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Lehrbücher

 

 

Die Lehrbücher

 

Das Buch Hiob

 

[Hiob, Prediger und Sprüche werden zur biblischen Weisheitsliteratur gezählt, für die der enge Zusammenhang von Tun und Ergehen als Grundüberzeugung bestimmend ist. Das Buch muß vor dem Hintergrund des altorientalischen Glaubens an den Tun-Ergehen-Zusammenhang interpretiert werden. In Israel und ebenso in den benachbarten Regionen war man der Überzeugung, daß es einem Mensch, der Gutes tut, auch in seinem eigenen Leben gut ergeht, und umgekehrt ein böser Mensch ein schlechtes Leben zu erwarten hat. Grund dafür war der Glaube an eine sich unmittelbar auswirkende göttliche Gerechtigkeit.

Die Existenz dieses Tun-Ergehen-Zusammenhangs war eine Grundüberzeugung der sogenannten älteren „Weisheitsliteratur“. In der Bibel wird diese Überzeugung unter anderem in vielen Psalmen formuliert, so etwa in Psalm 1: „Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt … Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen.“ Diese Annahme wurde im Laufe der Zeit brüchig, es kam zur so genannten „Krise der Weisheit“, was vermutlich sozialgeschicht­lich zu erklären ist: Die großen, durch Kriege verursachten gesellschaftlichen Umwälzungen der Zeit konfrontierten die Menschen mit Unsicherheit und Leid, das sich nicht mehr ohne Weiteres auf individuelles Fehlverhalten zurückführen ließ. Deswegen stellte sich die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes angesichts des Leidens Unschuldiger, was sich in verschiedenen literarischen Zeugnissen - neben Hiob auch das biblische Buch Kohelet und außerbiblische Paralleltexte - niederschlug.

Die Geschichte von Hiob behandelt die Frage, wie es sein kann, daß der gerechte Gott duldet, daß guten Menschen Böses widerfährt. Sie versucht zu beantworten, weshalb trotz Gottes Allmacht und Güte auch ein gerechter Mensch leiden kann. Sie wehrt sich gegen die fromme und einfache Annahme, daß das Leiden eine Strafe Gottes sei. In der theologischen Fachsprache hat sich dafür der Ausdruck „Theodizee“, also Frage nach der Rechtfertigung Gottes angesichts des Leidens, eingebürgert.

Während Hiobs Freunde Sünde als Grund für seine vermeintliche Bestrafung vermuten, beteuert Hiob stets seine Unschuld und seine Treue zu Gott. Nachdem drei seiner Freunde erfolglos versucht hatten, Hiob von seiner Schuld zu überzeugen, erscheint ein jüngerer Mann namens Elihu. Dieser versucht dasselbe, gibt aber auch auf, nachdem Hiob auf niemanden hörte und sich gegen Gott recht gab. Doch dann spricht Gott zu Hiob. Durch rhetorische Fragen hilft er ihm, wahrzunehmen, daß er der Schöpfer von allem sei und Gut und Böse ausschließlich in seinen Händen liege. Weiter anerkennt Gott, daß Hiob entgegen den Behauptungen seiner Freunde unschuldig an seinen Leiden gewesen sei.

Das Hiobbuch gibt auf diese Frage mindestens zwei verschiedene Antworten: In der Rahmenhandlung wird das Leid Hiobs damit erklärt, daß Gott ihn auf die Probe stellen wollte. Da Hiob diese Probe besteht, geduldig und gottesfürchtig bleibt, wird das Leid wieder von ihm genommen. Hier wird Ergebenheit im Leid gefordert und der Tun-Ergehen-Zusammenhang wird nicht ganz aufgehoben, da Hiob letztlich für sein richtiges Verhalten belohnt wird. Trotzdem wird deutlich: Nicht immer ist Leid Strafe für eine Sünde. Der Umkehrschluß „Wer leidet, muß eine Schuld auf sich geladen haben“ ist nicht zulässig.

 

 

Das poetische Streitgespräch, das den Hauptteil des Hiobbuches bildet, ist dagegen nicht so eindeutig und wird deswegen auch sehr unterschiedlich interpretiert. Auffallend ist dabei, wie aggressiv Hiob sich hier gegenüber Gott äußert, dem er tyrannische Ungerechtigkeit vorwirft und den er am liebsten verklagen würde, wüßte er nicht, daß Gott sich aufgrund seiner Macht jeder Gerechtigkeit entziehen kann. Zentral für die Interpretation ist das Verständnis der Gottesreden, mit denen Gott auf die Anklage Hiobs antwortet. Gott erklärt hier nämlich nichts, er redet nicht davon, daß er Hiob nur auf die Probe stellen wollte, schon gar nicht bezieht er sich auf die „Satanswette“ aus der Rahmenhandlung. Außerdem verspricht er nicht, daß er Hiob entschädigen wird und gibt dem Leid auch sonst keinen tieferen Sinn. Inhalt der Gottesrede ist ausschließlich eine ausführliche Beschreibung der Großartigkeit der von Gott geschaffenen Natur, vor der alles menschliche Verstehen verstummt.

Erstaunlicherweise gibt sich Hiob mit dieser Antwort zufrieden, obwohl sie seine Anklage Gottes eigentlich bestätigt: Er ist unschuldig und sein Leiden unerklärlich. Möglicherweise will das Hiobbuch eben das sagen, daß der Sinn von Gottes Handeln den Menschen nicht zugänglich und eine Antwort auf die Theodizeefrage nicht möglich ist. Vielleicht ist die Pointe auch, daß Gott überhaupt für Hiob erscheint, also dem Leidenden gerade auch im tiefsten Leid erfahrbar wird. Sicher ist jedenfalls, daß der Tun-Ergehen-Zusammenhang aufgehoben wird: Leid ist nicht durch Schuld verursacht, die Freunde Hiobs, die den Leidenden zur Gewissenserforschung auffordern, haben Unrecht.

Weil Hiob in all seinem Leid, seiner Armut und seiner Trauer seinem Gott dennoch die Treue hielt und ihn nicht verfluchte, wie seine Ehefrau es ihm nahegelegt hatte, und weil er später auf die Belehrungen Gottes mit großer Demut reagiert, erlöst Gott ihn schließlich von der Krankheit und segnet sein weiteres langes Leben damit, daß er ihm das Doppelte seines früheren Besitzes erwerben läßt. Auch bekommt Hiob sieben neue Söhne und drei Töchter - wie vor seinen Unglücksschlägen.

 

Eine kritische Betrachtung der heutigen Textgestalt läßt bereits auf den ersten Blick eine gewisse Uneinheitlichkeit erkennen: Der größere Teil des Buches besteht aus einer Reihe von in Versform formulierten Reden Hiobs, seiner Freunde und Gottes. Diese Reden, die insgesamt ein großes Streitgespräch bilden, sind eingerahmt von einer knappen, in Prosa abgefaßten Erzählung (Prolog Hiob 1-2 und Epilog Hiob 42).

Da es auch inhaltlich zwischen diesen beiden Teilen Spannungen gibt, nimmt man allgemein an, daß sie von unterschiedlichen Verfassern stammen. Vermutlich hat der Dichter des poetischen Streitgespräches die Prosaerzählung vorgefunden und sie zum Anlaß für sein eigenes Werk genommen, das er in die ältere Erzählung einbettete.

Aber auch die Versdichtung ist in sich nicht einheitlich. Die Reden des vierten Freundes Elihu (Kap. 32–37), dessen Auftreten insgesamt als durch die bisherige Handlung nicht motiviert erscheint, sind inhaltlich vom restlichen Streitgespräch zu unterscheiden, so daß sie zumeist einem anderen Verfasser zugeschrieben werden. In ähnlicher Weise wird von manchen Forschern die in der Rahmenerzählung berichtete „Wette“ zwischen dem Satan und Gott als spätere Einfügung betrachtet.

Die dichterischen Teile weisen einen oft losen Zusammenhang miteinander und mit der Rahmenerzählung auf. So ist im Dialog von den Umständen, die in dem Prolog erzählt wurden, keine Rede. Hier klagt Hiob nicht über den Verlust seiner Reichtümer und seiner Söhne: Er klagt über die Verachtung seiner Mitmenschen, deren Objekt er geworden ist. Das Auftreten von Elihu geschieht plötzlich, er wird weder davor noch danach noch einmal erwähnt.

Die Gottesreden danach thematisieren weder die Argumente der Freunde noch Hiobs Anschuldigungen. Anders die Rahmenerzählung: während der Prolog dafür geeignet ist, den Rahmen für eine theologische Deutung des nachfolgenden Dialogs zu schaffen, wird im Epilog eine Deutung ausdrücklich vollzogen, indem die Anklagereden der Freunde verurteilt werden. Darüber hinaus werden im Prolog und im Epilog die gleichen Umstände der Schicksalsschläge angesprochen, die Hiob getroffen haben.

 

Das Buch trägt seinen Namen nicht nach seinem Verfasser, sondern nach seiner Hauptfigur. Hiob (Job) ist ein frommer Mann aus dem Land Uz, dessen Geschichte und Gottesverhältnis das nach ihm benannte Buch in der hebräischen Bibel darstellt. Von diesem Namen und seiner biblischen Geschichte sind die sprichwörtlichen Hiobsnachrichten oder Hiobsbotschaften abgeleitet.

Da im Text auf keine historischen Gegebenheiten verwiesen wird, ist eine genaue Datierung nicht möglich. Aufgrund sprachlicher und inhaltlicher Argumente ist man allgemein der Ansicht, daß das Hiob-Buch erst entstand, nachdem Israel aus dem babylonischen Exil zurückgekehrt war: Das Vokabular deutet nämlich auf ein verhältnismäßig spätes Entstehungsdatum, unter anderem weil sich Einflüsse des Aramäischen feststellen lassen. Außerdem gehört die Gestalt des Satans noch nicht zum vorexilischen Glauben Israels. Auch die kritische Frage nach der Gerechtigkeit Gottes angesichts des Leidens Unschuldiger spricht gegen ein höheres Alter. Das Hiob-Buch als Gesamtschrift muß irgendwann zwischen dem 5. und dem 3. Jahrhundert vor Christus entstanden sein. Trotzdem ist denkbar, daß die Rahmenhandlung älter ist oder zumindest auf ältere Traditionen zurückgeht, wie verschiedentlich angenommen wird.

Wegen der thematischen oder strukturellen Analogien werden einige Texte aus Mesopotamien von Exegeten in Verbindung mit dem Buch Hiob gesetzt. Eine Parallele zu Hiobs Geschichte findet sich im deuterokanonischen Buch Tobit. Auch im Koran wird Hiobs Geschichte erwähnt. Sie gleicht der biblischen Rahmenerzählung (siehe die Suren 6,84; 21,83–84; 38,41–43). Der im Arabischen gängige Vorname Aiyub ist deshalb ein Symbol für Geduld und Demut geworden.

 

Die Motive des Buches Hiob sind Gegenstand zahlreicher künstlerischer und wissenschaftlicher Bearbeitungen:

* Einzelne Elemente des Motivs sind im „Prolog im Himmel“ in Goethes Faust aufgegriffen.

* Auf dem Titelbild der staatstheoretischen Schrift Leviathan von Thomas Hobbes wird die lateinisch-sprachige Bibelstelle Hiob 41,24 zitiert.

* In John Steinbecks Roman „The Grapes of Wrath“ (Die Früchte des Zorns) wird auf die Figur Hiob und seine Charaktereigenschaften angespielt.

* Im Jahre 1930 erschien Joseph Roths Roman „Hiob“.

* In ihrem 1946 erschienenen Werk „Das Buch Hiob und das Schicksal des jüdischen Volkes“ bringt Margarete Susman eine kollektive Deutung des Motivs ein.

* Im Film „Mission Impossible“ mit Tom Cruise wird eine Bibelstelle als Übermittlung von geheimen Nachrichten verwendet.

* In der Serie „Emergency Room“ in der Folge 15.3. zitiert Abby zuerst Hiob 3:20-22 und 24-26 und am Ende der Folge Hiob 38:13-18

* In dem Buch „Sakrileg“ von Dan Brown wird eine Bibelstelle als Zeichen für Silas den Mönch verwendet.[32]

* Carl Loewe: Oratorium „Hiob“].

 

Hiobs Frömmigkeit:

Hiob war ein war frommer und rechtschaffener Mann und war gottesfürchtig und mied das Böse. Er zeugte sieben Söhne und drei Töchter. Er hatte siebentausend Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert Rinder und fünfhundert Eselinnen, und er hatte viele Helfer. Und er war reicher als alle, die im Osten wohnten. Eines Tages gingen seine Söhne hin und machten ein Festmahl, ein jeder in seinem Haus auf seinen Tag. Sie luden ihre drei Schwestern ein, mit ihnen zu essen und zu trinken. Als die Tage des Mahls um waren, sandte Hiob eine Botschaft hin und widmete sie Gott und machte sich früh am Morgen auf und opferte Brandopfer entsprechend der  Zahl seiner Söhne, denn er dachte: „Meine Söhne könnten gesündigt und Gott abgesagt haben in ihrem Herzen!“ So tat Hiob allezeit.

Eines Tages aber, als die Gottessöhne  [= himmlische Wesen] vor den Herrn traten, kam auch der Satan mit ihnen. Der Herr sprach zu dem Satan: „Wo kommst du her?“ Satan antwortete dem Herrn und sprach: „Ich habe die Erde hin und her durchzogen!“Der Herr sprach zu Satan: „Hast du auch meinen Diener Hiob bemerkt? Denn es ist keiner wie er auf der Erde, fromm und rechtschaffen, dazu ist er gottesfürchtig und meidet das Böse!“

Der Satan antwortete dem Herrn: „Meinst du, daß Hiob Gott umsonst fürchtet? Du hast doch ihn und sein Haus und all seinen Besitz rundherum beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitz hat sich ausgebreitet im Land. Aber strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat: Wetten, er wird dir ins Angesicht absagen?“ Der Herr sprach zum Satan: „Alles, was er hat, sei in deiner Hand. Nur an ihn selbst lege deine Hand nicht!“ Da ging der Satan aus von dem Herrn.

An dem Tag aber, als seine Söhne und Töchter aßen und Wein tranken im Haus ihres erstgeborenen Bruders, kam ein Bote zu Hiob und sprach: „Die Rinder pflügten, und die Eselinnen gingen neben ihnen auf der Weide, da fielen die aus Saba herein und nahmen sie und erschlugen die Helfer mit der Schärfe des Schwerts. Ich allein bin entronnen, daß ich es dir sagte!“

Als er noch redete, kam ein anderer und sprach: „Das Feuer Gottes fiel vom Himmel und traf Schafe und Helfer und verzehrte sie. Ich allein bin entronnen, daß ich es dir sagte!“ Als er noch redete, kam einer und sprach: „Die Chaldäer machte drei Abteilungen und fielen über die Kamele her und nahmen sie und schlugen die Helfer mit der Schärfe des Schwerts. Ich allein bin entronnen, daß ich es dir sagte!“

Als er noch redete, kam einer und sprach: „Deine Söhne und Töchter aßen und tranken im Haus ihres erstgeborenen Bruders. Da kam ein großer Wind von der Wüste her und stießen an die vier Ecken des Hauses und warf es auf die jungen Leute, daß sie starben. Ich allein bin entronnen, daß ich es dir sagte!“

Da stand Hiob auf und zerriß seine Kleidung und schor sein Haupt und fiel auf die Erde und neigte sich tief und sprach: „Ich bin nackt von meiner Mutter Leib gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen, der Name des Herrn sei gelobt!“ Bei all dem sündigte Hiob nicht und tat nichts Törichtes gegen Gott (Hi 1).

 

Hiob bewährt sich erneut:

Eines Tages, als die Gottessöhne kamen und vor den Herrn traten, kam auch der Satan unter ihnen und trat vor den Herrn. Da sprach der Herr zu dem Satan: „Wo kommst du her?“ Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: „Ich habe die Erde hin und her durchzogen!“ Der Herr sprach zu dem Satan: „Hast du auch meinen Diener Hiob bemerkt? Denn es ist keiner wie er auf der Erde, fromm und rechtschaffen, dazu ist er gottesfürchtig und meidet das Böse! Er hält fest an seiner Frömmigkeit. Du aber hast mich bewogen, ihn ohne Grund zu verderben!“

Der Satan antwortete dem Herrn: „Haut für Haut! Alles was ein Mann hat, läßt er für sein Leben. Aber strecke deine Hand aus und taste seine Knochen und sein Fleisch an: Wetten, er wird dir ins Angesicht absagen?“ Der Herr sprach zu dem Satan: „Er sei in deiner Hand, doch schone sein Leben!“

Da ging der Satan hinaus von dem Angesicht des Herrn und schlug Hiob mit bösen Geschwüren von der Fußsohle bis an seinen Scheitel. Hiob nahm eine Scherbe und schabte sich und saß in der Asche. Seine Frau sprach zu ihm: „Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Sage Gott ab und stirb!“ Er aber sprach zu ihr: „Du redest, wie die närrischen Weiber reden. Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?“ In diesem allem versündigte sich Hiob nicht mit seinen Lippen.

Als aber die drei Freunde Hiobs von all dem Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie, ein jeder aus seinem Ort: Eliphas von Theman, Bildad von Suah und Zophar von Naema. Denn sie waren eins geworden, zu kommen und ihn zu beklagen und zu trösten. Als sie von ferne hinsahen, erkannten sie ihn nicht und hoben auf ihre Stimme und weinten. Jeder zerriß seine Kleidung, und sie warfen Staub zum Himmel und auf ihr Haupt. Sie saßen sieben Tage und sieben Nächte mit ihm auf der Erde und redeten nichts mit ihm, denn sie sahen, daß der Schmerz sehr groß war (Hi 2).

[In einem Streitdialog zwischen Hiob und drei weiteren Personen, Elifas, Bildad und Zofar, die im Prolog als Freunde Hiobs vorkommen, klagt Hiob über sein eigenes Leiden, beteuert, es nicht verdient zu haben, und fordert schließlich Gott selbst heraus. In dreimal drei Reden, denen jeweils Hiobs Entgegnung folgt, versuchen dagegen die Freunde, Hiob zum Geständnis seiner Schuld zu bewegen. Sie sind typische Vertreter der Weisheitslehre: Dem Gerechten geht es gut, dem Gottlosen schlecht. Demzufolge muß Hiobs Leiden durch seine Schuld verursacht sein. Die Reden steigern sich und die beiden Parteien reden immer mehr aneinander vorbei, bis sie sich am Ende nichts mehr zu sagen haben. Es zeigt sich, daß die Freunde Hiob nicht mit ihrer Weisheit weiterhelfen können. Diesem Abschnitt werden auch Teile zugerechnet, die eigentlich Monologe sind (Hiob 3 und Hiob 29–31) oder keinem Redner zugewiesen werden können, so das so genannte Lied von der Weisheit (Hiob 28)]. Anmerkung. Diese Kapitel sind alle stark gekürzt)

 

Hiobs Klage:

Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag und sprach: „Ausgelöscht  sei der Tag, an dem ich geboren bin. Dieser Tag soll finster sein, und Gott droben frage nicht nach ihm. Die Sterne sollen finster sein in ihrer Dämmerung. Die Nacht hoffe aufs Licht, und es komme nicht. Warum bin ich nicht bei meiner Geburt gestorben? Dann läge ich da und wäre still, schliefe und hätte Ruhe. Da sind klein und groß gleich, und der Sklave ist frei von seinem Herrn. Warum gibt Gott das Licht dem Mühseligen und das Leben den betrübten Herzen. Denn wenn ich essen soll, muß ich seufzen, und mein Schreien fährt heraus wie Wasser. Denn was ich gefürchtet habe ist über mich gekommen, und wovor mir graute, das hat mich getroffen. Ich hatte keinen Frieden, keine Rast, keine Ruhe, da kam schon wieder ein Unglück!“ (Hi 3).

 

Die erste Rede des Eliphas:

Eliphas von Theman und sprach: „Du hast es vielleicht nicht gern, wenn man versucht, mit dir zu reden. Aber Worte zurückhalten, wer kann das? Siehe, du hast viele unterwiesen und matte Hände gestärkt. Deine Rede hat die Gefallenen aufgerichtet, und die bebenden Knie hast du gekräftigt.

Wenn es nun aber an dich kommt, wirst du weich. Und wenn es dich trifft, erschrickst du. Ist nicht deine Gottesfurcht dein Trost  und die Unsträflichkeit der Wege deine Hoffnung?  Bedenke doch: Wo ist ein Unschuldiger umgekommen? Oder wo werden die Gerechten je vertilgt? Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott oder ein Mann rein sein vor dem, der ihn gemacht hat?

Ich sah einen Toren Wurzel schlagen, doch plötzlich verschwand er von seiner Stätte dahin. Seinen Kindern bleibt Hilfe fern sein und sie werden zerschlagen am Tor, denn kein Erretter ist da. Seine Ernte verzehrt der Hungrige und auch aus den Hecken holt er sie. Denn Frevel geht nicht aus der Erde hervor und Unheil aus wächst nicht dem Acker, sondern der Mensch erzeugt sich selbst das Unheil.  

Ich aber würde zu Gott mich wenden und meine Sache vor ihn bringen, der die Niedrigen erhöht und den Betrübten emporhilft. Er hilft dem Armen vom Schwert, und den Elenden von der Hand des Mächtigen. Dem Armen wir Hoffnung zuteil, und die Bosheit muß ihren Mund halten. Selig ist der Mensch, den Gott zurechtweist. Darum widersetze dich nicht der Zucht des Allmächtigen.

Aus sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in der siebenten wird dich kein Übel rühren: In der Hungersnot wird er dich vom Tod erlösen und im Kriege von des Schwertes Hand. Über Verderben und im Hunger wirst du lachen und dich vor den wilden Tieren im Land nicht fürch­ten. Denn sein Bund wird sein mit den Steinen auf dem Felde, und die wilden Tiere im Landewerden Frieden mit dir halten. Und du wirst erfahren, daß deine Hütte Frieden hat, und wirst deine Stätte überschauen versorgen und nichts vermissen (Hi 4-5).

 

Hiobs erste Antwort an Eliphas:

Hiob antwortete und sprach: Wenn man doch meinen Kummer wiegen und mein Leiden zugleich in die Waage legte! Denn nun ist es schwerer als Sand am Meer; darum sind meine Worte noch unbedacht. Denn die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir, mein Geist muß ihr Gift trinken, und die Schrecknisse Gottes sind auf mich gerichtet.

Könnte doch meine Bitte geschehen und Gott mir geben, was ich hoffe! Daß mich Gott erschlagen wollte und ließe seine Hand aussteckte und meine Lebensfaden abschnitte! So hätte ich noch diesen Trost, daß ich nicht verleugnet habe die Reden des Heiligen.

Weil ihr Schrecknisse seht, fürchtet ihr euch. Habe ich denn gesagt: Schenkt mir etwas und bezahlt für mich von eurem Vermögen  und errettet mich aus der Hand des Feindes und kauft mich los von der Hand der Gewalttätigen? Belehrt mich, so will ich schweigen, und worin ich geirrt habe, darin unterweist mich. Wie kräftig sind doch redliche Worte! Aber euer Tadeln, was beweist das?   Doch nun seht auf mich, ob ich euch ins Angesicht lüge. Kehrt doch um, damit nicht Unrecht geschehe. Kehrt um! Noch habe ich recht darin.

Muß nicht der Mensch immer im Dienst stehen sein auf Erden, und sind seine Tage nicht wie die eines Tagelöhners? Wie ein Helfer sich sehnt nach dem Schatten und ein Tagelöhner auf seinen Lohn wartet, so habe ich wohl ganze Monate vergeblich gearbeitet, und viele elende Nächte sind mir geworden. Wenn ich mich niederlegte, sprach ich: „Wann werde ich aufstehen?“Bin ich aufgestanden, dann wurde es mir lang bis zum Abend und mich quälte  die Unruhe bis zur Dämmerung.

Mein Fleisch ist um und um eine Beute des Gewürms und faulig. Meine Haut ist voller Eiter und geschrumpft. Meine Tage sind schneller dahingeflogen wie ein Weberschiffchen und sind vergangen ohne Hoffnung. Bedenke, daß mein Leben ein Hauch ist und meine Augen nicht wieder Gutes sehen werden. Eine Wolke vergeht und fährt dahin: So kommt nicht wieder herauf, wer zu den Toten hinunterfährt, er kommt nicht wieder zurück, und seine Stätte kennt ihn nicht mehr. 

Darum will auch ich meinem Mund nicht wehren: Ich will reden in der Angst meines Herzens und will klagen in der Betrübnis meiner Seele. Ich vergehe! Ich lebe ja nicht ewig. Laß ab von mir, denn meine Tage sind nur noch ein Hauch.  Was ist ein Mensch, daß du ihn groß achtest und dich um ihn kümmerst?  Jeden Morgen suchst du ihn heim und prüfst ihn alle Stunden. Warum blickst du dich nicht einmal von mir weg und läßt mir keinen Augenblick Ruhe? Warum vergibst du mir meine Sünde nicht und nimmst weg meine Sünde? Denn nun werde ich mich in die Erde legen, und wenn du mich suchst, werde ich nicht da sein (Hi 6-7).

 

Bildads erste Rede:

Da antwortete Bildad: Wie lange willst du so reden und sollen die Reden deines Mundes so ungestüm daher fahren? Meinst du, daß Gott unrecht richte oder der Allmächtige das Recht verkehrt? Haben deine Söhne vor ihm gesündigt, so hat er sie verstoßen um ihrer Sünde willen. Wenn du aber dich beizeiten zu Gott wendest und zu dem Allmächtigen flehst. Wenn du rein und fromm bist, so wird er wegen dir aufwachen und wird wieder aufrichten deine Wohnung, und was du zunächst wenig gehabt hast, das wird danach gar sehr zunehmen. Denn frage die früheren Geschlechter und merke auf das, was ihre Väter erforscht haben. Denn wir sind von gestern her und wissen nichts. Unsere Tage sind ein Schatten auf der Erde.  Sie werden es dich lehren und dir sagen. Gott verwirft nicht die Frommen und hält nicht die Hand der Boshaften fest, bis er dein Mund voll Lachens mache und deine Lippen voll Jauchzens. Die dich aber hassen, müssen sich in Schmach kleiden, und der Hütte der Gottlosen wird nicht bestehen (Hi 9).

 

Hiobs erste Antwort an Bildad:

Hiob antwortete: Ja, ich weiß sehr gut, daß es so ist und daß ein Mensch nicht Recht behalten kann gegen Gott. Hat er Lust, mit ihm zu streiten, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten. Gott ist weise und mächtig. Wem ist es je gelungen, der sich gegen ihn gestellt hat? Er versetzt Berge, ehe sie es innewerden, er kehrt sie um in seinem Zorn. Er geht an mir vorüber, ohne daß ich es gewahr werde, und wandelt vorbei, ohne daß ich es merke. Wenn er wegrafft, wer will ihm wehren? Wer will zu ihm sagen: Was machst du da?

Wie sollte ich ihm denn antworten und Worte finden vor ihm? Wenn ich auch recht habe, kann ich ihm dennoch nicht antworten, sondern ich müßte um mein Recht flehen. Wenn ich ihn schon anrufe, daß er mir antwortet, so glaube ich doch nicht, daß er meine Stimme hört. Vielmehr greift er nach mir  im Wettersturm und schlägt mir viel Wunden ohne Grund. Sage ich, daß ich gerecht bin, so verdammt er mich doch; wäre ich unschuldig, so würde er mich doch schuldig sprechen

Ich bin unschuldig! Ich möchte nicht mehr leben. Es ist eins! Darum sage ich: Er bringt den Frommen um wie den Gottlosen. Meine Tage sind schneller gewesen als ein Läufer. Sie sind dahin geflohen  und haben nichts Gutes erlebt. Ich soll ja doch ein Gottloser sein. Warum mühe ich mich denn so vergeblich? Wenn ich mich gleich mit Schneewasser wüsche und reinigte mein Hände mit Lauge, so wirst du mich doch eintauchen in die Grube, daß sich meine Kleider vor mir ekeln. So will ich reden und mich nicht vor ihm fürchten. Denn ich bin mir keiner Schuld bewußt.

Mich ekelt mein Leben an. Ich will meiner Klage ihren Lauf lassen und reden in der Betrübnis meiner Seele und zu Gott sagen: Verdamme mich nicht! Laß mich wissen, warum du mich vor Gericht ziehst! Deine Hände haben mich gebildet und bereitet. Danach hast du dich abgewandt  und willst  mich verderben? Bedenke doch, daß du mich aus Erde gemacht hast und wirst mich wieder zu Erde machen?

Wäre ich schuldig, dann wehe mir! Wäre ich schuldlos, so dürfte ich doch mein Haupt nicht aufheben. Warum hast du mich aus meiner Mutter Leib kommen lassen? Ach, wäre ich doch umgekommen und hätte mich nie ein Auge gesehen! So wäre ich wie die, die nie gewesen sind, von Mutterleib weg zum Grab gebracht. Ist denn mein Leben nicht kurz? So höre er auf und lasse ab von mir, daß ich ein wenig aufgerichtet werde, ehe ich denn hingehe ins Land der Finsternis und des Dunkels und komme nicht wieder (Hi 9-10).

 

Zophars erste Rede:

Da antwortete Zophar: Muß langes Gerede ohne Antwort bleiben? Muß denn ein Schwätzer immer recht haben? Ach, daß Gott mit dir redete und täte seine Lippen auf und zeigte dir die Tiefen der Weisheit!  Meinst du, daß du weißt, was Gott weiß, und kannst du alles so vollkommen treffen wie der Allmächtige? Wenn du aber auf ihn dein Herz richtetest und deine Hände zu ihm ausbreitetest. Wenn du den Frevel in deiner Hand von dir wegtust, daß in deiner Hütte kein Unrecht bliebe, so könntest du dein Antlitz aufheben ohne Tadel und würdest fest sein und dich nicht fürchten. Aber die Augen der Gottlosen werden verschmachten, und sie werden nicht entrinnen können (Hi 11).

 

Hiobs erste Antwort an Zophar:

Da antwortete Hiob: Ja, ihr seid die Leute! Mit euch wird die Weisheit sterben! Ich habe ebenso Verstand wie ihr und bin nicht geringer als ihr. Ich muß von meinen Mitmenschen ausgelacht werden, der ich Gott anrief, und er erhörte mich. Der Gerechte und Fromme muß verlacht sein. Frage doch das Vieh, das wird es dich lehren und die Vögel unter dem Himmel, die werden es dir sagen. Wer erkennte nicht an dem allem, daß die Hand des Herrn das gemacht hat, daß in seiner Hand die Seele alles dessen ist, was da lebt, und der Lebensodem aller Menschen? Bei ihm sind Weisheit und Gewalt, sein sind Rat und Verstand.

Ich wollte gern zu dem Allmächtigen reden und wollte gern mit Gott rechten. Aber ihr seid alle unnütze Ärzte. Wollte Gott, ihr schwiegt, so wärt ihr weise. Hört doch, wie ich mich verantworte und merkt auf die Streitsache, von der ich rede! Wollt ihr Gott verteidigen mit Unrecht und Trug für ihn reden? Wollt ihr für Gott Partei nehmen? Wollt ihr Gott vertreten? Er wird euch hart zurechtweisen, wenn ihr heimlich Partei ergreift.

Ich bin zum Rechtsstreit gerüstet, ich weiß, daß ich Recht behalten werde. Nur zweierlei tue mir nur nicht, so will ich mich vor dir nicht verbergen:  Laß deine Hand fern von mir sein, und dein Schrecken erschrecke mich nicht! Dann rufe, ich will dir antworten, oder ich will reden, dann antworte du mir! Wie groß ist meine Schuld und Sünde? Laß mich doch wissen meine Übertretung und Sünde. Warum verbirgst du dein Antlitz und hältst mich für deinen Feind?

Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht. Doch du tust deine Augen über einen solchen auf, daß du mich vor dir ins Gericht ziehest. Kann wohl ein Reiner kommen von den Unreinen? Auch nicht einer. Sind seine Tage bestimmt und hast du ein Ziel gesetzt, das er nicht überschreiten kann, so blicke doch weg von ihm, damit er Ruhe habe, bis daß sein Tag kommt. Denn ein Baum hat Hoffnung, auch wenn er schon abgehauen ist. Er kann wieder ausschlagen, und seine Schößlinge bleiben nicht aus.

Ob seine Wurzel in der Erde veraltet und sein Stumpf im Boden abstirbt, so grünt er doch wieder vom Geruch des Wassers und treibt Zweige wie eine junge Pflanze.

Stirbt aber ein Mann, so ist er dahin. Kommt ein Mensch um - wo ist er dann? Wie ein Wasser ausläuft aus dem See, und wie ein Strom versiegt und vertrocknet, so ist ein Mensch, wenn er sich niederlegt, und wird nicht aufstehen. Er wird nicht aufwachen, solange der Himmel bleibt, noch von seinem Schlaf erweckt werden. Meinst du, ein toter Mensch wird wieder leben?

Alle Tage meines Dienstes will ich warten, bis daß meine Ablösung kommt! Du würdest rufen und ich dir antworten. Dann würdest du meine Schritte zählen, aber hättest doch nicht acht auf meine Sünden. Du würdet meine Übertretungen in ein Bündlein versiegeln und meine Schuld übertünchen. Ein Berg kann zerfallen und ein Fels von seiner Stelle weichen. Wasser wäscht Steine weg, und seine Fluten schwemmen die Erde weg. So machst du die Hoffnung der Menschen zunichte. Du überwältigst ihn für immer, daß er davon muß und entstellst sein Antlitz und läßt ihn dahinfahren. Sind seine Kinder in Ehren, das weiß er nicht, oder ob sie verachtet sind, das wird er nicht gewahr. Nur sein eigenes Fleisch macht ihm Schmerzen, und nur um ihn selbst trauert seine Seele (Hi 12- 14).

 

Die zweite Rede des Eliphas:

Da antwortete Eliphas: Soll ein weiser Mann so aufgeblasene Worte reden und seinen Bauch so blähen mit leeren Reden? Du verantwortest dich mit Worten, die nicht taugen, und dein Reden ist nichts nütze. Du selbst zerstörst die Gottesfurcht und raubst dir die Andacht vor Gott. Denn deine Schuld lehrt deinen Mund so, und du hast erwählt eine listige Zunge. Dein Mund verdammt dich, und nicht ich, deine Lippen zeugen gegen dich. Bist du als der erste Mensch geboren? Kamst du vor allen Hügeln zur Welt? Hast du im heimlichen Rat Gottes zugehört und die Weisheit an dich gerissen? Was weißt du, das wir nicht wissen? Was verstehst du, was uns nicht bekannt ist?

Was ist der Mensch, daß er rein sein sollte, und daß er gerecht sein sollte, der von einem Weib geboren ist? Ich will es dir zeigen, höre mir zu, und ich will dir erzählen, was ich gesehen habe, was die Weisen gesagt haben und ihre Vätern ihnen nicht verborgen haben: „Der Gottlose bebt sein Leben lang, und dem Tyrannen ist die Zahl seiner Jahre verborgen.

Stimmen des Schreckens hört sein Ohr, und mitten im Frieden kommt der Verderber über ihn. Er  glaubt nicht, daß er dem Unglück entrinnen könne und fürchtet immer das Schwert. Er zieht hin und her nach Brot und weiß nicht, daß ihm der Tag der Finsternis bereitet ist. Angst und Not schrecken ihn und schlagen ihn nieder wie ein König, der angreift. Doch er wird nicht reich bleiben, und sein Gut wird nicht bestehen, und sein Besitz wird sich nicht ausbreiten im Land (Hi 15).

 

Hiobs zweite Antwortet an Eliphas:

Hiob antwortete: Ich habe das schon oft gehört. Ihr seid allzumal leidige Tröster! Wollen die leeren Worte kein Ende haben? Gott hat mich übergeben dem Ungerechten und hat mich in die Hände der Gottlosen kommen lassen. Ich war in Frieden, aber er hat mich zunichte gemacht. Meine Freunde spotten über mich, unter Tränen blickt mein Auge zu Gott auf, daß er Recht verschaffe dem Mann bei Gott, dem Menschen vor seinem Freund.  Denn nur wenige Jahre noch, und ich gehe den Weg, den ich nicht wiederkommen werde. Mein Geist ist zerbrochen und meine Tage sind ausgelöscht, das Grab ist da. Gespött umgibt mich. Sei du selber mein Bürge bei dir - wer will mich sonst vertreten? Aber der Gerechte hält fest an seinem Weg behalten, und wer reine Hände hat, nimmt an Stärke zu. Kehrt euch alle wieder her und kommt. Ich werde dennoch keinen Weisen unter euch finden. Worauf soll ich denn hoffen. Und wer sieht noch Hoffnung für mich? (Hi 16-17).

Bildads zweite Rede:

Da antwortete Bildad: Warum werden wir geachtet wie Vieh und sind so töricht vor euren Augen?  Willst du vor Zorn platzen? Soll um deinetwillen die Erde veröden  und der Fels von seiner Stelle weichen? Dennoch wird das Licht der Gottlosen verlöschen, und der Funke seines Feuers wird nicht leuchten. Das Licht wird finster werden in seiner Hütte, und seine Leuchte über ihm verlöschen. Unten verdorren seine Wurzeln, und oben verwelken seine Zweige. Sein Andenken wird vergehen im Land, und er wird keinen Namen haben auf der Gasse. Er wird vom Licht in die Finsternis vertrieben und vom Erdboden verstoßen werden.

Er wird keine Kinder haben und keine Enkel unter seinem Volk. Die im Westen werden sich über seinen Gerichtstag entsetzen. Und über die im Osten wird Furcht kommen. Ja, so geht es der Wohnung des Ungerechten und der Stätte dessen, der Gott nicht achtet (Hi 18).

 

Hiobs zweite Antwort an Bildad:

Hiob antwortete: Wie lange plagt ihr doch meine Seele und peinigt mich mit Worten? Ihr habt mich nun zehnmal verhöhnt und schämt euch nicht, mir so zuzusetzen. Habe ich mich wirklich geirrt, so trage ich meinen Irrtum selbst. Wollt ihr euch über mich erheben und wollt ihr mir meine Schmach beweisen?  So merkt doch endlich, daß mir Gott Unrecht tut und mich mit seinem Jagdnetz umgeben hat. Ich schreie „Gewalt“  aber ich werde ich doch nicht gehört, ich rufe, aber kein Recht ist da.

Er hat meinen Weg vermauert, daß ich nicht hinüber kann. Er hat meine Brüder von mir entfernt, und meine Verwandten sind mir fremd geworden. Meine Nächsten haben sich zurückgezogen, und meine Freunde haben mich vergessen. Mein Atem ist meiner Frau zuwider, und den Söhnen meiner Mutter ekelt es vor mir. Selbst die Kinder geben nichts auf mich. Stelle ich mich gegen sie, so geben sie mir böse Worte. Alle meine Getreuen verabscheuen mich und die ich liebhatte, haben sich auch gegen mich gewandt. Erbarmt euch über mich, ihr meine Freunde! Denn die Hand Gottes hat mich getroffen.

 Aber ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und als der letzte wird er über dem Staube sich erheben. Und ist meine Haut auch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen. Ihn selbst werde ich sehen, und meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust (Hi 19).

 

Zophars zweite Rede:

Da antwortete Zophar: Weißt du nicht, daß es allezeit so gegangen ist, seitdem Menschen auf der Erde gewesen sind: daß das Frohlocken der Gottlosen  währt nicht lange und die Freude des Ruchlosen nur einen Augenblick? Wenn auch sein Scheitel in den Himmel reicht und sein Haupt an die Wolken rührt, so wird er doch für immer vergehen wie Kot. Der Himmel wird seine Schuld enthüllen und die Erde wird sich gegen ihn erheben. Seine Ernte wird weggeführt werden, zerstreut am Tag seines Zorns. Das ist der Lohn eines gottlosen Menschen bei Gott (Hi 20).

 

Hiobs zweite Antwort an Zophar:

Hiob antwortete: Hört doch meiner Rede zu und laßt mir das eure Tröstung sein! Ertragt mich, daß ich rede, und danach spottet über mich! Geht denn gegen einen Menschen meine Klage? Oder warum sollte ich nicht ungeduldig sein?  Kehrt euch her zu mir. Ihr werdet erstarren und die Hand auf den Mund legen müssen. Wenn ich daran denke, so erschrecke ich, und Zittern kommt meinem Leib an. Warum bleiben die Gottlosen am Leben, werden alt und nehmen zu an Kraft?

Ihre Nachkommen sind bei ihnen. Ihr Haus hat Frieden ohne Furcht, und Gottes Rute ist nicht über ihnen. Wer will Gott die Weisheit lehren, der auch die Hohen richtet? Der eine stirbt frisch und gesund in allem Reichtum und voller Genüge, sein Melkfaß ist voll Milch, und seine Knochen werden gemästet mit Mark. Der andere aber stirbt mit verbitterter Seele und hat nie vom Glück gekostet. Wer sagt ihm ins Angesicht, was er verdient? Wer vergilt ihm, was er getan hat? Wird er doch zu Grabe geleitet und hält Wache auf seinem Hügel (Hi 21).

 

Die letzte Rede des Eliphas:

Da antwortete Eliphas: Kann denn ein Mann Gottes etwas nützen? Nur sich selber nützt ein Kluger. Meinst du, der Allmächtigen habe einen Vorteil davon, daß du gerecht bist? Was hilft es ihm, wenn deine Wege ohne Tadel sind? Meinst du, er wird dich wegen deiner Gottesfurcht zurechtweisen und mit dir ins Gericht gehen? Ist deine Bosheit nicht zu groß, und sind deine Missetaten nicht ohne Ende? So vertrage dich nun mit Gott und mache Frieden. Daraus wird dir viel Gutes kommen. Nimm doch Weisung an von seinem Mund und fasse seine Worte in dein Herz. Begehrst du dich bekehren zu dem Allmächtigen und demütigst du dich und tust das Unrecht weit weg von deiner Hütte (Hi 22)

 

Hiobs dritte Antwort an Eliphas:

Hiob antwortete: Auch heute lehnt sich meine Klage auf. Gottes Hand drückt schwer, daß ich seufzen muß. Ach daß ich wüßte, wie ich ihn finden und zu seinem Thron kommen könnte. So würde ich ihm mein Recht darlegen und meinen Mund mit Beweisen füllen und erfahren die Reden, die er mir antworten würde, und vernehmen, was er mir sagen würde! Würde er mit großer Macht mit mir rechten? Nein, er selbst würde achthaben auf mich. Dann würde ein Redlicher mit ihm rechten, und für immer würde ich entrinnen meinem Richter.

Gehe ich vorwärts, so ist er nicht da. Gehe ich zurück, so spüre ich ihn nicht. Ist er zur Linken, so schaue ich ihn nicht. Verbirgt er sich zur Rechten, so sehe ich ihn nicht. Er aber kennt meinen Weg wohl. Er prüfe mich, so will ich erfunden werden wie das Gold.

Ja, er wird vollenden, was mir bestimmt ist, und er hat noch mehr dieser Art im Sinn. Darum erschrecke ich vor seinem Angesicht. Und wenn ich darüber nachdenke, so fürchte ich mich vor ihm. Gott hat mir das Herz mutlos gemacht, und der Allmächtige hat mich erschreckt. denn nicht wegen der Finsternis muß ich schweigen mir, und nicht, weil Dunkel mein Angesicht deckt.

Gott rafft die Gewalttätigen hin durch seine Kraft. Steht er auf, so müssen sie am Leben verzweifelten. Er gibt ihnen, daß sie sicher sind und eine Stütze haben, doch seine Augen wachen über ihren Wegen. Sie sind hoch erhöht. Aber nach einer kleinen Weile sind sie nicht mehr da. Sie sinken sie und werden sie weggerafft wie alle andern (Hi 23-24).

 

Bildads letzte Rede:

Da antwortete Bildad: Herrschaft und Schrecken ist bei ihm, der Frieden schafft in seinen Höhen. Wer will seine Scharen zählen? Über wem geht sein Licht nicht auf? Und wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott? Wie kann rein sein ein von einer Frau Geborener? Siehe, auch der Mond scheint nicht hell, und die Sterne sind nicht rein vor seinen Augen: Wie viel weniger ein Mensch, die Made, und ein Menschenkind, der Wurm (Hi 25).

 

 

Hiob dritte Antwort an Bildad:

Hiob antwortete:    Wie sehr stehst du dem bei, der keine Kraft hat, hilfst dem, der keine Stärke in den Armen hat! Wie gibst du Rat dem, der keine Weisheit hat, und lehrst die Einsicht in Fülle! Er spannt den Norden aus über das Leere und hängt die Erde über das Nichts. Er faßt das Wasser zusammen in seine Wolken, und die Wolken zerreißen darunter nicht.  Er verhüllt seinen Thron und breitet seine Wolken davor aus. Er hat am Rande des Wassers eine Grenze gezogen, wo Licht und Finsternis sich scheiden. Die Säulen des Himmels zittern und entsetzen sich vor seinem Schelten. Durch seine Kraft hat er das Meer erregt, und durch seine Einsicht hat er die große Schlange im Meer  zerschmettert. Am Himmel wurde es schön durch seinen Wind, und seine Hand durchbohrt die flüchtige Schlange.  Siehe, das sind nur die Enden  seiner Wege und nur ein leises Wörtlein davon haben wir vernommen. Wer will aber den Donner seiner Macht verstehen?

So wahr Gott lebt, der mir mein Recht weigert, und der Allmächtige, der meine Seele betrübt: Solange noch mein Atem in mir ist und der Hauch von Gott in meiner Nase ist: Meine Lippen reden nichts Unrechtes, und meine Zunge sagt keinen Betrug. Das sei ferne von mir, daß ich euch recht gebe. Bis mein Ende kommt, will ich nicht weichen von meiner Unschuld. An meiner Gerechtigkeit halte ich fest und lasse sie nicht. Mein Gewissen beißt mich nicht wegen eines meiner Tage (Hi 26-27).

 

Das Lied von der Weisheit Gottes:

Es hat das Silber seine Gänge, und das Gold seinen Ort, wo man es läutert.

Eisen bringt man aus der Erde, und aus dem Gestein schmilzt man Kupfer.

Man macht der Finsternis ein Ende und findet zuletzt das Gestein tief verborgen.

Man bricht einen Schacht, fern  von da, wo man wohnt.

Man zerwühlt wie Feuer unten die Erde, auf der doch oben das Brot wächst.

Man findet Saphir in ihrem Gestein, und es birgt Goldstaub.

Den Steig dahin hat kein Adler erkannt und kein Falkensauge gesehen.

Das stolze Wild hat ihn nicht betreten und kein Löwe ist darauf gegangen.

Auch legt man die Hand an die Felsen und gräbt die Berge von Grund aus um.

Man bricht Stollen aus den Felsen, und alles, was kostbar ist, sieht das Auge.

Man wehrt dem Tröpfeln des Wassers und bringt, was verborgen ist, ans Licht.

Wo will man aber die Weisheit finden? Und wo ist die Stätte der Einsicht?

Niemand weiß, was sie wert ist, und sie wird nicht gefunden im Land der Lebenden.

Wer Weisheit erwirbt, hat mehr als Perlen.

Woher kommt denn die Weisheit? Und wo ist die Stätte der Einsicht?

Sie ist verhüllt vor den Augen aller Lebenden, auch verborgen den Vögeln.

Gott weiß den Weg zu ihr, er allein kennt ihre Stätte.

Denn er sieht die Enden der Erde und schaut alles, was unter dem Himmel ist.

Er sprach zu den Menschen: Siehe, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit,

und meiden das Böse, das ist Einsicht (Hi 28).

 

Hiobs Schicksal:

Hiob blickt noch einmal zurück: Wie war ich in der Blüte meines Lebens, als Gottes Freundschaft über meiner Hütte war, als der Allmächtige noch mit mir war und meine Kinder um mich her. Wenn ich ausging zum Tor der Stadt und meinen Platz auf dem Markt einnahm, dann sahen mich die Jungen und sich versteckten, und die Alten standen vor mir auf. Die Obersten hörten auf zu reden und legten ihre Hand auf ihren Mund. Denn ich errettete den Armen, der da schrie, und die Waise, die keinen Helfer hatte. Der Segen des Verlassenen kam über mich; und ich erfreute das Herz der Witwe. Gerechtigkeit war mein Kleid, das ich anzog.

Sie warteten auf mich wie auf den Regen und sperrten ihren Mund auf wie nach Spätregen. Wenn ich zu ihnen wollte kommen, so mußte ich obenan sitzen und wohnte wie ein König unter den Kriegern.

Dann aber beklagt er sein jetziges Unglück: Nun aber verlachen sie mich, die jünger sind als ich, deren Väter ich nicht wert geachtet hätte, sie zu meinen Hunden bei meiner Schafhunde zu stellen, deren Stärke ich für nichts hielt, denen die Kraft dahinschwand. Jetzt bin ich ihr Spottlied geworden und muß ihnen zum Gerede dienen. Sie verabscheuen mich und halten sich ferne von mir und scheuen sich nicht, vor meinem Angesicht auszuspucken. Man hat mich in den Dreck getreten, daß ich gleich bin dem Staub und der Asche.

Ich schreie zu dir, aber du achtest nicht auf mich. Ich stehe auf, aber du achtest nicht auf mich. Du hast dich mir verwandelt in einen Grausamen und streitest gegen mich mit der Stärke deiner Hand. Du hebst mich auf und läßt mich auf dem Wind dahinfahren. Denn ich weiß, du wirst mich zum Tod gehenlassen, zum Haus, wo alle Lebenden zusammenkommen. Ich wartete auf das Gute, und es kam das Böse, ich hoffte auf Licht, und es kam Finsternis. Meine Haut ist schwarz geworden und löst sich ab von mir, und meine Knochen sind verdorrt vor hitzigem Fieber. Mein Harfenspiel ist zur Klage geworden und mein Flötenspiel zum Trauerlied (Hi 29-30).

 

Hiobs Reinigungseid und Appell an Gott:

Bin ich gewandelt in Falschheit oder ist mein Fuß geeilt zum Betrug? Gott möge mich wiegen auf einer richtigen Waage, dann wird er erkennen meine Unschuld. Ist mein Gang gewichen vom Weg und mein Herz meinen Augen nachgefolgt und blieb etwas hängen an meinen Händen, so will ich säen, aber ein andrer soll es essen. Habe ich den Dürftigen einen Wunsch versagt und die Augen der Witwe verschmachten lassen? Habe ich meinen Bissen allein gegessen, und hat nicht die Waise auch davon gegessen? Nein, ich habe sie von Jugend auf gehalten wie ein Vater, und ich habe sie von meiner Mutter Leib an geleitet.  Habe ich zugesehen, wie jemand ohne Kleid verkommen ist, und den Armen ohne Decke gehen lassen? O hätte ich einen, der mich anhört oder die Schrift, die mein Verkläger geschrieben hat! Dann wollte ich sie auf meine Schulter nehmen und wie eine Krone tragen. Ich wollte alle meine Schritte ihm ansagen und wie ein Fürst zu ihm nahen. Damit beendete Hiob seine Worte (Hi 31).

 

Die Elihu-Reden:

[Als vierter Redner betont Elihu als Anwalt Gottes in vier Reden Gottes Allmacht und Größe und stellt das Recht des Menschen, göttliches Wirken zu beurteilen, grundsätzlich in Abrede. Darüber hinaus meint er, daß Gott aufgrund seiner Allmacht auch gütig sein müsse. Dabei lenkt er den Blick weg von der Frage nach dem Grund für das Leid hin zu dem Zweck des Leids].

Da hörten die drei Männer auf, Hiob zu antworten, weil er sich für gerecht hielt. Aber Elihu, wurde zornig über Hiob, daß er sich selber für gerechter hielt als Gott. Auch wurde er zornig über seine drei Freunde, weil sie keine Antwort fanden und doch Hiob verdammten. Deshalb sprach er: „Ich bin jung, ihr aber seid alt, darum habe ich mich gescheut und mich gefürchtet, mein Wissen euch kundzutun. Ich dachte: Laß das Alter reden, und die Menge der Jahre laß Weisheit beweisen. Aber der Geist ist in den Menschen, der sie verständig macht. Die Alten sind nicht immer die Weisesten und verstehen nicht, was das Rechte ist.

 

 

Darum sage ich: Hört mir zu. Ich will mein Wissen auch kundtun. Bei mir gibt es kein Ansehen der Person ansehen und will keinem Menschen schmeicheln! Hiob, warum willst du mit Gott hadern, weil er auf Menschenworte nicht Antwort gibt?  Denn auf eine Weise redet Gott und dann wieder auf eine andere, nur beachtet man es nicht. Im Traum oder im Nachtgesicht öffnet er das Ohr der Leute und schreckt sie auf und warnt sie, damit er den Menschen von seinem Vorhaben abbringe und behüte ihn vor Hochmut und bewahre seine Seele vor dem Verderben. Kommt dann für ihn ein Mittler, zu verkünden dem Menschen, was für ihn recht ist, so wird er ihm gnädig sein. Er wird Gott bitten, und der wird ihm Gnade erweisen und wird ihn sein Antlitz sehen lassen mit Freuden und wird dem Menschen seine Gerechtigkeit zurückgeben. Siehe, das alles tut Gott zweimal oder dreimal mit einem jeden, daß er sein Leben zurückhole von den Toten und erleuchte ihn mit dem Licht der Lebenden.

Hört mir zu, ihr weisen Männer: Es sei ferne, daß Gott sollte gottlos handeln und der Allmächtige ungerecht, sondern er vergilt dem Menschen, wie er es verdient hat, und trifft einen jeden nach seinem Tun. Ohne Zweifel, Gott tut niemals Unrecht, und der Allmächtige beugt das Recht nicht. Siehe, Gott ist mächtig, und verwirft doch niemand, er ist mächtig an Kraft des Herzens. Den Gottlosen erhält er nicht, sondern hilft dem Elenden zum Recht. Er wendet seine Augen nicht von dem Gerechten, sondern er läßt sie mit Königen auf dem Thron sitzen für alle Zeit, daß sie hoch bleiben. Gehorchen sie und dienen ihm, so werden sie bei guten Tagen alt werden und glücklich leben. Gehorchen sie aber nicht, so werden sie dahinfahren durch das Geschoß des Todes und vergehen in Unverstand (Hi 32-37).

 

Die Gottesreden:

[Letztendlich wendet sich Gott selbst aus einem Gewitter heraus an Hiob. In zwei Reden betont Gott seine Macht und die Herrlichkeit seiner eigenen Schöpfungswerke, zum Beispiel den Wasserkreislauf. Lang redet er über die Großartigkeit der von ihm erschaffenen Tiere und Naturgewalten, über den Leviathan und den Behemoth, die sagenhafte Urtiere im Meer. Daraufhin Hiob stellt in zwei kurzen Antworten seine Klagen ein. Wichtig dabei ist, daß Gott nicht etwa Hiobs Unschuld in Frage stellt, also den Freunden nicht recht gibt, sondern die unbegreifliche Größe seines göttlichen Handelns darstellt].

 

Erste Rede Gottes aus dem Wetter:

Wer ist der, der den Ratschluß verdunkelt mit Worten ohne Verstand?

Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sage es mir, wenn du so klug bist!

Weißt du, wer ihr das Maß gesetzt hat

oder wer über sie eine Richtschnur gezogen hat?

Worauf stehen ihre Pfeiler eingesenkt, oder wer hat ihren Eckstein gelegt?

Hast du bei deiner Zeit dem Morgen geboten und der Morgenröte ihren Ort gezeigt,

damit sie die Ecken der Erde faßte und die Gottlosen herausgeschüttelt wurden?

Sie wandelt sich wie Ton unter dem Siegel und färbt sich bunt wie ein Kleid.

Und den Gottlosen wird ihr Licht genommen

und der erhobene Arm zerbrochen werden.

Bist du zu den Quellen des Meeres gekommen

und auf dem Grund der Tiefe gewandelt?

Haben sich dir die Tore des Todes je aufgetan,

oder hast du gesehen die Tore der Finsternis?

 Hast du erkannt wie breit die Erde ist? Sage an, weißt du das alles!

Welches ist der Weg dahin, wo das Licht wohnt,

und welches ist die Stätte der Finsternis,

daß du sie  zu ihrem Gebiet bringen könntest und kennst die Pfade zu ihrem Haus?

Du weißt es ja, denn zu der Zeit wurdest du geboren, und deine Tage sind sehr viel.

Wer hat dem Platzregen seine Bahn gebrochen und den Weg dem Blitz

und dem Donner, daß es regnet aufs Land, wo niemand ist, in der Wüste,

wo kein Mensch ist. Wer ist des Regens Vater?

Wer hat die Tropfen des Taues gezeugt?

Kannst du die Bande des Siebengestirns zusammenbinden

oder den Gürtel des Orion auflösen?

Weißt du des Himmels Ordnungen,

oder bestimmst du seine Herrschaft über die Erde?

Kannst du deine Stimme zu der Wolke erheben,

damit dich die Menge des Wassers bedecke?

Kannst du die Blitze aussenden, daß sie hinfahren

und sprechen zu dir: Hier sind wir?

Wer gibt die Weisheit in das Verborgene?

Wer gibt verständige Gedanken?

Fliegt der Falke empor dank deiner Einsicht

und breitet seine Flügel aus dem Süden zu?

Fliegt der Adler auf deinen Befehl so hoch und baut sein Nest in der Höhe?

Auf den Felsen wohnt er und schläft auf den Zacken der Felsen und steilen Klippen.

Von dort schaut er aus nach Beute und seine Augen sehen sie von ferne.

Seine Jungen gieren nach Blut, und wo Erschlagene liegen, da ist er.

 

Hiob aber antwortete dem Herrn in einer ersten kurzen Antwort: „Siehe, ich bin zu gering. Was soll ich verantworten? Ich will meine Hand auf meinen Mund legen. Ich habe einmal geredet und ein zweites Mal, aber ich will es nicht mehr tun!“ (Hi 38-39).

 

Zweite Rede Gottes aus dem Wetter:

Willst du mein Urteil zunichte machen

und mich schuldig sprechen, damit zu Recht behältst?

Hast du einen Arm wie Gott, und kannst du mit gleicher Stimme donnern wie er?

Schmücke dich mit Pracht und Hoheit; ziehe Majestät und Herrlichkeit an!

Streue aus den Zorn deines Grimmes und schaue an die Hochmütigen,

und demütige sie! Ja, schaue alle Hochmütigen an und beuge sie

und zertritt die Gottlosen in Grund und Boden.

Verscharre sie miteinander in der Erde und versenke sie ins Verborgene,

so will auch ich dich preisen, daß dir deine rechte Hand helfen kann.

 Siehe das Nilpferd an, das ich geschaffen habe wie dich.

Er frißt Gras wie ein Rind.

Welch eine Kraft hat es in seinen Lenden

und welche Stärke in den Muskel seines Bauches.

Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder,

die Sehnen seiner Schenkel sind dicht geflochten.

Seine Knochen sind wie eherne Röhren,

und seine Knochen sind wie eiserne Stäbe.

Es ist das Erste der Wege Gottes, der ihn gemacht hat,

der gab ihm sein Schwert.

Niemand ist so kühn, daß er ihn reizen darf.

Wer ist denn, der vor ihm bestehen könnte?

Wer kann mir entgegentreten und ich lasse ihn unversehrt?

Unter dem ganzen Himmel ist keiner.

Hiob antwortete dem Herrn in einer zweiten Antwort:  „Ich erkenne, daß du alles vermagst, und nichts, was du dir vorgenommen, ist dir zu schwer. Darum habe ich unweise geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe. Ich hatte von dir nur vom Ohrensagen vernommen. Aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und Asche!“ (Hi 41,1 - 42,6)

 

Gott rechtfertigt Hiob gegenüber seinen Freunden:

Als nun der Herr mit Hiob diese Worte geredet hatte, sprach er zu Eliphas: „Mein Zorn ist entbrannt über dich und deine zwei Freunde, denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie Hiob. So nehmt nun sieben junge Stiere und sieben Widder und geht hin zu Hiob und opfert Brandopfer für euch. Mein Diener Hiob soll für euch Fürbitte tun, denn ihn ich will erhören, daß ich nicht töricht an euch handle, denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie Hiob!“ (Hi 42,7-9).

 

Neuer Segen für Hiob (Epilog):

Und der Herr wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde bat. Und der Herr gab Hiob doppelt so viel, wie er gehabt hatte. Es kamen zu ihm alle seine Brüder und alle seine Schwestern und alle, die ihn früher gekannt hatten, und aßen mit ihm in seinem Haus und sprachen ihm gut zu und trösteten ihn wegen all des Unglücks, das der Herr hatte über ihn kommen lassen. Jeder gab ihm einen Goldstück  und einen goldenen Ring.

Und der Herr segnete Hiob von jetzt an mehr als vorher: Er erlangte wieder vierzehntausend Schafe und sechstausend Kamele und tausend Joch Rinder und tausend Eselinnen. Er bekam sieben Söhne und drei Töchter. Und es gab keine so schönen Frauen in allen Landen wie die Töchter Hiobs. Hiob lebte danach noch hundertvierzig Jahre und sah Kinder und Kindeskinder bis in die vierte Generation. Dann starb er alt und lebenssatt (Hi 42, 10-17).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Buch der Psalmen  

 

[Das Buch der Psalmen (es wird auch „Psalter“ genannt) enthält eine Sammlung von 150 Liedern, Gebeten und Gedichten aus dem religiösen Leben und Gottesdienst der alten Israeliten – Lieder, die aus dem Herzen dieses Volkes kommen und seine persönlichen Erfahrungen widerspiegeln..

Der Name „Psalmen“ kommt von dem griechischen Wort „psalmós“, das Lied oder Lobgesang bedeutet. Das Psalmenbuch, wie es uns in der heutigen Form vorliegt, ist das Ergebnis eines mehrere Jahrhunderte andauernden Entstehungsprozesses. Jedes der fünf auszumachenden Psalmenbücher hat eine je eigene Entstehungsgeschichte und auch die redaktionelle Sammlung und Zusammenstellung verlief nicht in einem Zug.

Die heutige Ausgabe des Psalmenbuches gab es vermutlich bereits im 2. Jahrhundert vCh. Aber bis zum ersten Jahrhundert nCh bestanden daneben auch andere Ausgaben, die vor allem im letzten Drittel des Psalmenbuches in Anordnung und auch Anzahl auseinandergingen. Dies belegen die alten Übersetzungen der Septuaginta (griechisch) und der Peschitta (syrisch) sowie die Funde von Psalmenrollen in Qumran. Um 100 nCh legte die pharisäisch-rabbi­nische Tradition den Kanon der hebräischen Bibel und somit auch den Text des Psalmenbuches für das Judentum endgültig fest.

Man kann sich die Entstehung eines Psalms vielleicht wie folgt vorstellen: Ein Mensch kommt zum Tempel, um dort sein Leid vor Gott auszubreiten. Wenn aber seine Bitte in Erfüllung gegangen ist, fügt er seinen Dank an.

Inhaltlich befassen die Psalmen sich vor allem mit folgenden Themen:

Lob, Dank, Buße, Trauer, Klage, Morgen- und Abendlieder, Freude, Trost, Vertrauen auf Gott, Wallfahrtslieder (Ps 120-134), Lehrgedichte, Bitten um Sieg über gottlose Gegner.

Bilder für Gott in den Psalmen: Schild, Fels, König, Hirte, Richter, Zuflucht, Festung (Burg), Rächer (Rechtverschaffer), Schöpfer, Erretter, Heiler, Beschützer, Ernährer, Erlöser, Stimme.

Im Hebräischen sind die meisten Psalmen mit Überschriften versehen, die von kurzen Verfasserangaben über heute kaum mehr verständliche musikalische Angaben bis zu mehrere Sätze langen Situationsschilderungen reichen. Fast die Hälfte der Psalmen wird König David zugesprochen, was mit der „Davidisierung“ des Buches in nachexilischer Zeit zusammenhängt.

Neben den Davidpsalmen gibt es Asafpsalmen und Korachpsalmen, Psalmen, die jerusalemer Sängergilden zugesprochen werden. Aber auch Mose oder Salomo werden als Psalmendichter genannt. Heute wird weithin angenommen, daß die hebräischen Psalmenüberschriften sekundär sind, also nachträglich über die Psalmtexte gesetzt wurden. Dies geschah aus theologischen und redaktionellen Gründen. Die heutigen Psalmenüberschriften wurden erst von den (deutschen) Übersetzern zum besseren Auffinden nachträglich hinzugefügt.

Anders als bei den anderen Büchern der Bibel, deren heutige Einteilung in Kapitel erst im Mittelalter entstand, existierte diese bei den Psalmen schon seit ihrer Entstehung. Die Einteilung in Verse ist dagegen auch in diesem Fall neueren Datums, folgt aber größtenteils der natürlichen Verseinteilung der poetischen Texte.

Evangelische Bibeln verwenden die Zählung des Urtextes (nach dem Luther übersetzte), katholische Bibeln verwenden die Zählung der griechischen der lateinischen Bibel. Daher muß man bei Verweisen auf Psalmen darauf achten, auf welche der beiden Numerierungen sich ein Verweis bezieht (die höhere Nummer bezieht sich auf die hebräische Zählung).

Der griechische Text kennt einen zusätzlichen 151. Psalm, der jedoch in seinem Titel als „außerhalb der Numerierung“ bezeichnet wird. Die hebräische Fassung dieses „ apokryphen Psalms“ ist in einer Qumran-Handschrift belegt.

Man könnte die Psalmen das älteste Gesangbuch des Volkes Gottes nennen. Auch heute noch, über zweitausend Jahre nach ihrer Entstehung werden Psalmen von Juden und Christen gleichermaßen verehrt und gebetet. Schriftstellern und Musikern dient der Psalter von jeher als Quelle für ihre Eingebung.

Die meisten Psalmen sind in der hebräischen Gedichtform geschrieben, die durch den Gedankenreim (lateinisch: Parallelismus membrorum) charakterisiert ist: Zwei aufeinanderfolgende Zeilen oder Verse haben einen ähnlichen Sinn (manchmal aber auch eine gegensätzliche Bedeutung.

Viele Psalmen sind als Kirchenlieder vertont. Dazu wurden ihre Texte häufig in eine Reim- und Strophenform überführt. Künstler befassen sich bis heute oft mit Psalmen in Nachdichtungen oder Vertonungen. In die weithin bekannten mehrstimmigen Gesänge der Gemeinschaft von Taizé fließen immer wieder Psalmverse ein. Manche (ältere) dieser Psalmen­gesänge aus Taizé (Laudate omnes gentes, Ubi caritas) wurden in die offiziellen Kirchengesangbücher der katholischen und evangelischen Kirchen übernommen. Der Text des Evergreens „By the rivers of Babylon“ von Boney M. besteht aus den ersten vier Versen von Psalm 137, der von der Babylonischen Gefangenschaft der Juden handelt.

Auch der Popsong „By the waters of Babylon“ von Don McLeans Album „American Pie“ beruht auf dem Text des Psalms 137. Es handelt sich bei diesem Song um die Bearbeitung eines Kanons von Philip Hayes (1738–1797)].

 

Die Frommen und die Gottlosen:

Wohl dem, der nicht sitzt im Rat der Gottlosen

noch tritt auf den Weg Sünder,

noch sitzt, wo die Spötter sitzen,

sondern hat Lust zum Gesetz des Herrn und

denkt nach über sein Gesetz Tag und Nacht!

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen,

der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,

und seine Blätter verwelken nicht.

Und was er macht, das gerät wohl.

Aber so sind die Gottlosen nicht,

sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.

Darum bestehen die Gottlosen nicht im Gericht

noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten.

Aber der Weg der Gottlosen vergeht                                                                 (Psalm 1).

 

Die Herrschaft des Sohnes Gottes:

Warum toben die Heiden und murren die Völker so vergeblich?

Die Könige der Erde lehnen sich auf,

und die Herren halten Rat miteinander gegen den Herrn und seinen Gesalbten:

„Laßt uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke!“

Aber der im Himmel wohnt, lacht über sie, und der Herr spottet über sie.

Er wird einst mit ihnen reden in seinem Zorn,

und mit seinem Grimm wird er sie schrecken.

„Ich aber habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berg Zion!“

Kundtun will ich den Ratschluß des Herrn, der zu mir gesagt hat:

„Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt:

Bitte mich, so will ich dir die Völker zum Erbe geben

und die Enden der Welt zum Eigentum.

Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen,

wie Töpfe sollst du sie zerschmeißen!“

So seid nun verständig, ihr Könige,

und laßt euch warnen, ihr Richter auf Erden!

Dient dem Herrn mit Furcht und küßt seine Füße mit Zittern,

daß er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Weg.

Denn sein Zorn wird bald entbrennen.

Aber wohl allen, die auf ihn trauen!                                                      (Psalm 2)      

 

Abendgebet:

 Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit,

der du mich tröstest in Angst.

Sei mir gnädig und erhöre mein Gebet!

Ihr Herren, wie lange soll meine Ehre geschändet werden?

Wie habt ihr das Eitle so lieb und die Lüge so gern!

Erkennt doch, daß der Herr seine Heiligen wunderbar führt,

der Herr hört, wenn ich ihn anrufe.

Zürnt ihr, so sündigt nicht.

Redet mit eurem Herzen auf eurem Lager und seid stille.

Opfert, was recht ist und hofft auf den Herrn.

Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“

Herr, laß über uns das Licht deines Antlitzes leuchten!

Du erfreust mein Herz, auch wenn jene viel Wein und Korn haben.

Ich liege und schlafe ganz mit Frieden,

denn allein du, Herr, hilfst mir,

daß ich sicher wohne.                                                                                        (Psalm 4)

 

Erster Bußpsalm:

Ach Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn

und züchtige mich nicht in deinem Grimm!

Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach.

Heile mich, Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken,

und meine Seele ist sehr erschrocken. Ach du, Herr, wie lange!

Wende dich, Herr, und errette mich, hilf mir um deiner Güte willen!

Denn im Tode denkt man nicht an dich, wer wird dir bei den Toten danken?

Ich bin so müde vom Seufzen: Ich überschwemme mein Bett die ganze Nacht

und netze mit meinen Tränen mein Lager.

Mein Auge ist trüb geworden vor Gram und matt,

weil ich von vielen Seiten bedrängt werde.

Weicht von mir, alle Übeltäter, denn der Herr hört mein Weinen,

Der Herr hört mein Flehen, mein Gebet nimmt der Herr an.

Es sollen alle meine Feinde zuschanden werden und sehr erschrecken,

sie sollen umkehren und plötzlich zuschanden werden.                             (Psalm 6)

 

 

 

 

 

Gott offenbart seine Herrlichkeit am Menschen:

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen,

der zu zeigst deine Hoheit am Himmel!

Aus dem Mund der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet,

um deiner Feinde willen, daß du vertilgest den Feind und den Rachgierigen.

Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk,

den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: 

Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst,

und des Menschen Kind, daß du sich seiner annimmst?

Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott,

mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.

Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk.

Alles hast du unter seine Füße getan, Schafe und Rinder,

dazu auch die wilden Tiere,

die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer

und alles, was das Meer durchzieht.

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen! (Psalm 8).

 

Wen nimmt Gott an?

Wer darf in deinem Zelt sein? Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berg?

Wer untadelig lebt und tut, was recht ist, 

und die Wahrheit redet von Herzen,

wer mit seiner Zunge nicht verleumdet und

seinen Mitmenschen nichts Arges tut und seinen Nächsten nicht schmäht,

wer die Gottlosen für nichts achtet, sondern ehrt die Gottesfürchtigen,

wer seinen Eid hält, auch wenn es ihm schadet.

 wer sein Geld nicht auf Wucherzinsen gibt

und nimmt nicht Geschenke zum Nachteil der Unschuldigen: 

Wer das tut, der wird nimmermehr wanken                                          (Psalm 15)

 

Das schöne Erbteil:

Bewahre mich Gott, denn ich traue auf dich. Ich habe gesagt zu dem Herrn:

Du bist ja der Herr; ich weiß von keinem Gut außer dir.

An den Heiligen, die auf  der Erde sind, an den Herrlichen hab ich all mein Gefallen.

Aber jene, die einem anderen nachlaufen, werden viel Herzeleid haben.

Ich will das Blut ihre Trankopfer nicht opfern

noch ihren Namen in meinem Munde führen.

Der Herr aber ist mein Gut und mein Teil, du erhältst mir mein Erbteil.

Das Los ist mir gefallen auf liebliches Land, mir ist ein schönes Erbteil geworden.

Ich lobe den Herrn, der mich beraten hat, auch mahnt mich mein Herz des Nachts.

Ich habe den Herrn allezeit vor Augen, steht er mir zur Rechten,

so werde ich fest bleiben. Darum freut sich mein Herz,

und meine Seele ist fröhlich. Auch mein Leib wird sicher liegen.

Denn du wirst mich nicht dem Tode überlassen

und nicht zugeben, daß dein Heiliger den Tod sehe.

Du tust mir kund den Weg zum Leben.

Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne

zu deiner Rechten ewiglich                                                                              (Psalm 16)

 

 

 

Dank des Königs für den Sieg:

[Ein Psalm Davids, der die Worte dieses Liedes zu dem Herrn gesprochen hat in der Zeit, als ihn der Herr errettet hatte von der Hand aller seiner Feinde und von der Hand Sauls]

Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke!

Herr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Gott,

mein Hort, auf den ich traue, mein Schild

und Berg meines Heils und mein Schutz!

Ich rufe an den Herrn, den Hochgelobten,

so werde ich von meinen Feinden errettet.

Die Bande des Totenreichs umfingen mich,

und die Stricke des Todes überwältigten mich.

Als mir angst war, rief ich den Herrn an

und schrie zu meinem Gott.

Da erhörte er meine Stimme von seinem Tempel,

und mein Schreien kam vor ihn zu seinen Ohren.

Er errettete mich vor meinen starken Feinden,

von meinen Hassern, die mir zu mächtig waren,

die mich überwältigten zur Zeit meines Unglücks.

Aber der Herr wurde meine Zuversicht.

Er führte mich hinaus ins Weite.

Er riß mich heraus, denn er hatte Lust an mir.

Du hilfst dem elenden Volk, aber stolze Augen erniedrigst du.

Denn du machst hell meine Leuchte, der Herr macht meine Finsternis licht.

Denn mit dir kann ich Kriegsvolk zerschlagen und

mit meinem Gott kann ich über die Mauern springen.

Gottes Wege sind vollkommen, die Reden des Herrn sind durchläutert.

Er ist ein Schild allen, die ihm vertrauen.

Denn wer ist Gott, wenn nicht der Herr,

oder ein Fels, wenn nicht unser Gott?

Gott rüstet mich mit Kraft und macht meine Wege ohne Tadel.

Der Herr lebt! Gelobt sei mein Fels.

Der Gott meines Heils sei hoch erhoben,

Darum will ich dir danken, Herr, unter den Völkern

und deinem Namen lobsingen,

der seinem König großes Heil gibt

und Gnade erweist seinem Gesalbten,

David und seinen Nachkommen ewiglich    (Psalm 18, gekürzt, siehe 2. Samuel 22)

 

Gottes Herrlichkeit in seiner Schöpfung:

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes,

und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.

Ein Tag sagt es dem anderen, und eine Nacht tut es kund der andern.

ohne Sprache und ohne Worte, unhörbar ist ihre Stimme.

Ihr Schall geht aus in alle Lande und ihre Reden bis an das Ende der Welt.

Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht.

Sie geht heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und

freut sich wie ein Held, zu laufen ihre Bahn.

Sie geht auf an einem Ende des Himmels und läuft um bis wieder an sein Ende,

 und nichts bleibt vor ihrer Glut verborgen   (Psalm 19, der zweite Teil von der Herrlichkeit Gottes im Gesetz wurde weggelassen).

Leiden und Herrlichkeit des Gerechten:

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Mein Gott, des Tags rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts.

Doch finde ich keine Ruhe.

Du  aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels.

Unsere Väter hofften auf dich, und weil sie hofften, halfst du ihnen heraus.

Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich

 und wurden nicht zuschanden.

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,

ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.

Alle, die mich sehen, verspotten mich,

sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:

 „Er klage es dem Herrn, der helfe ihm heraus

und errette ihn, wenn er Gefallen an ihm hat!“

Sei nicht fern von mir, denn Angst ist nahe, denn es ist hier kein Helfer.

Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.

Aber du, Herr, sei nicht fern, meine Stärke, eile, mir zu helfen!

Errette meine Seele vom Schwert. Hilf mir aus dem Rachen des Löwen.

Ich will deinen Namen kundtun meinen Brüdern,

ich will dich in der Gemeinde rühmen.

Rühmet den Herrn, die ihr ihn fürchtet.

Denn er hat nicht verachtet noch verschmäht das Elend des Armen

und  sein Antlitz nicht vor ihm verborgen, und als er zu ihm schrie, hörte er es.

Dich will ich preisen in der großen Gemeinde, ich will mein Gelübde erfüllen.

Denn des Herrn ist das Reich, und er herrscht unter den Völkern.

 (Psalm 22, gekürzt, der Psalm, den Jesus am Kreuz gebetet hat).

 

Der gute Hirte:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser.

Er erquickt meine Seele, er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück,

denn du bist bei mir, dein Stecken und dein Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar                                  (Psalm 23)

 

Einzug in das Heiligtum:

Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdboden und die darauf wohnen.

Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet.

Wer darf auf des Herrn Berg gehen, und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte?

Wer unschuldige Hände hat und reines Herzens ist,

wer nicht bedacht ist auf Lug und Trug und nicht falsche Eide schwört:

der wird den Segen vom Herrn empfangen

und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils.

Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, das da sucht dein Antlitz, Gott Jakobs.

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,

daß der König der Ehren einziehe!

Wer ist der König der Ehren?

Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit.

 Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,

 daß der König der Ehren einziehe!

Wer ist der König der Ehren?

Es ist der Herr Zebaoth, er ist der König der Ehren                            (Psalm 24).

 

Gebet um Vergebung:

Nach dir, Herr, verlangt mich. Mein Gott, ich hoffe auf dich.

Laß mich nicht zuschanden werden,

daß meine Feinde nicht frohlocken über mich.

Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harrt,

aber zuschanden werden, die leichtfertigen Verächter.

Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige.

Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich!

Denn du bist der Gott, der mir hilft, täglich harre ich auf dich.

Gedenke an deine Barmherzigkeit und an deine Güte,

die von Ewigkeit her gewesen sind.

 Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen,

gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen!

Der Herr ist gut und gerecht, darum weist er den Sündern den Weg.

Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg.

Die Wege des Herrn sind lauter Güte und Wahrheit für alle,

die seinen Bund und seine Gebote halten.

Um deines Namens willen, Herr, vergib mir meine Schuld, die so groß ist.

Wer ist der Mann, der den Herrn fürchtet? 

Er wird ihm den Weg weisen, den er wählen soll.

Er wird im Guten wohnen, und sein Geschlecht wird das Land besitzen.

Der Herr ist denen Freund, die ihn fürchten, und seinen Bund läßt er sie wissen.

Meine Augen sehen stets auf den Herrn,

denn er wird meinen Fuß aus dem Netz ziehen.

Wende dich zu mir und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und elend.

Die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöten!

Sieh an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir alle meine Sünden!

Siehe, daß meine Feinde so viel sind und mich zu Unrecht hassen.

Bewahre meine Seele und errette mich,

laß mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich.

Unschuld und Redlichkeit mögen mich behüten, denn ich harre auf dich.

Gott, erlöse Israel aus aller seiner Not!                                                             (Psalm 25)

 

Bitte eines Unschuldigen:

Herr, schaffe mir Recht, denn ich bin unschuldig!

Ich hoffe auf den Herrn, darum werde ich nicht fallen.

Prüfe mich, Herr, und erprobe mich, erforsche meine Nieren und mein Herz.

Denn deine Güte ist vor meinen Augen, und ich wandle in deiner Wahrheit.

Ich sitze nicht bei heillosen Leuten und habe nicht Gemeinschaft mit den Falschen.

Ich hasse die Versammlung der Boshaften und sitze nicht bei den Gottlosen.

Ich wasche meine Hände in Unschuld und halte mich, Herr, zu deinem Altar,

dir zu danken mit lauter Stimme, und zu verkündigen alle deine Wunder.

Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.

Raffe meine Seele nicht hin mit den Sündern noch mein Leben mit Blutdürstigen,

an deren Händen Schandtat klebt und die gerne Geschenke nehmen.

Ich aber gehe meinen Weg in Unschuld. Erlöse mich und sei mir gnädig!

Mein Fuß steht fest auf rechtem Grund.

Ich will dich loben, Herr, in den Versammlungen                                           (Psalm 26)

 

Gemeinschaft mit Gott:

Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten!

Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen!

Wenn die Übeltäter an mich wollen, um  mich zu verschlingen,

 sollen sie selber straucheln und fallen.

Wenn sich auch ein Heer gegen mich lagert,

so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht.

Wenn sich Krieg gegen mich erhebt, so verlasse ich mich auf ihn.

Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:

daß ich im Haus des Herrn bleiben möge mein Leben lang,

zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn

und seinen Tempel zu betrachten.

Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit,

er birgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen,

Nun erhebt sich mein Haupt über meine Feinde, die um mich sind.

Darum will ich Lob opfern in seinem Zelt, ich will singen und Lob sagen dem Herrn.

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe, sei mir gnädig und erhöre mich!

Mein Herz hält dir vor dein Wort: „Ihr sollt mein Antlitz suchen“.

Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir und verstoße nicht im Zorn deinen Knecht.

Denn du bist meine Hilfe, verlaß mich nicht.

und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!

Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,

aber der Herr nimmt mich auf.

Herr, weise mir deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn

um meiner Feinde willen.

Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde,

denn es stehen falsche Zeugen gegen mich und tun mir Unrecht ohne Scheu.

Ich glaube aber doch, daß ich sehen werde die Güte des Herrn

im Lande der Lebendigen.

Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn! (Ps 27)

 

Bitte und Dank:

Wenn ich rufe zu dir, Herr, mein Fels, so schweige doch nicht,

damit ich nicht, wenn du schweigst, denen gleich werde, die in die Grube fahren.

Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich zu dir schreie,

wenn ich meine Hände aufhebe zu deinem heiligen Tempel.

Raffe mich nicht hin mit den Gottlosen und mit den Übeltätern,

die freundlich reden mit ihrem Nächsten und haben Böses im Herzen.

Gib ihnen nach ihrem Tun und nach ihren bösen Taten,

gib ihnen nach den Werken ihrer Hände, vergilt ihnen, wie sie es verdienen.

Denn sie wollen nicht achten auf das Tun des Herrn

noch auf die Werke seiner Hände.

Darum wird er sie niederreißen und nicht wiederaufbauen.

Gelobt sei der Herr; denn er hat erhört die Stimme meines Flehens.

Der Herr ist meine Stärke und mein Schild,

auf ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen.

Und mein Herz ist fröhlich, und ich will ihm danken mit meinem Lied.

Der Herr ist seines Volkes Stärke, Hilfe und Stärke für seinen Gesalbten.

 Hilf deinem Volk und segne dein Erbe und weide und trage sie ewiglich!       (Ps 28)

 

Der große Lobpreis:

Herr, auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zuschanden werden,

errette mich durch deine Gerechtigkeit!

Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilend!

Sei mir ein starker Fels und eine Burg, daß du mir helfest!

Denn du bist mein Fels und meine Burg,

und um deines Namens willen wolltest du mich leiten und führen.

Du wollest mich aus dem Netze ziehen, das sie mir gestellt haben,

denn du bist meine Stärke.

In deine Hände befehle ich meinen Geist, d

u hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.

Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte,

daß du mein Elend ansiehst und erkennst meine Seele in der Not.

und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Herr, sei mir gnädig, denn mir ist angst.

Mein Auge ist trübe geworden vor Gram, matt meine Seele und mein Leib.

Denn mein Leben ist dahingeschwunden in Kummer

und meine Jahre in Seufzen.

Meine Kraft ist verfallen vor meiner Missetat,

und meine Gebeine sind verschmachtet.

Ich aber, Herr, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott!

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Errette mich von der Hand meiner Feinde

und von denen, die mich verfolgen.

Laß leuchten dein Antlitz über deinem Diener,

hilf mir durch deine Güte!

Herr, laß mich nicht zuschanden werden, denn ich rufe dich an.

Die Gottlosen werden zuschanden werden

und hinab fahren zu den Toten und schweigen.

Verstummen sollen die Lügenmäuler,

die frech, stolz und höhnisch gegen den Gerechten reden.

Wie groß ist deine Güte, die du bewahrt hast denen, die dich fürchten,

und erweist vor den Leuten denen, die auf dich trauen!

Seid getrost und unverzagt, alle, die ihr des Herrn harret!                (Psalm 31, gekürzt)

 

Vom Segen der Sündenvergebung (Bußpsalm):

Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind,

dem die Sünde bedeckt ist!

Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet,

in dessen Geist kein Falsch ist!

Denn als ich wollte verschweigen wollte,

verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen.

Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir,

daß mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird.   

Darum bekannte ich dir meine Sünde und verhehlte meine Schuld nicht.

Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen.

Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde.

Der Gottlose hat viel Plage. Wer aber auf den Herrn hofft,

den wird die Güte umfangen.

Freut euch über den Herrn und seid fröhlich, ihr Gerechten,

und jauchzt alle ihr Frommen.                                                           (Psalm 32, gekürzt)

 

Loblied auf Gottes Hilfe:

Freuet euch an dem Herrn, ihr Gerechten. Die Frommen sollen ihn recht preisen.

Danket dem Herrn mit Harfen, lobsingt ihm auf dem Psalter von zehn Saiten.

Singet ihm ein neues Lied, spielt schön auf den Saiten mit fröhlichem Schall.

Denn des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiß.

Er liebt die Gerechtigkeit und Gericht und die Erde ist voll der Güte des Herrn.

Der Himmel ist durch das Wort des Herrn gemacht und

all sein Heer durch den Hauch seines Mundes.

Er hält die Wasser des Meeres zusammen wie in einem Schlauch und

sammelt in Kammern die Fluten.

Alle Welt fürchte den Herrn, und vor ihm scheue sich alles,

was auf dem Erdboden wohnt.

Denn wenn er spricht, so geschieht' es,

wenn er gebietet, so steht es da.

Der Herr macht zunichte den Rat der Heiden

und wehrt den Gedanken der Völker.

Aber der Ratschluß des Herrn bleibt ewiglich,

 die Gedanken seines Herzens für und für.

Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist,

dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!

Der Herr schaut vom Himmel und sieht alle Menschenkinder.

Von seinem festen Thron sieht er auf alle, die auf der Erde wohnen.

Er lenkt ihnen allen das Herz, er gibt acht auf alle ihre Werke.

Einem König hilft nicht seine große Macht,

ein Held kann sich nicht retten durch seine große Kraft.

Rosse helfen auch nicht, da wäre man betrogen.

Siehe, das Auge des Herrn sieht auf die, die ihn fürchten,

die auf seine Güte hoffen,

daß er sie errette vom Tod und sie erhalte in der Hungersnot.

Unsere Seele harrt auf den Herrn, er ist uns Hilfe und Schild.

Denn unser Herz freut sich über ihn, und wir trauen auf seinen heiligen Namen.

Deine Güte, Herr, sei über uns, wie wir auf dich hoffen.                         (Psalm 33)

 

Unter Gottes Schutz:

Ich will den Herrn loben allezeit,

sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

Meine Seele soll sich rühmen des Herrn,

daß es die Elenden hören und sich freuen.

Preiset mit mir den Herrn

und laßt uns miteinander seinen Namen erhöhen.

Als ich den Herrn suchte, antwortete er mir

und errettete mich aus aller meiner Furcht.

Die auf ihn sehen, werden erstrahlen vor Freude,

und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.

Als einer im Elend rief, hörte der Herr

und half ihm aus allen seinen Nöten.

Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten,

und hilft ihnen heraus.

Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist.

Wohl dem, der auf ihn traut!

Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen!

Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.

Reiche müssen darben und hungern.

Aber die den Herrn suchen,  haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.

Kommt her, ihr Kinder, höret mir zu, ich will euch die Furcht des Herrn lehren:

Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen?

Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, daß sie nicht Trug reden.

Laß vom Bösen und tue Gutes, suche Frieden und jage ihm nach.

Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.

Das Angesicht des Herrn steht gegen alle, die Böses tun,

daß er ihre Namen ausrotte von der Erde.

Wenn die Gerechten schreien, so hört der Herr und errettet sie aus all ihrer Not.

Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,

 und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

Der Gerechte muß viel leiden, aber aus alledem hilft ihm der Herr.

 Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, daß nicht eines davon zerbrochen wird.

Den Gottlosen wird das Unglück töten,

und die den Gerechten hassen, fallen in Schuld.

Der Herr erlöst das Leben seiner Diener,

und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.                                                 (Ps 34)

 

Der Reichtum der Güte Gottes:

Es sinnen die Übertreter auf gottloses Treiben im Grunde ihres Herzens.

Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen.

Und doch hat Gott den Weg vor ihnen geebnet,

um ihre Schuld aufzufinden und zu hassen.

Sie schmücken sich untereinander selbst,

daß sie ihre böse Sache fördern und andere verunglimpfen.

Alle ihre Worte sind falsch und erlogen,

verständig und gut handeln sie nicht mehr.

Sie trachten auf ihrem Lager nach Schaden und

stehen fest auf dem bösen Weg und scheuen kein Arges.

Herr, deine Güte reicht, soweit der Himmel ist,

und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen.

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes

und dein Recht wie die große Tiefe.

Herr, du hilfst Menschen und Tieren.

Wie köstlich ist deine Güte, Gott, daß Menschenkinder

unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!

Sie werden reich von den reichen Gütern deines Hauses,

und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

und in deinem Licht sehen wir das Licht.

 Breite deine Güte über die, die dich kennen,

und deine Gerechtigkeit über die Frommen.

Laß mich nicht kommen unter den Fuß der Stolzen,

 und die Hand der Gottlosen vertreibe mich nicht;

Siehe da, sie sind gefallen, die Übeltäter,

sie sind gestürzt und können nicht wieder aufstehen                                              (Ps 36)

 

 

Das scheinbare Glück der Gottlosen:

Entrüste dich nicht über die Bösen, sei nicht neidisch auf die Übeltäter.

Denn wie das Gras werden sie bald verdorren,

und wie das grüne Kraut werden sie verwelken.

Hoffe auf den Herrn und tue Gutes, bleibe im Lande und nähre dich redlich.

Habe Deine Lust am Herrn, der wird dir geben, was dein Herz wünscht.

Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen.

und wird deine Gerechtigkeit heraufführen wie das Licht

und dein Recht wie den Mittag.

Sei stille dem Herrn und warte auf ihn,

Entrüste dich nicht über den, dem es gut geht,

der seinen Mutwillen treibt.

Steh ab vom Zorn und laß den Grimm, entrüste dich nicht,

damit du nicht Unrecht tust.

Denn die Bösen werden ausgerottet, die aber des Herrn harren,

werden das Land erben.

Noch eine kurze Zeit, dann ist der Gottlose nicht mehr da,

und wenn du nach seiner Stätte siehst, ist er weg.

Aber die Elenden werden das Land erben

und ihre Freude haben in großem Frieden.

Der Gottlose droht dem Gerechten und knirscht mit seinen Zähnen gegen ihn.

Aber der Herr lacht über ihn, denn er sieht, daß sein Tag kommt.

Laß ab vom Bösen und tue Gutes, so bleibst wohnen immer fort.

Denn der Herr hat das Recht lieb und verläßt seine Heiligen nicht.

Ewig werden sie bewahrt, aber die Gottlosen werden ausgerottet.

Die Gerechten werden das Land erben und darin wohnen allezeit.

Der Herr hilft den Gerechten, er ist ihre Stärke in der Not.

Der Herr wird ihnen beistehen und wird sie erretten.

Er wird sie von dem Gottlosen erretten und ihnen helfen, denn sie trauen auf ihn.

(Ps 37, gekürzt)

 

Die menschliche Vergänglichkeit:

Ich habe mir vorgenommen: Ich will mich hüten,

daß ich nicht sündige mit meiner Zunge.

Ich will meinem Mund einen Zaum anlegen,

solange ich den Gottlosen vor mir sehen muß.

Ich bin verstummt und still und schweige fern der Freude

und muß mein Leid in mich fressen.

Mein Herz ist entbrannt in meinem Leib,

wenn ich daran gedenke, brennt es wie Feuer.

So rede ich mit meiner Zunge:

Herr, lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß

und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß.

Siehe, meine Tage sind einer Handbreit bei dir,

und mein Leben ist wie nichts vor dir. 

Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben!

Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe.

Sie sammeln, und wissen nicht, wer es einbringen wird!“

Nun, Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich.

Errette mich von aller meiner Sünde

und laß mich nicht den Narren zum Spott werden.

Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun, denn du hast's getan.

Höre mein Gebet, Herr, und vernimm mein Schreien

und schweige nicht zu meinen Tränen, denn ich bin ein Gast bei dir,

ein Fremder wie alle meine Väter.                                              (Ps 39, leicht gekürzt)

 

Dank und Bitte:

 Ich harrte des Herrn, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien.

Er zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm.

 und stellte meine Füße auf einen Fels, daß ich sicher treten kann.

Er hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben, zu loben unsern Gott.

Das werden viele sehen und sich fürchten und auf den Herrn hoffen.

Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den Herrn

und sich nicht wendet zu den Hoffärtigen

und zu denen, die mit Lügen umgehen! Herr, mein Gott,

groß sind deine Wunder und deine Gedanken,  die du an uns beweist.

Ich will sie verkünden und davon sagen, wiewohl sie nicht zu zählen sind.

Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern,

und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen.

Ich verkünde die Gerechtigkeit in der großen Gemeinde.

Siehe, ich will mir meinen Mund nicht stopfen lassen, Herr, das weißt du.

Du aber, Herr, wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir wenden,

laß deine Güte und Treue allewege mich behüten.

Denn es haben mich umgeben Leiden ohne Zahl

Meine Sünden haben mich ereilt, ich kann sie nicht überblicken.

Sie sind mehr als sie Haare auf meinem Kopf, und mein Herz ist verzagt.

Laß es dir gefallen, Herr, mich zu  erretten. Eile, Herr, mir zu helfen!

Denn ich bin arm und elend. Der Herr aber sorgt für mich.

Du bist mein Helfer und Erretter. Mein Gott, säume doch nicht!

(Ps 40, gekürzt)

 

Verlangen nach Gott:

Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.

Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.

Wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue?

Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt:

Wo ist nun dein Gott?

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott! denn ich werde ihm noch danken,

daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Ich sage zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mich vergessen?

Warum muß ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott! denn ich werde ihm noch danken,

daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist                              (Ps 42, gekürzt)

 

 

Gott, schaffe mir Recht:

Gott schaffe mir Recht und führe meine Sache gegen das unheilige Volk.

und errette mich von den falschen und bösen Leuten.

Denn du bist der Gott meiner Stärke. Warum hast du mich verstoßen?

Warum läßt du mich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?

Sende dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich leiten.

und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,

daß ich hineingehe zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,

und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott! denn ich werde ihm noch danken,

daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.                                 (Ps 43, gekürzt)

 

Eine feste Burg:

Gott ist unsre Zuversicht und Stärke,

eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.

Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge

und die Berge mitten ins Meer sänken,

wenngleich das Meer wütete und wallte

und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.

Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein,

wo die heiligen Wohnungen des Höchsten sind.

Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleibe. Gott hilft ihr früh am Morgen.

Die Heiden müssen verzagen und die Königreiche fallen,

das Erdreich muß vergehen, wenn er sich hören läßt.

Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.

Kommt her und schaut die Werke des Herrn,

der auf Erden solch ein Zerstören anrichtet,

der den Kriegen steuert in aller Welt, den Bogen zerbricht,

der Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennt.

Seid stille und erkennt, daß ich Gott bin.

Ich will der Höchste sein unter den Heiden, der Höchste auf Erden.

Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.                  (Ps 46)

 

Der rechte Gottesdienst:

Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. Unser Gott kommt und schweigt nicht.

Fressend Feuer geht vor ihm her und um ihn her ist ein mächtiges Wetter.

Er ruft Himmel und Erde, daß er sein Volk richten wolle:

Opfere Gott Dank und erfülle dem Höchsten deine Gelübde.

und rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten,

so sollst du mich preisen.                                                                                    (Ps 50, gekürzt)

 

Gott sei mir gnädig (Bußpsalm):

Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte

und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit.

Wasche mich wohl von meiner Missetat und reinige mich von meiner Sünde.

Denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir.

An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan,

damit du recht behältst in deinen Worten und rein bleibst, wenn du gerichtet wirst.

Siehe, ich bin als Sünder geboren, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen.

 

Siehe, dir gefällt Wahrheit, die im Verborgenen liegt,

und in Geheimem tust du mir Wahrheit kund.

Entsündige mich mit Isop, daß ich rein werde,

wasche mich, daß ich schneeweiß werde.

Laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden,

die du zerschlagen hast.

Verbirg dein Antlitz von meinen Sünden und tilge alle meine Missetat.

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz,

und gib mir einen neuen, beständigen Geist.

Verwirf mich nicht von deinem Angesicht

und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.

Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe,

und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

Herr, tue meine Lippen auf, daß mein Mund deinen Ruhm verkündige.

Denn Schlachtopfer willst du nicht, ich wollte sie dir sonst wohl geben.

Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist,

ein geängstetes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.                                                                                                                                               (Ps 51, gekürzt)

 

Die Torheit der Gottlosen:

Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott!

Sie taugen nichts, ihr Frevel ist ein Greuel, da ist keiner, der Gutes tut.

Gott schaut vom Himmel auf die Menschenkinder,

daß er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage.

Aber sie sind alle abgefallen und allesamt verdorben.

Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer.

Wollen denn die Übeltäter sich nicht sagen lassen, die mein Volk fressen,

daß sie sich nähren? Gott aber rufen sie nicht an.

Sie fürchten sich da, wo nichts zu fürchten ist.

Doch Gott zerstreut die Gebeine derer, die dich bedrängen.

Du machst sie zuschanden, denn Gott hat sie verworfen.

Ach daß Hilfe aus Zion über Israel käme und Gott sein gefangenes Volk erlöse!

So würde sich Jakob freuen und Israel fröhlich sein                                    (Ps 53)

 

Getrostes Vertrauen:

Gott, sei mir gnädig, denn Menschen stellen mir nach,

täglich bekämpfen und bedrängen sie mich.

Meine Feinde stellen mir täglich nach,

denn viele kämpfen gegen mich voll Hochmut.

Wenn ich mich fürchte, so hoffe ich auf dich.

Ich will Gottes Wort rühmen,

auf Gott will ich hoffen und mich nicht fürchten.

Was können mir Menschen tun.

Ich habe dir, Gott, gelobt, daß ich dir danken will,

denn du hast mich vom Tode errettet, meine Füße vom Gleiten,

daß ich leben kann vor Gott im Licht der Lebendigen.                                  (Ps 56)

 

 

 

 

 

Vertrauensvolle Bitte:

Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig! Denn auf dich traut meine Seele,

und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht,

bis das Unglück vorübergehe.

Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten,

zu Gott, der meine Sache zum guten Ende führt.

Erhebe dich, Gott, über den Himmel,

und deine Herrlichkeit über alle Welt.

Sie haben meinen Schritten ein Netz gestellt

und meine Seele gebeugt,

sie haben vor mir eine Grube gegraben,

und fallen doch selbst hinein.

Mein Herz ist bereit, Gott, mein Herz ist bereit,

daß ich singe und lobe.

Wach auf, meine Seele, wach auf, Psalter und Harfe! I

Ich will das Morgenrot wecken.

Herr, ich will dir danken unter den Völkern,

ich will dir lobsingen unter den Leuten.

Denn deine Güte reicht, soweit der Himmel ist,

und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen.

Erhebe dich, Gott, über den Himmel,

und deine Herrlichkeit über alle Welt.    (Ps 57)

 

Sehnsucht nach Gott:

Gott, du bist mein Gott, den ich suche.

Es dürstet meine Seele nach dir.

Mein ganzer Mensch verlangt nach dir

aus trockenem und dürrem Land.

So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum,

wollte gerne schauen deine Macht und Herrlichkeit.

Denn deine Güte ist besser als Leben,

meine Lippen preisen dich.

So will ich dich loben mein Leben lang

und meine Hände in deinem Namen aufheben.

Das ist meines Herzens Freude und Wonne,

wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann.

Wenn ich mich zu Bett lege, so denke ich an dich,

wenn ich wache liege, sinne ich über dich nach.

Denn du bist mein Helfer,

und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.

Meine Seele hängt an dir, deine rechte Hand hält mich.

Sie aber trachten mir nach dem Leben, mich zu verderben,

sie werden in die Tiefen der Erde hinunterfahren.

Sie werden dem Schwert dahingegeben werden

und den Schakalen zur Beute werden.

Aber der König freut sich in Gott.

Wer bei ihm schwört, der darf sich rühmen,

denn die Lügenmäuler sollen verstopft werden.                                            (Ps 63)

 

 

 

Danklied:

Gott, man lobt dich in der Stille zu Zion, und dir hält man Gelübde.

Du erhörst das Gebet, darum kommen alle zu dir.

Unsre Missetat drückt uns hart. Du wollest unsre Sünden vergeben.

Wohl dem, den du erwählst und zu dir läßt, daß er in deinen Vorhöfen wohne.

Der hat reichen Trost von deinem Hause, deinem heiligen Tempel.

Erhöre uns nach der wunderbaren Gerechtigkeit, Gott, unser Heil,

der du bist Zuversicht aller auf Erden und ferne am Meer,

der du die Berge festsetzt in deiner Kraft und gerüstet ist mit Macht.

Du suchst das Land heim und wässerst es und machst es sehr reich.

Gottes Brünnlein hat Wassers die Fülle.

Du läßt ihr Getreide gut geraten, denn du baust das Land.

Du krönst das Jahr mit deinem Gut, und deine Fußtapfen triefen von Fett     (Ps 65)

 

 

Danklied:

Jauchzt Gott, alle Lande! Lobsingt zu Ehren seinem Namen.

Rühmt ihn herrlich!

Kommt her und seht an die Werke Gottes,

der so wunderbar ist in seinem Tun unter den Menschenkindern.

Er verwandelte das Meer in trockenes Land,

sie konnten zu Fuß durch das Wasser gehen.

Darum freuen wir uns über ihn

Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich,

seine Augen schauen auf die Völker.

Die Abtrünnigen werden sich nicht erheben.

Lobt, ihr Völker, unsern Gott, laßt seinen Ruhm weit erschallen,

der unsre Seelen am Leben erhält

und läßt unsre Füße nicht gleiten.

 Denn, Gott, du hast uns geprüft und geläutert

 wie das Silber geläutert wird.

Du hast auf unseren Rücken eine Last gelegt,

du hast Menschen über unser Haupt kommen lassen.

Wir sind in Feuer und Wasser geraten.

Aber du hast uns herausgeführt und erquickt.

Darum will ich in dein Haus gehen mit Brandopfern

und dir meine Gelübde erfüllen,

wie ich meine Lippen aufgetan habe

und mein Mund geredet hat in meiner Not.

Kommt her, hört zu alle, die ihr Gott fürchtet

Ich will erzählen, was er an mir getan hat.

Zu ihm rief ich mit meinem Munde,

und pries ihn mit meiner Zunge.

Wenn ich Unrechtes vorhätte in meinem Herzen,

 so hätte der Herr nicht gehört.

Aber Gott hat mich erhört und gemerkt auf mein Flehen.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft

noch seine Güte von mir wendet                                                                        (Ps 66)

 

 

 

Der Sieg Gottes:

Gott steh auf, so werden seine Feinde zerstreut,

und die ihn hassen, fliehen vor ihm.

Die Gerechten aber freuen sich und sind fröhlich vor Gott

und freuen sich von Herzen.

Singt Gott, lobsingt seinem Namen!

Machet Bahn dem, der durch die Wüste fährt.

Gott in seiner heiligen Wohnung ist ein Vater der Waisen

 und ein Helfer der Witwen,

ein Gott, der den Einsamen nach Hause bringt,

der die Gefangenen herausführt, daß es ihnen wohl gehe

aber die Abtrünnigen läßt erbleiben in der Dürre.

Gottes Wagen sind vieltausendmal tausend,

der Herr zieht ein ins Heiligtum vom Sinai.

Gelobt sei der Herr täglich.

Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. 

Wir haben einen Gott, der hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet.

Gebt Gott die Macht! Seine Herrlichkeit ist über Israel,

und seine Macht in den Wolken.

 Wundersam ist Gott in seinem Heiligtum. Er ist Israels Gott.

Er wird dem Volk Macht und Kraft geben. Gelobt sei Gott!                (Ps 68, gekürzt)

 

Anfechtung und Schmach:

Gott, hilf mir, denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.

Ich versinke im tiefen Schlamm, wo kein Grund ist.

Ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.

Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser.

Meine Augen sind trübe geworden,

weil ich so lange auf meinen Gott harren muß.

Laß an mir nicht zuschanden werden,

die auf dich warten, Herr Zebaoth!

Laß an mir nicht schamrot werden,

die dich suchen, Gott Israels!

Denn um deinetwillen trage ich Schmach,

 mein Angesicht ist voller Schande.

Ich bin fremd geworden meinen Brüdern

und unbekannt den Kindern meiner Mutter.

Denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen,

und die Schmähungen derer, die dich schmähen,

sind auf mich gefallen.

Ich weine bitterlich und faste, und man spottet dazu über mich.

Ich habe einen Sack angezogen, aber sie treiben ihren Spott mit mir.

Ich aber bete, Herr, zu dir zur Zeit der Gnade.

Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

Errette mich aus dem Schlamm, damit ich nicht versinke,

daß ich errettet werde vor denen, die mich hassen, und aus dem tiefen Wasser,

damit mich die Flut nicht ersäufe und die Tiefe nicht verschlinge.

Erhöre mich, Herr, denn deine Güte ist tröstlich.

Wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit

und verbirg dein Angesicht nicht vor deinem Diener,

denn mir ist angst. Erhöre mich eilend.

Nahe dich zu meiner Seele und erlöse sie,

erlöse mich um meiner Feinde willen.

Laß meine Widersacher aus einer Schuld in die andere fallen,

daß sie nicht kommen zu deiner Gerechtigkeit.

Tilge sie aus dem Buch der Lebenden,

daß sie nicht geschrieben stehen bei den Gerechten.

Ich aber bin elend und voller Schmerzen.

Gott, deine Hilfe schütze mich!

Ich will den Namen Gottes loben mit einem Lied

und will ihn hoch ehren mit Dank.

Die Elenden sehen es und freuen sich,

und die Gott suchen, denen wird das Herz aufleben.

Denn der Herr hört die Armen und verachtet die Gefangenen nicht.  (Ps 69, gekürzt)

 

Hilfe  im Alter:

Herr, ich traue auf dich, laß mich nimmermehr zuschanden werden.

Errette mich durch deine Gerechtigkeit und hilf mir heraus.

Neige deine Ohren zu mir und hilf mir!

Sei mir ein starker Hort, zu dem ich immer fliehen kann,

der du zugesagt hast mir zu helfen,

denn du bist mein Fels und meine Burg.

Mein Gott, hilf mir aus der Hand der Gottlosen,

aus der Hand des Ungerechten und Tyrannen.

Denn du bist meine Zuversicht, Herr,

 meine Hoffnung von meiner Jugend an.

Auf dich habe ich mich verlassen von Mutterleib an.

Dich rühme ich immerfort.

Verwirf mich nicht in meinem Alter,

verlaß mich nicht, wenn ich schwach werde.

Gott, sei nicht ferne von mir, mein Gott, eile, mir zu helfen!

Mein Mund soll verkünden deine Gerechtigkeit,

täglich deine Wohltaten, die ich nicht zählen kann.

Ich gehe einher in der Kraft des Herrn;

 ich preise deine Gerechtigkeit allein.

Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt,

und noch jetzt verkünde ich deine Wunder.

Auch im Alter verlaß mich nicht, Gott, und wenn ich grau werde,

bis ich deine Macht verkündige Kindeskindern

und deine Kraft allen, die noch kommen sollen.

Gott, deine Gerechtigkeit reicht bis zum Himmel,

der du große Dinge tust, Gott, wer ist dir gleich?

Denn du läßt mich erfahren viele und große Angst

und machst mich wieder lebendig

und holst mich wieder aus den Tiefen der Erde herauf.

Du machst mich sehr groß und tröstest mich wieder                         (Ps 71, gekürzt)

 

Anfechtung und Trost:

Gott  ist dennoch Israels Trost, für alle, die reines Herzens sind.

Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen,

 mein Tritt wäre beinahe geglitten.

Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen,

als ich sah, daß es den Gottlosen so gut ging.

Siehe, das sind die Gottlosen: Die sind glücklich in der Welt und werden reich.

Soll es denn umsonst sein, daß ich mein Herz rein hielt lebt

und meine Hände in Unschuld wasche?

Ich bin doch täglich geplagt, und meine Züchtigung ist alle Morgen da?

So sann ich nach, daß ich es begreifen könnte; aber es war mir zu schwer,

bis ich ging in das Heiligtum Gottes und merkte auf ihr Ende.

Ja, du stellst sie auf schlüpfrigen Grund und stürzest sie zu Boden.

Wie werden sie so plötzlich zunichte!

Sie gehen unter und nehmen ein Ende mit Schrecken.

Dennoch bleibe ich stets an dir,

denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,

du leitest mich nach deinem Rat

und nimmst mich am Ende mit Ehren an.

Wenn ich nur dich habe,

so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,

so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.

Aber das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte

und meine Zuversicht setzte auf den Herrn,

daß ich verkündige all dein Tun.                                                           (Ps 73, gekürzt)

 

Gottes frühere Taten:

Ich rufe zu Gott und schreie um Hilfe,

zu Gott rufe ich, und er erhört mich.

In der Zeit meiner Not suche ich den Herrn.

Meine Hand ist des Nachts ausgereckt und läßt nicht ab,

denn meine Seele will sich nicht trösten lassen.

Ich denke an Gott - und bin betrübt, ich sinne nach -

und mein Herz ist in Ängsten.

Ich denke und sinne des Nachts und rede mit meinem Herzen,

mein Geist muß forschen.

Wird denn der Herr auf ewig verstoßen

und keine Gnade mehr erweisen?

Ist es denn ganz und gar aus mit seiner Güte,

und hat die Verheißung für immer ein Ende?

Hat Gott vergessen, gnädig zu sein,

und sein Erbarmen im Zorn verschlossen?

Ich sprach: Darunter leide ich,

daß die rechte Hand des Höchsten sich so ändern kann.

Darum denke ich an die Taten des Herrn,

ja, ich denke an seine früheren Wunder

und sinne über alle deine Werke

und denke von deinen Taten nach.

Gott, dein Weg ist heilig.

Wo ist so ein mächtiger Gott, wie du, Gott, bist?

Du bist der Gott, der Wunder tut,

du hast deine Macht bewiesen unter den Völkern.

Du hast dein Volk erlöst mit Macht,

die Kinder Jakobs und Josephs.                                                            (Ps 77, gekürzt)

 

Der Weinstock Gottes:

Gott, tröste uns wieder und laß leuchten dein Antlitz; so genesen wir.

Herr, Gott Zebaoth, wie lange willst du zürnen,

während dein Volk zu dir betet?

Du speist sie mit Tränenbrot und tränkst sie

mit einem großem Krug voll Tränen.

Herr Gott Zebaoth, tröste uns wieder,

laß leuchten dein Antlitz, so genesen wir.

Wende dich doch, schaue vom Himmel und sieh dir alles an

und nimm dich deines Weinstocks an.

Schütze doch, was deine Rechte gepflanzt hat,

den Sohn, den du dir groß gezogen hast.

So wollen wir nicht von dir weichen. Laß uns leben,

so wollen wir deinen Namen anrufen.

Herr, Gott Zebaoth, tröste uns wieder,

laß leuchten dein Antlitz, so genesen wir.

(Ps 80, gekürzt)

Freude am Haus Gottes:

Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth!

Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn.

Mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.

Denn der Vogel hat ein Haus gefunden

und die Schwalbe ihr Nest für ihre Jungen -

deine Altäre, Herr Zebaoth, mein König und mein Gott.

Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend.

Ich will lieber der Tür hüten in meines Gottes Hause

 als wohnen in den Hütten der Gottlosen.

Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild,

der Herr gibt Gnade und Ehre.

Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.

Herr Zebaoth, wohl dem Menschen,

der sich auf dich verläßt!                                                                         (Ps 84, gekürzt)

 

Bitte um neuen Segen:

Herr, der du bist vormals gnädig gewesen deinem Lande

und hast die Gefangenen Jakobs erlöst,

der du die Missetat vormals vergeben hast deinem Volk

und alle ihre Sünde bedeckt,

der du vormals hast allen deinen Zorn fahren lassen

und dich abgewandt von der Glut deines Zorns:

Hilf uns, Gott, unser Heiland, und laß ab

von deiner Ungnade über uns!

Willst du denn ewig über uns zürnen

und deinen Zorn herrschen lassen für und für?

Willst du uns denn nicht wieder erquicken,

daß dein Volk sich über dich freuen kann?

Herr, erweise uns deine Gnade und gib uns dein Heil!

Könnte ich doch hören, was Gott der Herr redet,

daß er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen,

damit daß sie nicht in Torheit geraten!

Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten,

daß in unserm Lande Ehre wohne,

daß Güte und Treue einander begegnen,

Gerechtigkeit und Friede sich küssen,

daß Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue,

daß uns auch der Herr Gutes tue und unser Land seine Frucht gebe,

daß Gerechtigkeit weiter vor ihm hergehe und seinen Schritten folge (Ps 85, gekürzt).

 

Gebet in Bedrängnis:

Herr, neige deine Ohren und erhöre mich, denn ich bin elend und arm.

Bewahre meine Seele, denn ich bin dein.

Hilf du, mein Gott, deinem Diener, der sich verläßt auf dich.

Herr, sei mir gnädig, denn ich rufe täglich zu dir!

Vernimm, Herr, mein Gebet und merke auf die Stimme meines Flehens.

In der Not rufe ich dich an, du wollest mich erhören.

Herr, dir ist keiner gleich unter den Göttern,

und niemand kann tun, was du tust..

Weise mir, Herr, deinen Weg, daß ich wandle in deiner Wahrheit,

erhalte mein Herz bei dem einen, daß ich deinen Namen fürchte.

Ich danke dir, Herr, mein Gott, von ganzem Herzen

und ehre deinen Namen ewiglich.

Denn deine Güte ist groß gegen mich,

du hast mich errettet aus der Tiefen des Todes.

Gott, es erheben sich die Stolzen gegen mich,

und eine Rotte von Gewalttätern trachtet mir nach dem Leben

und hat dich nicht vor Augen.

Du aber, Herr Gott, bist barmherzig und gnädig, geduldig

und von großer Güte und Treue.

Wende dich zu mir, sei mir gnädig, stärke deinen Diener mit deiner Kraft.

Tu ein Zeichen an mir, daß du es gut mit mir meinst,

daß es sehen, die mich hassen,

und sich schämen müssen, weil du mir beistehst,

Herr, und mich tröstest.                                                                            (Ps 86, gekürzt)

 

Zuflucht in aller Vergänglichkeit:

Herr, Gott, du bist unsre Zuflucht für und für.

Ehe denn die Berge wurden und die Erde

und die Welt geschaffen wurden,

bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Der du die Menschen läßt sterben und sprichst:

Kommt wieder, Menschenkinder!

Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag,

der gestern vergangen ist,

und wie eine Nachtwache.

Du läßt sie dahinfahren wie einen Strom,

sie sind wie ein Schlaf, wie ein Gras,

das am Morgen noch blüht und sproßt

und am Abend welkt und verdorrt.

Das macht dein Zorn, daß wir so vergehen,

und dein Grimm, daß wir so plötzlich dahin müssen.

Denn unsere Missetaten stellst du vor dich,

unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht.

 Darum fahren alle unsere Tage dahin durch deinen Zorn.

Wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz.

Unser Leben währt siebzig Jahre,

und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig Jahre,

und wenn was daran köstlich scheint,

ist doch nur vergebliche Mühe,

denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon.

Wer glaubt aber, daß du so sehr zürnst,

und wer fürchtet sich vor dir in deinem Grimm?

Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, damit wir klug werden.

Herr, kehre doch wieder zu uns und sei deinen Dienern gnädig!

Fülle uns früh mit deiner Gnade,

so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.

Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich

und fördere das Werk unsrer Hände bei uns.

Ja, das Werk unsrer Hände wollest du fördern!  (Ps 90, gekürzt)

 

Unter Gottes Schutz:

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt

und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,

der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg,

mein Gott, auf den ich hoffe.

Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der verderblichen Pest.

Er wird dich mit seinen Fittichen decken,

und Zuversicht wirst du haben unter seinen Flügeln.

Seine Wahrheit ist Schirm und Schild.

Wenn auch tausend fallen zu deiner Seite

und zehntausend zu deiner Rechten,

so wird es doch dich nicht treffen.

Ja, du wirst mit eigenen Augen sehnen und schauen,

wie den Gottlosen vergolten wird.

Denn der Herr ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht.

Es wird dir kein Übel begegnen,

und keine Plage wird sich deinem Haus nahen.

Denn er hat seinen Engeln befohlen,

daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

daß sie dich auf Händen tragen

und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

 (Ps 91, gekürzt)

 

Freude am Lob Gottes:

Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken,

und lobsingen deinem Namen, du Höchster,

des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit verkünden

auf dem Psalter mit zehn Saiten, mit Spielen auf der Harfe.

Denn, Herr, du läßt mich fröhlich singen von deinen Werken,

und ich rühme die Taten deiner Hände.

Herr, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief.

Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum,

er wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon.

Die gepflanzt sind in dem Haus des Herrn,

werden in den Vorhöfen unsers Gottes grünen.

Und wenn sie auch alt werden,

werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein,

daß sie verkünden, wie der Herr es recht mache,

er ist ein Fels und kein Unrecht ist an ihm.                                          (Ps 92, gekürzt)

 

Anbetung und Gehorsam:

Kommt herzu, laßt uns dem Herrn frohlocken

und jauchzen dem Hort unsers Heils!

Laßt uns mit Danken vor sein Angesicht kommen

und mit Psalmen ihm jauchzen!

Denn der Herr ist ein großer Gott

und ein groß König über alle Götter.

Denn in deiner Hand sind die Tiefen der Erde,

und die Höhen der Berge sind auch sein.

Denn sein ist das Meer, und er hat es gemacht,

und seine Hände haben das Trockene bereitet.

Kommt, laßt uns anbeten und knien u

und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat.

Denn er ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

Wenn ihr doch heute auf seine Stimme hören wolltet, verstockt euer Herz nicht.                                                                                                                    (Ps 95, gekürzt)

 

Der Schöpfer der Welt:

Singet dem Herrn ein neues Lied, singet dem Herrn alle Welt!

Singt dem Herrn und lobt seinen Namen,

verkündet von Tag zu Tage sein Heil!

Erzählt unter den Heiden von seiner Herrlichkeit,

unter allen Völkern von seinen Wundern.

Denn der Herr ist groß und hoch zu loben,

mehr zu fürchten als alle Götter.

Denn alle Götter der Völker sind Götzen,

aber der Herr hat den Himmel gemacht.

Hoheit und Pracht sind vor ihm her,

Macht und Herrlichkeit in seinem Heiligtum.

Ihr Völker, bringt dar dem Herrn,

bringt dar dem Herrn Ehre und Macht.

Bringt her dem Herrn die Ehre seines Namens,

bringt Geschenke und kommt in seine Vorhöfe!

Betet an den Herrn in heiligem Schmuck.

Es fürchte ihn alle Welt!

Sagt unter den Heiden: Der Herr ist König!

Er hat den Erdkreis gegründet, daß er nicht wankt.

Er richtet die Völker recht.

Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich.

Das Meer brause und was darinnen ist.

Das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist.

Es sollen jauchzen alle Bäume im Wald vor dem Herrn.

Denn er kommt, zu richten das Erdreich.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit

und die Völker mit seiner Wahrheit.                                                                  (Ps 96)

Der Richter der Welt:

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

Der Herr läßt sein Heil kund werden.

Vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er denkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Jauchzt dem Herrn, alle Welt. Singt, rühmt und lobt!

 Lobt den Herrn mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen jauchzt vor dem Herrn, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdboden und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen frohlocken,

und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn.

Denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdboden richten mit Gerechtigkeit

und die Völker, wie es recht ist.                                                                          (Ps 98)

 

Aufruf zum Lob Gottes:

Jauchzet dem Herrn, alle Welt!

Dient dem Herrn mit Freuden,

kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!

Erkennt, daß der Herr Gott ist!

Er hat uns gemacht, und nicht wir selbst,

zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.

Geht zu seinen Toren ein mit Danken,

zu seinen Vorhöfen mit Loben.

Dankt ihm, lobt seinen Namen!

Denn der Herr ist freundlich,

und seine Gnade währet ewig

und seine Wahrheit für und für.                                                                        (Ps 100)

 

Wiederherstellung Zions (Bußpsalm):

Herr, höre mein Gebet und laß mein Schreien zu dir kommen!

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir in der Not, neige deine Ohren zu mir.

Wenn ich dich anrufe, so erhöre mich bald!

Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras,

daß ich sogar vergesse, mein Brot zu essen.

Ich wache und klage wie ein einsamer Vogel auf dem Dach.

Täglich schmähen mich meine Feinde,

und die mich verspotten, fluchen mit meinem Namen.

Meine Tage sind dahin wie Schatten, und ich verdorre wie Gras.

Du aber, Herr, bleibst ewiglich und dein Name für und für.

Du wollest dich aufmachen und über Zion erbarmen,

denn es ist Zeit, daß du ihm gnädig seist, und die Stunde ist gekommen.

Denn Gott schaut von seiner heiligen Höhe,

und der Herr sieht vom Himmel auf die Erde,

daß er das Seufzen des Gefangenen höre

und losmache die Kinder des Todes,

daß sie in Zion verkünden den Namen des Herrn

und sein Lob in Jerusalem,

wenn die Völker zusammenkommen

und die Königreiche, dem Herrn zu dienen.

Du hast vormals die Erde gegründet,

und die Himmel sind deiner Hände Werk.

 Sie werden vergehen, aber du bleibst.

Sie werden alle veralten wie ein Gewand,

wie ein Kleid wirst du sie verwandeln.

Du aber bleibst, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende.             (Ps 102, gekürzt)

 

Die Barmherzigkeit Gottes:

Lobe den Herrn, meine Seele,

und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

Lobe den Herrn, meine Seele,

und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat:

der dir alle deine Sünden vergibt und heilet alle deine Gebrechen,

der dein Leben vom Verderben erlöst,

der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit,

der deinen Mund fröhlich macht,

und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Der Herr schafft Gerechtigkeit

und Gericht allen, die Unrecht leiden.

Er hat seine Wege Mose wissen lassen,

die Israeliten sein Tun.

Barmherzig und gnädig ist der Herr,

geduldig und von großer Güte.

Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden

und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.

Denn so hoch der Himmel über der Erde ist,

läßt er seine Gnade walten über die, die ihn fürchten.

So ferne der Morgen ist vom Abend,

läßt er unsre Übertretungen von uns sein.

Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt,

so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten.

 Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind,

er denkt daran, daß wir Staub sind.

Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras,

er blüht wie eine Blume auf dem Feld,

wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da,

und ihre Stätte kennt sie nicht mehr.

Die Gnade aber des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit

über denen, die ihn fürchten,

und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind bei denen,

die seinen Bund halten und gedenken an seine Gebote,

daß sie danach tun.

Lobt den Herrn, alle seine Heerscharen,

 seine Diener, die ihr seinen Willen tut!

Lobt den Herrn, alle seine Werke,

an allen Orten seiner Herrschaft!

Lobe den Herrn, meine Seele!                                                                           (Ps 103)

 

 

Lob des Schöpfers:

Lobe den Herrn, meine Seele!

Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich,

du bist schön und prächtig geschmückt.

Licht ist dein Kleid, das du anhast.

Du breitest aus den Himmel wie einen Teppich.

Du baust deine Wohnung über den Wassern.

Du fährst auf den Wolken

wie auf einem Wagen und kommst daher

auf den Fittichen des Windes.

Du machst Winde zu deinen Boten

und Feuerflammen zu deinen Dienern.

der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden,

daß es bleibt immer und ewig.

Mit Fluten deckst du es wie mit einem Kleid,

und die Wasser standen über den Bergen.

Aber von deinem Schelten flohen sie,

vor deinem Donner fuhren sie dahin.

Die Berge stiegen hoch hervor,

und die Täler senkten sich herunter

zum Ort, den du ihnen gegründet hast.

Du hast eine Grenze gesetzt, darüber kommen sie nicht

und dürfen nicht wiederum das Erdreich bedecken.

Du läßt Wasser in den Tälern quellen,

daß zwischen den Bergen dahinfließen,

daß alle Tiere des Feldes trinken

und das Wild seinen Durst lösche.

Darüber sitzen die Vögel des Himmels

und singen unter den Zweigen.

Du feuchtest die Berge von oben her,

du machst das Land voll Früchte, die du schaffst,

du läßt Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen,

daß du Brot aus der Erde hervorbringst,

daß der Wein erfreue des Menschen Herz,

daß sein Antlitz schön werde vom Öl

und das Brot des Menschen Herz stärke.

Herr, wie sind deine Werke so groß und viel!

Du hast sie alle weise geordnet,

und die Erde ist voll deiner Güter.

Da ist das Meer, das so groß und weit ist,

da wimmelt es ohne Zahl, große und kleine Tiere.

Dort ziehen die Schiffe hin.

Da sind große Fische, die du gemacht hast, damit zu spielen.

Es warten alle auf dich, daß du ihnen Speise gibst zur rechten Zeit.

Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie, wenn du deine Hand auftust,

so werden sie mit Gutem gesättigt.

Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie,

nimmst du weg ihren Atem, so vergehen sie

und werden wieder zu Staub.

Du sendest aus deinen Atem, so werden sie geschaffen,

und du machst neu die Gestalt der Erde.                                             (Ps 104, gekürzt)

Danklied der Erlösten:

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewig.

So sollen sagen, die erlöst sind durch den Herrn,

die er aus der Not erlöst hat

und die er aus den Ländern zusammengebracht hat

von Osten und Westen, von Norden und Süden.

Die irre gingen in der Wüste, auf ungebahntem Weg,

und fanden keine Stadt, in der sie wohnen könnten,

die hungrig und durstig waren und deren Seele verschmachtete,

die dann zum Herrn riefen in ihrer Not,

und er errettete sie aus ihren Ängsten

und führte sie einen richtigen Weg,

daß sie kamen zur Stadt, in der sie wohnen konnten:

Die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder,

die er an den Menschenkindern tut, daß er sättigt die durstige Seele

und füllt die Hungrigen mit Gutem.

Die da sitzen mußten in Finsternis

und Dunkel, gefangen in Zwang und Eisen,

weil sie Gottes Geboten ungehorsam gewesen waren

und den Ratschluß des Höchsten verachtet hatten,

so daß er ihr Herz durchs Unglück beugte,

daß sie dalagen und ihnen niemand half,

die zum Herrn riefen in ihrer Not,

und er half ihnen aus ihren Ängsten

und führte sie aus der Finsternis und Dunkel

und zerriß ihre Bande:

Die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder,

die er an den Menschenkindern tut,

daß er zerbricht eherne Türen und zerschlägt eiserne Riegel.

Die mit Schiffen auf dem Meer fuhren

und trieben ihren Handel in großen Wassern,

die des Herrn Werke erfahren haben und seine Wunder im Meer,

wenn er sprach und einen Sturmwind erregte, der die Wellen erhob,

und sie gen Himmel fuhren und in den Abgrund sanken,

daß ihre Seele vor Angst verzagte,

daß sie taumelten und wankten wie ein Trunkener

und wußten keinen Rat mehr,

die dann zum Herrn schrien in ihrer Not,

und er führte sie aus ihren Ängsten

und stillte das Ungewitter, daß die Wellen sich legten

und sie froh wurden, daß es still geworden war

und er sie zum erwünschten Land brachte:

Die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder,

die er an den Menschenkindern tut, und ihn bei der Gemeinde preisen

und bei den Alten rühmen.

Er machte Bäche trocken und ließ Wasserquellen versiegen,

daß fruchtbares Land zur Salzwüste

wegen der Bosheit derer, die darin wohnten.

Er machte das Trockene wieder wasserreich

und gab dem dürren Land Wasserquellen

und ließ die Hungrigen dort bleiben,

daß sie eine Stadt bauten, in der sie wohnen konnten,

und Äcker einsäten und Weinberge pflanzten,

die jährlich Früchte trugen.

Und er segnete sie, daß sie sich sehr mehrten,

und gab ihnen viel Vieh.

Das werden die Frommen sehen und sich freuen,

und aller Bosheit wird das Maul gestopft werden.                  (Ps 107, leicht gekürzt)

 

Zuversicht in Kriegsnot:

Gott, mein Herz ist bereit. Ich will singen und spielen.

Wach  auf, Psalter und Harfe! Ich will in das Morgenrot wecken.

Ich will dir danken, Herr, unter den Völkern,

ich will dir lobsingen unter den Leuten.

Denn deine Gnade reicht, soweit der Himmel ist,

und deine Treue, soweit die Wolken gehen.

Erhebe dich, Gott, über den Himmel,

und deine Herrlichkeit über alle Lande.

Laß deine Freunde errettet werden,

dazu hilf mit deiner Rechten und erhöre mich!

Schaffe uns Beistand vor dem Feind,

denn Menschenhilfe ist nichts nütze.

Mit Gott wollen wir Taten tun.

Er wird unsre Feinde niedertreten.                                                        (Ps 108, gekürzt)

 

Preis der Gnade Gottes:

Halleluja! Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen

im Rat der Frommen und in der Gemeinde.

Groß sind die Werke des Herrn.

Wer sie erforscht, der hat Freude daran.

Was er tut, das ist herrlich und prächtig,

und seine Gerechtigkeit bleibt ewig.

Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder,

der gnädige und barmherzige Herr.

Er gibt Speise denen, die ihn fürchten, er denkt ewig an seinen Bund.

Er läßt verkünden seine gewaltigen Taten seinem Volk,

daß er ihnen gebe das Erbe der Heiden.

Die Werke seiner Hände sind Wahrheit und Recht.

Alle seine Ordnungen sind beständig.

Sie stehen fest für immer und ewig,

sie sind recht und verläßlich.

Er sendet eine Erlösung seinem Volk.

Er verheißt, daß sein Bund ewig bleiben soll.

Heilig und erhaben ist sein Name.

Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang.

Klug sind alle, die danach tun. Gottes Lob bleibt ewig.                                 (Ps 111)

 

Lobpreis der Gottesfurcht:

Halleluja! Wohl dem, der den Herrn fürchtet,

der große Lust hat zu seinen Geboten!

Seine Familie wird gewaltig sein auf der Erden,

die Kinder der Frommen werden gesegnet sein.

Reichtum und die Fülle wird in ihrem Hause sein,

und ihre Gerechtigkeit bleibt ewig.

Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis

von dem Gnädigen, Barmherzigen und Gerechten.

Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht

und das Seine tut, wie es recht ist.

Denn er wird ewig bleiben. Der Gerechte wird nimmermehr vergessen.

Vor schlimmer Krankheit fürchtet er sich nicht, s

ein Herz hofft unverzagt auf den Herrn.

Sein Herz ist getrost und fürchtet sich nicht,

bis er auf seine Feinde herabsieht.

Er streut aus und gibt den Armen, seine Gerechtigkeit bleibt ewig,

Seine Kraft wird hoch in Ehren stehen.

Der Gottlose wird es sehen, und es wird ihn verdrießen,

mit den Zähnen wird er knirschen und vergehen.

Denn was die Gottlosen wollen, das wird vergehen.                                     (Ps 112).

 

Gottes Hoheit:

Halleluja! Lobt, ihr Diener des Herrn, lobt den Namen des Herrn!

Gelobt sei des Herrn Name von nun an bis in Ewigkeit!

Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang

sei gelobt der Name des Herrn!

Der Herr ist hoch über alle Völker,

seine Herrlichkeit reicht, soweit der Himmel ist.

Wer ist wie der Herr, unser Gott, im Himmel und auf der Erde?

Der oben thront in der Höhe, der hernieder schaut in die Tiefe,

der den Geringen aufrichtet aus dem Staub

und erhöht den Armen aus dem Schmutz,

daß er ihn setze neben die Fürsten,

neben die Fürsten seines Volks,

der die Unfruchtbare im Haus zu Ehren bringt,

daß sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja!                                                  (Ps 113)

 

Rettung aus Todesgefahr:

Ich liebe den Herrn, denn er hört die Stimme meines Flehens.

Er neigte sein Ohr zu mir, darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

Stricke des Todes hatten mich umfangen,

und des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen, ich kam in Jammer und Not.

Aber ich rief an den Namen des Herrn: O Herr, errette mich!

Der Herr ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig.

Der Herr behütet die Unmündigen, wenn ich schwach bin, so hilft er mir.

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele, denn der Herr tut dir Gutes.

Denn du hast meine Seele vom Tod errettet, meine Augen von den Tränen,

meinen Fuß vom Gleiten.

Ich werde mein Leben führen vor dem Herrn im Land der Lebendigen.

Ich glaube, auch wenn ich sage, ich werde aber sehr geplagt.

Ich sprach in meinem Zagen: Alle Menschen sind Lügner.

Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohltat, die er an mir tut?

Ich will den Kelch des Heils nehmen und den Namen des Herrn anrufen.

Ich will mein Gelübde dem Herrn erfüllen vor allem seinem Volk. (Ps 116, gekürzt)

Dankbares Bekenntnis:

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewig.

Es sage nun Israel: Seine Güte währet ewig.

Es sagen nun, die den Herrn fürchten: Seine Güte währet ewig.

In der Angst rief ich den Herrn an,

und der Herr erhörte mich und tröstete mich.

Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht.

Was können mir Menschen tun?

Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten:

Die Rechte des Herrn behält den Sieg, die Rechte des Herrn ist erhöht, die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Ich werde nicht sterben, sondern leben

und des Herrn Werke verkündigen.

Der Herr züchtigt mich schwer,

aber er gibt mich dem Tode nicht.

Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit,

daß ich durch sie einziehe und dem Herrn danke.

Das ist das Tor des Herrn, die Gerechten werden dort einziehen.

 Ich danke dir, daß du mich erhört hast und hilfst mir.

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,

ist zum Eckstein geworden.

Das ist vom Herrn geschehen

und ist ein Wunder vor unsern Augen.

 Dies ist der Tag, den der Herr macht,

laßt uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O Herr, hilf! O Herr, laß wohl gelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Wir segnen euch, die ihr vom Haus des Herrn seid.

Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.

Schmückt das Fest mit Maiengrün bis an die Hörner des Altars!

Du bist mein Gott, und ich danke dir, mein Gott, ich will dich preisen.

Dankt dem Herrn, denn er ist freundlich, und sein Güte währet ewig.

(Ps 118, gekürzt)

 

Die Herrlichkeit des Wortes Gottes:

[Dieser Psalm ist der längste im Psalmenbuch. Es soll sogar Leute geben, die ihn auswendig gelernt haben. Er wird auch „Goldenes ABC“ genannt, weil im Hebräischen die einzelnen Strophen in der Reihenfolge der Buchstaben des ABC beginnen. Hier wird nur eine Auswahl wiedergegeben]

 

Wohl denen, die ohne Tadel leben,

die im Gesetz des Herrn ihr Leben führen!

Wohl denen, die sich an seine Mahnungen halten,

die ihn von ganzem Herzen suchen,

die auf seinen Wegen gehen und kein Unrecht tun.

Du hast geboten, deine Befehle fleißig zu halten.

O daß ich deine Rechte mit ganzem Ernst hielte!

Wenn ich allein auf deine Gebote schaue,

so werde ich nicht zuschanden.

Ich danke dir mit aufrichtigem Herzen,

daß du mich lehrst die Ordnung deiner Gerechtigkeit.

Deine Gebote will ich halten. Verlaß mich nimmermehr.

Wie wird ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen?

Wenn er sich hält an deine Worte.

Öffne mir die Augen, daß ich sehe die Wunder an deinem Gesetz.

Ich bin ein Gast auf Erden, verbirg deine Gebote nicht vor mir.

Zeige mir, Herr, den Weg deiner Gebote, daß ich sie bewahre bis ans Ende.

Unterweise mich, daß ich bewahre dein Gesetz und halte es von ganzem Herzen.

Führe mich auf den Steig deiner Gebote, denn ich habe Gefallen daran.

Wende meine Augen ab, daß sie nicht sehen nach unnützer Lehre,

sondern erfrische mich auf deinem Weg.

Ich rede von deinen Zeugnissen vor Königen und schäme mich nicht

Ich habe Freude an deinen Geboten, und sie sind mir lieb,

und hebe meine Hände auf zu deinen Geboten, die mir lieb sind,

und rede von deinen Rechten.

Ich halte mich zu denen, die dich fürchten und deine Befehle halten.

Herr, die Erde ist voll deiner Güte. Lehre mich deine Rechte.

Du tust Gutes deinem Diener, Herr, nach deinem Wort.

Die Gottlosen lauern mir auf, daß sie mich umbringen.

Ich aber merke auf deine Mahnungen.

Ich habe gesehen, daß alles ein Ende hat, aber dein Gebot bleibt bestehen.

Wie habe ich dein Gesetz so lieb! Täglich sinne ich ihm nach.

Du machst mich mit deinem Gebot weiser, als meine Feinde sind,

denn es ist ewig mein Schatz.

Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig.

Dein Wort macht mich klug, darum hasse ich alle falschen Wege.

 Dein Wort ist meine Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.

Herr, ich warte auf dein Heil und tue nach deinen Geboten.

Meine Seele hält sich an deine Mahnungen und liebt sie sehr.

Herr, mich verlangt nach deinem Heil, und an deinem Gesetz habe ich Freude.

Laß meine Seele leben, daß sie dich lobe, und deine Recht mir helfen. (Ps 119)

 

Der treue Menschenhüter:

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher  kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen; und der dich behütet schläft nicht.

Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht.

Der Herr behütet dich. Der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

daß dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.   (Ps 121)

 

Der Helfer in Not:

Wäre der Herr nicht bei uns - so sage Israel -

wäre der Herr nicht bei uns wäre, wenn die Menschen gegen uns aufstehen:

so verschlängen sie uns lebendig, wenn ihr Zorn über uns entbrennt,

so ersäufte uns Wasser, Ströme gingen über unsre Seele,

es gingen Wasser allzu hoch über uns hinweg.

Gelobt sei der Herr, daß er uns nicht gibt zum Raub in ihre Zähne!

Unsre Seele ist entronnen wie ein Vogel dem Netz des Vogelfängers:

Das Netz ist zerrissen, und wir sind frei.

 

Unsre Hilfe steht im Namen des Herrn,

der Himmel und Erden gemacht hat.                                                                 (Ps 124)

 

Die Gefangenen werden erlöst:

Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird,

so werden wir sein wie die Träumenden.

Dann wird unser Mund voll Lachens

und unsere Zunge voll Rühmens sein.

Da wird man sagen unter den Heiden:

Der Herr hat Großes an ihnen getan!

Der Herr hat Großes an uns getan,

deswegen sind wir fröhlich.

Herr, bringe zurück unsere Gefangenen,

wie du die Bäche wiederbringst im Südland.

Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.

Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen

und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.                                                   (Ps 126)

 

An Gottes Segen ist alles gelegen:

Wenn der Herr nicht das Haus baut,

so arbeiten umsonst, die daran bauen.

Wenn der Herr nicht die Stadt behütet,

so wacht der Wächter umsonst.

Es ist umsonst, daß ihr früh aufsteht und hernach lange sitzt

und eßt euer Brot mit Sorgen,

denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn,

und Leibesfrucht ist ein Geschenk.

Wie die Pfeile in der Hand des Starken,

so sind die Söhne der Jugendzeit.

Wohl dem, der seinen Köcher mit ihnen gefüllt hat!

Die werden nicht zuschanden,

wenn sie mit ihren Feinden verhandeln im Tor.                                             (Ps 127)

 

Aus tiefer Not (Bußpsalm):

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir.

Herr, höre auf meine Stimme,

 laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!

Wenn du, Herr, Sünden zurechnen willst, -

Herr, wer wird bestehen?

Denn bei dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte.

Ich harre des Herrn. Meine Seele harrt,

und ich hoffe auf sein Wort.

Meine Seele wartet auf den Herrn

mehr als die Wächter auf den Morgen.

Mehr als die Wächter auf den Morgen

hoffe Israel auf den Herrn!

Denn bei dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm,

und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden.                                                   (Ps 130)

 

 

Brüderliche Eintracht:

Siehe, wie fein und lieblich ist es,

wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!

Es ist wie das feine Salböl auf dem Haupt Aarons,

das herabfließt in seinen Bart,

das herabfließt zum Saum seines Kleides,

wie der Tau, der vom Berg Hermon herabfällt auf die Berge Zions.

Denn dort verheißt der Herr Segen und Leben bis in Ewigkeit.                     (Ps 133)

 

Klage der Gefangenen in Babel:

An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten,

wenn wir an Zion gedachten.

Unsere Harfen hängten wir an die Weiden dort im Lande.

Denn die uns gefangen hielten, hießen uns dort singen

und in unserm Heulen fröhlich zu sein: „Singt uns ein Lied von Zion!“

Wie könnten wir dem Herrn ein Lied singen im fremden Land?

Vergesse ich dich, Jerusalem, so verdorre meine Rechte.

Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wenn ich nicht an dich denke,

wenn ich nicht Jerusalem meine höchste Freude sein lasse.

Herr, vergiß den Edomitern nicht, was sie sagten am Tag Jerusalems:

„Reißt nieder, reißt nieder bis auf den Grund!“

Tochter Babel, du Verwüsterin, wohl dem, der dir vergilt, was du uns getan hast!

Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt und zerschmettert sie am Felsen! (Ps 137)

 

Gott ist gegenwärtig:

Herr, du erforschst mich und kennst mich.

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es.

Du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich

und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,

das du, Herr, nicht schon wüßtest.

Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch,

 ich kann sie nicht begreifen.

Wohin soll ich hin gehen vor deinem Geist,

und wohin soll ich hin fliehen vor deinem Angesicht?

Führe ich gen Himmel, so bist du da.

Bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

Nähme ich Flügel der Morgenröte

und bliebe am äußersten Meer,

so würde auch dort deine Hand mich führen

und deine Rechte mich halten.

Spräche ich: Finsternis möge mich decken

und Nacht statt Licht um mich sein,

so wäre auch Finsternis ist nicht finster bei dir,

und die Nacht leuchtete wie der Tag,

Finsternis ist wie das Licht.

Denn du hast meine Nieren bereitet

und hast mich gebildet im Mutterleib.

Ich danke dir dafür, daß ich wunderbar gemacht bin.

Wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele wohl.

Es war dir mein Gebein nicht verborgen,

als ich im Verborgenen gemacht wurde,

als ich gebildet wurde unten in der Erde.

Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war,

und alle Tage waren auf dein Buch geschrieben,

die noch werden sollten,

und von denen keiner da war.

Aber wie schwer sind vor mir, Gott, deine Gedanken!

Wie ist ihre Summe so groß!

Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand.

Am Ende bin ich noch immer bei dir.

Ach Gott, wollest du doch die Gottlosen töten!

Daß doch die Blutgierigen von mir wichen!

Denn sie reden von dir lästerlich,

und deine Feinde erheben sich mit frechem Mut.

Sollte ich nicht hassen, Herr, die dich hassen,

und verabscheuen, daß sie sich gegen dich erheben?

Ich hasse mit ganzem Ernst, sie sind mir zu Feinden geworden.

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz.

Prüfe mich und erkenne, wie ich es meine.

Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,

und leite mich auf ewigem Weg.                                                                        (Ps 139)

 

Bitte um Verschonung (Bußpsalm)

Herr, erhöre mein Gebet,

vernimm mein Flehen um deiner Treue willen,

erhöre mich um deiner Gerechtigkeit willen

und geh nicht ins Gericht mit deinem Knecht,

denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht.

Denn der Feind verfolgt meine Seele

und schlägt mein Leben zu Boden,

er legt mich ins Finstere wie die, so schon lange tot sind.

Und mein Geist ist in Ängsten,

und mein Herz ist erstarrt in meinem Leib.

Ich denke an die vorigen Zeiten.

Ich sinne nach über alle deinen Taten

und spreche von den Werken deiner Hände.

Ich breite meine Hände aus zu dir,

meine Seele dürstet nach dir wie ein dürres Land.

Herr, erhöre mich bald, mein Geist vergeht.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,

daß ich nicht gleich werde denen, die in die Grube fahren.

Laß mich des Morgens hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich.

Tue mir kund den Weg, den ich gehen soll,

denn mich verlangt nach dir.

Errette mich, mein Gott, von meinen Feinden,

zu dir habe ich meine Zuflucht.

Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott,

dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn.

Herr, erquicke mich um deines Namens willen.

Führe meine Seele aus der Not um deiner Gerechtigkeit willen

und vernichte meine Feinde um deiner Güte willen

und bringe alle um, die mich bedrängen, denn ich bin dein Knecht.               (Ps 43)

 

Gottes ewige Güte:

Ich will dich erheben, mein Gott, du König,

und deinen Namen loben immer und ewig.

Ich will dich täglich loben

und deinen Namen rühmen immer und ewig.

Gnädig und barmherzig ist der Herr,

geduldig und von großer Güte.

 Der Herr ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner Werke.

Es sollen dir danken, Herr, alle deine Werke

und deine Heiligen dich loben

und die Ehre deines Königreiches rühmen

und von deiner Gewalt reden,

daß den Menschen deine gewaltigen Taten kund werde

und die herrliche Pracht deines Königreichs.

Dein Reich ist ein ewiges Reich,

und deine Herrschaft währet für und für.

Aller Augen warten auf dich,

und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

Du tust deine Hand auf und erfüllst alles, was lebt,

nach deinem Wohlgefallen.

Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen

und gnädig in allen seinen Werken.

Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen,

allen, die ihn ernstlich anrufen.

Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren,

und hört ihr Schreien und hilft ihnen.

Der Herr behütet alle, die ihn lieben,

und wird vertilgen alle Gottlosen.

Mein Mund soll des Herrn Lob verkünden,

und alles Fleisch

lobe seinen heiligen Namen immer und ewig.                                               (Ps 145, gekürzt)

 

Das große Halleluja:

 Halleluja! Lobet den Herrn in seinem Heiligtum;

lobet ihn in der Feste seiner Macht!

Lobt ihn in seinen Taten, lobt ihn in seiner großen Herrlichkeit!

Lobt ihn mit Posaunen, lobt ihn mit Psalter und Harfe!

Lobt ihn mit Pauken und Reigen, lobt ihn mit Saiten und Pfeifen!

Lobt ihn mit hellen Zimbeln, lobt ihn mit wohlklingenden Zimbeln!

Alles, was Atem hat, lobe den Herrn! Halleluja!                                                (Ps 150)

 

 

 

 

 

 

Buch der Sprichwörter (Sprüche Salomos) 

 

[Die einleitenden Verse des Buches werden traditionell als Angabe zur Urheberschaft Salomos gedeutet. Diese Annahme geht auch auf eine Aussage im 1. Buch der Könige (5, 12) zurück, nach der Salomo Dreitausend Sprüche aufgeschrieben habe. Das Buch selbst nennt in Kapitel 30 und 31 weitere Quellen. Ausdrücklich als Verfasser genannt wird Salomo für die folgenden Stellen: 10,1 - 22,16 und 25,1 bis 29,27. Nach jüdischer Tradition geht das gesamte Buch auf Hiskia, den König von Juda, zurück.

Die gegenwärtige Forschung nimmt eine längere Entstehungszeit der biblischen Sprichwortsammlung an, die von der Zeit des Königs Hiskia bis in das vierte, eventuell sogar dritte Jahrhundert vor Christus reicht. Die ältesten Teile sind vermutlich die dritte und die vierte Sammlung, die erste Sammlung gilt als die jüngste. Im Neuen Testament der Bibel finden sich 35 Zitate oder Bezüge auf das Buch der Sprichwörter.

Die Spruchsammlung behandelt eine Vielzahl von Themen. Es geht um allgemeine Lebensweisheit, die sich hier ausspricht. Einiges ist von solcher überzeitlicher Gültigkeit, daß manches auch als deutsches Sprichwort dient, zum Beispiel „Wer dem andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein!“

Einen Schwerpunkt der Sprüche bildet das Thema Erziehung: „Wer seine Rute schont, der haßt seinen Sohn; wer ihn aber liebhat, der züchtigt ihn beizeiten.“ (13,24).

Der Tun-Ergehen-Zusammenhang kann als eine Art „Grundgesetz“ der Weisheit gelten. Dabei geht es um die „Verläßlichkeit der Welt“, die sich in der Überzeugung ausdrückt, daß gute Taten ein gutes Ergehen zur Folge haben und böse ein schlechtes: „Siehe, dem Gerechten wird vergolten auf Erden, wieviel mehr dem Gottlosen und Sünder!“ (11,31). Dabei gilt Gott als Garant dieses Zusammenhanges: „Der Herr läßt den Gerechten nicht Hunger leiden, aber die Gier der Gottlosen stößt er zurück!“ (10,3).

Einzelne Sprüche jedoch stellen angesichts gegenteiliger Erfahrungen die Unverfügbarkeit des Handelns Gottes heraus: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der Herr allein lenkt seinen Schritt!“ (16,9).

In der vorliegenden Fassung des Buches ist die Weisheit theologisch gedeutet, wie das das Buchmotto in 1,7 deutlich macht: „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis!“ Die personifizierte Weisheit ist Mittlerin zwischen Gott und Mensch].

 

Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis

Dies sind die Sprüche Salomos, des Königs in Israel, des Sohnes Davids, um zu lernen Weisheit und Zucht und um zu verstehen eine verständige Rede. Damit man annehme Zucht, die klug macht, und Gerechtigkeit, Recht und Redlichkeit. Damit die Unverständigen klug werden und die jungen Männer vernünftig und besonnen. Wer weise ist, der hört zu und wachse an Weisheit, und wer verständig ist, der lasse sich raten, damit er verstehe Sprüche und Gleichnisse, die Worte der Weisen und ihre Rätsel.    Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis. Die Törichten verachten Weisheit und Zucht (Spr 1,1-7).

 

Warnung vor Verführern:

Mein Sohn gehorche der Zucht deines Vaters und verlaß nicht das Gebot deiner Mutter, denn das ist ein schöner Schmuck deinem Haupt und eine Kette an deinem Hals. Mein Sohn, wenn dich die bösen Buben locken, so folge nicht.

Mein Sohn, gehe den Weg nicht mit ihnen, halte deinen Fuß fern von ihrem Pfad, denn ihr Füße laufen zum Bösen und eilen, Blut zu vergießen. Man spannt das Netz vor den Augen der Vögel, doch lassen sie sich nicht warnen. So lauern jene auf ihr eigenes Blut und stellen sich selbst nach dem Leben. So geht es allen, die nach unrechtem Gewinn trachten, er nimmt ihnen das Leben  (Spr 1,8-19).

  

Die Bußpredigt der Weisheit:

Die Weisheit ruft laut auf der Straße und läßt ihre Stimme hören auf den Plätzen. Wie lange wollt ihr Unverständigen unverständig sein und ihr Spötter eure Lust zu Spötterei haben und ihr Toren die Erkenntnis hassen? Kehrt euch zu meiner Zurechtweisung. Siehe, ich will über euch strömen lassen meinen Geist und euch meine Worte kundtun. Dann will ich auch lachen bei eurem Unglück, wenn da kommt, was ihr fürchtet, wenn über euch kommt wie ein Sturm, was ihr fürchtet, und euer Unglück wie ein Wetter, wenn über euch Angst und Not kommt.

Dann werden sie nach mir rufen, aber ich werde nicht antworten, sie werden mich suchen, und nicht finden, weil sie die Erkenntnis haßten und die Frucht des Herrn nicht erwählten. Denn den Unverständigen bringt ihre Abkehr den Tod, und die Toren bringt ihre Ruchlosigkeit um. Wer aber mir gehorcht, wird sicher wohnen und ohne Sorge sein und kein Unglück fürchten (Spr 1, 20-33).

 

Die Weisheit bewahrt vor dem Verderben:

Der Herr gibt Weisheit, und aus seinem Munde kommt Erkenntnis und Einsicht. Er läßt es den Aufrichtigen gelingen und beschirmt die Frommen. Er behütet die recht tun, und bewahrt den Weg seiner Frommen. Dann wirst du verstehen Gerechtigkeit und Recht und Frömmigkeit und jeden guten Weg. Denn Weisheit wird in dein Herz eingehen, und Erkenntnis wird deiner Seele lieblich sein. Besonnenheit wird dich bewahren, und Einsicht wird dich behüten,

daß du nicht gerätst auf den Weg der Bösen noch unter die Leute, die Falsches reden, die da verlassen die rechte Bahn und gehen finstere Wege. Denn die Gerechten werden im Land wohnen, und die Frommen werden darin bleiben, aber die Gottlosen werden aus dem Land ausgerottet, und die Treulosen daraus vertilgt (Spr 2).

 

Vom Segen der Weisheit:

Mein Sohn, vergiß meine Weisung nicht, und dein Herz behalte meine Gebote, denn sie werden dir langes Leben und gute Jahre und Frieden bringen. Gnade und Treue sollen dich nicht lassen. Hänge meine Gebote an deinen Hals und schreibe sie auf die Tafel deines Herzens, so wirst du Freundlichkeit und Klugheit finden, die Gott und den Menschen gefallen. Verlaß dich auf den Herrn von ganzem Herzen und verlaß dich nicht auf deinen Verstand, sondern denke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen. Mein Sohn, verwirf die Zucht des Herrn nicht und sei nicht ungeduldig, wenn er die zurechtweist. Denn wen der Herr liebt, den weist er zurecht, und hat doch Wohlgefallen an ihm wie ein Vater am Sohn  (Spr 3).

 

Väterliche Mahnung:

Höre, mein Sohn, und nimm an meine Rede, so wirst du viele Jahre leben. Ich will dich den Weg der Weisheit führen, ich will dich auf rechter Bahn leiten, daß dein Gang dir nicht sauer werde, wenn du gehst. Bleibe in der Unterweisung, laß nicht davon, bewahre sie, denn sie ist dein Leben. Komm nicht auf den Pfad der Gottlosen und tritt nicht auf den Weg der Bösen.

 

Aber der Pfad der Gerechten glänzt wie das Licht am Morgen, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag. Der Weg der Gottlosen aber ist wie Dunkel. Sie wissen nicht, wodurch sie fallen werden. Mein Sohn, merke auf meine Rede und neige dein Ohr zu meinen Worten. Weiche weder zur Rechten noch zur Linken, wende deinen Fuß vom Bösen (Spr 4).

 

Warnung vor der Verführerin:

Mein Sohn, merke auf meine Weisheit, neige dein Ohr zu meiner Lehre, daß du behältst guten Rat und dein Mund wisse Erkenntnis zu bewahren. Denn die Lippen der fremden Frau sind süß wie Honig, und ihre Kehle ist glatter als Öl, hernach aber  bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert. Ihre Füße laufen zum Tod hinab, ihre Gänge führen ins Totenreich, daß du den Wege des Lebens nicht wahrnimmst: haltlos sind ihre Tritte, und du merkst es nicht. So gehorcht mir nun, meine Söhne, und weichet nicht von der Rede meines Mundes (Spr 5).

 

Warnungen:

Mein Sohn, wirst du Bürge für deinen Nächsten und hast den Handschlag gegeben für einen Fremden, so bist du gebunden durch deine Worte und gefangen in der Rede deines Mundes. Tue alles, damit du wieder frei wirst. Werde bewahrt vor der Frau deines Mitmenschen, vor der glatten Zunge der Fremden. Laß dich nicht gelüsten in deinem Herzen nach ihrer Schönheit und laß dich nicht fangen durch ihre Augenlider. Denn eine Hure bringt einen nur ums Brot, aber die Ehefrau eines andern um das kostbare Leben.  So geht es dem, der zur Frau seines Mitmenschen geht. Es bleibt keiner ungestraft, der sie berührt. Wer mit einer Verheirateten die Ehe bricht, der ist von Sinnen. Nur wer sein Leben ins Verderben bringen will, der tut das. Er folgt ihr alsbald nach, wie ein Stier zur Fleischbank geführt wird, bis sie ihm der Pfeil die Leber spaltet. Wie ein Vogel zur Schlinge eilt und weiß nicht, daß es das Leben gilt. Laß dein Herz nicht abweichen auf ihren Weg und irre nicht ab auf ihrer Bahn. Denn zahlreich sind die Erschlagenen, die sie gefällt hat, und viele sind es, die sie getötet hat (Spr 6 - 7).

 

Einladung und Verheißung der Weisheit:

Ruft nicht die Weisheit, und läßt nicht die Klugheit sich hören? Öffentlich am Wege und an der Kreuzung der Straße steht sie. O ihr Männer, euch rufe ich und erhebe meine Stimme zu den Menschen. Die Furcht des Herrn haßt das Arge. Eitelkeit, Hochmut, bösem Weg und falschen Lippen bin ich feind. Mein ist beides, Rat und Tat. Ich habe Verstand und Macht.

Durch mich herrschen die Könige und setzen die Ratsherren das Recht. Ich liebe, die mich lieben, und die mich suchen, finden mich. Ich gehe auf dem Weg der Gerechtigkeit, mitten  auf der Straße des Rechts, daß ich versorge mit Besitz, die mich lieben, und ihre Schatzkammern fülle.

Der Herr hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, war ich da. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit, von Anfang, ehe die Erde war. So hört nun auf mich, meine Söhne. Wohl denen, die meine Wege einhalten! Hört die Mahnung und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind. Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, daß er wache an meiner Tür täglich, daß er hüte die Pfosten meiner Tore (Spr 8).

 

 

 

 

Weisheit und Torheit laden zum Mahl:

Die Weisheit hat ihr Haus gebaut und ihre sieben Säulen behauen. Sie hat ihr Vieh geschlachtet, ihren Wein gemischt und ihren Tisch bereitet und sandte ihre Helferinnen aus, zu rufen oben auf den Höhen der Stadt: „Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!“ Und zu den Toren sprach sie: „Kommt, eßt von meinem Brot und trinkt den Wein, den ich gemischt habe. Verlaßt die Torheit, so werdet ihr leben, und geht auf dem Weg der Klugheit!“ Der Weisheit Anfang ist des Herrn Furcht, und den Heiligen erkennen, das ist Verstand.

Frau Torheit ist ein unbändiges Weib, verführerisch, und weiß nichts von Scham. Sie sitzt in der Tür ihres Hauses auf einem Thron auf den Höhen der Stadt, einzuladen alle, die vorübergehen und richtig auf ihrem Weg gehen: „Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!“ und zum Toren spricht sie: „Gestohlenes Wasser sind süß, und heimliches Brot schmeckt fein!“ Er weiß aber nicht, daß dort nur die Schatten wohnen, daß ihre Gäste in der Tiefe des Todes hausen (Spr 9).

 

Salomos Lehren: Erste Sammlung Sprüche 10,1-15,32:

Ein weiser Sohn ist seines Vaters Freude, aber ein törichter Sohn ist seiner Mutter Grämen. Unrecht Gut hilft nicht, aber Gerechtigkeit errettet vom Tod. Lässige Hand macht arm, aber der Fleißigen Hand macht reich. Wer im Sommer sammelt, ist ein kluger Sohn, wer aber in der Ernte schläft, macht seinen Eltern Schande. Das Andenken der Gerechten bleibt im Segen, aber der Name der Gottlosen wird verwesen. Wer weisen Herzens ist, nimmt die Gebote an, wer aber ein Narrenmaul hat, kommt zu Fall. Der Mund des Gerechten ist ein Brunnen des Lebens, aber auf die Gottlosen wird ihr Frevel fallen. Haß erregt Hader, aber Liebe deckt alle Übertretungen zu. Der Segen des Herrn allein macht reich. Die Furcht des Herrn vermehrt die Tage des Lebens, aber die Jahre der Gottlosen werden verkürzt (Spr 10).

Falsche Waage ist dem Herrn ein Greuel, aber ein volles Gewicht ist sein Wohlgefallen. Wo Hochmut ist, da ist auch Schande, aber Weisheit ist bei den Demütigen. Ihre Unschuld wird die Frommen leiten, aber die Falschheit wird die Verächter verderben. Reichtum hilft nicht am Tage des Zorns, aber Gerechtigkeit errettet vom Tod. Die Gerechtigkeit des Frommen macht seinen Weg eben, aber der Gottlose wird fallen durch seine Gottlosigkeit. Durch den Segen der Frommen kommt eine Stadt hoch, aber durch den Mund der Gottlosen wird sie niedergerissen. Eine schöne Frau ohne Zucht ist wie eine Sau mit einem goldenen Ring durch die Nase. Der Wunsch der Gerechten führt zu lauter Gutem, aber das Hoffen der Gottlosen führt zum Tag des Zorns. Einer teilt reichlich aus und hat immer mehr, ein anderer kargt, wo er nicht soll, und wird doch ärmer. Wer sich auf seinen Reichtum verläßt, der wird untergehen, aber die Gerechten werden grünen wie da Laub (Spr 11).

Wer fromm ist, der erlangt Wohlgefallen vom Herrn, aber den Heimtückischen verdammt er. Gottlosigkeit fördert den Menschen nicht, aber die Wurzel der Gerechten wird bleiben. Eine tüchtige Frau ist eine Krone ihres Mannes, aber eine schandbare Frau ist wie Eiter in seinen Knochen. Die Gedanken der Gerechten sind redlich, aber was die Gottlosen planen, ist lauter Trug. Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs, aber das Herz der Gottlosen ist unbarmherzig. Wer seinen Acker bebaut, der wird Brot die Fülle haben, wer aber nichtigen Dingen nachgeht, der ist ein Tor. Wer unvorsichtig herausfährt mit Worten, sticht wie ein Schwert, aber die Zunge der Weisen bringt Heilung. Wahrhaftiger Mund besteht immer, aber die falsche Zunge besteht nicht lange. Sorge im Herzen bedrückt den Menschen, aber ein freundliches Wort erfreut ihn. Auf dem Wege der Gerechtigkeit ist Leben, aber böser Weg führt zum Tod (Spr 12).

 

Ein weiser Sohn liebt Zucht, aber ein Spötter hört selbst auf Drohen nicht. Wer seine Zunge hütet, bewahrt sein Leben, wer aber mit seinem Maul herausfährt, über den kommt Verderben. Der Faule begehrt und kriegt es doch nicht, aber die Fleißigen kriegen genug. Mancher stellt sich reich und hat nichts, und mancher stellt sich arm und hat großes Gut. Unter den Übermütigen ist immer Streit, aber Weisheit ist bei denen, die sich raten lassen. Hastig errafftes Gut zerrinnt, wer aber ruhig sammelt, bekommt immer mehr. Wer mit den Weisen umgeht, der wird weise, wer aber der Geselle der Toten ist, der wird Unglück haben. Unheil verfolgt die Sünder, aber den Gerechten wird mit Gutem vergolten. Wer seine Rute schont, der haßt seinen Sohn, wer ihn aber liebhat, der züchtigt ihn beizeiten (Spr 13).

Die Weisheit der Frauen baut ihr Haus, aber ihr Torheit reißt es nieder mit eigenen Händen. Wer den Herrn fürchtet, der wandelt auf rechter Bahn, wer ihn aber verachtet, der geht auf Abwegen. Ein Jähzorniger handelt töricht, aber ein Ränkeschmied wird gehaßt. Die Unverständigen erben Torheit, aber Erkenntnis ist die Krone der Klugen. Wer den Herrn fürchtet, der hat eine sichere Festung, und auch seine Kinder werden beschirmt. Die Furcht des Herrn ist eine Quelle des Lebens, daß man meide die Stricke des Todes. Gerechtigkeit erhöhet ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben (Spr 14).

Ein heilsame Zunge ist ein Baum des Lebens, aber eine lügenhafte bringt Herzeleid. Der Tor verschmäht die Zucht seines Vaters, wer aber Zurechtweisung annimmt, ist klug. In dem Haus des Gerechten ist großes Gut, aber in dem Gewinn des Gottlosen steckt Verderben. Der Weisen Mund breitet Einsicht aus, aber das Herz der Toren ist nicht recht. Das Opfer der Gottlosen ist dem Herrn ein Greuel, aber das Gebet der Frommen ist ihm wohlgefällig. Ein fröhliches Herz macht ein fröhliches Angesicht, aber wenn das Herz bekümmert ist, entfällt auch der Mut. Ein Betrübter hat nie einen guten Tag, aber ein guter Mut ist ein tägliches Fest. Ein weiser Sohn erfreut den Vater, aber ein törichter Mensch verachtet seine Mutter. Dem Toren ist die Torheit eine Freude, aber ein verständiger Mann bleibt auf dem rechten Weg. Es ist einem Mann eine Freude, wenn er richtig antwortet, und wie wohl tut ein Wort zur rechten Zeit. Der Herr ist fern von den Gottlosen, aber das Gebet der Gerechten erhört er. Ein freundliches Gesicht erfreut das Herz, eine gute Botschaft stärkt den ganzen Menschen (Spr 15).

 

Salomos Lehren: Zweite Sammlung Sprüche 15,32 - 22,16:

Der Mensch setzt es sich wohl vor im Herzen, aber vom Herrn kommt, was die Zunge reden soll. Einem jeden scheinen seine Wege rein zu sein, aber der Herr prüft die Geister. Befiehl dem Herrn deine Werke, so wird dein Vorhaben gelingen. Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr allein lenkt seinen Schritt. Weisheit erwerben ist besser als Gold, und Einsicht erwerben ist edler als Silber. Der Frommen Weg meidet das Arge, und wer seinen Weg achtet, bewahrt sein Leben. Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall. Besser niedrig seinen Gemüts sein mit den Demütigen, als Beute austeilen mit den Hoffärtigen. Des Weisen Herz redet klug und mehrt auf seinen Lippen die Lehre. Freundliche Reden sind Honig, trösten die Seele und erfrischen die Knochen.

Manchem scheint ein Weg recht, aber zuletzt bringt er ihn zum Tode (Spr 16).

 

Besser ein trockener Bissen mit Frieden als ein Haus voll Geschlachtetem mit Streit. Ein kluger Knecht wird herrschen über einen schandbaren Sohn und wird mit seinen Brüdern das Erbe teilen. Wie der Tiegel das Silber und der Ofen das Gold, also prüft der Herr die Herzen. Ein Böser achtet auf böse Mäuler, und ein Falscher hört gern auf schädliche Zungen.

Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer, und wer sich über eines andern Unglück freut, der wird nicht ungestraft bleiben.  Der Alten Krone sind Kindeskinder, und die Ehre der Kinder sind ihre Väter. Es ist besser, einer Bärin begegnen, der die Jungen geraubt sind, als einem Toren in seiner Torheit.  Wer Gutes mit Bösem vergilt, von dessen Haus wird das Böse nicht weichen. Was soll Geld in der Hand eines Toren, der damit Weisheit kaufen will, wo er doch ohne Verstand ist? Ein Freund liebt allezeit, aber ein Bruder wird für die Not geboren. Ein verkehrtes Herz findet nichts Gutes, und wer verkehrter Zunge ist, wird in Unglück fallen. Ein fröhliches Herz tut dem Leib wohl, aber ein betrübtes Gemüt läßt die Knochen vertrocknen. Ein törichter Sohn ist ein Verdruß für seinen Vater und ein Gram für die Mutter, die ihn geboren hat (Spr 17).

Der Name des Herrn ist eine feste Burg, der Gerechte läuft dorthin und wird beschirmt. Die Habe des Reichen ist ihm eine feste Stadt und scheint wie eine hohe Mauer zu sein. Wenn einer zugrunde gehen soll, wird sein Herz zuvor stolz, und ehe man zu Ehren kommt, muß man demütig sein. Wer antwortet ehe er hört, dem ist es Torheit und Schande. Wer ein mutiges Herz hat, weiß sich auch im Leiden zu halten. Wenn aber der Mut darniederliegt, wer kann es tragen? Ein verständiges Herz erwirbt Einsicht, und das Ohr der Weisen sucht Erkenntnis (Spr 18).

Ein Armer, der in Unschuld lebt, ist besser als einer, der Verkehrtes spricht und dabei reich ist. Wo man nicht mit Vernunft handelt, da ist auch Eifer nichts nütze,  und wer hastig läuft, der tritt falsch. Die Torheit des Menschen führt ihn in die Irre Weg, und doch tobt sein Herz gegen seinen Herrn. Reichtum macht viele Freunde, aber der Arme wird von seinen Freunden verlassen. Klugheit macht den Mann langsam zum Zorn, und es ist seine Ehre, daß er Verfehlung übersehen kann. Wer sich über den Armen erbarmt, der leiht dem Herrn, und der wird ihm vergelten, was er Gutes getan hat. Züchtige deinen Sohn, solange Hoffnung da ist, aber laß dich nicht dazu hinreißen, ihn zu töten. Wer den Vater mißhandelt und die Mutter verjagt, der ist ein schandbarer und verfluchter Sohn. Läßt du ab, mein Sohn, auf Ermahnung zu hören, so irrst du ab von vernünftiger Lehre (Spr 19).

Der Wein macht Spötter und starkes Getränk macht wild. Wer davon taumelt, wird niemals weise. Das Vorhaben im Herzen eines Mannes ist wie ein tiefes Wasser, aber ein kluger Mann kann es schöpfen. Viele Menschen rühmen ihre Güte, aber wer findet einen, der zuverlässig ist? Ein Gerechter, der unsträflich lebt, dessen Kindern wird es wohl gehen. Das gestohlene Brot schmeckt dem Manne gut, aber am Ende hat er den Mund voll Kieselsteine. Wer seinem Vater und seiner Mutter flucht, dessen Leuchte wird verlöschen in der Dunkelheit. Das Erbe, nach dem man zuerst sehr eilt. wird zuletzt nicht gesegnet sein. Die Ehre der Jünglinge ist ihre Stärke, und graues Haar ist der Schmuck der Alten. Man muß dem Bösen wehren mit harter Strafe und mit ernsten Schlägen, die man fühlt (Spr 20).

Einem jeden scheint sein Weg recht zu sein, aber der Herr prüft die Herzen. Recht und Gerechtigkeit zu tun ist dem Herrn lieber als Opfer. Wer Schätze sammelt mit Lügen, der wird fehl gehen und ist unter denen, die den Tod suchen.  Der Gottlosen Gewalt rafft sie selber hinweg, denn sie wollten nicht tun, was recht war. Wer mit Schuld beladen ist, geht krumme Wege, wer aber rein ist, dessen Tun ist gerade. Es ist besser im Winkel auf dem Dach zu wohnen, als bei einer zänkischen Frau zusammen in einem Haus. Wer seine Ohren verstopft vor dem Schreien des Armen, der wird einst rufen, und nicht erhört werden. Eine heimliche Gabe stillt den Zorn, und ein Geschenk im Verborgenen ist den heftigen Grimm. Dem Gerechten ist es eine Freude, wenn Recht geschieht, aber den Übeltätern ist es ein Schrecken.

Ein Mensch, der vom Weg der Klugheit abgeht, wird bleiben in der Schar der Toten.

Wer gern in Freuden lebt, wird Mangeln haben, und wer Wein und Salböl liebt, wird nicht reich. Wer der Gerechtigkeit und Güte nachjagt, der findet Leben  und Ehre. Ein Weiser ersteigt die Stadt der Starken und stürzt ihre Macht, auf die er sich verläßt. Wer Mund und Zunge bewahrt, bewahrt sein Leben vor Not (Spr 21).

Ein guter Ruf ist köstlicher denn großer Reichtum, und anziehendes Wesen besser als Silber und Gold. Reiche und Arme begegnen einander, der Herr hat sie alle gemacht. Der Kluge sieht das Unglück kommen und verbirgt sich, die Unverständigen laufen weiter und erleiden Schaden. Der Lohn der Demut und der Furcht des Herrn ist Reichtum, Ehre und Leben. Gewöhne den Jungen an seinen Weg, so läßt er nicht davon, wenn er alt wird. Wer Unrecht sät, der wird Unglück ernten. Wer ein gütiges Auge hat, wird gesegnet, denn er gibt von seinem Brot den Armen (Spr 22).

 

Dritte Sammlung, nach dem ägyptischen Weisheitsbuch „Amenemope“

(Spr 22,17-24,34):

Neige deine Ohren und höre die Worte der Weisen und nimm zu Herzen meine Lehre. Beraube den Armen nicht, weil er wohl arm ist, und unterdrücke den Geringsten nicht im Gericht, denn der Herr wird ihre Sache führen und wird ihre Bedrücker unterdrücken. Geselle dich nicht zum Zornigen und halte dich nicht zu einem wütenden Mann, du könntest auf seinen Weg geraten und dich selbst zu Fall bringen. Sei nicht einer von denen, die ihrer Hand haften und für Schulden ein Bürge werden, denn wenn du nicht bezahlen kannst, so wird man dir dein Bett unter dir wegnehmen. Verrücke nicht die uralten Grenzen, die deine Väter gemacht haben.

Bemühe dich nicht, reich zu werden; da spare deine Klugheit. Du richtest deine Augen auf Reichtum, und er ist nicht mehr da, denn er macht sich Flügel wie ein Adler und fliegt in den Himmel. Rede nicht vor den Ohren des Unverständigen, denn er verachtet die Klugheit deiner Rede. Laß nicht ab, den Jungen zu züchtigen, denn wenn du ihn mit der Rute schlägst, wird er sein Leben behalten: Du schlägst ihn mit der Rute,  aber du errettest ihn vom Tod. Mein Sohn, wenn dein Herz weise ist, so freut sich auch mein Herz, und meine Seele  ist froh, wenn deine Lippen reden, was recht ist.

Dein Herz sei nicht neidisch  auf den Sünder, sondern trachte täglich nach der Furcht des Herrn. Sei nicht unter den Säufern und Schlemmern, wenn die Säufer und Schlemmer verarmen, und ein Schläfer muß zerrissene Kleider tragen. Gehorche deinem Vater, der dich gezeugt hat, und verachte deine Mutter nicht, wenn sie alt wird. Kaufe Wahrheit, und verkaufe sie nicht, die Weisheit, die Zucht und die Einsicht. Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und laß deinen Augen meine Wege wohl gefallen. Siehe den Wein nicht an, wie er so rot ist und im Glase so schön steht: Er geht glatt ein, aber danach beißt er wie eine Schlange und sticht wie eine Otter.

Sei nicht neidisch auf böse Menschen und wünsche nicht, bei ihnen zu sein, denn ihr Herz trachte nach Gewalt, und ihre Lippen raten zu Unglück. Durch Weisheit wird ein Haus gebaut und durch Verstand erhalten. Laure nicht als Gottloser auf das Haus des Gerechten, zerstöre seine Wohnung nicht, denn ein Gerechter fällt siebenmal und steht wieder auf, aber die Gottlosen versinken im Unglück. Freue dich nicht über den Fall deines Feindes, und dein Herz sei nicht froh über seinem Unglück. Der Herr könnte es sehen und Mißfallen daran haben und seinen Zorn von ihm wenden.

Reg dich nicht auf, wenn es bösen Menschen gut geht, beneide sie nicht; denn ihr Glück ist nicht von Dauer, es erlischt wie eine Öllampe. Mein Sohn, fürchte den Herrn und den König und menge dich nicht unter die Aufrührer. Eine offene, ehrliche Antwort ist ein Zeichen wahrer Freundschaft (Spr 22,17-24,34).

 

Vierte Sammlung, die auf die „Männer Hiskias“ zurück geht (Spr 25,1-29,27):

Dies sind auch Sprüche Salomos, die gesammelt haben die Männer Hiskias, des Königs in Juda. Es ist Gottes Ehre, eine Sache verbergen, aber die Ehre der Könige ist es, eine Sache zu erforschen. Prange nicht vor dem König und stelle dich nicht zu den Großen, denn es ist besser, daß man zu dir sage: Tritt hier herauf! als daß du erniedrigt wirst vor einem Edlen, den deine Augen gesehen haben.

Laufe nicht zu schnell vor Gericht, denn was willst du zuletzt machen, wenn dich dein Mitmensch beschämt? Trage deine Sache mit deinem Nächsten aus, aber verrate nicht das Geheimnis eines andern, damit nicht übel von dir spreche, der es hört, und dann das böse Gerücht über dich nicht aufhört. Ein Wort geredet zu seiner Zeit, ist wie ein goldener Apfel auf silbernen Schalen.

Wer Geschenke verspricht und hält es nicht, der ist wie Wolken und Wind ohne Regen. Wer gegen seinen Mitmenschen falsches Zeugnis redet, der ist wie ein Streithammer, Schwert und scharfer Pfeil. Hungert deinen Feind, so speise ihn mit Brot, dürstet ihn, so tränke ihn mit Wasser, denn du wirst feurige Kohlen auf sein Haupt häufen, und der Herr wird es dir vergelten.

Antworte dem Toren nicht nach seiner Torheit, daß du ihm nicht gleich werdest. Antworte aber dem Toten nach seiner Torheit, daß er sich nicht für weise hält. Ein Fauler wendet sich im Bette wie die Tür in der Angel. Der Faule steckt seine Hand in die Schüssel, und es wird ihm sauer, daß er sie zum Munde bringt. Ein Fauler hält sich für weiser als sieben andere, die wissen, verständig zu antworten. Wer eine Grube macht, der wird hineinfallen, und wer einen Stein wälzt, auf den wird er zurückkommen.

Rühme dich nicht des morgigen Tags, denn du weißt nicht, was der Tag bringt. Laß dich von einen andern loben, und nicht von deinem Mund, von einem Fremden, und nicht von deinen eigenen Lippen. Wer seinen Feigenbaum pflegt, der ißt Früchte davon, und wer seinem Herrn treu dient, wird geehrt. Wie sich im Wasser das Angesicht spiegelt, so ein Mensch im Herz eines andern.

Der Gottlose flieht, auch wenn niemand ihn jagt. Der Gerechte aber ist furchtlos wie ein junger Löwe. Böse Leute verstehen nichts vom Recht. Die aber nach dem Herrn fragen, verstehen alles. Besser ein Armer, der unsträflich lebt, als ein Reicher, der auf verkehrten Wegen geht. Wenn die Gerechten Oberhand haben, so ist eine herrliche Zeit, wenn aber die  Gottlosen hochkommen, verbergen sich die Leute.

Wer seinen Acker bebaut, wird Brot genug haben, wer aber nichtigen Dingen nachgeht, wird Armut genug haben. Ein treuer Mann wird von vielen gesegnet, wer aber eilt, reich zu werden, wird nicht unschuldig bleiben. Wer sich auf seinen Verstand verläßt, ist ein Tor,  wer aber in der Weisheit geht, wird entrinnen. Wer dem Armen gibt, dem wird nichts mangeln, wer aber seine Augen abwendet, der wird von vielen verflucht.

Wenn der Gerechten viel sind, freut sich das Volk, wenn aber der Gottlose herrscht, seufzt das Volk. Der Gerechte weiß um die Sache der Armen, der Gottlose aber weiß gar nichts. Wo viele Gottlose sind, da ist viel Sünde,  aber die Gerechten werden ihren Fall erleben. Wo keine Offenbarung ist, wird das Volk wild und wüst, aber wohl dem, der auf die Weisung achtet (Spr 25,1-29,27).

 

Anhänge: „Worte Agurs“, „Die Worte Lemuels“, „Lob der guten Ehefrau“

(Spr 30,1-31,31):

Dies sind die Worte Agurs, des Sohnes des Jake: Es spricht der Mann: Ich habe mich gemüht, o Gott, ich habe mich gemüht, o Gott, und muß davon lassen, denn ich bin der Allertörichste, und Menschenverstand habe ich nicht. Weisheit habe ich nicht gelernt, und Erkenntnis des Heiligen habe ich nicht. 

Wer ist hinaufgefahren in den Himmel und wieder herab? Wer hat den Wind in seine Hände gefaßt? Wer die Wasser in sein Kleid gebunden? Wer hat alle Enden der Welt bestimmt? Wie heißt er? Und wie heißt sein Sohn? Weißt du das? Alle Worte Gottes sind durchläutert, er ist ein Schild denen, die auf ihn trauen. Tue nichts zu den Worten Gottes hinzu, daß er dich nicht zur Rechenschaft ziehe und du als Lügner dastehst. Zweierlei bitte ich von dir, das wollest du mir nicht verweigern, ehe ich sterbe: Falschheit und Lüge laß fern von mir sein, Armut und Reichtum gib mir nicht, laß mich aber mein Teil Speise nehmen, das du mir beschieden hast. Ich könnte sonst, wenn ich zu satt würde, verleugnen und sagen: Wer ist der Herr? Oder wenn ich zu arm würde, möchte ich stehlen und mich an dem Namen meines Gottes vergreifen (Spr 30).

Dies sind die Worte des Königs Lamuel, die Lehre, die ihn seine Mutter lehrte: Was mein Auserwählter, mein Sohn, soll ich dir sagen? Laß nicht den Frauen deine Kraft und gehe nicht die Wege, auf denen sich die Könige verderben! Nicht den Königen ziemt es, Wein zu trinken, noch den Fürsten starkes Getränk! Sie könnten beim Trinken das Rechte vergessen und verdrehen die Sache aller elenden Leute. Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Tu deinen Mund auf und richte in Gerechtigkeit und schaffe Recht den Elenden und Armen.

Lob der tüchtigen Hausfrau: Wem eine tüchtige Frau beschert ist, die ist viel edler als die köstlichsten Perlen. Ihres Mannes Herz darf sich auf sie verlassen, und Nahrung wird ihm nicht mangeln. Sie tut ihm Liebes und kein Leid ihr Leben lang….(Spr 31).