehren!“ Da sprach David an diesem Tag: „Wer die Jebusiter schlägt und durch den Schacht hinaufsteigt und die Lahmen und die Blinden erschlägt, die David verhaßt sind, der soll Hauptmann und Oberster sein!“ Da erstieg sie am ersten Joab und wurde Hauptmann [Diese Sätze ist aus 1,Chron 11,6 übernommen].

So gewann David die Burg Zion und wohnte auf ihr und nannte sie „Davids Stadt“ und baute sie immer mehr aus. Seine Macht nahm immer mehr zu, und der Herr, der Gott Zebaoth, war mit ihm. Hiram, der König von Tyrus, sandte Boten zu David mit Zedernholz und Zimmerleute und Steinmetzen, daß sie David ein Haus bauten. David nahm noch mehr Frauen und Nebenfrauen in Jerusalem, nachdem er von Hebron gekommen war. Es wurden ihm noch mehr Söhne und Töchter geboren (jetzt folgen die Namen) (2.Sam 5,6-15, vgl. 1.Chron 11,4-9 und 14,1-7).

 

Davids Siege über die Philister:

Als die Philister hörten, daß man David zum König über Israel gesalbt hatte, zogen sie alle herauf, um David zu suchen. Sobald das David erfuhr, zog er hinab in die Bergfeste. Aber die Philister kamen und breiteten sich aus in der Ebene Rephaim. David befragte den Herrn und sprach: „Soll ich hinaufziehen gegen die Philister? Wirst du sie in meine Hand geben?“ Der Herr sprach zu David: „Zieh hinauf! Ich werde die Philister in deine Hand geben!“ David kam gen Baal-Perazim und schlug sie dort. Die Philister ließen ihre Götzen dort, David aber und seine Männer nahmen sie mit.

Die Philister aber zogen abermals herauf und breiteten sich aus in der Ebene Rephaim. David befragte den Herrn erneut und der sprach: „Du sollst nicht hinaufziehen, sondern komm von hinten über sie und greife sie dort an! Und wenn du hörst das Rauschen in den Wipfeln der Bäume, so eile, denn dann ist der Herr ausgegangen vor dir her, zu schlagen das Heer der Philister!“ David tat, wie ihm der Herr geboten hatte, und schlug die Philister von Geba an, bis man kommt nach Geser (2. Sam 5,17-25).

 

David holt die Bundeslade  nach Jerusalem:

David sammelte abermals die ganze junge Mannschaft in Israel, dreißigtausend Mann, und zog mit allem Volk nach Baala in Juda, um die Lade Gottes von dort heraufzuholen (die genannt ist nach dem Namen des Herrn „Zebaoth, der über den Cherubim wohnt“). Sie setzten die Lade Gottes auf einen neuen Wagen und holten sie aus dem Hause Abinadabs, der auf dem Hügel wohnte. Dessen Söhne führten den neuen Wagen. Als sie die Lade Gottes heraus führten, tanzten David und ganz Israel vor dem Herrn her mit aller Macht im Reigen mit Liedern, Harfen und Psaltern und Pauken und Schellen und Zimbeln.

Als sie zum Dreschplatz Nachons kamen, griff Usa, der eine Sohn Abinadabs, zu und hielt die Lade Gottes, denn die Rinder glitten aus. Da entbrannte der Zorn des Herrn über Usa, und Gott schlug ihn dort, weil er seien Hand nach der Lade ausgestreckt hatte, so daß er dort starb bei der Lade Gottes. David fürchtete sich vor dem Herrn an diesem Tag und sprach: „Wie soll die Lade des Herrn zu mir kommen?“ Er wollte sie nun nicht mehr zu sich bringen lassen in die Stadt Davids, sondern ließ sie ins Haus des Gathiters Obed-Edom bringen.

 

 

So blieb die Lade des Herrn drei Monate im Hause Obed-Edoms, und der Herr segnete ihn und seine ganze Familie. Aber es wurde dem König David gesagt, daß der Herr die Familie Obed-Edoms segnete und alles, was er hatte, wegen der Lade Gottes. Da ging er hin und holte die Lade Gottes aus dem Hause Obed-Edoms herauf in die Stadt Davids mit Freuden. Als die Träger mit der Lade sechs Schritte gegangen waren, opferte man einen Stier und ein fettes Kalb. Und David tanzte mit aller Macht vor dem Herrn her und war umgürtet mit einem leinenen Priesterschurz. Und David mit dem ganzen Israel führten die Lade des Herrn herauf mit Jauchzen und Posaunen.

Als die Lade des Herrn in die Stadt Davids kam, sah Michal durchs Fenster und sah den König David springen und tanzen vor dem Herrn und verachtete ihn in ihrem Herzen. Als sie aber die Lade des Herrn hereinbrachten, stellten sie sie an ihren Platz mitten in dem Zelt, das David für sie aufgeschlagen hatte. David opferte Brandopfer und Dankopfer vor dem Herrn. Danach segnete er das Volk im Namen des Herrn Zebaoth und ließ an alle einen Brotkuchen und ein Stück Fleisch und einen Rosinenkuchen austeilen. Dann kehrte jeder in sein Haus zurück.

Als aber David heimkam, seiner Familie den Segensgruß zu bringen, ging Michal heraus ihm entgegen und sprach: „Wie herrlich ist heute der König von Israel gewesen, der sich vor den Helferinnen seiner Männer entblößt hat, wie sich die losen Leute entblößen!“ David aber sprach zu Michal: „Ich will vor dem Herrn tanzen, der mich erwählt hat vor deinem Vater und vor seiner ganzen Familie, um mich zum Fürsten zu bestellen über das Volk des Herrn. Ich will noch geringer werden als jetzt und will niedrig sein in meinen Augen. Aber bei den Helferinnen, von denen du geredet hast, will ich zu Ehren kommen!“ Aber Michal, die Tochter Sauls, hatte kein Kind bis an den Tag ihres Todes (2. Samuel 6).

 

Gottes Haus und Davids Haus:

Als nun der König in seinem Hause saß und der Herr ihm Ruhe gegeben hatte von allen seinen Feinden umher, sprach er zu dem Propheten Nathan: „Siehe, ich wohne in einem Zedernhause, und die Lade Gottes wohnt unter Zeltdecken! Sollte ich nicht auch Gott ein schönes Haus bauen?“ Nathan sprach zu dem König: „Alles, was du in deinem Herzen hast, das tue, denn der Herr ist mit dir!“

In der Nacht aber kam das Wort des Herrn zu Nathan und sprach: „Gehe hin und sage meinem Diener David: So spricht der Herr: Solltest du mir ein Haus bauen, daß ich darin wohne? Habe ich doch in keinem Hause gewohnt seit dem Tag, da ich die Israeliten aus Ägypten führte, bis auf diesen Tag, sondern ich bin umhergezogen in einem Zelt als Wohnung. Habe ich die ganze Zeit, in der ich mit allen Israeliten umherzog, je zu einem der Richter Israels gesprochen: Warum baut ihr mir nicht ein Zedernhaus?“

Weiter trägt Gott dem Propheten auf: „So sollst du nun so sagen meinem Diener David: So spricht der Herr Zebaoth: Ich habe dich genommen von den Schafhürden, damit du ein Fürst über mein Volk Israel sein solltest. Ich bin mit dir gewesen, wo du hin gegangen bist, und habe alle deine Feinde vor dir ausgerottet und habe dir einen großen Namen gemacht gleich den Namen der Großen auf der Erde.  Ich will meinem Volk Israel eine Stätte geben und will es pflanzen, daß es dort wohne und sich nicht mehr ängstigen müsse, und die Kinder der Bosheit nicht mehr bedrängen.  Und wie vormals seit der Zeit, als ich Richter über mein Volk Israel eingesetzt habe, will ich dir  Ruhe geben von allen deinen Feinden!“

 

 

Schließlich teilt Gott seine Verheißung mit: „Der Herr verkündet dir, daß der Herr d i r ein Haus bauen will.  Wenn deine Zeit um ist, daß du dich zu deinen Vätern schlafen legst, will ich dir einen Nachkommen erwecken, dem will ich sein Königtum bestätigen. Der soll mir ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen in Ewigkeit. Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein. Wenn er sündigt, will ich ihn mit Menschenruten und mit menschlichen Schlägen strafen. Aber meine Gnade soll nicht von ihm weichen, wie ich sie habe weichen lassen von Saul. Aber dein Haus und dein Königtum sollen beständig sein vor mir in Ewigkeit, und dein Thron soll ewiglich bestehen!“

Als Nathan alle diese Worte dem König David gesagt hatte, kam David  und sprach: „Wer bin ich, Herr, und was ist meine Familie, daß du mich bis hierher gebracht hast? Aber nun hast du das für noch zu wenig gehalten, sondern hast der Familie deines Dieners sogar für die ferne Zukunft solche Zusagen gegeben. Was soll David noch mehr reden mit dir? Du kennst ja deinen Diener, Herr! Um deines Wortes willen und nach deinem Herzen hast du diese großen Dinge alle getan, um sie deinem Diener kundzutun. Darum bist du auch groß, Herr. Denn es ist keiner wie du und ist kein Gott außer dir allein  nach allem, was wir mit unsern Ohren gehört haben. Denn wo ist ein Volk auf der Erde wie dein Volk Israel. Du bist hingegangen, es zu erlösen, daß es dein Volk sei und dir einen Namen zu machen. Du hast so große und furcht­bare Dinge getan, damit du Völker und ihre Götzen vertriebst vor deinem Volk, das du dir erlöst hast von Ägypten.  Du hast dir dein Volk Israel zubereitet, dir zum Volk in Ewigkeit. Du Herr, bist ihr Gott geworden!“

Dann dankt David und bittet Gott: „So bekräftige nun, Herr, das Wort in Ewigkeit, das du über deinen Diener und über seine Familie geredet hast, und tue, wie du geredet hast! So wird dein Name groß werden in Ewigkeit, daß man sagen wird: Der Herr Zebaoth ist der Gott über Israel, und die Familie deines Dieners David wird bestehen vor dir. Denn du, Herr Zebaoth, du Gott Israels, hast das Ohr deines Dieners geöffnet und gesagt: Ich will dir ein Haus bauen! Darum hat dein Diener sich ein Herz gefaßt, daß er dies Gebet zu dir gebetet hat. Nun, Herr, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit. Du hast all dies Gute deinem Diener zugesagt. So fange nun an, zu segnen die Familie deines Dieners, daß sie ewig vor dir sei. Denn du, Herr, hast es geredet, und mit deinem Segen wird die Familie deines Dieners gesegnet sein in Ewigkeit (2. Sam 7).

 

Davids Kriege und Siege:

David schuf mit der Zeit ein Großreich, indem er die Philister und Moabiter besiegte, dann den Hadadeser,  König zu Zoba, und auch die Syrer von Damaskus, die Hadadeser helfen wollten, und schließlich ganz Edom. So wurde David König über ganz Israel, und schaffte Recht und Gerechtigkeit allem Volk. Er setze Beamte ein: Joab war Heerführer, Josaphat war Kanzler, Zadok und Ahimelech  waren Priester, Seraja war Schreiber, Benaja war Befehlshaber über die Hilfsvölker der Krether und Plether, und die Söhne Davids waren Priester (2. Sam 8).

 

Jonathans Sohn an Davids Hof:

Dann sprach David: „Ist auch noch jemand übriggeblieben von der Familie Sauls, daß ich Barmherzigkeit an ihm tue um Jonathans willen?“ Sie riefen einen von Sauls Leuten zu David, der ihn fragte: „Ist noch jemand da von der Familie Sauls, damit ich Gottes Barmherzigkeit an ihm tue?“ Der Mann sprach: „Es ist noch da ein Sohn Jonathans,  der ist lahm an den Füßen!“ Der König sprach zu ihm: „Wo ist er?“ Der Mann sprach zum König: „Er ist im Haus Machirs!“ Da sandte der König David seine Boten hin und ließ ihn holen.

Als nun Mephiboseth, der Sohn Jonathans, zu David kam, fiel er auf sein Angesicht und huldigte ihm. David aber sprach zu ihm: „Fürchte dich nicht, denn ich will Barmherzigkeit an dir tun um deines Vaters Jonathan, willen. Ich will dir den ganzen Besitz deines Großvaters Vaters Saul wiedergeben. Du aber darfst täglich an meinem Tisch mit essen!“ Er aber fiel nieder und sprach: „Wer bin ich, dein Diener, daß du dich wendest zu einem toten Hunde, wie ich es bin?“Aber David betraut den Mann aus den Leuten Sauls, die Äcker zu betreuen. Aber Mephiboseth wohnte in Jerusalem und aß täglich an des Königs Tisch (2.Sam 9, gekürzt).

 

Davids Kampf mit den Ammonitern:

Als der König der Ammoniter starb, wurde sein Sohn Hanun der König an seiner Statt. David schickte Männer hin, die ihn trösten sollten wegen des Verlusts seines Vaters. Aber die Obersten der Ammoniter sprachen zu ihrem Herrn: „Meinst du, daß David deinen Vater ehren wollte, als er Tröster zu dir gesandt hat? Meinst du nicht, daß sie die Stadt erforschen und zerstören sollten!“

Da nahm Hanun die Leute Davids und schor ihnen den Bart halb ab und schnitt ihnen die Kleidung halb ab bis unter den Gürtel und ließ sie gehen. Als das David gesagt wurde, sandte er ihnen Boten entgegen und ließ ihnen sagen: „Bleibt zu Jericho, bis euer Bart gewachsen ist. Dann kommt wieder!“

Als aber die Ammoniter sahen, daß sie sich bei David in Verruf gebracht hatten, sandten sie hin und warben zwanzigtausend Aramäer an und weitere dreizehntausend Mann. Als das David hörte, sandte er Joab mit dem ganzen Heer der Krieger. Die Ammoniter zogen aus und rüsteten sich zum Kampf vor dem Eingang des Tors. Die Aramäer aber standen für sich im Feld.

Als Joab nun sah, daß der Angriff  von vorn und hinten auf ihn gerichtet war, wählte er aus der ganzen jungen Mannschaft in Israel einen Teil aus und stellte sich den Aramäern entgegen.

Die anderen Krieger stellte er unter die Hand seines Bruders Abisai, daß er sich rüstete gegen die Ammoniter Er sprach: „Werden mir die Aramäer überlegen sein, so komm mir zu Hilfe; werden aber die Ammoniter dir überlegen sein, so will ich dir zu Hilfe kommen. Sei ganz getrost, damit wir die Stärkeren bleiben für unser Volk und für die Städte unseres Gottes. Der Herr aber tue, was ihm gefällt!“

Joab rückte an mit dem Volk, das bei ihm war, um gegen die Aramäer zu kämpfen und sie flohen vor ihm. Als die Ammoniter sahen, daß die Aramäer flohen, flohen sie auch vor Abisai in die Stadt hinein. Da ließ Joab ab von den Ammonitern und kam nach Jerusalem. Als die Aramäer sahen, daß sie geschlagen waren, kamen sie zusammen. Hadadeser aber ließ die Aramäer jenseits des Stromes Euphrat ausziehen. Als das David gesagt wurde, sammelte er ganz Israel und zog über den Jordan. Die Aramäer stellten sich gegen David auf, um mit ihm zu kämpfen. Aber die Aramäer flohen vor Israel. David vernichtete siebenhundert Wagen und vierzigtausend Mann. Als aber die von Hadadeser abhängigen Könige sahen, daß sie geschlagen waren vor Israel, machten sie Frieden mit Israel und wurden ihm untertan  (2. Sam 10, gekürzt).

 

Davids Ehebruch:

[Außer vom Regierungshandeln Davids berichten die Samuelbücher noch über eine Reihe von Vorfällen aus dem familiären Umfeld des Königs. Der Ehebruch mit Bath-Seba und die anschließende Beseitigung ihres Ehemannes schildern ihn als skrupellosen, dann aber einsichtigen Machthaber].

 

Als das Jahr um war, zu der Zeit, wenn die Könige in den Krieg zuziehen pflegen, sandte David Joab und seine Knechte mit ihm das ganze Israel, daß sie das Land der Ammoniter verheerten und Rabba belagerten. David aber blieb in Jerusalem. Als David um den Abend von seinem Lager aufstand und auf dem Dachgarten des Königshauses umherging. Da sah er vom Dach eine Frau sich waschen, die war von sehr schöner Gestalt. David sandte hin und ließ nach der Frau fragen, und man sagte: „Das ist Bathseba, die Tochter Eliams, die Frau des Hethiters Urias!“

David sandte Boten hin und ließ sie holen. Und als sie zu ihm hineinkam, schlief er mit ihr, nachdem gerade die Monatsregel bei ihr vorbei war. Sie kehrte dann wieder in ihr Haus zurück. Aber die Frau wurde schwanger und ließ David sagen: „Ich bin schwanger geworden!“

David aber sandte Boten zu Joab: „Sende den Hethiter Uria zu mir!“ Und Joab sandte Uria zu David. Als Uria zu ihm kam, fragte David, ob es mit Joab und dem Heer und mit dem Kampf wohl stünde? Und David sprach zu Uria: „Geh hinab in dein Haus und vergnüge dich mit deiner Frau!“ Und als Uria aus dem Haus des Königs hinausging, wurde ihm ein Geschenk des Königs nachgetragen.

Aber Uria legte sich schlafen vor der Tür des Königshauses, wo alle Diener seines Herrn lagen, und ging nicht hinab in sein Haus. Als man aber David sagte, daß Uria nicht hinab in sein Haus gegangen war, sprach David zu ihm: „Bist du nicht von weit her gekommen? Warum bist du nicht hinab in dein Haus gegangen?“ Uria sprach zu David: „Die Bundeslade und Israel und Juda bleiben in Zelten, und Joab, mein Herr, und meines Herrn Krieger liegen auf freiem Feld, und ich sollte in mein Haus gehen, daß ich äße und tränke und bei meiner Frau läge? So wahr du lebst und du lebst, ich tue so etwas nicht!“

David sprach zu Uria: „Bleib heute hier. Morgen will ich dich gehenlassen!“ So blieb Uria an dem Tag in Jerusalem und den anderen auch noch!“ David lud ihn, daß er bei ihm aß und trank, und machte ihn betrunken. Aber am Abend ging er hinaus, um sich schlafen zu legen auf sein Lager bei den Leuten seines Herrn, und ging nicht hinab in sein Haus.

Am anderen Morgen schrieb David einen Brief an Joab und sandte ihn durch Uria. Er schrieb aber in den Brief: „Stellt Uria vorne hin, wo der Kampf am härtesten ist. Dann zieht euch hinter ihm zurück, damit er erschlagen werde und sterbe°!“ Als nun Joab die Stadt belagerte, stellte er Uria dorthin, wo er wußte, daß streitbare Männer waren. Und als die Männer der Stadt einen Ausfall machten und gegen Joab kämpften, fielen einige von den Männern Davids, und der Hethiter Uria starb auch.

Da sandte Joab Boten hin und ließ David alles sagen, was sich bei dem Kampf zugetragen hatte. Er gebot dem Boten: „Wenn du dem König alles bis zum Ende gesagt hast und siehst, daß der König zornig wird und zu dir spricht: Warum seid ihr so nahe an die Stadt herangerückt im Kampf? Wißt ihr nicht, daß von der Mauer geschossen wird? dann sollst du sagen: Der Hethiter Uria ist auch tot!“

Der Bote ging hin und kam und sagte David alles an, weswegen Joab ihn gesandt hatte. Der Bote sprach zu David: „Die Männer waren uns überlegen und zogen zu uns heraus aufs Feld. Wir aber waren gingen gegen sie an bis vor den Eingang des Tors. Und die Schützen schossen von der Mauer auf deine Leute und töteten einige von ihnen, und auch der Hethiter Uria ist tot!“

David sprach zu dem Boten: „So sollst du zu Joab sagen: Laß dir das nicht leid sein, denn das Schwert frißt bald diesen, bald jenen. Fahre fort mit dem Kampf gegen die Stadt und zerstöre sie!“ So sollst du ihm Mut zusprechen. Als Urias Frau hörte, daß ihr Mann tot war, hielt sie die Totenklage um ihren Ehemann. Als sie aber ausgetrauert hatte, ließ David sie in sein Haus holen, und sie wurde seine Frau und gebar ihm einen Sohn. Aber dem Herrn mißfiel die Tat, die David getan hatte (2. Sam 11).

Nathans Strafrede:

Der Herr sandte den Propheten Nathan zu David. Als der zu ihm kam, sprach er zu ihm:

„Es waren zwei Männer in einer Stadt, der eine reich, der andere arm. Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder, aber der Arme hatte nichts als ein einziges kleines Schäflein, das er gekauft hatte. Und er nährte es, daß es groß wurde bei ihm und bei seinen Kindern: Es aß von seinem Bissen und trank von seinem Becher und schlief in seinem Schoß, und er hielt es wie eine Tochter. Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er es nicht über sich, eins von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, um dem Gast etwas zuzurichten und nahm das Schaf des armen Mannes und richtete es dem Mann zu, der zu ihm gekommen war.“

Da geriet David in großem Zorn gegen den Mann und sprach zu Nathan: „So wahr der Herr lebt, der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan hat!  Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er so etwas getan hat und sein eigenes Schaf geschont hat!“

Da sprach Nathan zu David: „Du bist der Mann! So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe dich zum König gesalbt über Israel und habe dich errettet aus der Hand Sauls, und habe dir das Haus deines Herrn Saul gegeben, dazu seine Frauen. Ich habe dir das Volk Israel und das Volk Juda gegeben. Und wenn das zu wenig ist, will ich noch dies und das dazutun. Warum hast du denn das Wort des Herrn verachtet, daß du getan hast, was ihm mißfiel? Den Hethiter Uria, hast du erschlagen mit dem Schwert, seine Frau hast du dir zur Frau genommen. Ihn aber hast du getötet durch das Schwert der Ammoniter!“

Dann fügt Nathan die Drohung an: „Nun, so soll das Schwert nie mehr von deiner Familie lassen, weil du mich verachtet hast und die Frau Urias zu deiner Frau genommen hast. So spricht der Herr: Siehe, ich will Unglück über dich kommen lassen aus deiner eigenen Familie und will deine Frauen nehmen vor deinen Augen und will sie deinen Nachbarn geben, daß sie mit deinen Frauen schlafen in der hellen Sonne. Du hast es heimlich getan. Ich aber will dies tun vor ganz Israel und an der Sonne!“

Da sprach David zu Nathan: „Ich habe gesündigt gegen den Herrn!“ Nathan sprach zu David: „Dann hat auch der Herr deine Sünde weggenommen, du wirst nicht sterben. Aber weil du die Feinde des Herrn hast durch diese Geschichte zum Lästern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben!“

Nathan ging heim. Und der Herr schlug das Kind, das Urias Frau dem David geboren hatte, daß es todkrank wurde. David suchte Gott auf um des Jungen willen und fastete und wenn er heimkam, lag er über Nacht auf der Erde. Da traten zu ihm auf die Ältesten seines Hauses und wollten ihn aufrichten von der Erde. Er wollte aber nicht und aß auch nicht mit ihnen. Am siebten Tage aber starb das Kind. Die Leute Davids fürchteten sich, es ihm zu sagen, daß das Kind tot wäre, denn sie dachten: „Als das Kind noch lebendig war, redeten wir mit ihm, und er gehorchte unsrer Stimme nicht. Wieviel mehr wird er sich wehe tun, wenn wir sagen: Das Kind ist tot. Er könnte ein Unheil anrichten!“

Als aber David sah, daß seine Männer leise redeten, und merkte, daß das Kind tot ist, sprach er zu seinen Männern: „Ist das Kind tot?“ Sie sprachen: „Ja!“ Da stand David von der Erde auf und wusch sich und salbte sich und tat andere Kleidung an und ging in das Haus des Herrn und betete an. Als er wieder heimkam, ließ er sich Brot auftragen und aß. Da sprachen seine Männer zu ihm: „Was soll das, was du tust? Als das Kind lebte, hat du gefastet und geweint. Aber nun, wenn es gestorben ist, stehst du auf und ißt?“

Er sprach: „Als das Kind noch lebte, fastete ich und weinte, denn ich dachte: Wer weiß, ob mir der Herr nicht gnädig wird und das Kind lebendig bleibt. Nun aber, wo es tot ist, was soll ich fasten? Kann ich es auch wieder zurückholen? Ich werde einst zu ihm fahren, aber es kommt nicht wieder zu mir zurück!“

Als David seine Frau Bathseba getröstet hatte, machte er Liebe mit ihr und schlief mit ihr. Sie gebar ihm einen Sohn, den  nannte er „Salomo“. Er tat ihn unter die Hand des Propheten Nathan. Der hieß ihn „Jedidja“, das heißt „Geliebter des Herrn“. Joab und David erobern dann die Hauptstadt der Ammoniter, und deren Krone wird David auf das Haupt gesetzt. Er macht viel Beute und macht die Ammoniter zu seinen Arbeitssklaven (2. Sam 12, am Schluß gekürzt).

 

Amnons Schandtat an Absaloms Schwester:

Absalom, der Sohn Davids, hatte eine schöne Schwester, die hieß Thamar. Und Amnon, der Sohn Davids, gewann sie lieb. Amnon grämte sich, daß er fast krank wurde wegen seiner Halbschwester Thamar. Sie war noch keinem Mann näher gekommen und es schien Amnon unmöglich zu sein, ihr etwas anzutun.

Aber Amnon hatte einen Freund, der hieß Jonadab, und war ein sehr erfahrener Mann. Der sprach zu ihm: „Warum wirst du so mager, von Tag zu Tag, du Königssohn? Willst du mir es nicht sagen?“ Da sprach Amnon zu ihm: „Ich habe Thamar, die Schwester meines Bruders Absalom, liebgewonnen!“ Jonadab sprach zu ihm: „Lege dich auf dein Bett und stelle dich krank. Wenn dann dein Vater kommt, dich zu besuchen, so sprich zu ihm: Laß doch meine Schwester Thamar kommen, daß sie mir zu essen gebe und bereite vor mir das Essen zu und ich von ihrer Hand nehme und esse!“

Das geschah dann auch und Thamar ging hin ins Haus ihres Bruders Amnon. Sie nahm einen Teig und knetete und bereitete ihr vor Amnons Augen und backte die Kuchen.  Aber er weigerte sich zu essen und bat darum, daß alle hinausgehen. Dann sprach Amnon zu Thamar: „Bringe das Essen in die Kammer und füttere mich!“

Aber als sie die Kuchen zu ihm brachte, ergriff er sie und sprach zu ihr: „Komm her, meine Schwester, lege dich zu mir!“ Sie aber sprach zu ihm: „Nicht doch,  mein Bruder, schände mich nicht, denn so tut man nicht in Israel! Tu nicht eine solche Schandtat! Wo will ich mit meiner Schande hin? Und du wirst sein in Israel wie ein Ruchloser. Rede aber mit dem König, der wird mich dir nicht versagen!“ Aber er wollte nicht gehorchen und ergriff sie und überwältigte sie und schlief mit ihr.

Aber dann wurde Amnon ihrer überdrüssig, so daß sein Widerwille größer war als vorher seine Liebe. Amnon sprach zu ihr: „Auf, geh deiner Wege!“ Sie aber sprach zu ihm: „Daß du mich von dir stößt, dies Unrecht ist größer als das andere, das du an mir angetan hast!“ Aber er wollte nicht auf sie hören. Er rief seinen Diener und sprach: „Treibe diese von mir hinaus und schließ die Tür hinter ihr zu!“

Als er die Tür hinter ihr zugeschlossen hatte, warf Thamar Asche auf ihr Haupt und zerriß ihr Ärmelkleid und legte ihre Hand auf das Haupt und ging laut schreiend davon. Da sprach ihr Bruder Absalom zu Ihr: „Ist denn dein Bruder Amnon bei dir gewesen? Schweig aber still und nimm die Sache nicht so zu Herzen, es ist dein Bruder!“ So blieb Thamar einsam im Haus ihres Bruders Absalom.

Als aber der König David das alles hörte, wurde er sehr zornig. Aber er tat Amnon nichts zuleide, denn er liebte ihn, weil er sein Erstgeborener war.  Aber Absalom redete mit Amnon nichts mehr, weder Böses noch Gutes. Denn Absalom war Amnon gram, weil er seine Schwester Thamar vergewaltigt hatte.

 

 

Zwei Jahre später aber hatte Absalom die Schafschur in Baal-Hazor. Er lud alle Kinder des Königs ein und kam zum König und sprach: „Dein Diener hat Schafschur, komme doch mit deinen Großen dorthin!“ Der König aber sprach zu Absalom: „Nicht, mein Sohn, laß uns nicht alle gehen, damit wir dich nicht beschweren!“  Und obwohl er ihn nötigte, wollte er doch nicht hingehen, sondern entließ ihn mit seinem Segen. Absalom sprach: „Soll denn nicht mein Bruder Amnon mit uns gehen?“ Der König sprach zu ihm: „Warum soll er mit dir gehen?“ Da nötigte ihn Absalom, daß er Amnon und alle Kinder des Königs mit ihm gehen ließ. Und Absalom machte ein Festmahl, wie wenn ein König ein Mahl gibt.

Absalom aber gebot seinen Leuten: „Seht darauf, wenn Amnon guter Dinge wird vom Wein und ich zu euch spreche: Schlagt Amnon nieder und tötet ihn! Fürchtet euch nicht, denn ich hab es euch geboten. Seid nur getrost und geht frisch daran!“

So taten die Leute Absaloms mit Amnon, wie ihnen Absalom befohlen hatte. Da sprangen alle Kinder des Königs auf, und jeder setzte sich auf sein Maultier und sie flohen. Als sie noch auf dem Weg waren, kam das Gerücht vor David, Absalom hätte alle Kinder des Königs erschlagen, sodaß nicht einer von ihnen übrig geblieben sei. Da stand der König auf und zerriß seine Kleidung und legte sich auf die Erde; und alle seine Großen, die um ihn her standen, zerrissen ihre Kleidung.

Da sprach Jonadab: „Mein Herr denke nicht, daß alle jungen Kinder des Königs tot sind, sondern Amnon allein wird tot sein!“ Und als der Wächter auf der Warte seine Augen erhob, sah er viele Leute auf dem Weg. Da sprach Jonadab zum König: „Siehe, die Kinder des Königs kommen, wie ich gesagt habe!“ Als er hatte ausgeredet hatte, siehe, da kamen die Kinder des Königs und erhoben ihre Stimme und weinten, und seine Großen weinten auch. Absalom aber floh und zog zum König zu Geschur. David aber trug Leid um seinen Sohn alle Tage (2.Sam 13,1-38, leicht gekürzt).

 

[Mehrere Erzählungen am Ende der Samuelbücher widmen sich Auseinandersetzungen um seine Nachfolge, die offenbar schon zu Lebzeiten eingesetzt haben: Von Putschversuchen zweier seiner Söhne wird berichtet. Beide Aufstände kann David mit Hilfe seines begabten Militärführers Joab abwehren. Es ist erstaunlich, daß die Geschichtsschreiber am Hof Salomos diese Ereignisse nicht verschwiegen haben. Das Buch der Chronik läßt sie ja aus]

 

Joab erwirbt Gnade für Absalom:

König David hörte auf Absalom zu grollen, denn er hatte sich getröstet über Amnon, daß er tot war. Joab aber merkte, daß des Königs Herz an Absalom hing und sandte hin nach Thekoa und ließ von dort eine  kluge Frau holen und sprach zu ihr: „Stell dich wie eine Trauernde und zieh Trauerkleider an und salbe dich nicht mit Öl, sondern stelle dich wie eine Frau, die eine lange Zeit Leid getragen hat um einen Toten. Du sollst zum König hineingehen und mit ihm so und so reden!“ Und Joab legte ihr die Worte in den Mund, die sie reden sollte.

Als die Frau von Thekoa mit dem König reden wollte, fiel sie auf ihr Antlitz zur Erde und huldigte ihm und sprach: „Hilf mir, König!“ Der König sprach zu ihr: „Was hast du?“ Sie sprach: Ach, ich bin eine Witwe, und mein Mann ist gestorben. Ich hatte zwei Söhne, die zankten miteinander auf dem Feld. Und weil keiner da war, der zwischen ihnen schlichtete, schlug der eine Bruder den andern nieder und tötete ihn. Und nun steht auf die ganze Verwandtschaft gegen mich und sagt: Gib her den, der seinen Bruder erschlagen hat, damit wir ihn töten als Rache für das Leben seines Bruders. Sie wollen auch den Erben vertilgen, so daß meinem Mann kein Name und kein Nachkomme bleibt auf der Erde!“

Der König sprach zur Frau: „Geh heim, ich will die Sache für dich regeln!“ Die Frau von Thekoa sprach zum König: „Mein Herr König, die Schuld wird man auf mich und meine Familie legen, aber den König und seinen Thron ohne Schuld lassen!“ Der König sprach: „Wer gegen dich redet, den bringe zu mir, er soll dich nicht mehr dich antasten!“ Sie sprach: „Der König möge doch den Namen des Herrn nennen, damit der Bluträcher nicht noch mehr Schaden  anrichte und sie meinen Sohn nicht vertilgen!“ Er sprach: „So wahr der Herr lebt: Es soll kein Haar von deinem Sohn auf die Erde fallen!“

Die Frau sprach: „Laß mich meinem Herrn und König etwas sagen!“ Er sprach: „Sag an!“ Die Frau sprach: „Warum bist du so gesinnt gegen Gottes Volk? Denn da der König nun ein solches Urteil gefällt hat, ist er wie ein Schuldiger, weil er den nicht zurückholen läßt, den er verstoßen hat. Denn wir sterben des Todes und sind wie Wasser, das auf  die Erde gegossen wird und das man nicht wieder sammeln kann. Aber Gott will nicht das Leben wegnehmen, sondern ist darauf bedacht, daß das Verstoßene nicht auch von ihm verstoßen werde.  So bin ich nun gekommen, mit meinem Herrn König das zu bereden. Denn das Volk macht mir Angst. Deine Dienerin dachte: Ich will mit dem König reden, vielleicht wird er tun, was seine Dienerin sagt. Denn er wird seine Dienerin erhören, daß er mich errette aus der Hand aller, die mich samt meinem Sohn vertilgen wollen vom Erbe Gottes. Und deine Dienerin dachte: Das Wort meines Herrn soll mir ein Trost sein. Denn mein König ist wie ein Bote Gottes, daß er Gutes und Böses unterscheiden kann. Der Herr, dein Gott, möge mit dir sein!“

Der König antwortete und sprach zu der Frau: „Verschweige mir nicht, was ich dich frage!“ Die Frau sprach: „Mein Herr, der König, rede!“ Der König sprach: „Steht nicht Joab hinter dem allen?“ Die Frau antwortete: „So wahr du lebst, mein Herr und König. Man kann nicht vorbei an dem, was mein Herr und König geredet hat, weder zur Rechten noch zur Linken.

Ja, dein Diener Joab hat es mir aufgetragen, und er hat alle diese Worte seiner Dienerin in den Mund gelegt. Daß ich diese Sache so darstellen sollte, das hat dein Diener Joab gemacht. Aber mein Herr gleicht an Weisheit einem Boten Gottes, so daß er alles weiß, was auf der Erde geschieht!“

Da sprach der König zu Joab: „Siehe, ich will es tun. Gehe hin und bringe den Jungen Absalom zurück!“ Da fiel Joab auf sein Antlitz zur Erde und huldigte und dankte dem König und sprach: „Heute erkennt dein Diener, daß ich Gnade gefunden habe vor deinen Augen, mein Herr und König, weil der König tut, was sein Diener sagt!“ So machte sich Joab auf und zog nach Geschur und brachte Absalom nach Jerusalem. Aber der König sprach: „Laß ihn wieder in sein Haus gehen, doch  mein Angesicht soll er nicht sehen!“ So kam Absalom wieder in sein Haus, aber den König sah er nicht.

Es war aber in ganz Israel kein Mann so schön wie Absalom, und er hatte dieses Lob vor allen: von der Fußsohle bis zum Scheitel war nicht ein Fehler an ihm. Und wenn man sein Haupt schor - das  geschah üblicherweise  alle Jahre, weil ihm das Haupt zu schwer war - da wog sein Haupthaar 600 Gramm nach dem königlichen Gewicht. Und Absalom wurden drei Söhne geboren und eine Tochter, die hieß Thamar und war ein schönes Mädchen. So blieb Absalom zwei Jahre zu Jerusalem, ohne des Königs Angesicht zu sehen.

Und Absalom sandte zu Joab, um ihn zum König zu senden. Aber Joab wollte nicht zu ihm kommen. Er aber sandte zum zweitenmal einen Boten hin. Aber er wollte immer noch nicht kommen. Da sprach er zu seinen Leuten: „Seht das Stück Acker Joabs neben meinem Acker. Er hat Gerste darauf. Geht hin und steckt es in Brand!“ Da steckten die Leute Absaloms das Stück in Brand.

Da machte sich Joab auf und kam zu Absalom ins Haus und sprach zu ihm: „Warum haben deine Leute mein Feld in Brand gesteckt?“  Absalom sprach zu Joab: „Siehe, ich sandte nach dir und ließ dir sagen: Komm her, daß ich dich zum König sende und sagen lasse: Warum bin ich von Geschur gekommen? Es wäre besser gewesen, daß ich noch da wäre! So laß mich nun das Angesicht des Königs sehen: Liegt aber eine Schuld auf mir, so soll er mich töten!“ Da ging Joab hinein zum König und sagte es ihm an. Dann  rief er Absalom, daß er hinein zum König kam. Absalom fiel nieder vor dem König auf sein Antlitz zur Erde, und der König küßte Absalom (2.Sam 13,39- 14,33).

 

Absaloms Aufruhr:

Danach ließ sich Absalom einen Wagen anschaffen und Rosse und fünfzig Mann, die seine Leibwache waren. Auch machte er sich früh am Morgen auf und stellte sich an den Weg bei dem Tor. Und wenn jemand einen Rechtshandel hatte und deshalb zum König vor Gericht gehen wollte, rief ihn Absalom ihn zu sich und fragte: „Aus welcher Stadt bist du?“ Wenn der dann sprach: „Ich bin aus dem oder dem Stamm Israels!“ dann sprach Absalom zu ihm: „Siehe, deine Sache ist gut und recht. Aber du hast keinen beim König, der dich hört. O, wer setzt mich zum Richter im Land ein, daß jedermann zu mir käme, der eine Sache und Gerichtshandel hat, daß ich ihm zum Recht verhelfen könnte!“ Und wenn jemand sich ihm nahte und  vor ihm niederfallen wollte, so reckte er seine Hand aus und ergriff ihn und küßte ihn. So machte es Absalom mit ganz Israel, wenn sie kamen vor Gericht zum König. So stahl Absalom das Herz der Männer Israels.

Nach vierzig Jahren sprach Absalom zum König: „Ich will hingehen und mein Gelübde in Hebron erfüllen, das ich dem Herrn gelobt habe. Denn ich legte ein Gelübde ab, als ich in Geschur in Aram wohnte, und gesprochen: Wenn mich der Herr wieder nach Jerusalem zurückbringt, so will ich dem Herrn einen Gottesdienst halten!“

Der König sprach: „Geh hin mit Frieden!“ Und er machte sich auf und ging nach Hebron.

Absalom aber hatte heimlich Boten ausgesandt zu allen Stämmen Israels und sagen lassen: „Wenn ihr den Schall der Posaune hört, so sprecht: Absalom ist König geworden in Hebron!“

Es gingen aber mit Absalom zweihundert Mann von Jerusalem, die geladen waren. Sie gingen ohne Argwohn und wußten nichts von der Sache.

Als Absalom die Opfer gebracht hatte, sandte er auch Boten zu Ahithophel, Davids Ratgeber, und ließ ihn holen aus seiner Stadt Gilo. Und die Verschwörung wurde stark, und es sammelte sich immer mehr Volk um Absalom (2.Sam 15,1-13).

 

Davids Flucht

Da kam einer, der sagte es David an und sprach: „Das Herz aller Leute  in Israel hat sich Absalom zugewandt!“ Da sprach David zu allen seinen Großen: „Auf, laßt uns fliehen! Denn hier wird kein Entrinnen sein vor Absalom. Eilt, daß wir gehen, daß er uns nicht einholt und uns ergreift und Unheil über uns bringt und die Stadt schlägt mit der Schärfe des Schwerts!“

Da sprachen die Großen des Königs zu ihm: „Ganz wie unser König will. Wir sind deine Diener!“ Und der König zog hinaus und sein ganzer Hofstaat ihm nach. Aber zehn seiner Nebenfrauen ließ er zurück, um das Haus zu bewahren.

Als der König und alle Leute hinauskamen, blieben sie stehen beim letzten Haus. Alle seine Großen blieben an seiner Seite, aber alle Hilfsvölker („Krether und Plether“) und sechshundert Mann, die von Gath ihm nachgefolgt waren, zogen an dem König vorüber.

Und der König sprach zu dem Gathiter Ittai:  „Warum gehst du auch mit uns? Kehre um und bleibe bei dem neuen König, denn du bist ein Ausländer und erst von deinem Heimatort hierher gezogen. Gestern bist du gekommen, und heute sollte ich dich mit uns hin und her ziehen lassen? Denn ich muß gehen, wohin ich gehen kann. Kehre um und nimm deine Brüder mit dir. Es widerfahre dir Barmherzigkeit und Treue!“

Ittai antwortete und sprach: „So wahr der Herr lebt, und so wahr mein König lebt: Wo immer mein König ist, da wird dein Diener auch sein, ob es nun zum Tod oder zum Leben ausgeht!“

David sprach zu Ittai: „So komm und zieh vorüber!“ Da zogen der Gathiter und alle seine Männer vorüber und der ganze Haufe von Frauen und Kindern, die mit ihm waren. Ganz Israel weinte mit lauter Stimme, während das ganze Kriegsvolk vorüber zog. Der König ging über den Bach Kidron, und das ganze Kriegsvolk zog weiter auf dem Weg, der zur Wüste geht. Und Zadok war auch da und alle Leviten. Sie trugen die Bundeslade des und stellten sie nieder. Abjathar brachte Opfer dar,  bis das ganze Kriegsvolk aus der  Stadt vorübergezogen war.

Aber der König sprach zu Zadok: „Bring die Lade Gottes wieder in die Stadt zurück. Werde ich Gnade finden vor dem Herrn, so wird er mich zurückbringen und ich werde sie und ihre Stätte wieder sehen. Spricht er aber: Ich habe kein Wohlgefallen an dir - siehe, hier bin ich. Er mache es mit mir, wie es ihm wohlgefällt!“

Und zu dem Priester Zadok persönlich sprach er: „Wohlan, du und Abjathar, kehrt zurück in die Stadt mit Frieden und mit euch eure beiden Söhne. Ich will warten bei den Furten in der Wüste, bis Botschaft von euch zu mir kommt!“ So brachten Zadok und Abjathar die Lade Gottes wieder nach Jerusalem und blieben dort.

David aber ging den Ölberg hinauf und weinte, und sein Haupt war verhüllt und er ging barfuß.  Auch alle vom Volk hatten ihr Haupt verhüllt und gingen hinauf und weinten. Als David angesagt wurde, daß Ahithophel im Bund mit Absalom sei, sprach er: „Herr, mache den Ratschlag Ahithophels zur Torheit!“

Als David auf die Höhe kam, wo man Gott anzubeten pflegt, siehe, da begegnete ihm Husai, der Arachiter, mit zerrissenem Rock und Erde auf seinem Haupt. David sprach zu ihm: „Wenn du mit mir gehst, wirst du mir eine Last sein. Wenn du aber wieder in die Stadt zurückgingst zu Absalom sprechen würdest: Ich bin dein Diener, König, so wie ich vorher der Diener deines Vaters war, so könntest du mir zugut den Ratschlag Ahithophels zunichte machen. Auch sind Zadok und Abjathar auf deiner Seite. Alles, was du hörst aus dem Haus des Königs, könntest du ihnen sagen. Sie könnten dann durch ihre zwei Söhne mir alles zukommen lassen, was du hören wirst!“ So kam Husai, der Freund Davids, in die Stadt  (2.Sam 15).

 

David auf der Flucht zum Jordan:

Als David ein wenig über die Höhe hinweggegangen war, da begegnete ihm Ziba, der Diener Mephiboseths, des Sohn Sauls, mit einem Paar gesattelter Esel, darauf waren zweihundert Brote und hundert Rosinenkuchen und hundert frische Früchte und ein Schlauch Wein. Da sprach der König zu Ziba: „Was willst du damit machen?“ Ziba sprach: „Die Esel sollen für den König und seine Leute sein, um darauf zu reiten. Und die Brote und Früchte und der Wein sind für deine Leute, wenn sie müde werden in der Wüste!“

Der König sprach: „Wo ist der Sohn deines Herrn?“ Ziba sprach zum König: „Er blieb in Jerusalem, denn er denkt: Heute wird mir das Haus Israel meines Vaters Königtum zurückgeben!“ Der König sprach zu Ziba: „Siehe, es soll alles dein sein, was Mephiboseth hat!“ Ziba sprach: „Ich verneige mich. Laß mich auch in Zukunft Gnade finden vor dir, mein Herr und König!“

Als der König nach Bahurim kam, da kam ein Mann von dort heraus. Er hieß Simei und war aus der Sippe Sauls. Er fluchte und warf mit Steinen auf David und alle seine Großen, obwohl alles Kriegsvolk und alle Großen zu seiner Rechten und zur Linken waren. Simei rief, als er fluchte: „Hinaus, hinaus, du Bluthund, du ruchloser Mann! Der Herr hat über dich gebracht alles Blut des Hauses Sauls, weil du an seiner Stelle der König geworden bist. Nun hat der Herr das Königtum in die Hand deines Sohnes Absalom gegeben. Nun steckst du in deinem Unglück, denn du bist ein Bluthund!“

Abisai sprach zu dem König: „Sollte dieser tote Hund meinem Herrn, dem König, fluchen dürfen? Ich will hingehen und ihm den Kopf abhauen!“ Der König sprach: „Laßt ihn fluchen, denn der Herr hat es ihm aufgetragen: Fluche David! Wer darf dann sagen: Warum tust du das?“

David sprach zu Abisai und zu allen seinen Großen: „Siehe, mein Sohn steht mir nach meinem Leben, warum nicht auch jetzt dieser Benjaminiter? Laßt ihn ruhig fluchen, denn der Herr hat es ihm aufgetragen geheißen. Vielleicht wird der Herr mein Elend ansehen und mir mit Gutem vergelten sein heutiges Fluchen!“ So ging David mit seinen Leuten des Wegs. Aber Simei ging am Hang des Berges entlang, ihm gegenüber und fluchte und warf mit Steinen nach ihm und bewarf ihn mit Erdklumpen. Schließlich  kam der König hinein mit allem Volk müde an den Jordan und ruhte sich dort aus (2.Sam 16,1-14).

 

Die Ratschläge Huschais und Ahitophels:

Absalom und alle Männer Israels kamen nach Jerusalem und Ahithophel mit ihm. Als aber Husai zu Absalom hineinkam, rief er Absalom zu: „Es lebe der König! Es lebe der König!“ Absalom aber sprach zu Husai: „Ist das die Liebe an deinem Freunde? Warum bist du nicht mit deinem Freunde gezogen?“ Husai aber sprach zu Absalom: „Nein, sondern wen der Herr erwählt und alle Männer in Israel, zu dem gehöre ich und bei dem will ich bleiben. Und dann: Wem diene ich? Ist es nicht sein Sohn, dem ich diene? Wie ich deinem Vater gedient habe, so will ich auch dir ein Diener sein!“

Absalom sprach zu Ahithophel: „Gib deinen Rat, was sollen wir tun?“ Ahithophel sprach zu Absalom: „Geh hin zu den Nebenfrauen deines Vaters und mache Liebe mit ihnen, so wird ganz Israel hören, daß du dich bei deinem Vater in Verruf gebracht hast. Dann werden alle, die zu dir stehen, desto kühner werden!“ Da machten sie Absalom ein Zelt auf dem Dach, und Absalom ging hinein zu den Nebenfrauen seines Vaters vor den Augen ganz Israels. Wenn damals Ahithophel einen Rat gab, dann das war, als wenn man Gott um etwas gefragt hätte. So viel galten alle Ratschläge Ahithophels bei David und bei Absalom.

Ahithophel sprach zu Absalom: „Ich will zwölftausend Mann auswählen und mich aufmachen und David nachjagen in dieser Nacht. Ich will über ihn überfallen, solange er matt und verzagt ist. Wenn ich ihn dann erschrecke und sein Kriegsvolk  flieht, will ich den König allein erschlagen und das ganze Kriegsvolk wieder zu dir zurückbringen, wie eine junge Frau zu ihrem Mann zurückkehrt. Du trachtest ja nur einem Mann nach dem Leben, aber das ganze Volk soll im Frieden bleiben!“

Die Rede gefiel Absalom und allen Ältesten gut. Absalom sprach: „Laßt doch auch Husai rufen und hören, was er dazu sagt!“ Als Husai hinein zu Absalom kam, sprach Absalom zu ihm: „Das und das hat Ahithophel geredet. Sage du, sollen wir es tun oder nicht?“ Da sprach Husai zu Absalom: „Diesmal hat Ahithophel keinen guten Rat  gegeben! Du kennst deinen Vater wohl und seine Leute, daß sie stark sind und zornigen Gemüts wie eine Bärin auf dem Feld, der die Jungen geraubt sind. Dazu ist dein Vater ein Krieger und wird seinen Leuten keine Nachtruhe gönnen. Siehe, er hat sich jetzt vielleicht verkrochen in einer Schlucht oder sonst an einem Versteck!“

Husai fuhr fort: „ Wenn es dann geschähe, daß gleich zu Anfang einige Männer unter ihnen fallen und es käme das Gerücht auf, Absaloms Heer sei geschlagen worden, so würde jedermann verzagt werden, auch wenn er sonst an sich ein Krieger ist und ein Herz hat wie ein Löwe. Denn es weiß ganz Israel, daß dein Vater ein Held ist und seine Leute tapfere Krieger sind!“

Husai gibt den Rat: „ich rate dir, daß du ganz Israel von Dan an bis Beer-Seba zu dir versammelst, soviel wie der Sand am Meer, und daß du selbst mit ihnen ziehst. So wollen wir ihn überfallen, wo wir ihn finden, und wollen über ihn kommen, wie der Tau auf die Erde fällt, daß wir von ihm und allen seinen Männern nicht einen einzigen übriglassen. Zieht er sich aber in eine Stadt zurück, so soll das ganz Israel Stricke an die Stadt legen und sie in ins Tal schleifen, daß man nicht ein Stein mehr dort finde!“

Da sprachen Absalom und jeder in Israel: „Der Rat Husais ist besser als Ahithophels Rat!“ So schickte es der Herr, daß der kluge Rat Ahithophels verhindert wurde, damit der Herr das Unheil über Absalom brächte.

Und Husai sprach zu Zadok und Abjathar: „So und so hat Ahithophel dem Absalom und den Ältesten in Israel geraten. Ich aber habe so und so geraten. So sendet nun eilend Boten hin und laßt David ansagen: Bleibe nicht an den Furten in der Wüste, sondern geh gleich hinüber, damit der König nicht vernichtet werde und alles Volk, das bei ihm ist!“

Die Söhne Husais durften sich in der Stadt nicht sehen lassen. Daher standen bei einem Brunnen, und eine Magd ging von Zeit zu Zeit hin und brachte ihnen Nachricht, die sie dem König David weitersagen sollten. Ein Junge sah sie aber und sagte es Absalom. Da gingen die beiden eilends fort und kamen in das Haus eines Mannes in Bahurim. Der hatte eine Zisterne in seinem Hof. Dahinein stiegen sie und die Frau nahm eine Decke und breitete über das Loch der Zisterne und schüttete Körner darüber, so daß man nichts merkte. Als nun die Leute Absaloms ins Haus der Frau kamen, sprachen sie: „Wo sind die zwei?“ Die Frau sprach zu ihnen: „Sie gingen weiter zum Wasser!“ Als die Leute Absaloms sie suchten und nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem.

Als sie weg waren, stiegen jene aus dem Brunnen und gingen hin und sagten es dem König David, und sprachen: „Macht euch auf und geht eilends über den Fluß, denn Ahithophel gegen euch den und den Rat gegeben!“ Da machten sich David und das ganze Volk auf und gingen über den Jordan, bis es heller Morgen ward, und es fehlte nicht einer, der nicht über den Jordan gegangen wäre. Als aber Ahithophel sah, daß sein Rat nicht ausgeführt wurde, sattelte er seinen Esel, machte sich auf und zog heim in seine Stadt und beschickte sein Haus und erhängte sich und starb und wurde begraben in seines Vaters Grab (2.Sam 16,15 - 17,23).

 

David in Mahanaim:

Absalom zog über den Jordan und alle Männer Israels mit ihm. Er hatte Amasa an Joabs Statt über das Heer eingesetzt.  Sie lagerten sich in Gilead. David aber kam nach Mahanaim.  Da brachten sie ihm Betten, Becken, irdene Gefäße, Weizen, Gerste, Mehl, geröstete Körner, Bohnen, Linsen, Honig, Butter, Kuh- und Schafskäse zu David und zu dem Volk, denn sie gedachten: Das Volk wird hungrig, müde und durstig geworden sein in der Wüste. (2. Sam 17,24-29).

 

Absaloms Ende:

David ordnete das Kriegsvolk, das bei ihm war, und setzte über sie Hauptleute, über je tausend und über je hundert, und stellte ein Drittel unter Joab und ein Drittel  unter Abisai (Joabs Bruder) und ein Drittel unter Itthai, den Gathiter. Und der König sprach zum Volk: „Ich will auch mit euch ausziehen!“

Aber das Kriegsvolk sprach: „Du sollst nicht mit ausziehen. Denn wenn wir fliehen oder die Hälfte von uns stirbt, so kommt es auf uns nicht an. Aber du bist wie zehntausend von uns. So ist es besser, wenn du uns von der Stadt aus helfen kannst!“

Der König sprach zu ihnen: „Was euch gefällt, das will ich tun!“

Und der König trat ans Tor, und das ganze Kriegsvolk zog aus zu hunderten und zu tausenden. Der König aber befahl Joab und Abisai und Itthai: „Verfahrt mir schonend  mit meinem Sohn Absalom!“ Alles Volk hörte es, als der König allen Hauptleuten diesen Befehl über Absalom gab.

Als das Volk hinauskam aufs Feld, kam es zu einem Kampf an einem Wald. Dort wurde das Volk Israel geschlagen vor den Kriegern Davids, so daß an diesem Tag eine große Schlacht geschah mit zwanzigtausend Mann. Der Kampf breitete sich aus über die ganze Gegend, und der Wald fraß an diesem Tag viel mehr Volk, als das Schwert fraß.

Absalom begegnete den Kriegern Davids und ritt auf einem Maultier. Und als das Maultier unter eine große Eiche mit dichten Zweigen kam, blieb sein Haar an der Eiche hangen, und er schwebte zwischen Himmel und Erde und sein Maultier lief unter ihm weg.

Als das ein Mann sah, meldete er es Joab und sprach: „Ich sah Absalom an einer Eiche hängen!“ Joab sprach zu dem Mann, der es ihm hatte angesagt: „Wenn du das gesehen hast, warum schlugst du ihn nicht gleich zu Boden? Dann hätte ich dir zehn Silberstücke und einen Gürtel gegeben!“ Der Mann sprach zu Joab: „Wenn du mir tausend Silberstücke in meine Hand gewogen hättest, so hätte ich dennoch meine Hand nicht an den Sohn des Königs gelegt. Denn der König befahl dir und Abisai und Itthai vor unsern Ohren und sprach, ihr sollt auf Absalom achtgeben. Oder wenn ich etwas Falsches getan hätte unter Lebensgefahr, würdest du dich selbst gegen mich stellen, weil dem König ja nichts verborgen bleibt!“

Joab sprach: „Ich kann mich nicht so lange bei dir aufhalten!“ Dann  nahm Joab drei Stäbe in seine Hand und stieß sie Absalom ins Herz, als er noch lebend an der Eiche  hing. Die zehn Waffenträger Joabs umringten ihn und schlugen ihn endgültig tot. Da ließ Joab die Posaune blasen und das Kriegsvolk Davids jagte den Israeliten nicht weiter  nach. Sie nahmen Absalom und warfen ihn in den Wald in eine große Grube und legten einen sehr großen Haufen Steine auf ihn.

Ahimaz, der Sohn Zadoks,  sprach: „Laß mich doch laufen und dem König die gute Botschaft bringen, daß der Herr ihm Recht verschafft hat gegen seine Feinde. Joab aber sprach zu ihm: „Du bist heute nicht der Mann für eine gute Botschaft. An einem andern Tag darfst du eine Botschaft bringen, aber heute nicht, denn des Königs Sohn ist tot!“

Dann befahl Joab dem Mohren: „Geh hin und sage dem König, was du gesehen hast!“ Der Mohr verneigte sich vor Joab und lief hin. Da sprach Ahimaz abermals zu Joab: „Komme, was da will, ich möchte auch laufen!“ Joab sprach: „Du hast keine gute Botschaft zu bringen!“ Aber  Ahimaz lief auf dem Weg durchs Jordantal und überholte den Mohren.

David saß zwischen den beiden Toren  und der Wächter meldete ihm, daß zwei Boten gelaufen kämen. Als er Ahimaz erkennt, sagt David: „Er ist ein guter Mann und bringt eine gute Botschaft!“ Die erste Frage Davids ist: „Geht es Absalom gut?“ Ahimaz sprach: „Ich sah ein großes Getümmel, als mich Joab los sandte, aber ich weiß nicht, was es war!“ Als der Mohr kommt, sagt er auch: „Gute Botschaft, mein König! Der Herr hat dir heute Recht verschafft gegen alle, die sich gegen dich auflehnten. Doch der  König fragt nur: „Wie geht es Absalom?“ Der Mohr sprach: „Es müsse den Feinden meines Königs gehen, wie es dem Jungen gegangen ist, und allen, die sich böswillig gegen dich auflehnen!“

Da erbebte der König traurig und ging hinauf auf den Dachgarten und weinte, und im Gehen rief er: „Mein Sohn Absalom! Mein Sohn, Mein Sohn Absalom! Wollte Gott, ich wäre für dich gestorben! O Absalom, mein Sohn, mein Sohn!“

Da wurde Joab angesagt: „Siehe, der König weint und trägt Leid um Absalom!“ So wurde aus dem Sieg an diesem Tag eine Trauer unter dem ganzen Kriegsvolk. Es stahl sich weg in die Stadt, wie sich ein Volk wegstiehlt, das sich schämen muß, weil es im Kampf geflohen ist. Der König aber hatte sein Angesicht verhüllt und schrie laut: „Ach, mein Sohn Absalom! Absalom, mein Sohn, mein Sohn!“

Joab aber kam zum König ins Haus und sprach: „Du hast heute schamrot gemacht alle deine Leute, die dir heute das Leben gerettet haben und das deiner Söhne, Töchter und Frauen, weil du liebhast, die dich hassen, und haßt, die dich liebhaben. Denn du läßt heute merken, daß dir nichts gelegen ist an den Obersten und Kriegsleuten. Ja, ich merke heute wohl: Wenn dir nur Absalom lebte und wir heute alle tot wären, das wäre dir recht. So mache dich nun auf und gehe heraus und rede mit deinen Kriegern freundlich. Denn ich schwöre dir bei dem Herrn: Wirst du nicht herauskommen, so wird kein Mann bei dir bleiben diese Nacht. Das wird dir ärger sein als alles Übel, das über dich gekommen ist von deiner Jugend auf bis hierher!“ Da machte sich der König auf und setzte sich ans Tor. Und man sagte es allem Kriegsvolk: „Siehe, der König sitzt am Tor. Da kam alles Volk vor den König (2. Sam 18,1  - 19,9a, leicht gekürzt).

 

Davids Rückkehr nach Jerusalem:

Es stritt sich aber alles Volk in allen Stämmen Israels und sprachen: „Der König hat uns errettet von der Hand unsrer Feinde und erlöste uns aus der Hand der Philister und hat jetzt  aus dem Land fliehen müssen vor Absalom. Aber Absalom, den wir über uns zum König eingesetzt hatten, ist gefallen im Kampf. Warum seid ihr so nun still und holt den König nicht wieder zurück?“

Der König aber sandte Boten zu Zadok und Abjathar und ließ ihnen sagen: „Redet mit den Ältesten in Juda und sprecht: Warum wollt ihr die letzten sein, den König wieder heim zu holen in sein Haus? Ihr seid doch meine Brüder, mein Bein und mein Fleisch! Und zu Amasa sprecht: Bist du nicht mein Bein und mein Fleisch? Gott tue mir dies und das, wenn du nicht Feldhauptmann sein sollst vor mir dein Leben lang an Joabs Statt!“

Und er wandte das Herz aller Männer Judas wie das Herz eines Mannes. Und sie sandten hin zum König und ließen ihm sagen: „Komm zurück, du und alle deine Leute!“ Also kam der König wieder. Als er an den Jordan kam, waren die Männer Judas nach Gilgal gekommen, um dem König entgegen zu ziehen und den König über den Jordan zu führen.

Auch Simei, Benjaminiter, der in Bahurim wohnte, eilte und zog mit den Männern Judas hinab, dem König David entgegen. Bei ihm waren tausend Mann aus dem Stamm Benjamin, und auch Ziba, der Diener der Sippe Sauls, mit seinen fünfzehn Söhnen und zwanzig Dienern. Sie gingen durch den Jordan, ehe der König kam und machten eine Furt durch den Jordan, damit sie den Hofstaat des Königs hinüberführten und täten, was ihm gefiel. Simei aber fiel vor dem König nieder, als er über den Jordan gehen wollte und sprach zum König: „Mein Herr, rechne es mir nicht als Schuld an und denke nicht mehr daran, daß dein Diener sich an dir vergangen hat an dem Tag, als mein König, aus Jerusalem ging, und der König nehme es nicht zu Herzen. Denn dein Diener erkennt, daß er gesündigt hat. Siehe, ich bin heute zuerst vom ganzen Stamm Joseph gekommen, daß ich meinen Herrn entgegen zöge!“

 

Aber Abisai antwortete: „Sollte Simei nicht sterben, wo er doch dem Gesalbten des Herrn geflucht hat?“ David aber sprach: „Was habe ich mit euch zu schaffen, ihr Söhne der Zeruja, daß ihr mir heute zum Satan werden wollt? Sollte heute jemand sterben in Israel? Meinst du, ich wisse nicht, daß ich heute wieder König über Israel geworden bin?“ Und der König sprach zu Simei: „Du sollst nicht sterben!“ Und der König schwor es ihm.

Auch Mephiboseth, der Sohn Sauls, kam herab, dem König entgegen. Und er hatte seine Füße und seinen Bart nicht gereinigt und seine Kleider nicht gewaschen von dem Tage an, als der König weggegangen war, bis an den Tag, als er wohlbehalten zurückkehrte.

Als er nun von Jerusalem kam, um dem König zu begegnen, sprach der König zu ihm: „Warum bist du nicht mit mir gezogen, Mephiboseth?

Dieser antwortete: „Mein König, mein Diener hat mich betrogen, denn an sich wollte ich  einen Esel satteln und darauf reiten und zum König ziehen (denn ich bin lahm). Außerdem hat mein Diener mich verleugnet vor meinem König. Aber mein Herr, der König, ist wie ein Bote Gottes. So tue, was dir wohl gefällt. Die ganze Sippe meines Vaters hätte ja den  Tod erleiden müssen von meinem Herrn. Du aber hast deinen Diener gesetzt unter die, die an deinem Tisch essen. Was habe ich weiter für Recht oder Anspruch, zum König um Hilfe zu schreien!“

Der König sprach zu ihm: „Was redest du noch weiter? Jetzt bestimme ich:  Du und dein Diener Ziba teilt den Besitz miteinander!“ Mephiboseth sprach zum König: „Er nehme ihn auch ganz dahin, nachdem mein König wohlbehalten heimgekommen ist!

Dann kam Barsillai aus Gilead herab und führte den König über den Jordan. Barsillai war aber wohl achtzig Jahre. Er hatte den König versorgt, als er in Mahanaim war, denn er war ein Mann von großem Vermögen. Der König sprach zu Barsillai: „Du sollst mit mir hinüberziehen. Ich will dich versorgen bei mir in Jerusalem!“

Aber Barsillai sprach zum König: „Ich habe nicht mehr lange zu leben, was soll ich da mit dem König hinaufziehen nach Jerusalem? Ich bin heute achtzig Jahre alt. Wie kann ich noch unterscheiden, was gut oder böse ist, oder schmecken, was ich esse oder trinke, oder hören, was die Sänger oder Sängerinnen singen? Warum sollte ich meinen Herrn König noch beschweren? Dein Diener wird ein wenig mit dem König über den Jordan gehen. Warum will mir der König so reichlich vergelten? Laß deinen Knecht umkehren, daß ich sterbe in meiner Stadt bei dem Grab meines Vaters und meiner Mutter. Siehe, da ist ein anderer Mann, den laß mit meinem König hinüberziehen, und tue ihm, was dir wohl gefällt!“ Als alles Volk über den Jordan gegangen war und der König auch, küßte der König den Barsillai und segnete ihn, und dieser kehrte zurück in seine Heimat. Der König zog weiter nach Gilgal. ihm.

Es hatte aber das ganze Juda den König hinübergeführt. Doch vom Stamm Israel war nur die Hälfte da. Da kamen alle Männer Israels zum König und sprachen zu ihm: „Warum haben dich unsre Brüder, die Männer von Juda, gestohlen und haben den König und seinen Hofstaat über den Jordan geführt und auch alle Männer Davids mit ihm?“ Da antworteten die von Juda denen von Israel: Der König steht uns doch näher. Warum zürnt ihr deswegen? Meint ihr, daß wir ein Stück vom König aufgegessen oder ihn für uns weggeschleppt hätten!“ Da antworteten die von Israel: „Wir haben zehnfachen Anteil am König  und sind auch die Erstgeborenen vor euch. ihr. Warum habt ihr uns denn so gering geachtet? Und haben wir nicht zuerst davon geredet, uns unsern König zurück zu holen?“ Aber die von Juda redeten noch heftiger als die von Israel (2.Sam 19,9b - 44).

 

 

 

Sebas Aufstand:

Da blies der Benjaminiter Seba die Posaune und sprach: „Wir haben keinen Anteil an David, kein Erbe am Sohn Isais. Ein jeder gehe in sein Zelt, o Israel!“ Da fiel jedermann in Israel von David ab, und sie folgten Seba. Aber die Männer Judas hingen ihrem König an und geleiteten ihn vom Jordan bis nach Jerusalem. Der König sprach zu Amasa: „Rufe mir alle Männer in Juda auf den dritten Tag zusammen!“

Amasa ging los, aber er bleib über die Zeit hinaus, die ihm bestimmt war. Da sprach David zu Abisai: „Nun wird uns Seba mehr Schaden tun als Absalom. Nimm du die Männer deines Herrn und jage ihm nach, daß er nicht etwa für sich feste Städte gewinne!“ Da zogen die Männer Joabs aus, dazu die Hilfsvölker und alle Helden. Als sie aber bei dem großen Stein bei Gibeon waren, war Amasa vor ihnen angekommen. Joab aber trug einen Waffenrock und einen Gürtel mit einem Dolch. Joab sprach zu Amasa: „Friede sei mit dir, mein Bruder!“ Dann faßte mit seiner rechten Hand Amasa bei dem Bart, um ihn zu küssen.

Aber Amasa hatte nicht acht auf den Dolch in der linken Hand Joabs. Der stach ihn damit in den Bauch, so daß sein Eingeweide sich auf die Erde fielen und er starb.

Joab aber und sein Bruder Abisai jagten Seba nach. Es trat ein Mann von den Leuten Joabs neben ihn und rief: „Wer es mit Joab hält und für David ist, der folge Joab nach!“ Amasa aber lag in seinem Blut  mitten auf der Straße. Als aber der Mann sah, daß alles Volk dort stehenblieb, wälzte er Amasa von der Straße auf den Acker und deckte ihn zu. Jetzt folgte jedermann Joab nach.

Seba hatte sich aber in einer Stadt versteckt, die nun von Joab belagert wurde. Eine kluge Frau aus der Stadt verhandelt aber mit Joab, daß er doch nicht ihre altwehrwürdige Stadt vernichten sollte. Joab sagte ihr, daß sie es ja auch nur auf Seba abgesehen hätten. Das sprach die  Frau zu ihm: „Siehe, sein Haupt soll zu dir über die Mauer geworfen werden!“ Die Frau beredete das ganze Volk mit ihrer Klugheit. Und sie hieben Seba, den Kopf ab und warfen ihn zu Joab hinaus. Da blies er die Posaune, und sie zogen ab von der Stadt.  Joab aber kam wieder nach Jerusalem zum König (2. Sam 20, gekürzt, die Liste der Beamten am Schluß stand schon in Kapitel 8). [Die Kapitel 2. Samuel 21 – 24 schließlich bilden Nachträge zu den Daviderzählungen. Hier finden sich Listen besonders verdienter Militärs, ein Psalm (2.  Sam 22, nahezu identisch auch als Psalm 18 überliefert) und letzte Worte Davids (2. Sam 23,1-7). Eine späte Legende erzählt schließlich, wie David den Bauplatz für den Jerusalemer Tempel gefunden haben soll (2. Sam 24)].

 

Das Gericht über die Sippe Sauls:

Es war auch eine Hungersnot zu Davids Zeiten drei Jahre  nacheinander. Und David suchte das Angesicht des Herrn; und der Herr sprach: „Auf Sauls und seiner Sippe liegt eine Blutschuld, weil er die Gibeoniten getötet hat!“ Als er mit den Gibeoniten verhandelt, schlagen die ihm vor, sieben Männer aus der Sippe Sauls auf einem Berg bei Gibeon aufzuhängen. David verschonte Mephiboseth, den Sohn Jonathans und Enkel Sauls, weil er das ja Jonathan versprochen hatte. Aber die zwei Söhne Rizpas und  die fünf Söhne Merabs lieferte er den Gibeoniten aus. Dann begruben sie die Gebeine Sauls und seines Sohnes Jonathan im Lande Benjamin im Grabe seines Vaters Kis und taten alles, wie der König geboten hatte. Danach war Gott wieder mit dem Land versöhnt.

Dann gab wieder einen Krieg der Philister gegen Israel. David zog hinab und seine Krieger mit ihm. David aber wurde müde. Da wollte ein Philister ihn erschlagen. Aber Abisai half ihm und schlug den Philister tot. Da schworen ihm die Männer Davids und sprachen: „Du sollst nicht mehr mit uns ausziehen in den Kampf, damit nicht die Leuchte in Israel verlösche!“

Es gab dann noch weitere Kriegszüge gegen die Philister. Dabei erschlug der Beth­lehemiter El-Hanan den Goliath aus Gath. Und Jonathan, ein Neffe Davids, erschlug einen Philister  mit sechs Fingern und sechs Zehen und  hatte Israel verhöhnt (2. Sam 21, stark gekürzt).

„Davids Danklied“ (2. Sam 22) stimmt mit Psalm 18 überein und ist später nur dem David zugeschrieben worden). Auch „Davids letzte Worte“  sind eine Art Psalm (2. Sam 23,1-7). Es folgt eine Liste der siebenunddreißig „Helden“ Davids, darunter die drei Männer, die für David Wasser aus dem Lager der Philister geholt haben. und Benaja, der einem ägyptischen Riesen mit dessen eigenem Spieß erschlug, und auch der Hethiter Uria (2. Sam 23,8-39).

 

Gott läßt David den Tempelplatz finden: 

Der Zorn des Herrn ergrimmte abermals gegen Israel und er reizte David gegen das Volk, daß er sprach: „Gehe hin, zähle Israel und Juda!“ Der König sprach zu Joab, seinem Feldhauptmann: „Gehe umher in allen Stämmen Israels von Dan an bis nach Beer-Seba und zähle das Volk, daß ich wisse, wieviel sie sind!“ Joab sprach zu dem König: „Der Herr tue zu diesem Volk noch hundertmal soviel dazu, daß die Augen meines Königs ihre Lust daran haben. Aber warum verlangt es meinen Herrn, so etwas zu tun?“  Aber des Königs Wort stand fest gegen Joab und die Hauptleute des Heeres.

Also zogen Joab und die Hauptleute des Heeres aus, um das Volk Israel zu zählen. Sie gingen über den Jordan und durchzogen das ganze Land und kamen nach neuen Monaten und zwanzig Tagen nach Jerusalem. Joab gab dem König die Summe des Volks an, das gezählt war. Und es waren in Israel achthunderttausend streitbare Männer, die das Schwert trugen, und in Juda fünfhunderttausend Mann.

Und das Herz schlug David, nachdem das Volk gezählt war. Er sprach zum Herrn: „Ich habe schwer gesündigt, daß ich das getan habe. Nimm weg die Missetat deines Knechtes, denn ich habe sehr töricht getan!“ Als David am Morgen aufstand, kam des Herrn Wort zu Gad, Davids Propheten, und sprach: „Gehe hin und rede mit David: So spricht der Herr: Dreierlei bringe ich zu dir. Erwähle dir eins davon, daß ich es dir tue!“[Die Sünde besteht darin, daß David wissen wollte, wie stark er ist, anstatt sich auf Gott zu verlassen].

Gad kam zu David und sagte es ihm an und sprach zu ihm: „Willst du, daß drei Jahre lang eine Hungersnot in dein Land komme? Oder daß du drei Monate vor deinen Widersachern fliehen mußt? Oder soll drei Tage die Pest deinem Land sei? Bedenke das wohl, was ich dem sagen soll, der mich gesandt hat!“ David sprach zu Gad: Es ist mir sehr Angst, aber laß uns in die Hand des Herrn fallen, denn seine Barmherzigkeit ist groß. Ich will nicht in der Menschen Hand fallen!“

So ließ der Herr die Pest nach Israel kommen von Morgen an bis zur bestimmten Zeit, daß vom Volk von Dan an bis nach Beer-Seba siebzigtausend Mann starben. Als aber der Bote Gottes seine Hand ausstreckte über Jerusalem, um es zu verderben, reute den Herrn das Übel, und er sprach zu dem Boten: „Es ist genug; laß deine Hand ab!“ Der Bote des Herrn aber war beim Dreschplatz des Jebusiters Arawnas. Als aber David den Boten sah, der das Volk schlug, sprach er zum Herrn: „Siehe, i c h habe gesündigt, ich habe die Missetat getan. Was habe diese Schafe getan? Laß deine Hand gegen mich und meines Vaters Haus sein!“

Und Gad kam zu David an jenem Tag und sprach zu ihm: „Gehe hinauf und errichte dem Herrn einen Altar auf dem Dreschplatz des Jebusiters Arawnas!“ So ging David hinauf, wie Gad ihm gesagt und der Herr ihm geboten hatte.

 

Und als Arawna aufschaute, sah er den König mit seinen Großen zu ihm herüberkommen und fiel nieder vor dem König auf sein Angesicht zur Erde und sprach: „Warum kommt mein König zu seinem Diener?“ David sprach: „Um von dir den Dreschplatz zu kaufen und dem Herrn einen Altar zu bauen, damit die Plage vom Volk angenommen werde!“

Aber Arawna sprach zu David: „Mein König nehme und opfere, wie es ihm gefällt. Siehe, da ist ein Rind zum Brandopfer und die Dreschschlitten und das Geschirr der Rinder als Brennholz!“ Das alles gab der König Arawna dem König David. Und Arawna sprach zum David: „Der Herr, dein Gott, sei dir gnädig!“.

Aber der König sprach zu Arawna: „Nicht doch, sondern ich will es dir abkaufen um seinen Preis. Denn ich will dem Herrn, meinem Gott, nicht Brandopfer bringen, die ich umsonst habe!“ So kaufte David den Dreschplatz und die Rinder für fünfzig Silberstücke. Er baute dort dem Herrn einen Altar und opferte Brandopfer und Dankopfer. So wurde der Herr dem Land wieder gnädig, und die Plage wich von dem Volk Israel (2.Sam 24).

[Ihre Fortsetzung findet die Geschichte vom israelitischen Königtum im 1. und 2. Buch der Könige, die mit der Ernennung von Salomo zu Davids Nachfolger beginnen].